András Schiff

Dreiklang
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Ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, dass die Person nicht besonders stolz darauf gewesen sein könnte, das Konzert durch die Hustgeräusche zu stören, sondern dass sie einfach husten musste? Hier wird in manchen Fällen geradezu Boshaftigkeit unterstellt.

Es gibt verschiedene "Husterer": zum Beispiel sich verschlucken, dann so ein "Reflex-Husten", der so schnell kommt, daß man ihn selbst nicht stoppen kann. Und dann den absichtlichen-Atemweg-freimache-Husten, laut und ungeniert. Was ich an Konzerthusterern bisher so hörte, fiel m.E. zumeist in die letzte Kategorie - und das kann man eigentlich unterdrücken, oder leiser ablaufen lassen u.a..

Aber wie gesagt: ein Live-Konzert ist ein Live-Konzert ist ein Live-Konzert...

...weißt du, ob auf den Handys nicht gerade höchstrelevant Koalitionaverhandlungsdetails übermittelt wurden, die wichtiger sind als als Feierabendbeschallungen? ...wie kannst du es wagen, dich ironisch über das Klingeln eines Mobiltelefons zu echauffieren...
Tue Buße!

das waren sicher viel wichtigere Dinge ;)
Teen-SMS: "stell dir vor der karsten hat gestern wieder mit der trixie rumgeknutscht. ich bin so wuetend!!!!!! Ich muß sofort mit Dir reden!!!!" :D:D:D

Trotzdem halte ich solche "Happy hour"-Konzerte auch für eine gute Idee. Man braucht sich aber auch nicht wundern, wenn es ein wenig "happy" da dann zugeht, seitens des Publikums.
 
LMG
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Grüne Banane? Ne, schmeckt nicht! Ich mag sie lieber reif :D. Außerdem habe ich mit Alkohol nix am Hut - außer mit Wein, aber das ist ja kein Alkohol sondern Trinkkultur .

Der grüne Sirup mit dubiosen Inhaltsstoffen (die verschaffen aber Ruhe vor den Symptomen, besonders zur Nacht) ist von der Firma, die auch Waschmittel herstellt und das englische Wort für "Glückspiel" im Firmennamen trägt. Die verdienen genug Geld an dem Zeug, daher werde ich den Namen des Sirups hier nicht nennen. Die Firma rühmt sich mit dem aus vier Buchstaben bestehenden Produkt (Kamellen, Sirup, Saft) weltweit die Nr. 1 zu sein. Andererseits: Wenn das Schule macht den Saft vor einem Konzert zu trinken wird in Konzerten sicherlich deutlich weniger gehustet, geniest und geschnieft. Das wäre doch mal ein Werbeslogan für den Hersteller.

Hey, Olli, sag nicht Du weißt nicht welches klebrige grüne Zeug ich meine... :shock:


Dooch, Mar, jetzt weiß ich es. Dankää *g* Ich wusste aber nicht ( mehr ) , dass das Zeug GRÜN war, und auch den OBERKONZERN musste ich erst nachprüfen ;)

Wenn kein Alkohol darin ist, wäre es aber doch ein Schritt in die richtige ( ? ) Richtung ... denn betrachten wir z.B. ein anderes gutes, ehrliches Produkt, wie Klosterfrau Melassengeist, so haben sich damit schon bestimmt einige lustige Feten bei unseren Altvorderen ergeben, wenn bzw. WEIL die Kinder und Schwiegerkinder auch ansonsten aufpassten, dass die Älteren nicht über die Stränge schlagen sollten... ;)

@ Dreiklang: LOL, @ TEEN-SMS !


Hast Du nicht Ansprechpartner und Absender vergessen ?

...Ich muß sofort mit Dir reden, liebster Jimmy! - Dein Detlääf -

*ggg*

LG, Olli !
 
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Marlene
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Wenn kein Alkohol darin ist, wäre es aber doch ein Schritt in die richtige ( ? ) Richtung ... denn betrachten wir z.B. ein anderes gutes, ehrliches Produkt, ....

Das Zeug ist nicht richtig, und was ich vor dem Konzert damit gemacht habe (nämlich davon einen Schluck zur Brust zu nehmen) war auch nicht toll, aber es wirkt (kein Husten im Konzert :)) und beschert einem eine ruhige Nacht.

