Wie wichtig ist die Nutzung des Metronoms für Anfänger

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ha_pe

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Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, für wichtig ihr die Nutzung des Metronoms im Anfängerbereich haltet.
Ich übe jetzt seit etwas mehr als 3 Jahren und habe bisher noch kein Metronom benutzt.

Da ich aber manchmal schon Schwierigkeiten habe, die richtigen Zeiten einzuhalten, habe ich mit meinem KL darüber geredet. Dieser sagte mir, dass es für jemanden der ernsthaft Klavier lernen möchte, schon wichtig wäre mit einem Metronom zu arbeiten und hat mir die grundsätzliche Vorgehensweise erläutert.

Er hat mir auch ein Metronom zum Üben zur Verfügung gestellt und mit nach Hause gegeben.
Aber leider funktioniert das bei mir überhaupt nicht. Ich bin durch das Metronom dermaßen abgelenkt, dass ich kein einziges (auch kein leichtes) Stück mehr hinbekomme.

Jetzt weiß ich, dass man alles lernen kann, aber ich weiß wirklich nicht ob die Nutzung für mich schon sooo wichtig ist oder ob ich vielleicht erst später mit der Nutzung eines Metronoms anfange.

Was meint ihr dazu:
Metronom so früh wie möglich?
Metronom nicht so wichtig?
Metronom geht später auch noch?

Eure Meinungen interessieren mich.

Gruß

HaPe
 
FünfTon

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walter1304

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Da muss man sich ein bisschen dran gewöhnen. Versuch mal mit einem Stück, das Du sicher "aus dem FF" kannst zum Metronom zu spielen - und das dann langsam. Dann würde ich versuchen, einfach mal mit der rechten Hand alleine dazu zu spielen bis Du Dich dran gewöhnt hast und es nicht mehr als störend empfindest. Auch hierbei das Tempo deutlich unter dem "Wohlfühltempo" wählen. Im Vordergrund dieser Übung steht die Gewöhnung an das Gerät und das Empfinden/Verinnerlichen des Pulses.

Ich glaube man muss das einfach lernen. Bei komplexeren Stücken hilft mir das Metronom immer wieder. D.h. nicht, dass ich ständig oder das ganze Stück dazu spiele, sondern meist Einzelpassagen, die rhythmisch anspruchsvoll sind. Manchmal brauche ich das auch nur kurz, um das vorgegebene Tempo besser einschätzen zu können.
 
M

_marion_

Guest
Ich halte nicht viel davon, mit Metronom zu üben. Hin und wieder mag das hilfreich sein, wenn Stellen zum Eilen oder zum Schleppen neigen. Aber es ist eine sehr mechanische Angelegenheit und hilft ganz bestimmt nicht, um rhythmische Probleme zu beheben. Bei meinen Schülern - das sind allerdings Anfänger und keine angehenden Virtuosen - verzichte ich ganz bewusst auf das Metronom.

Ein Metronom als eigenes Gerät braucht man heutzutage übrigens nicht - eine Smartphone-App ist genau so gut und kostet nichts.

Liebe Grüße, Marion
 
Orgeltante

Orgeltante

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Ich halte recht viel vom Metronom. Meiner Meinung nach beruht Musikalität auch sehr darauf bewusst / gezielt Temposchwankungen einzustreuen (z.B. ein Phrasenende kennzeichnen etc.). Das kann man allerdings nur, wenn man genau weiß, wie das Ganze ohne Schwankungen läuft und klingt. Ich übe manchmal auch Stücke an denen ich das intuitiv mache bewusst mit Metronom um zu schauen, ob meine Temposchwankungen gewollt oder eigentlich doch doof sind. Wenn das Notenbild recht undurchsichtig ist, kann man das Metronom auch als Lernhilfe nehmen und z.B. nur für den Anfang zum Üben mal auf die kleinste Rhythmische Einheit im Takt stellen. Wenn jeder Finger irgendwie anders liegen bleibt als der andere hilft das schonmal den Ablauf zu begreifen...
 
