Warum spürt der Spieler die Daumenstreckung nicht?

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Danke, Rolf,
eine gute Frage!

Um zu sehen, daß der Daumen sich beim Spielen spreizt oder streckt, benötigt man keine Videoüberwachung. Das bemerkt man doch irgendwann. Nur man sieht nicht, wann es beginnt und wie lange man den Daumen (oft auch der kleine Finger) gestreckt hält. Manchmal spreizt man ihn auch nur ab und zu. Das Eigenleben des Daumes kann man dann gut im Film erkennen. Parallel dazu lassen sich das Spielgefühl mit den Gedanken/Überlegungen, die während dem Spiel einhergehen, gut vergleichen, analysieren. Doch die Ursache des Übel ist damit immer noch nicht geklärt.
Rolf: "Ich nenne so etwas die "Daumenantenne"
Bei mir düst der Daumen auch ab, manchmal auch der kleine Finger. Mich ärgert das. Wenn ich es bemerke, nun Gott sei Dank immer öfter, spreche ich mit ihm: "Nun bleib doch mal da, wo du hingehörst ..." und führe ihn mit der anderen Hand an seinen Platz.
Rolf: Ich glaube, dass das eine Reaktion auf unnötige Anstrengung/Spannung ist.
Vielleicht, aber steckt da nicht noch mehr hinter?
Rolf: Aber jetzt erst fängt es an, interessant zu werden: warum hast Du das nicht bemerkt oder gespürt? Will sagen: warum musstest Du das erst von außen sehen??
(s. Thread Beweisbilder!)

Ich spüre den Daumen nicht, wenn er sich von alleine streckt. Er ist erst gar nicht da - keine Beziehung in dem Moment des Streckens vom Daumen zum Hirn. Der Dialog mit meinem Daumen findet erst statt, wenn ich im Spielfluß bin. Sogar beim Tippen auf der Tastaur wollen sich die Daumen strecken und ich weiß nicht warum: Ich kann blind schreiben und bin sehr sicher auf der Tastatur.

Das macht mich stutzig. Durch die "Beweisbilder" die Anregung zu diesen Fragen:
  • Warum können die Daumen (u. die kleinen Finger) so ein Eigenleben führen?
  • Und würden Zeigefinger, Ring- und Mittelfinger sich auch spreitzen, wenn man sie nicht ständig benötigen würde?
 
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Hallo Kulimanauke,

ich galube, das Abstrecken einzelner Finger ist fast immer ein Zeichen von Verspannung in den Händen.
Bei mir war das am Anfang insbesondere der kleine Finger. Manchmal aber auch der Daumen.

Geholfen hat mir: konkret darauf zu achten wo Spannung ist, wo sie sein muss, wo sie überflüssig ist. Welche Strukturen der Hand sind in Bewegung? Was ist trotzdem angespannt? Manchmal hab ich, wie Du auch, die andere Hand zur Hilfe genommen, und den Daumen z.b. passiv bewegt, wenn er sich mitbewegt hat, wenn eigentlich nicht gefragt.

Ich meine, die Kunst ist es, so wenig wie möglich anzuspannen und so viel wie nötig, um die Hände nicht zu stressen.

Was für Situationen sind es, in denen du den Daumen wegstreckst? Solche Stellen könntest du dir mal isoliert vornehmen und dabei den Daumen im Auge behalten und gegebenenfalls mit der anderen Hand passiv bewegen und auf Spannung überprüfen.
Vllt liegt die Spannung auch in der Handfläche. Versuch herauszufinden, wo die Muskeln sich unnötigerweise anspannen.

LG
violapiano
 
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Ich spüre den Daumen nicht, wenn er sich von alleine streckt. Er ist erst gar nicht da
hallo,

und genau das ist des rätsels Lösung! Wenn Du den Tastenkontakt aufhebst, dann ist der Finger für das Klavier und für das Klavierspielen nicht mehr da. Also ist es relevant, sich anzugewöhnen, alle fünf Finger immer im Kontakt mit den Tasten zu fühlen, also immer mit allen die Tasten berühren.

daran gewöhnt man sich, und die Daumenantenne ist weg.