Alleine zu lesen was drin steckt in dem grünen Sirup :shock::

Paracetamol ist ein schmerzstillender und fiebersenkender Arzneistoff. Er hemmt die Produktion von Prostaglandinen, wichtigen Botenstoffen bei Schmerz- und Entzündungsreaktionen. Paracetamol hemmt die Prostaglandin-Produktion vorrangig im Gehirn und weniger im Körpergewebe - es besitzt daher kaum entzündungshemmende Eigenschaften. Die fiebersenkende Wirkung kommt durch eine Beeinflussung des Temperaturregelzentrums im Gehirn zu Stande. Bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten senkt Paracetamol das Fieber und lindert Kopf- und Gliederschmerzen.

Dextromethorphan stammt vom Arzneistoff Morphin ab und ist ein Antitussivum: Es wirkt hustenreizstillend bei trockenem Reizhusten. Dabei findet die Wirkung nicht in den Bronchien statt, sondern im Gehirn. Durch Hemmung des Hustenzentrums im Stammhirn unterdrückt Dextromethorphan den Hustenreiz und vermindert die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen.

Ephedrin zählt zur großen Gruppe der Sympathomimetika - Arzneistoffe mit adrenalinähnlicher Wirkung. Ephedrin lindert die Beschwerden bei Schnupfen: Es wirkt gefäßverengend auf die Blutgefäße der Schleimhäute und fördert so das Abschwellen der Nasenschleimhaut. Zusätzlich hat es eine anregende Wirkung auf Herz und Kreislauf.

Doxylamin gehört zu einer Gruppe von Arzneistoffen, die die Wirkung von Histamin im Körper abschwächen oder aufheben (Antihistaminika). Doxylamin wirkt dem Anschwellen der Schleimhäute bei allergischen und entzündlichen Erkrankungen von Nasenschleimhaut und Bronchien entgegen. Die beruhigende Wirkung, die viele Antihistaminika besitzen, ist bei Doxylamin so stark ausgeprägt, dass er daneben als Beruhigungs- und Schlafmittel dient.

Aber ich wollte ja nicht schlafen, sondern ein hustenfreies Konzert genießen. Leider geht es mir aber schlechter und ich renne seit Tagen mit dem Kopf unter’m Arm umher - na, das Übliche: Kopf-, Nacken- und Gliederschmerzen, die einem das Klavier spielen zur Qual machen (aber die Nächte sind ruhig :D).

Ein ehrliches Produkt? Also ganz ehrlich: Wenn man es in der Apotheke kauft, dann kostet ein Liter EUR 91,50. In der Online-Apotheke immerhin noch EUR 45,50.

Wer weiß, seit langem gibt es ja in der Philharmonie Körbchen mit den eckigen Kräuterbonbons. Vielleicht werden demnächst kleine Fläschchen mit grünem Sirup ausgelegt – dann würde jeglichem Husten im Konzert Einhalt geboten. Und dem Gezappel im Gestühl, den oben lesen wir: "Die beruhigende Wirkung, die viele Antihistaminika besitzen, ist bei Doxylamin so stark ausgeprägt, dass er daneben als Beruhigungs- und Schlafmittel dient".

Also ein gruseliger Cocktail! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie....
 
L
LARgAdagio
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Hmmmmmm, wenn mir das Klavierspielen ne Qual wäre dann würde ich es lassen. Bringt doch nichts... :shock:
 
Marlene
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Betörende Klänge...

Im „Wetzikon-Thema“ war dies zu lesen:

Eben, weil in den meisten Konzertsälen ein Steinway steht und er dieses gezwungenermassen spielen muss. Somit hat er „Steinway Globalisierung“ erwähnt.

Muss er nicht! "Er" ist András Schiff.

In den Jahren 2012 und 2013 (Schiff hat alle Beethoven-Sonaten gespielt) war ich beim Beethoven-Fest in Bonn. Dort habe ich keinen Steinway auf der Bühne der Beethovenhalle gesehen (welch eine Genugtuung!). Und am 4. und 5. Februar 2014 in der Kölner Philharmonie habe ich auch keinen Steinway gesehen (wie schön!). Denn Herr Schiff hat an seinem eigenen C. Bechstein, Baujahr 1921, gesessen.

Bei den beiden letztgenannten Konzerten handelte es sich um die „Mozartnächte“ und in der Tat wurde es besonders am zweiten Abend mit András Schiff und seiner Capella Andrea Barca ein fast nächtliches Konzert. Aber dazu später mehr.

