Wie den Anschlag gleichmäßig hinbekommen?

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Bamboozle, 10. Nov. 2019 um 01:39 Uhr.

  1. Bamboozle
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    Bamboozle

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    Hallo,

    ich bin absoluter Klavieranfänger, nehme auch seit kurzer Zeit Unterricht und habe heute ein Casio AP-700 erworben - vorher habe ich nur auf einem Keyboard geübt und daher meinen Klavierlehrer noch nicht nach Tipps und Übungen gefragt.

    Wie kann ich das gleichmäßige Anschlagen der Klaviatur üben? Besonders schwierig ist der kleine Finger., da scheine ich auch nicht genug Kraft zu haben. Hab es ja erst nur heute bespielt, aber bin erstmal ratlos, wie ich das sauber und gleichmäßig hinbekommen kann.

    Gibt es da gute Vorgehensweisen und Tipps?

    Vielen Dank schon mal.
     
  2. Sven
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    Sven

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    Ja!

    Das hat weniger mit bewussten Bewegungen der Finger, als mit den Ohren zu tun.
     
  3. Barratt
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    Die gute Nachricht: Du bist nicht allein. Am Anschlag erkennt man den Anfänger. So weit: Alles normal.

    Die "schlechte" Nachricht: Man muss es jahrelang üben. :005: Und selbst dann ... :007:


    Du hast Unterricht – prima. Es gibt natürlich kein Patentrezept, das jemand mitteilt, jemand anders liest und übt, und dann funktioniert es. He, dann bräuchte man ja keinen jahrelangen Unterricht, sondern bekäme es erklärt, würde es umsetzen und – ab auf die Bühne!

    Das Resultat der Bemühungen sollte sein, eine Klangvorstellung zu entwickeln und (sozusagen aus dem "inneren Ohr") eins zu eins zum Erklingen zu bringen. Dies zu lehren (bzw. beim Lernen zu unterstützen), dafür ist der Klavierunterricht da.

    Es gibt sehr viele Tipps, wie man den Arm zweckmäßig einsetzt und Fingerfertigkeit üben kann, aber entscheidend ist die Klangvorstellung und die Durchlässigkeit (bruchlos von der Klangvorstellung bis zur Fingerspitze, gewissermaßen :002:). Auch hier: Das erlernt man in jahrelangem Unterricht.

    Wie rasch man mit dem Lernen vorankommt, hängt vor allem mit dem Talent zusammen, mit der Qualität des Unterrichts und mit dem eigenen Fleiß. Ganz einfach also. :005:

    Viel Freude in den kommenden Jahren. :026: Du hast das vielleicht schönste Hobby der Welt gewählt. :herz:
     
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  4. samea
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    samea

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    Was du erlebst ist ganz normal. Wichtig ist, ganz langsam zu spielen, regelmäßig üben und, das ist am Schwersten, mit sich selbst Geduld haben.

    Willkommen im Forum!:blume:
     
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  5. Albatros2016
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    Albatros2016

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    Herzlich willkommen.

    Mit viel Geduld. ;-)

    Ich bin auch noch totale Anfängerin und habe seit September Unterricht. Meiner Meinung nach ist das A&O überhaupt erst einmal Lockerheit in die Hände zu bekommen.
    Gerade zu Beginn spielt man noch viel zu sehr aus den Fingern, dass ist bei mir immer noch (mehr oder weniger) Thema Nr.1.
    Aber es wird deutlich besser und seitdem merke ich, dass ich die Anschläge viel besser steuern kann. Aber noch lange nicht so, wie ich es möchte, dass die Töne klingen.

    Dein KL wird die zeigen wie du das lernst, aber das erfordert Zeit, Geduld und viel Übung.
     
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  6. Barratt
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    Barratt Lernend

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    Ergänze: In den gesamten Spielapparat. :005:
     
  7. Demian
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    Demian

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    Ergänze: In den gesamten Spielorganismus („Apparat“ klingt so starr und mechanisch).
     
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  8. Albatros2016
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    Albatros2016

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    Und das ist ganz schön schwer, finde ich, vor allem wenn der Körper bis in die Fußsohle total verspannt ist.:-(

    Bis zum Ellenbogen wird es bei mir zum Glück wenigstens langsam besser und auf wunderbarer Weise werden die Verspieler weniger, je besser ich es schaffe, locker zu bleiben.:-)
     
  9. Demian
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    Demian

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    @Albatros2016
    Hast du mal Progressive Muskelentspannung nach Jacobson probiert? Da lernt man sehr effektiv, verschiedene Muskelgruppen zu entspannen.
     