Gruß, Rolf
 
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hm, sorry, das versteh ich nicht, nun habe ich dreimal gelesen und immer noch nicht verstanden, was gemeint ist? Du meinst, rolf, wenn die Finger zu hoch in der Luft sind, dann spreizt sich der Daumen oder ein anderer Finger möglicherweise ab, weil er keinen Tastenkontakt hat und somit keine Orientierung?:confused:

Ich glaube, das es wichtig ist, den Unterschied zwischen entspannter Hand und angespannter Hand fühlen zu lernen. Vermutlich ist die Anspannungshaltung gewohnt, so dass die Verspannung inder Hand nicht mehr wahrgenommen wird.



LG
violapiano
 
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hm, sorry, das versteh ich nicht, nun habe ich dreimal gelesen und immer noch nicht verstanden, was gemeint ist? Du meinst, rolf, wenn die Finger zu hoch in der Luft sind, dann spreizt sich der Daumen oder ein anderer Finger möglicherweise ab, weil er keinen Tastenkontakt hat und somit keine Orientierung?:confused:
so ähnlich - wenn Du an jedem Finger immer spürst, dass Du gerade die Tasten berührst, dann merkst Du sofort, ob z.B. der Daumen weg will; also immer den Tastenkontakt spüren und sich daran gewöhnen.
 
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Ich kenne die Vorgeschichte nicht, aber ein gerader Daumen ist meiner Meinung nur dann ein Problem, wenn er dabei angespannt ist, nicht zur Stelle, wenn er spielen soll oder die anderen Finger stört. Die Hand ist ja ein ziemlich komplexer Mechanismus, in dem sich fast nichts alleine bewegt. Das ist auch gut so, denn sonst wären viele Alltagstätigkeiten viel schwerer zu erlernen und selbst das Klavierspielen profitiert davon, obwohl einige Automatismen zunächst stören.

Ich glaube, der Daumen ist wichtig für die Orientierung der Hand beim Greifen, während der kleine Finger beim Abstützen die Richtung angibt. Daraus kann man nun schließen, daß ein gerader bzw. abgespreizter Daumen eine Bewegung vorbereitet, die Hand ist also dann nicht stabil. Das gleiche gilt für den kleinen Finger, der ja auch gerne Spirenzchen macht. Bevor man diese Bewegungen aber völlig verdammt, muß man schon beobachten, wo sie passieren. Wesentlich ist vermutlich, daß die Hand sich daran gewöhnt, Klavier zu spielen und dies als eine weitere Aufgabe neben Greifen und Stützen lernt. Dazu müssen vor allem die Finger unabhängiger voneinander beweglich werden und Daumen und kleiner Finger lernen, auf frühzeitige Richtungsanzeigen zu verzichten. Was dann noch an unwillkürlichen Bewegungen übrig bleibt, sollte man sich abgewöhnen, wenn es stört. Ich glaube, wenn man zu viel Wert auf einen "richtig" aussehenden Daumen legt, kann sich das eigentliche Problem, wenn es denn eines gibt, verlagern, wird vielleicht unsichtbar und kann dann überhaupt nicht mehr erkannt werden. Jedenfalls halte ich die Daumenhaltung eher für eine Auswirkung als für eine Ursache.
 
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Eine kleine Frage zu meinem besseren Verständnis:

ich erfahre hier zum ersten Mal in meinem Leben, daß es ein Problem darstellt, wenn der Daumen gerade bzw. "gestreckt" ist. Wie soll der Daumen denn sein?
 
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Kulimanauke bezieht sich mit diesem Faden, wenn ich das richtig verstanden habe, auf Sesams Faden Beweisbilder.

Dort hat Sesam beschrieben, dass ein Abspreizen ihres Daumens, ihrer Beobachtung nach, die Ursache für die Schwierigkeiten darstellte, die sie an einer bestimmten Stelle eines Stückes hatte.