Der erste Abend begann damit, dass der Intendant der Philharmonie die Bühne betrat und sich im Publikum bange Erwartung breitmachte. Wer ist erkrankt? Gar Herr Schiff und das Konzert kann nicht stattfinden? Weit gefehlt. Niemand ist erkrankt, beruhigte Louwrens Langevoort die Besucher. Aber man möge die schöne Musik doch bitte still genießen, die Handys abschalten und das Husten während der Darbietungen möglichst unterlassen. Ich hätte den Mann umarmen können!

Und dann begann ein Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Herr Schiff und seine Musiker haben die Zuhörer mit KV 449 bis 453, alle aus dem Jahr 1784 (wie auch die am nächsten Abend folgenden) über die Maßen erfreut. Es war ein herausragendes Jahr für Mozart als er 1784 in kürzester Zeit wundervolle Klavierkonzerte komponierte.

Ich konnte mich eines Gedankens an Dreiklang nicht erwehren. Die schönste CD im heimischen Sessel sitzend anzuhören kann nichts von den Ereignissen auf der Bühne vermitteln, nicht einmal den Klang so wie er von der Bühne ans Ohr dringt. Allen voran hat mich Herr Schiff überrascht. Am Klavier besonnen und relativ ruhig agierend hat er sich beim Dirigieren so sehr von der Musik mitreißen lassen, dass er mit lebhaftem Dirigat die Musiker zu betörenden Klängen motiviert hat. Einer der beiden Bässe, ein älterer Herr mit Rauschebart, hat sich elegant mit der Musik mitbewegt was sein Alter plötzlich völlig vergessen gemacht hat. Die Spielfreude aller Musiker, deutlich an deren Mimik und Körpersprache wahrnehmbar, ließ den Funken ins Publikum überspringen. Keine CD, kein YT-Video vermag dies zu vermitteln.

Aber dann: In Block D der sehr leise Klang eines Handys und mein Blick fest auf Herrn Schiff geheftet, der keine 10 Meter von mir entfernt gesessen hat. Zum Glück hat Herr Schiff das Handy nicht gehört. Nicht an diesem Abend...

Um 23:00 h war das erste Konzert der Mozartnächte beendet und rundherum konnte ich in glückliche Gesichter schauen. Mir hat es sehr gut gefallen, vielleicht auch deshalb, weil mir nicht nur diese beiden Werke in Es-Dur gezeigt haben, dass mir diese Tonart offensichtlich besonders "liegt" – und zu meinem Erstaunen auch das Quintett KV 452. Es war wundervoll und meine Furcht (aktivierter Tinnitus) vor Oboe und Klarinette waren völlig unbegründet. Beseelt von wundervollen Klängen habe ich den Heimweg angetreten.

Der folgende Abend verlief völlig anders. Er begann zwar erneut mit der Ansage des Intendanten aber leider waren Besucher im Konzertsaal die diese Worte nicht wahrgenommen haben. Es gab deutlich mehr Huster als am Vortag und beim Klavierkonzert KV 456 musste jemand niesen. Das dabei zu vernehmende Geräusch ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass mit der Luft noch andere Dinge die Nase verlassen haben. Herr Schiff hat während des Spielens kopfschüttelnd und mit einer Bemerkung auf diese Geräuschkulisse reagiert was bei den Musikern und einigen Besuchern ein Schmunzeln verursacht hat. Dann war erstmal Ruhe im Auditorium.

Nach der Pause ging neben mir eine Frau mit halb gefülltem Weinglas in den Konzertsaal. Aufgrund meiner Sorge, was passieren würde, wenn das Weinglas während des Konzerts (um)fallen sollte, habe ich die Frau auf die möglichen Folgen hin angesprochen. Ihre Antwort: „Ich kann das nicht so schnell auf Ex trinken“. Weil weder essen noch trinken im Konzertsaal erlaubt ist wurde die Frau dann von einer der Mitarbeiterinnen der Philharmonie gesehen und gestoppt.

Während der wundervollen Klänge des langsamen Satzes der c-moll Sonate KV 457 ist es dann passiert. Wieder aus Block D und wieder das gleiche Handy wie am Vortag. Aber diesmal schwoll der Klang immer stärker an und drang an Herr Schiffs Ohr was in nachvollziehbare Unmutsbezeugungen mündete. Weil er dann die Sonate wieder am Anfang begonnen hat nahm ich teil an meinem wohl längsten Konzertabend in der Philharmonie. Er hat bis 23:30 h gedauert.

