Achtung Kinder im Publikum

Die unruhige Generation ist doch vor allem ein Produkt der Medienwelt, des geringen Spielraumes in der Stadt (also praktisch gesehen KEIN Spielraum ausser auf eingezäunten Spielplätzen oder Privatgärten).
Ich lebe in der Großstadt und die Kinder tun mir leid. Ich konnte als Kind früher selbstständig zu meinern Freundinnen laufen und dann nach draußen gehen, oder mich einfach mit ihnen auf der Straße treffen.
Das ist hier in der Stadt quasi unmöglich. Meine 11 jährige Nichte wird immer noch mit dem Auto herumkutschiert, weil es an einigen Bahnstationen Drogenhotspots gibt.
Ich denke zwar, dass der Vater da vielleicht ünertreibt, aber was ich sehe, ist, dass sich die Kinder in einer sehr künstlichen Welt bewegen, die sehr eng ist.
Ausbrechen geht nicht. Stattdessen hocken sie viele Stunden vor irgendwelchen Geräten-Tablet, Handy, TV.
Das ist dann auch keine überbehütende Situation, sonder manchmal wirkt es eher wie Vernachlässigung-kein Platz um wild zu toben, um tolle Erfahrungen in der Natur zu machen. Alles ist getaktet. Der Tag birgt wenig Überraschendes.
Dabei kann ja keiner was für die äußeren Umstände.
Auf dem Land sieht es da wahrscheinlich besser aus.
Was mich persönlich am allermeisten stört sind Erwachsene, die es besser wissen müssten. Wenn die ihre Handys rausziehen, egal welche Art von Konzert, dann macht mich das wahnsinnig. Das ist für mich nicht verständlich. Warum mn den Augneblick nicht genießt, sondern dieses Gerät nach oben hält. Ist das der Fall, kann ich sofort nicht mehr entspannt zuhören.
Das finde ich wesentlich schlimmer als irgendwelche Kinder, die bisschen zappeln.
Ann Sophie Mutter hat dazu mal was Tolles gesagt in einem Interview-sie meinte wortgetreut, wenn ein Mann einer Frau einen Heiratsantrag macht, holt dann die Frau auch erst mal ihr Handy raus und filmt? Warum müssen die Leute in Konzerten filmen? Können sie nicht mehr die Atmosphäre, den Moment, die Musik auf sich wirken lassen?
 
@Cheval blanc
„Schutzbedürftig“ ist gemeint als Gegenpol zum Satz „Eine Tracht Prügel hat noch keinem geschadet.“ Letzteres liest man sinngemäß ja z.B. von @Henry hier hin und wieder.
 
Ich lebe in der Großstadt und die Kinder tun mir leid. Ich konnte als Kind früher selbstständig zu meinern Freundinnen laufen und dann nach draußen gehen, oder mich einfach mit ihnen auf der Straße treffen.
Vielleicht ist meine Großstadt nicht groß genug, aber meine Kinder machen das schon mit 10. Im Gegensatz zu früher allerdings immer nach Absprache und mit Handy inklusive Ortung. Zum Training mit Straßenbahn inklusive umsteigen oder mit dem Fahrrad. Zum Glück meist mit einem Freund aber oft auch alleine.
 
Autsch, wie Konstantin Wecker, nur doppelt so schlimm :dizzy:

Eine wichtige Entscheidungsfrage scheint mir zu sein, ob man Kinder als potenziell faule, tyrannische, genusssüchtige Problemquellen betrachtet oder als schutzbedürftige Wesen mit einem Bedürfnis nach und einem Anspruch auf Orientierung und Vertrauen, an die die Erwachsenen selbstverständlich ebenfalls Ansprüche stellen dürfen und müssen!

Die von dir skizzierten alternativen Optionen sind doch glatte Schwarzweißmalerei.

Gewaltfreie Erziehung, inzwischen sogar gesetzlich verankert, gehört sicher unbedingt geächtet
Typisches Strohmannargument. Keiner hier hat sich für Gewalt in der Erziehung ausgesprochen.

"Prinzip Leistung überfordert unsere Kinder": halte ich für ausgemachten Blödsinn. Kinder sind neugierig, wissbegierig und haben den Drang sich zu entwickeln. Ich konnte mit drei Jahren lesen, nicht weil mich meine Eltern gedrillt haben, sondern weil meine ältere Schwester das Lesen in der Schule gelernt hat, und ich immer alles auch machen wollte, was meine Schwester "durfte".

