Akkorde mit "Nachzügler"

Sesam

Sesam

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Huhu liebes Forum!

Ich habe ein kleines Problemchen: und zwar das gleichzeitige Erklingen aller Akkordtöne, insbesondere wenn ein paar schwarze Töne dabei sind. Meine Hand senkt sich zwar als Ganze nieder, das Gewicht ist schon gleichmäßig verteilt (bilde ich mir jedenfalls ein :cool:), aber durch die unterschiedliche Position der Finger, der eine mehr gestreckt, der andere mehr gebeugt usw., ist oft ein kleiner Ausreisser dabei. Also entweder kommt ein Ton zu früh oder ein anderer zu spät, es klingt manchmal einfach unrein. Ich experimentiere jetzt schon eine zeitlang herum, ohne abschließenden Erfolg.
Das Grundübel ist -glaube ich- dass bei weiten Akkordgriffen meine Hände so gespreizt und fest sind, dass die Elastizität fehlt, um sie in die Tasten zu graben. Das i-Tüpfelchen ist dann die Verspannung durch einen schnellen Wechsel von Griff zu Griff.... Alles in allem führt das trotz mengenmäßiger Volltönigkeit zu einem oftmals blassen Klang mit eben den oben beschriebenen Unregelmäßigkeiten.

Gibt es da einen Trick (ausser jahrzehntelanges Üben :-?) ?

Dankbar,
Sesam
 
rolf

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hallo,

leider gibt es keinen Wundertrick für das nicht eben seltene Problem der ungleichzeitigen Töne beim Akkorde spielen.

empfehlen kann ich Dir zweierlei, um das Gefühl für die Akkorde zu verbessern:

1. halte einen Akkord stumm im Tastenboden und beweg Deine Hand, Deinen Arm dabei (alles ganz weich und locker), so lange bis Du die für Deine Hand/Finger bequemste Haltung gefunden hast - - - dann probier loszulassen und mit der Absicht, genau das gleiche wieder zu fühlen, piano anschlagen und das Ergebnis anhören (das Anschlagen selber soll nicht stur von oben nach untern erfolgen, sondern so, als würdest Du in den Akkord hinein "anschieben" oder "schubsen" - - als eine Schub-Bewegung, die aus einem winzigen Streckimpuls des Arms kommt)

2. es ist äußerst nützlich, z.B. chromatisch aufwärts lauter Sextakkorde zu spielen (jeden drei- bis viermal anschlagen) und das so lange, bis sie blind gehen und sich sehr egal anhören.

man gewöhnt sich allmählich daran - aber wichtig ist, nicht mit vorher fixierten Fingern und starrem Handgelenk von oben auf die Tasten "schlagen"!

Gruß, Rolf
 
Mindenblues

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Rolf, insbesondere Tip1 finde ich sehr, sehr gut!
 
Nora

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Ich bin auch ganz begeistert. :p

Habe den Rat gerade mal ausprobiert, weil ich in dem Stück, das ich aktuell lerne, haargenau vor dem gleichen Problem wie Sesam stehe. Ich glaube, ich habe mit diesem Tipp gerade den für mich schwierigsten Akkord zum ersten Mal sauber angeschlagen. Bis das im laufenden Spiel gelingt dauert es sicher noch, aber jetzt habe ich wenigstens eine konkrete Übungsmethode.
 
Babsbara

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Wow, das ist auch für mich gerade sehr interessant. Ich habe eben (nach 2 Monaten) meine ersten Akkorde gelernt (C, G und F) und habe auch sofort die Erfahrung gemacht, dass der Anschlag alles andere als sauber und gleichmäßig ist. Nun bin ich schon der Meinung, dass es - ähnlich wie bei der Gitarre - vermutlich einiger Übezeit bedarf, bis man die Akkorde blind und locker wechseln kann, aber so ein toller Übetipp wie der von Rolf wird sicher sehr dabei helfen!

Vielen Dank und lG,
Babs
 
rolf

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hallo,

zwischendurch noch ein wie ich meine sehr hilfreicher Tipp:
TASTEN BERÜHREN bevor man sie anschlägt.

ein Akkord wie d-fis-a wird sich im Tastenboden nicht anders anfühlen, als exakt so, wie er sich anfühlt, wenn man ihn auf den noch nicht nach unten bewegten Tasten spürt.

also: stummes berühren der Griffe auf der Tastatur/Klaviatur - dann "anschieben" (das voraus berühren kann helfen, die Egalität im Anschlag zu programmieren) -- in der Luft, ohne Tastenkontakt, Akkorde "formen" kann man zwar auch, aber dazu bedarf es weit fortgeschrittener Erfahrung/Praxis.