Bei einigen Werken standen Noten auf dem Notenpult, die Herr Schiff aber keines Blickes gewürdigt hat. Es fasziniert mich immer aufs Neue, wenn Pianisten so viele Stücke auswendig spielen können. Beim Beethovenfest hat Herr Schiff z.B. alle Beethoven-Sonaten ohne Noten gespielt.

Aber vielleicht wäre es schöner nicht fünf bzw. sechs Werke Mozarts hintereinander aufzuführen sondern aus den beiden „Mozartnächten“ drei Konzerte zu machen. Man könnte sich vielleicht noch besser auf die Musik einlassen.

Fazit: András Schiff hat mir mit seinen Musikern zwei wundervolle Abende beschert und mich Mozart, mit dessen Musik ich bis zu diesen Konzerten ein wenig gefremdelt habe, sehr viel näher gebracht.

Wer Herrn Schiff noch nie auf einer Bühne erlebt hat (ich spreche hier auch Dreiklang an, dem Mick und ich ja schon Grigory Sokolov wärmstens empfohlen haben) kann ich nur dringend empfehlen dies unbedingt nachzuholen wenn sich die Gelegenheit ergeben sollte.
 
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Dreiklang
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Hallo Marlene,

ein schöner Bericht.

Aber man möge die schöne Musik doch bitte still genießen, die Handys abschalten und das Husten während der Darbietungen möglichst unterlassen. Ich hätte den Mann umarmen können!

Vielleicht kann eine Durchsage dieser Art ja zum Standard vor einem jeden Konzert werden. Ich fände das äußerst sinnvoll. Ich glaube, es kann nicht schaden, wenn die Leute jedesmal wieder auf's neue daran erinnert werden.

Und keine Sorge... früher oder später werde ich ein Konzert von Schiff besuchen. Er läuft mir ja nicht weg ;)
 
Marlene
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pianovirus
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War jemand von den Wienern gestern abend bei Andras Schiff????

Wenn das stimmt, was ich gehört habe, dann hat er gestern tatsächlich, nach fünf Beethoven-Sonaten, eine Zugabe gespielt, und zwar nicht irgendeine....Diabelli-Variationen...vollständig....eine Stunde....
 

Dreiklang
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Habe heute folgendes gefunden bzw. gehört:


Zwei Stunden Bach - und in keiner Sekunde davon wurde mir auch nur ansatzweise langweilig.

Ich würde sagen, dieses Konzert macht Geschichte als ein Meilenstein der Bach-Interpretation. Mit diesem Konzert schreibt sich András Schiff in die Liste der größten Bach-Interpreten ein, und er hat ein Konzert geschaffen, das unter den größten Konzerten aller Zeiten seinen Platz findet.

Natürlich, wie immer, meine unverbindliche Meinung.
__

Wieder einmal zeigt sich, meines Erachtens, wie wichtig Youtube mittlerweile in der Beurteilung und im Schaffen von Pianisten und sonstigen Musikern ist (und auch, welche Edelsteine man dort finden kann). Die Diskografie allein anzuschauen genügt nicht. In Fernsehaufnahmen kann es durchaus beeindruckendere Konzerte geben als auf CD oder DVD - selbst identischer Werke. Vieles hängt eben von Faktoren wie Orchester, Dirigenten, Tagesform usw. ab.

Viel Spaß beim (Rein-)hören wünscht
Dreiklang

p.s. @Marlene, Dich wird das besonders freuen, denke ich - da ich mich zuvor eher negativ zu Schiff geäußert habe. Dieses Konzert hat da einiges bei mir verändert ;)
 
Marlene
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Dreiklang
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Liebe Marlene,
Chris, Du scheinst Dich in einem musikalischen Wandlungsprozess zu befinden (Besuch eines Klavierkonzerts - hoffentlich folgen noch viele, Zustimmung zu András Schiffs pianistische Fähigkeiten...)
ich hoffe, keiner von uns betrachtet seine (musikalische) Entwicklung als abgeschlossen. Auch ich tue das nicht.

Viele Grüße.
 
LeckerKlavierSpielen
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Darf man im Konzert etwa nicht niesen? Wenn es doch sein muss?
Wie seht ihr das?

VG

Wutz.

Niesen lässt sich manchmal nicht unterdrücken. Aber es lässt sich herauszögern bis zu einer lauteren Stelle, und man kann möglichst leise Niesen. Schließlich sind Konzerte bei Weitem nicht die einzige Situation, wo es nicht angebracht ist, seinen Rotz mit lautem Trompeten durch den Raum zu blasen. Machen trotzdem immer wieder Leute, aber wer Anstand hat, sollte eigentlich "Übung" im leisen Niesen haben...