Letztes Jahr hat meine ältere Enkelin mit vier Jahren ihren ersten Skikurs gemacht. Die kleine Enkelin (damals zwei Jahre alt) meldete sofort an, "nächstes Jahr lerne ich auch Skifahren". Diesen Satz hat sie das Jahr über immer mal wiederholt. Letzte Woche hat sie mit drei nun ihren ersten Skikurs gemacht. Meine Tochter meinte dazu, sie hätte es dem Kind nicht antun können, sie NICHT in den Skikurs zu geben, die Enttäuschung wäre für die Kleine ein Desaster geworden. In fünf Tagen hat die Dreijährige gelernt, völlig selbständig den Übungshang runter zu fahren, unten eine 180°-Wende zu kurven und auf das Transportband zu fahren. Der Stolz, der Spaß und die Begeisterung der kleinen Maus war überwältigend. Übrigens: hier in unseren Sportgeschäften war keine Skiausrüstung für Dreijährige zu bekommen. In der Schweiz schon...

"Gewalt" wurde mir von der Schulbürokratie angetan. Auf Anraten des Kinderarztes sollte ich ein Jahr früher eingeschult werden. Die dafür nötige Einschulungsprüfung habe ich mit Bravour abgeschlossen. Danach wurde ich abgelehnt mit der Begründung, dass mein Geburtstag 12 Tage (!) über dem Stichtag läge. Der Kinderarzt war entsetzt, und riet meiner Mutter, etwas gegen meine Unterforderung zu tun, z.B. mich ein Musikinstrument lernen zu lassen. So kam ich zum Klavierunterricht. Meine erste Grundschullehrerin hat dann versucht, mich am Ende der ersten Klasse gleich in die dritte zu versetzen. Zwei Tage saß ich dort drin, dann kam vom Schulamt die Order, ich muß wieder zurück. Sesselfurzer, damische!
 
"Gewalt" wurde mir von der Schulbürokratie angetan. Auf Anraten des Kinderarztes sollte ich ein Jahr früher eingeschult werden. Die dafür nötige Einschulungsprüfung habe ich mit Bravour abgeschlossen. Danach wurde ich abgelehnt mit der Begründung, dass mein Geburtstag 12 Tage (!) über dem Stichtag läge. Der Kinderarzt war entsetzt, und riet meiner Mutter, etwas gegen meine Unterforderung zu tun, z.B. mich ein Musikinstrument lernen zu lassen. So kam ich zum Klavierunterricht. Meine erste Grundschullehrerin hat dann versucht, mich am Ende der ersten Klasse gleich in die dritte zu versetzen. Zwei Tage saß ich dort drin, dann kam vom Schulamt die Order, ich muß wieder zurück. Sesselfurzer, damische!
In Sachen "passendes Einschulungsalter/Schulreife" bzw. "Überspringen von Klassen" ging es immer wieder zu stark in die eine oder andere Richtung, ohne Blick auf ein individuelles Kind.

Während frühes Einschulen und Überspringen lange Zeit geradezu verpönt war, kann es heute nicht schnell genug gehen. Vorrücken um mehrere Monate beim Stichtag, gut - aber gleichzeitige Einführung von G 8 war dann eher kontraproduktiv.
 
"...Darf man nie drauf schlagen/die zerbrechen dann." Gewaltfreie Erziehung, inzwischen sogar gesetzlich verankert, gehört sicher unbedingt geächtet - es geht doch nichts über die Erziehungsdesaster früherer Generationen.

Dieses Lied von Bettina Wegner habe ich vor vielen Jahren sehr oft gesungen und hab mich dabei auf der Gitarre begleitet.
Danke für‘s Erinnern.


-Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht
Grade klare Menschen wär’n ein schönes Ziel Leute ohne Rückgrat hab’n wir schon zuviel! - :herz:
 
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Gemeinsames Essen mit Leben und Lachen am Tisch ist herrlich für mich
Natürlich! Ist es bei uns Zuhause auch! Aber im Kindergarten, wenn jeweils 10 Kinder ohne Erzieherin an einem Tisch sitzen, nimmt das auch sehr leicht ganz andere Formen an, die nicht mehr so herrlich sind... insofern verstehe ich jede Erzieherin, die da Regeln vorgibt, damit es funktioniert.