  10. Dreiklang
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    Dreiklang

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    SO langsam üben, dass eben Gleichmäßigkeit in Anschlag und Lautstärke erreicht wird.

    Klappt bei jedem ;-)

    Dann Übegeschwindigkeit langsam steigern, dabei weiterhin immer auf Gleichmäßigkeit (und Klang und Entspannung im Spielapparat) achten.

    Ganz einfach.

    ----
    p.s. auf die Kraft (z.B. im kleinen Finger) kommt es beim Klavierspiel nicht an. Die hat jeder genug. Viel eher auf die möglichst entspannten Bewegungen.
     
  11. J. S. Schwach
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    J. S. Schwach

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    Ich übersetz das mal ungefragt, weil das für Anfänger schwer zu verstehen ist. Es geht darum, sich selbst beim Spiel zuzuhören, das Gehörte mit dem Gewünschten abzugleichen und dann das Gewünschte über die Steuerung der Hände zum Erklingen zu bringen. Klingt trivial, ist es aber nicht, weil bereits spielen und gleichzeitig zuhören den typischen Anfänger überfordern dürfte.

    Du hast vorher Keyboard gespielt. Wenn ich vom Keyboard auf mein Klavier wechsle, komme ich mir vor wie im Fitness-Studio. Umgekehrt fehlt mir auf dem Keyboard der Tastenwiderstand, was zu rhythmischen Problemen führen kann. Da muss man sich erst mal akklimatisieren.
     
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  12. Albatros2016
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    Albatros2016

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    In meinem Fall hat mir meine Physiotherapeutin schon vor einiger Zeit davon abgeraten, weil ich selber die komplette Entspannung nicht wahrnehme. Wenn ich also denke ich bin bereits entspannt, bin ich das in Wirklichkeit noch lange nicht, somit würde ich mir damit sehr wahrscheinlich noch mehr Verspannungen einhandeln. bzw. ich dürfte das nur unter Anleitung machen mit Kontrolle, ob ich wirklich Entspannt bin.
    Ich habe auch 1 Jahr lang Yoga ausprobiert, ging bei mir gar nicht. Die Entspannungsübung zum Schluss war für mich jedes Mal Stress, weil ich immer unentspannter wurde je länger sie dauerte.

    Auf der Singwoche im Oktober war eine Mitsängerin dabei, die mit uns eine Schütteltechnik zum Entspannen gemacht hat und die Übung hat mir wahnsinnig gut getan. Danach hat sich mein Körper das erste mal wirklich leicht und locker angefühlt. Seit dem probiere ich es damit und es tut mir wirklich gut.

    Mental Entspannen kann ich wirklich am Besten beim Musizieren, sprich hauptsächlich beim Singen und jetzt zusätzlich am Klavier. Dann ist alles andere um mich herum komplett ausgeschlossen; und spinnen am Spinnrad, der stete gleichmäßige Tritt hat etwas höchst meditatives.
     
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  13. chiarina
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    chiarina

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    Liebe Albatros2016,

    ich kenne auch sowas Ähnliches wie eine Schütteltechnik. Ich freue mich sehr, wenn du hier genau schreibst, wie deine geht!

    Danke und liebe Grüße! :002:

    chiarina

    P.S.: Noch was zum Fadenthema: das Thema ist so komplex, dass es leider nur "live" im Unterricht vermittelt werden kann. Ich denke, dass dein Lehrer dir weiter helfen kann.

    Nur eins: sehr wichtig ist unter anderem der Einsatz des Arms. Der 5. Finger kann mit Unterstützung des Arms zeigen, was er kann. :) Zur Unterstützung durch das "Hinterland" gehört auch, dass der Ellenbogen nicht an den Körper gepresst wird. Dadurch steht nämlich der 5. Finger sehr ungünstig und schief auf der Taste und hat es schwer. Leichter wird es für ihn, wenn du den Ellenbogen "schweben" lässt und etwas Platz zwischen Körper und Ellenbogen lässt (natürlich nicht zu viel - das Bequemste ausprobieren!). Dann noch einen kleinen Armschwung nach vorne, bei dem das Handgelenk hoch geht, und der 5. Finger freut sich. :003:
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Nov. 2019 um 15:04 Uhr
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  14. Albatros2016
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    Albatros2016

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    Liebe Chiarina,

    ich will es gerne versuchen.
    Wichtig ist erst einmal ein fester Stand. Füße hüftbreit auseinander.
    Als erstes Augen schließen und fühlen, ob sich der Stand gut und sicher anfühlt sich, ob der ganze Körper aufrecht ist und der Atem gut fließen kann.