Andre73

Andre73

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Ist wohl nur eine Übungssache, wenn man sich als Anfänger aus seiner gewohnten Komfortzone herausbegibt. Fang mal plötzlich an mitzuzählen, oder irgendwelche Taktlaute parallel mitzumachen, oder halt Metronom. Selbst bei Stücken die man gut kennt, dauert das eine gute Weile damit zurechtzukommen, wenn man es vorher nie gemacht hat.

Umso später man damit anfängt, umso höher ist sicherlich die Hemmschwelle, sich damit zu befassen da man sich plötzlich gefühlt wieder im Alle-meine-Entchen-Modus befindet.

Ich finde es total beeindruckend, wie jemand wie Josh Wright auf Youtube da wie ein Metronom Takte mitzählt und willkührlich in andere Ryhtmen reinwechseln kann, er nutzt das ziemlich oft als Übewerkzeug und zeigt da viel auf Youtube zu.
 
E

elli

Guest
Vielleicht hilft es dir, dass Metronom wie folgend wahrzunehmen:

Stelle das Metronom auf gewünschte Schnelligkeit ein und hör dich ein , und übertrage das ganze in körperliche Bewegung: z.b,. Kopfnicken, Rumpfschwingen, falls kein Pedal nötig mit dem Fuß wippen.

Wenn du dann spielst, achte nur gelegentlich darauf, ob deine Körperbewegung noch im Einklang mit dem Metronom ist, ansonsten richte dein Spielen auf die körperliche Taktgebung aus.
 
B

BWV999

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Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, für wichtig ihr die Nutzung des Metronoms im Anfängerbereich haltet.
Ich übe jetzt seit etwas mehr als 3 Jahren und habe bisher noch kein Metronom benutzt.

Da ich aber manchmal schon Schwierigkeiten habe, die richtigen Zeiten einzuhalten, habe ich mit meinem KL darüber geredet. Dieser sagte mir, dass es für jemanden der ernsthaft Klavier lernen möchte, schon wichtig wäre mit einem Metronom zu arbeiten und hat mir die grundsätzliche Vorgehensweise erläutert.

Er hat mir auch ein Metronom zum Üben zur Verfügung gestellt und mit nach Hause gegeben.
Aber leider funktioniert das bei mir überhaupt nicht. Ich bin durch das Metronom dermaßen abgelenkt, dass ich kein einziges (auch kein leichtes) Stück mehr hinbekomme.

Jetzt weiß ich, dass man alles lernen kann, aber ich weiß wirklich nicht ob die Nutzung für mich schon sooo wichtig ist oder ob ich vielleicht erst später mit der Nutzung eines Metronoms anfange.

Was meint ihr dazu:
Metronom so früh wie möglich?
Metronom nicht so wichtig?
Metronom geht später auch noch?

Eure Meinungen interessieren mich.

Gruß

HaPe

Ich übe(!) fast durchgängig mit Metronom und würde es vor allem Anfängern unbedingt empfehlen. 'Den Takt nicht halten können' ist eine weit verbreitete Unart, die man konsequent angehen sollte, vor allem auch im Hinblick auf das Zusammenspiel mit anderen.

Gerade bei neuen Stücken die ich noch nicht komplett beherrsche tritt bei mir besagter Ablenkungseffekt auch ein: Aber das ist gar nicht schlimm, da dadurch im Umkehrschluss ja die Konzentration gefördert wird. Wenn man mit 'störendem' Metronom spielen kann, dann spielt man ohne sogar noch besser.

Wenn man das die ersten paar Jahre macht braucht man später kein Metronom mehr.
 

Manuela

Manuela

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Was meint ihr dazu:
Metronom so früh wie möglich?
Metronom nicht so wichtig?
Metronom geht später auch noch?
Meine Akkordeonlehrerin hat mir das Metronom dringend empfohlen, nachdem ich gemeint hatte, ich verwende keines, weil es mich zu sehr stresst.