Grundsätzlich sieht doch die Hand- und Fingerstellung beim Klavierspiel vor, dass der Daumen leicht gebogen ist. Auf jeden Fall nicht abgespreizt. Das Abspreizen von Fingern kenne ich auch und ist auch bei mir, denke ich, ein Zeichen von Anspannung.
 
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daß es ein Problem darstellt, wenn der Daumen gerade bzw. "gestreckt" ist. Wie soll der Daumen denn sein?
Das Daumengrundgelenk kann nur zu den anderen Fingern parallel sein, wenn der Daumen unter die Hand geführt wird, die vordere Phalanx des Daumens sollte in der Grundstellung aber zu den übrigen 4 Fingern parallel stehen. Der Grund ist, dass der Daumen so in der Abduktion weniger anfällig für Vergreifen ist, indem er die innere Taste mitnimmt, bzw. beim Untersatz an der Kante seiner anzuschlagenden Taste hängen bleibt.
Soweit ich das bisher überblickt habe, gibt es aber unterschiedliche Sichtweisen, wenn ich nämlich Kratzert richtig verstanden habe, dann verlangt dieser einen geraden Daumen- freilich nicht abgespreizt, aber vom Grundgelenk bis zur Spitze gerade.
Mir fällt nur auf, dass der kleine Finger meiner rechten Hand (bin Linkshänder) bei schnellem Spiel sich hin und wieder verselbständigt, indem er sich hoch aufstellt.
 
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Kulimanauke bezieht sich mit diesem Faden, wenn ich das richtig verstanden habe, auf Sesams Faden Beweisbilder.

Dort hat Sesam beschrieben, dass ein Abspreizen ihres Daumens, ihrer Beobachtung nach, die Ursache für die Schwierigkeiten darstellte, die sie an einer bestimmten Stelle eines Stückes hatte.
Danke für diesen Hinweis, Nora! Dieser Zusammenhang wird aus dem Einleitungsbeitrag des Faden nicht deutlich.



Grundsätzlich sieht doch die Hand- und Fingerstellung beim Klavierspiel vor, dass der Daumen leicht gebogen ist.
Das kann ich nicht bestätigen. Wenn mein Daumen locker ist, ist er gerade. Wäre er gebogen - womit sollte ich dann die Taste anschlagen? Mit dem Fingernagel? Oder Daumen flach auf die Taste legen? :rolleyes:


Das Daumengrundgelenk kann nur zu den anderen Fingern parallel sein, wenn
Der Daumen sollte parallel zu den anderen Fingern sein? Wie sollte das denn möglich sein?

der Daumen unter die Hand geführt wird, die vordere Phalanx des Daumens sollte in der Grundstellung aber zu den übrigen 4 Fingern parallel stehen. Der Grund ist, dass der Daumen so in der Abduktion weniger anfällig für Vergreifen ist,
Ich werd aus dieser Beschreibung nicht schlau. Könntest du ein Foto oder Video zur Illustration dazu machen?
 
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Das kann ich nicht bestätigen. Wenn mein Daumen locker ist, ist er gerade. Wäre er gebogen - womit sollte ich dann die Taste anschlagen? Mit dem Fingernagel? Oder Daumen flach auf die Taste legen? :rolleyes:

Hallo Haydnspaß,

das würde wohl lustig aussehen. Und eventuell erklären, warum ich nicht schneller beim Klavier spielen vorankomme. :cool:

Der Daumen liegt natürlich seitlich auf, mit dem oberen seitlichen Teil des Daumens. Oder???

Irgendwie kommt es mir so vor, also ob Du hier das Szenario für eine ungewöhnliche Handhaltungs-Theorie beim Klavierspiel aufbaust. :D

LG
Nora
 
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Das interessiert mich auch, sephilosophia, erklärst Du das bitte noch mal genauer? Anschaulicher?

Bei mir ist es auch so, dass der entspannte Daumen weitgehend gerade ist, jedoch nicht völlig durchgestreckt.