    Wenn der Körper in Balance ist beginnt man erst einmal nur die Hände und Finger zu schütteln, immer in alle Richtungen. Dann erweitert man das Schütteln bis zu den Ellenbogen, anschließend bis zu Schultern (ich schätze so ca. jeweils 20-30s) und dann den ganzen Körper.
    Idealerweise sollten dabei auch die Hacken vom Boden angehoben werden (aber nicht hüpfen, die Zehenspitzen sollen immer noch Bodenkontakt haben). Wenn der Stand beim Heben der Hacken zu unsicher ist, bleiben die Füße dabei auf dem Boden .
    Anschließend die Augen wieder schließen und dem Stand wieder nachfühlen, die Füße und Beine sollten jetzt gut mit dem Boden verankert sein und sich im gesamten Oberkörper eine angenehme Leichtigkeit einstellen. Der Atem soll leicht bis in den Bauch ein und ausströmen.

    Bei mir ist das die erste Übung, bei der ich wirklich eine Entspannung spüre.

    Über 40 Jahre aufgebaute Verspannung sind leider extremst schwer zu lösen. Wobei es zum Glück in den letzten Jahren, mit Hilfe meiner wunderbaren Physiotherapeutin schon etwas besser geworden ist.
     
  15. chiarina
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    chiarina

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    Liebe Albatros2016,

    ganz herzlichen Dank!!! Es ist sehr hilfreich, zu wissen, was anderen hilft! Ich kenne das Schütteln ähnlich, aber nicht genauso. Hört sich gut an! :002:

    Lieben Dank und liebe Grüße

    chiarina
     
  16. Ralph_hh
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    Ralph_hh

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    Die gute Nachricht dazu: Man muss sich nicht jahrelang im Frust durchbeißen und dann macht es irgendwann klickt. Mit jedem Tag wird das besser und man freut sich an den Fortschritten. Dann macht das üben Spaß und es ist egal wie lange es dauert.
     
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  17. Bamboozle
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    Bamboozle

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    Hallo,

    vielen Dank für die mutmachenden Antworten und die Übersetzung zum “inneren Ohr“. ;-) :-)

    Ja, die wenigen Melodien, die ich kann, spiele ich im “normalen“ Tempo. Da bin ich wohl wirklich zu schnell.

    Chiarina, ich glaube, ich kann mir schon in etwa vorstellen, was du meinst. Die Umsetzung haut jetzt noch nicht hin, aber ich will mal nicht ungeduldig sein :-) Ich bin jetzt erstmal gespannt auf die nächste Klavierstunde.

    Lieben Dank nochmal :-)
     
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  18. hasenbein
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    hasenbein

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    Dieser Thread sollte allen Einsteigern und Amateuren mal wieder deutlich zeigen, wie wichtig es ist, Anleitung durch einen GUTEN Lehrer zu erhalten (und diese natürlich auch zu befolgen).

    Schon allein falsche, unzweckmäßige Vorstellungen darüber, wie der Bewegungsapparat beim Spielen einzusetzen sei, haben ENORMEN, grundlegenden Einfluss darauf, wie man sich als Spieler entwickelt und wie befriedigend das Musizieren sein/werden kann.

    Eine zentrale Aufgabe des Lehrers ist, diese Vorstellungen zu korrigieren bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.
     
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  19. Alter Tastendrücker
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    Alter Tastendrücker

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    Der Titel des Fadens ist auch irreführend. Das Wort gleichmäßig suggeriert, lauter gleiche Töne wären ein sinnvolles Ziel. In Wirklichkeit geht es um einen kontrollierten Anschlag, der die gewünschte Unterschiedlichkeit der Töne verlässlich produziert.
    Das Gerücht von der gleichmäßigen Tonleiter ist beispielsweise offenbar unausrottbar.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Nov. 2019 um 22:05 Uhr
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  20. beo
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    beo

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    Was ist an gleichmäßig jetzt falsch? Das nicht jeder weiss, dass es auch gleichmäßig lauter/leiser werden gibt? Sollte man in dem Fall nicht eher die deutsche Sprache erklären. Statt eine sinnvolle Bezeichung aufzugeben? Oder habe ich jetzt gar nichts verstanden?