Gruß, Rolf

---- das wäre dann Tipp Nr.3 (Nr.2 ist gewiss nichts anderes, als der Ansatz zu schematischen Trainingsweisen, und muss nicht notwendig gemacht werden - hilft aber dennoch, wenn man die dafür nötige Geduld hat, denn irgendwann bestätigt das die Sicherheit und man gerät in die Lage, problemos den Scherzosatz aus Beethovens C-Dur Sonate op.2 Nr.3 zu spielen, der ja sehr sehr viele rasche Sextakkorde hat)
 
Babsbara

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Danke für den Link zu dem anderen Faden, Guendola! Hast du dich denn inzwischen verbessert? Und was hat dir am meisten geholfen?

*neugierig*
Babs
 
Guendola

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Danke für den Link zu dem anderen Faden, Guendola! Hast du dich denn inzwischen verbessert? Und was hat dir am meisten geholfen?

*neugierig*
Babs
üben :)

Ich weiß nicht, was wirklich geholfen hat. Ich habe vieles versucht aber möglicherweise war es die Tatsache, daß ich mir dieses Klapperns bewußt war und es weghaben wollte. Viele Mehrklänge werden einfach dadurch sauber, daß man sie gut in den Ablauf des Stückes einbaut und auf harmonische Bewegungen achtet. Der eigentliche Schlüssel für Akkordspiel ist aber auch eine Technik, die ich in dem erwähnten Thread angesprochen habe.
 
Sesam

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Hallihallo!

Ich danke euch ganz herzlich für die einzelnen Übetipps!

Zitat von Rosenspieß:
gelassen bleiben und mit klarer Hörvorstellung (hier: Erklingen des Akkordanschlags aus einem Guß) immer wieder Akkorde und Akkordwechsel und vor allem mit Mut zum Fehler anschlagen. Dem Gehör solltest Du gestatten direkt zum Schaltzentrum für Deinen Hand- Finger- und Armbewegungen zu werden
Zitat von Guendola:
Ich weiß nicht, was wirklich geholfen hat. Ich habe vieles versucht aber möglicherweise war es die Tatsache, daß ich mir dieses Klapperns bewußt war und es weghaben wollte. Viele Mehrklänge werden einfach dadurch sauber, daß man sie gut in den Ablauf des Stückes einbaut und auf harmonische Bewegungen achtet.
in Kombination mit

Zitat von Rolf:
1. halte einen Akkord stumm im Tastenboden und beweg Deine Hand, Deinen Arm dabei (alles ganz weich und locker), so lange bis Du die für Deine Hand/Finger bequemste Haltung gefunden hast - - - dann probier loszulassen und mit der Absicht, genau das gleiche wieder zu fühlen, piano anschlagen und das Ergebnis anhören (das Anschlagen selber soll nicht stur von oben nach untern erfolgen, sondern so, als würdest Du in den Akkord hinein "anschieben" oder "schubsen" - - als eine Schub-Bewegung, die aus einem winzigen Streckimpuls des Arms kommt)

2. es ist äußerst nützlich, z.B. chromatisch aufwärts lauter Sextakkorde zu spielen (jeden drei- bis viermal anschlagen) und das so lange, bis sie blind gehen und sich sehr egal anhören.

man gewöhnt sich allmählich daran - aber wichtig ist, nicht mit vorher fixierten Fingern und starrem Handgelenk von oben auf die Tasten "schlagen"!

zwischendurch noch ein wie ich meine sehr hilfreicher Tipp:
TASTEN BERÜHREN bevor man sie anschlägt.
Ich glaube, ich habe verstanden! Und die "Herangehensweise" gefällt mir!
Gerade habe ich übrigens fesgestellt, dass ich bei hoher Konzentration und ganz intensiver (dennoch unverspannter) Klangvorstellung den Akkord intuitiv in die Tasten schiebe! Steht eher das Treffen- bzw. Greifenwollen und Zufassenkriegen im Vordergrund, dann kommt tatsächlich der Impuls von steil oben nach unten ohne jegliches Gefühl für die Tasten.

Ach, dieses Forum ist eine wahres Schatzkästchen :kuss:

Lieben Gruß und Danke nochmal,

Sesam
 
Mindenblues

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Sesam, ich glaube, die Lösung des Problems von klappernden Akkorden liegt schon dann ganz nahe, wenn man erst einmal das Problem ERKANNT hat.

Sobald man hört, dass da was klappert, versucht man instinktiv, irgendwas zu ändern, dass es nicht mehr klappert.

Will damit sagen, die Schärfung des Bewußtseins für dieses Klappern ist schon die halbe Miete, wahrscheinlich sogar 90% - soweit meine Privatmeinung.
 
 

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