LG
violapiano
 
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Zitat von Nora
Kulimanauke bezieht sich mit diesem Faden, wenn ich das richtig verstanden habe, auf Sesams Faden Beweisbilder.
Grundsätzlich ja. Ich nahm Sesams Aussage zum Anlaß:
warum ich da Probleme hatte, war mein Daumen. Ich hab`s genau gesehen, schon im Anmarsch auf diese Stellen spreizte er sich zur Seite ab und verspannte die ganze sonst wirklich lockere Hand.
Mir ging es aber nicht um die Verspannung des Daumes, sondern mein Stichwort daraus ist die Abspreizung des Daumens während dem Spiel ganz allgemein und nicht bei musikalisch schwierigen Stellen.
Zitat von Kulimanauke: Ich spüre den Daumen nicht, während dem Spiel, wenn er sich von alleine streckt. Er schwirrt einfach in der Gegend rum.Ich bemerke auch keine Anspannung, gar nichts. Er ist einfach nicht da.
Rolf sieht hierin des Rätsels Lösung:
Wenn Du den Tastenkontakt aufhebst, dann ist der Finger für das Klavier und für das Klavierspielen nicht mehr da. Also ist es relevant, sich anzugewöhnen, alle fünf Finger immer im Kontakt mit den Tasten zu fühlen, also immer mit allen die Tasten berühren.
Das möchte ich mir gerne angewöhnen (und bin auch dabei ...). Trotzdem staune ich, wie er unmerklich abdüst, weggestreckt ist von der Tastatur, ich übertreibe, fast unter der Tastatur sich befindet. Ich spüre dabei keine Verspannung. Wenn ich ihn aber zum Spielen brauche, ist er sofort da, aber mir ist, als hole ich ihn von weit her.

Ich untersuche zunächst die Anatomie des Daumens.
Tip von Guendola aus der Linksammlung: http://www.mangore.com/hands.html - Anatomie der Hände, ...
Dann finde ich hier http://flexikon.doccheck.com/Daumen den Satz: Die für die Motorik und Sensibilität des Daumens verantwortlichen Hirnareale sind stärker entwickelt als die der anderen Finger. Leider öffnet sich die Hirnareal-Seite nicht. Hier vermute ich, Ursachen zu finden

Es lohnt sich, die einzelnen Musculus anzusehen, dazu sehr anschauliche Präsentationen:
  • Musculus adductor pollicis (... ist für die Abduktion (das "Abspreizen") des Daumens von der Handfläche verantwortlich. Er unterstützt die Oppositionsbewegung.)
  • Musculus abductor pollicis brevis
  • Musculus abductor pollicis longus
  • Musculus extensor pollicis brevis
  • Musculus extensor pollicis longus
  • Musculus flexor pollicis brevis
  • Musculus flexor pollicis longus
  • Musculus opponens pollicis opponens pollicis

Der Daumen hat ein Eigenleben. Zeige-, Mittel-,(fast) Ring- u. Kleinfinger können sich auch unabhängig voneinander bewegen, aber nicht so spielerisch wie der Daumen. Eine Erklärung für mich, daß der Daumen nicht immer verspannt sein muß.

Hier geht es praktisch ans Eingemachte:
http://www.hand-und-instrument.de/handeinschaetzung.html

Was ich gegen meinen laschen Daumen tun kann, ihn beim Klavierspielen bei der Taste zu halten, ist die Konzentration darauf, ihn nicht aus dem Auge zu verlieren, ihn aufs neue hinführen.
Doch die Ursache, warum der Daumen abdüst, weiß ich nicht. Darüber möchte ich gerne noch mehr Erfarhungswerte lesen.

Ist in meinem Hirnareal keine Verankerung vorhanden? ;)
 
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Ist in meinem Hirnareal keine Verankerung vorhanden?
hallo,

mach Dir mal lieber keine Selbstzweifel in Sachen Gehirn :D !!! das funktioniert nämlich mit Sicherheit ganz normal, das Gehirn.