Und das ist ja das, was den Kindern fehlt: wer erklärt ihnen die Spielregeln beim Vorspiel und sorgt dafür dass sie auch eingehalten werden? Man kann das ja total freundlich machen:

"jetzt spielt... jeder der hier vorne spielt, ist bestimmt etwas aufgeregt, da helfen wir jetzt alle mit und hören ganz mucksmäuschenstill zu. Damit er/sie nicht durcheinander kommt "

"Das war schon fast ganz mucksmäuschenstill, beim nächsten Vortrag schaffen wir das noch viel besser."

Aber der Punkt ist ja, dass niemand überhaupt nur versucht Regeln zu kommunizieren....
 
Bei dem Vorspiel, bei dem meine Kinder vorspielen ist das nicht so, sondern wie im Eingangspost beschrieben.
 

Ich habe da nie was erklären müssen. Kommt ein Kind neu zum Vorspiel, dann merkt es, dass es nach der Ansprache des Lehrers ruhig wird und ist auch ruhig.

Solche Äußerungen habe ich schon häufig gehört. Allerdings musste ich auch feststellen, dass dabei unter "ruhig" etwas anderes verstanden wurde, als ich darunter verstehe.
 
Wichtig ist nicht nur die Ruhe, sondern auch der Beifall. Das klappt aber auch ohne Erklärung gut.
Das verneigen vor der Klasse wird als einziges, neben dem jeweiligen Stück, im Unterricht geübt.
 
Warum müssen die Leute in Konzerten filmen?

Und warum müssen sie sich über das Verbot von Film und Foto hinwegsetzen, habe ich mir immer wieder gefragt. Nachlässigkeit? Unwissenheit, Sch... egal? Oft steht es auf der Eintrittskarte.

In vielen Konzertsälen ist es verboten, gemacht wird es trotzdem - sogar von Menschen die wissen, dass es untersagt ist. Kinder können keine Regeln lernen und Grenzen akzeptieren, wenn Eltern sich darüber hinwegsetzen. Hinter dem Drang zum Fotografieren und Filmen steckt vermutlich auch die Gier nach Klicks auf YouTube oder Instagram.
 
Tja, im Vergleich zu dem, was sie sich den ganzen Tag auf ihren Bildschirmen reinziehen, ist für die Kinder (aber auch die Erwachsenen) so ein Schülervorspiel echt voll langweilig.

Deshalb werden sie unruhig und warten bei den meisten Beiträgen einfach nur darauf, dass es endlich zu Ende ist.

Im. übrigen stelle ich fest, dass Schüler zu Klassenvorspielen immer schwerer zu motivieren sind. Das ist denen nicht spannend genug, um die Anstrengung drumherum (insbesondere das genaue, fleißige Üben) auf sich zu nehmen. Heutzutage muss es schon mindestens das große Adventskonzert oder so was sein, wo sie wissen, dass richtig viele Leute da sind.
 
Tja, im Vergleich zu dem, was sie sich den ganzen Tag auf ihren Bildschirmen reinziehen, ist für die Kinder (aber auch die Erwachsenen) so ein Schülervorspiel echt voll langweilig.
dem kann ich, aber aus anderen Gründen voll zustimmen. Ich war die musikalisch tiefenbegabte große Schwester eines musikalischen Wunderkindes und habe es gehasst, diese Vorspielveranstaltungen. Die Wunderkinder kamen zum Schluss und wurden von allen Eltern bejubelt, der Rest kam vorneweg und wurden natürlich auch beklatscht, aber es war jedem klar, wer hier die Stars sind und wer nicht. Jugend musiziert war für mich genauso schrecklich, das Maximale was ich da mal erreicht habe war ein Gutschein für ein Musikgeschäft 20 DM oder so. (Das Musikgeschäft hatte zum Glück auch Schallplatten und damals kam gerade ACDC Highway to hell raus, und die haben mir die tatsächlich für den Gutschein bestellt :-) , weiß ich noch wie heute). Aber ansonsten ist die Abneigung für öffentliche Auftritte geblieben. so das "kein Schülervorspiel" tatsächlich ein Anforderungspunkt an den Klavierlehrer den ich mir gerade gesucht habe, war. Eher friert die Hölle zu, bevor ich sowas nochmal mitmache. Und ich verstehe absolut nicht warum man Menschen dazu zwingt. Ist im Sport mit den Bundesjugendspielen ähnlich, ich glaube die sind aber nicht mehr verpflichtend, wobei die mir Spaß gemacht haben, das Schleifen sammeln beim Reiten auch. Auch der Chor ist ok, da sind aber noch ca. 60 andere gleichzeitig mit dabei. Wenn das alles auf freiwilliger Basis laufen würde, wäre vielleicht auch die Ungeduld beim zuhören anderer nicht so groß.
 