Metronom darf keinen Stress erzeugen, daher muss man mit etwas so Leichtem anfangen, dass das problemlos klappt.

Wenn es dann noch immer nicht klappt, langsameres Tempo einstellen.

Bach konnte nicht mit Metronom üben, weil das zu seiner Zeit noch gar nicht erfunden war. Aber das ist wohl eh allgemein bekannt.
 
Orgeltante

Orgeltante

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Ich übe(!) fast durchgängig mit Metronom und würde es vor allem Anfängern unbedingt empfehlen. 'Den Takt nicht halten können' ist eine weit verbreitete Unart, die man konsequent angehen sollte, vor allem auch im Hinblick auf das Zusammenspiel mit anderen.

Gerade bei neuen Stücken die ich noch nicht komplett beherrsche tritt bei mir besagter Ablenkungseffekt auch ein: Aber das ist gar nicht schlimm, da dadurch im Umkehrschluss ja die Konzentration gefördert wird. Wenn man mit 'störendem' Metronom spielen kann, dann spielt man ohne sogar noch besser.

Wenn man das die ersten paar Jahre macht braucht man später kein Metronom mehr.
Alles mit Metronom üben macht sicher auch keinen Sinn, dann bildet sich ja gar kein Taktgefühl aus und ist das Klicken dann mal weg wackelt das Tempo. Besser ist doch eine gelegentliche Eichung des eigenen inneren Klickens. Klar bei Anfängern sollte gelegentlich wesentlich häufiger sein als bei Fortgeschrittenen. Aber auch bewusst ab und an ohne spielen ist wichtig.
 
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terrigol

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Das Metronom gibt von außen einen festen Puls vor. Das muss man lernen, sich auf einen von außen vorgegebenen Puls einzulassen. Stücke sollen jedoch atmen. Durchgängig mit Metronom üben ist meiner Meinung nach Unsinn.

Ein Metronom ist hilfreich zur gelegentlichen Rhythmus-Kontrolle (sofern man den Rhythmus verstanden hat), zur Tempo-Kontrolle, um Teile eines Stückes, die man vorher separat geübt hat, zusammenzusetzen.

Das Metronom hilft nicht dabei, Stücke schneller zu spielen. Es ist auch kein Ersatz für ein nicht vorhandenes Puls-Gefühl. Wenn das fehlt, sollte der Klavierlehrer Übungen zeigen, wie man das Pulsgefühl verbessert. Das geht auch ohne Instrument. Oder eine kleine Extra-Übung für die spezielle Schwierigkeit, dann auch gern mit Metronom. Wenn man Stücke zu oft oder gar ausschließlich mit Metronom übt, passiert es schnell, dass die Stücke zu mechanistisch klingen. Nicht mehr atmen.

Wenn man sich auf einen von außen vorgegebenen Puls einlassen kann (z.B. Metronom), dann hilft das z.B. unheimlich beim Ensemblespiel.

LG Terri
 
Schimmelchen

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Ich benutze es so selten wie möglich, aber so oft wie nötig.
Bei einigen Stücken, die ich im Laufe der Jahre erlernt habe, war es außerhalb des Klaviers hilfreich.
Z.B. bei der Siciliana aus Schumanns Album für die Jugend. Den 6 Achtel Takt als zwei triolische Viertel zu empfinden hat mich damals viele Wochen gekostet.
Bis ich eine Stunde Lang zum Metronom abwechselnd "Leberwurst" und "Leberwürste" (in verschiedenen Tempi) gesprochen habe.
Dann war der Drops gelutscht und es klappte auch an den Tasten. Nur Leberwurstmag ich seitdem nicht mehr...
 