Oft wird gesagt, dass kleine Kinder eigentlich motorisch schon viel besser seien (entspannte Handgelenke usw.) und dass nicht eben selten erst durch den Klavierunterricht oder schlimmer gar durch den/die Klavierlehrer/in irgendein Unfug veranstaltet würde - das ist zum Teil sicherlich auch richtig: man erlebt viele Schüler und sogar Studenten, die sich recht sonderbaren Kram angewöhnt haben und beteuern, das habe man ihnen beigebracht.

Allerdings ist die kindliche Feinmotorik tatsächlich noch nicht fertig entwickelt, jedenfalls noch nicht im Alter von 5-10 Jahren, wie ja auch in diesem Alter die kognitive Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist (wer kennt keine lustigen Geschichten über "Schnürsenkel binden", "Besteckgebrauch" und "Stifte halten")*), und insofern gibt es dort manches erstaunliche zu beobachten:
Kinder, die z.B. mit dem Zeigefinger eine Taste runterdrücken wollen, spreizen automatisch die anderen Finger (besonders den Daumen) ab, trennnen also die anderen Finger von dem, der gerade gezielt und bewußt etwas tun will oder soll. Wenn die anderen Finger "weg sind", dann funktioniert die Konzentration auf den, der etwas tun soll scheinbar umso besser - und das ist auch ganz natürlich innerhalb der Motorik: will man sich mit dem Zeigefinger irgendwas aus dem Augenwinkel holen, dann ist man gut beraten, die anderen Finger irgendwie weg zu halten. Dieser natürliche Automatismus ist allerdings beim Klavierspiel kontraproduktiv, denn am Klavier will man ja nicht etwas spezielles mit nur einem Finger machen (es wäre richtig, wollte man nur einen einzigen Ton spielen)
-- und dann ist es ein langer Weg, dem Klavierspiel dienliche Bewegungsweisen zu verautomatisieren!

Zudem sind etwas verstehen/begreifen und es dann auch tun zwei paar Schuhe :) - - um die Hände auf den permanenten Tastenkontakt zu programmieren, empfehlen Klavierpädagogen wie C. Marek, R. Kratzert und P.P.Werner eine für den, der es noch nicht kann, sehr lästige Übung:
- alle 5 Finger halten stumm die Tasten im Tastenboden (also runtergedrückt, ohne argen Druck auszuüben) das ist schon für Kinder gar nicht leicht, auch insgesamt für Anfänger nicht
- - dann einzelne Finger aufheben und wieder stumm nach unten bringen (was beim Ringfinger, aber auch beim kleinen Finger interessante Erlebnisse bringen wird - es geht gar nicht so einfach)
- - - aber man kann lernen, dass man keine Kraft braucht, und eine Taste unten zu halten - und man kann lernen, den "Auftrieb" der Tasten zu spüren
relevant aber bei solchen Überlegungen und Experimenten ist: dass man mit allen Fingern permanent die Tasten berührt - und genau hier setzt das beschriebene bzw. erfragte Problem ein: macht man aus Interesse mal solche Übungen, kann man testen, ob man schon auf ständigen Tastenkontakt programmiert ist, oder ob noch die früheren "normalen" Bewegungsmuster mitmischen.

Wenn der Daumen gerne zur Seite verschwindet (etwa auch ganz weg von den Tasten, also quasi überm Abgrund vor den Tasten schwebt), so ist das lästig (weil man ihn extra wieder zu den Tasten bewegen muss, wenn er dran ist), aber zunächst mal normal.

Das bedeutet ja nicht, dass der Daumen "verspannt" ist - automatisch will er dem bewußt agierenden Finger nicht im Weg sein (ganz normal im Alltag - leider hinderlich bei schnellen Läufen ;)) - ein bewußt langsames Üben mit Konzentration auf das Gefühl des Tastenkontakts kann dem allmählich Abhilfe schaffen. Irgendwann macht der Daumen dann keinen "unwillkürlichen Quatsch" mehr. Hilfreich, sich die Eigentümlichkeiten des eigenen Bewegungsapparates überhaupt klar zu machen, sind die Übungen von P.Feuchtwanger.