Also ich finde die Schülervorspiele klasse! Wir haben 6 jährlich: 2 die Kinder, 2 ich (andere KL), 2 Streichervorspiele, weil meine Kinder jeweils auch noch mit Geigern zusammenspielen, da sind die immer noch bei deren Schülervorspiel auch nochmal (da bin ich im ersten Teil immer verdammt froh, dass meine Kinder Klavier lernen).

Man lernt die anderen Schüler kennen, hat ein Übe-Ziel und immer nette Anlässe, zu denen man Tanten und Onkel mal wieder einladen kann. Im Publikum sind immer um die 40-50 Personen. Am Ende kann man die Stars bewundern und ich und meine Kinder sind mächtig stolz, wie wir uns über die Jahre im Programm immer weiter nach hinten in Richtung Highlights vorgearbeitet haben.

Meine Vorspielstücke sind immer die, die ich auch lange danach noch am besten kann. Ich möchte Vorspiele trotz des Ärgers über manches Benehmen des Publikums nicht missen.

Jugend musiziert Niveau ist nur in Ausnahmefällen dabei, aber wir haben schon schöne Sachen gehört, die uns sehr motiviert haben.

Über mangelnde Resonanz können sich alle diese Vorspiele nicht beklagen. Die meisten Schüler machen mit.
 
Auch mein Eindruck ist, dass Kinder und Jugendliche sich in der Regel gerne mit ihrem Instrument präsentieren. Übrigens auch in der Schule. Als das Weihnachtskonzert einmal ausfallen musste, waren die meisten Schüler erschrocken bis empört und viele haben noch darüber diskutiert, wie man eine Alternative finden kann. Aber auch kleinere Veranstaltungen werden gern genutzt.
 
Na klar, wenn die Schüler darauf Lust haben, ist das super. Aber es sind eben mit Sicherheit nicht alle begeistert. Mich stört der Zwang daran. Das gibt es aber zum Glück nur noch in Musikschulen. Im Sportverein kommt keiner auf die Idee von der E- bis zur A-Jugend alle in einem Turnier antreten zu lassen. Auch Jugend musiziert war bei uns damals alternativlos, wahrscheinlich bekamen die Lehrer Prämien für das anmelden, keine Ahnung. Es wusste jedenfalls schon vorher jeder wer Preise kriegt und wer keine Chance hat. Aber man muss ja das Programm füllen und die Sieger brauchen auch jemanden den sie besiegen können. Das hat mich damals massiv genervt. Schüler müssen sich vorbereiten und üben obwohl sie wissen das außer mal einem kleinen Trostpreis nichts drin ist.
 
Mich stört der Zwang daran. Das gibt es aber zum Glück nur noch in Musikschulen. (...) Auch Jugend musiziert war bei uns damals alternativlos, wahrscheinlich bekamen die Lehrer Prämien für das anmelden, keine Ahnung. Es wusste jedenfalls schon vorher jeder wer Preise kriegt und wer keine Chance hat. Aber man muss ja das Programm füllen und die Sieger brauchen auch jemanden den sie besiegen können. Das hat mich damals massiv genervt. Schüler müssen sich vorbereiten und üben obwohl sie wissen das außer mal einem kleinen Trostpreis nichts drin ist.
Hm, das habe ich freilich anders erlebt.
Unsere Söhne wurden mehrfach gefragt, ob sie bei Jumu teilnehmen wollen, und jedesmal haben sie mit einem klaren "nein" reagiert. Das wurde von den Lehrkräften anstandslos akzeptiert.
 

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