Rheinkultur

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Ich übe(!) fast durchgängig mit Metronom und würde es vor allem Anfängern unbedingt empfehlen. 'Den Takt nicht halten können' ist eine weit verbreitete Unart, die man konsequent angehen sollte, vor allem auch im Hinblick auf das Zusammenspiel mit anderen.
(...)
Wenn man das die ersten paar Jahre macht braucht man später kein Metronom mehr.
Diese Sichtweise ist leider ein Musterbeispiel dafür, wie die Dinge nicht laufen sollen: Das durchgängig tickende Metronom zwingt den Spieler zu gnadenlos getaktetem Musizieren, führt aber nicht zu rhythmischer Stabilität, die eigentlich notwendig wäre. Das Ergebnis ist ein starres und unorganisches Spiel, weil die rhythmische Stabilität von außen aufgezwungen und nicht durch Erfassen und Verstehen der musikalischen Vorgaben verinnerlicht wird.

Sinnvoll ist ein gezielter Einsatz des Metronoms zur zeitlich begrenzten Definition und Kontrolle des gewünschten Tempos - und das kann man als Anfänger in der Tat nicht früh genug erlernen, wie man ein stabiles und organisches Tempoempfinden erlangt. Dazu sollte das Metronom einige Sekunden lang gezielt gebraucht werden, aber nicht minutenlang mechanistisch-geistlos den Spieler seitenlang durch die zu spielende Musik peitschen. Die extremste Ausprägung solcher Dressurakte wäre, auf diese Art und Weise stundenlang die Hanon-Übungen durchzuprügeln.

Die Maschine sei dem Menschen dienlich und nicht umgekehrt.

LG von Rheinkultur
 
K

koelnklavier

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Taktgefühl kann man nicht outsourcen! Deshalb ist es wichtig, erst einmal ein Gefühl für den eigenen und für den erforderlichen musikalischen Puls zu entwickeln. - Erfunden wurde das Metronom übigens nicht, um rhythmische Schwächen untalentierter Klavierschüler zu kurieren. Es sollte dazu dienen, daß Komponist und Interpret sich über das gewünschte Tempo verständigen können. Was dann Klavierlehrer daraus gemacht haben, steht auf einem anderen Blatt. (Interessant ist übrigens, daß das exzessive Üben mit Metronom sich zeitgleich entwickelt mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert. - Mehr dazu kann man bei Grete Wehmeyer nachlesen: Carl Czerny und die Einzelhaft am Klavier oder Die Kunst der Fingerfertigkeit Bärenreiter Verlag: Kassel 1983)

Natürlich kann es hilfreich sein, anhand des Metronoms festzustellen, an welcher Stelle man beginnt zu schleppen (oder zu eilen). Aber Diagnose und Therapie sind zweierlei Dinge. Die Ursache des Schleppens/Eilens behebt man jedenfalls nicht, indem man unentwegt das Metronom mitlaufen läßt.
 
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terrigol

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Rheinkultur

Rheinkultur

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Interessant ist übrigens, daß das exzessive Üben mit Metronom sich zeitgleich entwickelt mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
Die immer noch zum Einsatz gebrachten Hanon-Übungen entstammen exakt diesem Zeitalter, in dem man vom schnellen technischen Fortschritt fasziniert war. Wer sich aber von Maschinen beherrschen lässt, entfernt sich vom Ziel, zu musizieren und künstlerisch zu gestalten. Es gilt aber, mit den Maschinen umgehen zu lernen, damit sie einem auf dem Weg zum angesteuerten Ziel von Nutzen sind.

Wenn Hanon übrigens keine mechanistischen Übungsmodelle zur Selbstkasteiung entworfen hat, schrieb er musikalisch recht dürftige Gebrauchsmusiken - ein Umstand, der großen Aussagewert besitzt. Einem Johannes Brahms ist es beispielsweise im gleichen Zeitalter gelungen, gleichermaßen klug durchdachte technische Übungen und großartig inspirierte Musik zu schreiben. Halten wir uns also lieber an diejenigen, die Besseres zu leisten imstande waren.

LG von Rheinkultur
 
 

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