:) schaden kann es nicht, die detaillierte Anatomie des Daumens zu kennen - aber ich glaube, das ist eher was für Mediziner wenn nicht gar Handchirurgen: ganz so genau müssen wir das am Klavier nicht wissen - aber spüren können wir eine ganze Menge: das muss man sich klar machen und sich angewöhnen, das ständige taktile Fühlen wahrzunehmen (u.a. hier ist die Übung des voraus greifens hilfreich, denn sie kann Bewegungsfolgen programmieren bzw. verautomatisieren)

ist doch ein schönes Fazit: wenn man ständig fühlt, wird´s besser werden!

Gruß, Rolf

*) und man kann sich, ohne es zu merken, lustige Sachen angewöhnen, die dann ganz automatisch ablaufen: ich kann rasante Oktaven oder ähnliches mit beiden Händen gleich gut - aber ich kann Brot nicht mit links schneiden, allerdings halte ich das Besteck immer so, dass die linke das Messer hält. Angewohnheiten von ganz früher!
 
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rolf schrieb: "hallo,

mach Dir mal lieber keine Selbstzweifel in Sachen Gehirn :D !!! das funktioniert nämlich mit Sicherheit ganz normal, das Gehirn.(.......)

ist doch ein schönes Fazit: wenn man ständig fühlt, wird´s besser werden!

Gruß, Rolf
(....)"

Liebe Kulimanauke,

ich glaub das ist der springende Punkt, das Wissen über Muskeln in der Hand kann nicht schaden, führt aber vllt auch von der Problemlösung weg.
Der Kopf löst das Problem nicht, sondern das altive Hinfühlen.

Manchmal hilft es auch, die Hand mal fest anzuspannen und dann die Anspnnung zu lösen, um den Unterschied zu fühlen. Oder eben de Daumen stark abspreizen, dann die Hand entspannen und den Unterschied bewusst zur Kenntnis nehmen. Sich sensibilisieren für das, was in der Hand abläuft. Die arbeitenden Muskeln spürt man mit etwas Übung.

Der Daumen hat viele Muskeln, deshalb kann er auch so gut isoliert arbeiten.
 
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Wie eine Hand aussieht (Museln, Knochen und Sehnen) kann man in jedem medizinischen Buch sehen. Etwa: http://www.iatrum.de/handmuskeln.html
Meines Wissens verfügen der 3. und der 4. Finger über einen Muskel weniger, was man bald merkt, und worauf man Rücksicht nehmen muß.
Abgesehen, daß am Klavier im Prinzip die Hand rechtwinklig auf die Tasten gehören, bei rechtwinklig, waagrecht gehaltenem Daumen (klingt alles so kompliziert, real versteht man es in 2 Sekunden).
Nun das wichtigste scheint mir zu sein, daß die Muskeln der Hand immer locker sind, und bei jeder Verspannung das Spiel sofort unterbrochen werden muß, wobei es natürlich Lockerungsübungen für die Hand gibt (Schütteln als Entspannung)
Also für mich war es unvorstellbar, mir darüber Gedanken zu machen, da dies Aufgabe des KL ist. Andere Zeiten.......
 
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(......)
Nun das wichtigste scheint mir zu sein, daß die Muskeln der Hand immer locker sind, und bei jeder Verspannung das Spiel sofort unterbrochen werden muß, wobei es natürlich Lockerungsübungen für die Hand gibt (Schütteln als Entspannung)

Also für mich war es unvorstellbar, mir darüber Gedanken zu machen, da dies Aufgabe des KL ist. Andere Zeiten.......
Ich stimme dem ersten Teil vollkommen zu, alles Andere ist Stress für die Hand und übt ein anstrengendes Gefühl in der Hand ein. Das fühlt sich dann normal an.

Zweiter Absatz: damit meinst Du, Du hast dir als Schüler darüber keine Gedanken gemacht?

Aufgabe des KL ist es, ja, aber ich finde, es kann nie schaden, sich bewusst zu sein über die Abläufe.