Zum Thema Husten: Ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, und vor 2 Wochen war es dann so weit. Ich saß neben einem Huster, beim Konzert von Martha Argerich und Lilya Zilberstein in der Philharmonie Essen. Hat mir den ganzen Abend versaut. Der Typ hat echt alle paar Minuten gehustet, das hätte ich nicht für möglich gehalten, dass es solche Leute gibt. Machte auch nicht den Eindruck, dass es ihm unangenehm wäre. Aber was mich noch viel mehr ärgerte, es schien mir nicht, als wären das unvermeidbare Huster. Könnte mich immer noch ärgern, wenn ich daran denke.
 
R
Rondo
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Ich hatte gestern abend in Baden-Baden die Freude, Andras Schiff (zum ersten Mal) live spielen zu hören. Er spielte ein reines Bach Programm, nämlich das Italienische Konzert, die Französische Ouvertüre und die Goldberg-Variationen. Einige der Bach-Aufnahmen Schiffs gehören zum engsten Kreis meiner Lieblingsaufnahmen, entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Gestern nun also das Live-Erlebnis. Es war fantastisch zu hören, wie Herr Schiff jede einzelne Stimme sanglich und in Artikulation und Dynamik schlüssig und konsequent gestaltet, was eine unerhörte Transparenz, Klarheit und Lebendigkeit bewirkt. All seine Verzierungen fügen sich aufs Wunderbarste in den Fluss der einzelnen Stimmen ein, ohne herauszustechen oder maniriert zu klingen. Und das alles ohne mit der Wimper zu zucken auch bei den schwierigsten Sätzen der Goldbergvariationen.

Ja, also die Goldbergvariationen - - - ungeheuer ergreifend war der Canon in der Quint (Variation 15), witzig das Quodlibet, spektakulär einige der virtuoseren Variationen gespielt. Nach den Variationen 10, 15 und 22 hat Herr Schiff jeweils eine etwas längere Atem-Pause gemacht - in diesen Momenten hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Am ergreifendsten für mich war die Variation 28, die an die Triller-Variation aus der Sonate op. 109 von Beethoven erinnert (Ich weiß nicht wirklich, ob Beethoven sich hier Bach zum Vorbild genommen hat). Herr Schiff hat diese Variation so ätherisch, geradezu überirdisch gespielt - es war wohl nicht ganz zufällig, dass dies Emotionen und Assoziationen hervorrief, die vergleichbar sind mit solchen, die man mit den späten Beethoven-Sonaten verbindet, zumindest hat es auf mich so gewirkt.

Ein besonderer Moment ist immer die Wiederkehr der Aria am Ende. Gestern natürlich auch wieder. Dazu mischte sich großes Bedauern, dass diese wundervolle Musik gleich ein Ende haben würde. Die letzte Wiederholung der Aria hat Andras Schiff wie eine (vielleicht ein bisschen wehmütige) Abschiedsgeste gespielt- auch das war zutiefst anrührend.

Als Zugabe hat er uns mit der Sonate op. 109 von Beethoven beschenkt.

So, das war nun wirklich zu viel und viel zu schwärmerischer Text, (aber: "Wes das Herz voll ist, ..." ). Ich habe gestern die schönste Musik gehört, die es gibt, gespielt von einem Pianisten, der es schafft dies zu vermitteln.
 
Fips7
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Ein besonderer Moment ist immer die Wiederkehr der Aria am Ende.
Diese Wiederkehr des Themas ist auch eine Parallele zwischen dem dritten Satz op. 109 und den Goldberg-Variationen.
Beethoven soll ja ein Exemplar der Goldberg-Variationen besessen haben, und vielleicht war das Ende der op. 109 eine Art Hommage an Bach.
Sehr passend also, dass Andras Schiff diese Sonate noch als Zugabe gespielt hat.
Ich höre Schiff übrigens auch bald in Wien, wo er die op. 109 im regulären Programm spielt. Wäre ja möglich, dass er dann die Goldberg-Variationen als Zugabe gibt...
:-)

Grüße von
Fips
 
Marlene
Marlene
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Vielen Dank, @Rondo, für diesen schönen Beitrag, den ich zweimal gelesen habe, so gut gefällt er mir.
 
 

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