MMn nützt alles Üben nichts, wenn man nicht gezielt auf Fehlersuche geht und die Erfahrungen umsetzt.
Für angehende KLs finde ich dies zudem äußerst wichtig, denn sie können es dann gut weitergeben an ihre potenziellen Schüler, wenn sie selbst bewusst und aus eigenem Nachdenken und Tun heraus Probleme beim Spielen bewältigt haben.
 
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Nun das wichtigste scheint mir zu sein, daß die Muskeln der Hand immer locker sind, und bei jeder Verspannung das Spiel sofort unterbrochen werden muß, wobei es natürlich Lockerungsübungen für die Hand gibt (Schütteln als Entspannung)
hallo,

da stimme ich Dir vollständig zu. Allerdings vermag man das erst nach einer nicht ganz kleinen Weile der Praxis so zu machen, nämlich erst dann, wenn man sich unwillkürliche hinderliche Bewegungen abgewöhnt hat (wie z.B. das bei Anfängern oft zu sehende wegspreizen).

der 3.&4. Finger (da hatte doch Schumann an Selbstverstümmelung grenzende Sachen angestellt?!): gibt´s da nicht ein sonderbares Band, welches im Handrücken die Sehnen von 3.&4. Finger aneinander bindet? dass die von weniger Muskeln bewegt werden ist sehr erstaunlich...

Gruß, Rolf
 
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In Sachen Anatomie wäre noch hinzuzufügen, das der Kleinfinger einen eigenen Streckmuskel (M. extensor digiti minimi) hat, wie auch der Zeigefinger (M. extensor indicis). Außerdem haben Daumen und Kleinfinger Mm. opponens, Muskeln, die es ermöglichen, Finger gegenüber zu stellen und auch speziell abzuspreizen.

Grundsätzlich ist ja der Arbeit der Hand eine Zusammenarbeit von Gegenspielern, die so gezielte Bewegungen und das Fixieren von Haltungen ermöglichen.

Bei mir war zum Beispiel noch bis vor kurzem ein Übergewicht der Beugemuskulatur vorhanden, also die Muskeln der Handinnenfläche und der Unterarmunterseite.

Ich hatte es zunächst für eine Schwäche der Strecker gehalten. Die Lösung war aber die Lockerung der Beuger, der Gegenspieler(Antagonisten).

Was noch nicht zur Sprache kam, ist die Gegenüberstellung einer offenen und einer streckseitig verspannten Hand. Eine offene Hand ist ja noch nicht verspannt.

LG
violapiano
 
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Gott sein Dank!!! Ja, Du hast recht, zurück auf den Boden der Tatsache. Ich danke Dir für Deinen ausführlichen Beitrag. Ich muß ihn noch genauer studieren.
Also für mich war es unvorstellbar, mir darüber Gedanken zu machen, da dies Aufgabe des KL ist. Andere Zeiten....... Michaelbyt2tz
Andere Zeiten ... was meinst Du damit? Wenn Du Dir keine Gedanken um Deine Daumen machen mußtest, kann ich mir aber nicht vorstellen, daß Deine Schüler in Deinen "anderen Zeiten" immer schön brav die Daumen auf der Tastatur hatten.
Mein Kl kennt das Problem und er läßt meine Daumen auch nicht aus den Augen. Wir arbeiten daran, leider noch nicht intensiv genug, die Stunden verfliegen einfach.
Allerdings .... -- und dann ist es ein langer Weg, dem Klavierspiel dienliche Bewegungsweisen zu verautomatisieren!Rolf
Hier spricht ein erfahrener Lehrer. Gut zu wissen, daß es ein langer Weg ist, als Spätanfänger auch etwas deprimierend.
Aufgabe des KL ist es, ja, aber ich finde, es kann nie schaden, sich bewusst zu sein über die Abläufe. Violapiano
So sehe ich das auch. Durch die Beiträge bin ich meinem Daumen schon ein Stück näher gekommen.
... wenn man ständig fühlt, wird´s besser werden! rolf
 
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