Verschiedene Stimmungen

S

Styx

Guest
Jetzt hat mich doch mal n Kunde zum Nachdenken angeregt - meinte, der alte Klavierstimmer hätt bei ihm "so eine besondere Stimmung" gemacht, so in Richtung Barock....wie die Stimmung sich nannte, konnt mir der Kunde allerdings nicht sagen - gut, ich hab den denn mal ne Werkmeister gemacht (find ich persönlich grauenvoll, da nur auf sehr wenigen Tonarten wirklich spielbar). Ich klärte die Kundschaft auch darüber auf, daß bei solcherart historischen Stimmungen nur noch wenige Tonarten wirklich klingen.....aber gut, man meinte "mehr als 3 Vorzeichen sind eh ned drinn, aber die Tonarten will man dann schön "weich" haben. F Dur und B Dur haben auch sehr gut gefallen, bei den anderen ...naja,so noch zu ertragen bis hin "da fallen ja die Tassen aus dem Schrank"

Gut, bei meinen üblichen temperierten Stimmungen laß ich die Quinte h-fis1 am meisten wimmern, hingegen die Quinte Es-B am wenigsten, was Fis Dur schon durchaus zu einer sehr aggressiven Tonart macht.

Bei diesen historischen Stimmungen allerdings, sind ja nun die meisten Tonarten nicht mehr mit Genuß zu hören - so mit habe ich mir überlegt, welche Stimmung denn den Kunden gefallen könnte so er nur bis 3 Vorzeichen spielen mag - In der Praxis sieht es nun so aus:

(Zahlen in cent)
A = 0
E = -4
H = -8
Fis = -10
Cis = -6
As = -4
Es = - 2
B = 0
F = + 2
C = 0
G = + 2
D = 0

H, Fis, Des und As klingen hier nimmer gut, Es und B sind erträglich, der Rest der Tonarten sind sehr warm.

Viele Grüße

Styx
 
agraffentoni

agraffentoni

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Hallo Styx,
ich würde schauen, welche Terzen bis 3/4 Vorzeichen in Richtung rein gehen.
Da könnte evtl.die Neidhardt-Stimmung 'für eine große Stadt' in Frage kommen, müßte ich aber in meiner Liste(die in der Werkstatt liegt)
morgen mal nachschauen.

Grüße

Toni
 
S

Styx

Guest
Moin Toni,

hab mal soeben Neidhard ausprobiert - also da sollte man besser keine Kreuztonarten spielen, D-Dur beispielsweise, klingt da in der großen Terz einfach nur noch entsetzlich :D

Viele Grüße

Styx
 
J

jensen1

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Ich finde für das Klavier eigentlich nur sehr milde Temperierungen brauchbar, die zwar subtile Tonartencharakteristiken erzeugen, jedoch keine Tonart so stark benachteiligen, dass sie nicht mehr nutzbar ist. Das Klavier ist ja eigentlich als Universalinstrument für ein mehrere Jahrhunderte überspannendes Repertoire heute im Gebrauch und es ist klar, dass man da Kompromisse machen muss. Eine der alten Temperierungen, die nur für wenige Tonarten geeignet ist, halte ich für unbrauchbar, das sollte man den Instrumenten vorbehalten, die für diese spezielle Musik geeignet und typisch sind.

Gut gefällt mir das Equal Beating Victorian Temperament des amerikanischen Klavierstimmers Bill Bremmer, der sich sehr umfassend mit dem Thema beschäftigt hat und über den ich auch zum Thema "nicht gleichstufige Temperierungen für das Klavier" gekommen bin. Bis dahin hatte ich es immer abgelehnt, den Flügel anders zu stimmen als gleichstufig. Das EBVT ist sehr ausgeglichen und die Effekte sind eher subtil, aber deutlich wahrnehmbar für das geübte Ohr. Ich stimme meine Instrumente immer so.

C +4.52
C# +0.73
D +1.73
D# +2.35
E +0.29
F +1.02
F# -1.5
G +2.33
G# +1.65
A 0
A# +1.17
H +0.29

Irgendwo habe ich auch noch eine Stimmanleitung für das EVBT nach Gehör, aber da müsste ich suchen.
 
S

Styx

Guest
Ich finde für das Klavier eigentlich nur sehr milde Temperierungen brauchbar, die zwar subtile Tonartencharakteristiken erzeugen, jedoch keine Tonart so stark benachteiligen, dass sie nicht mehr nutzbar ist. Das Klavier ist ja eigentlich als Universalinstrument für ein mehrere Jahrhunderte überspannendes Repertoire heute im Gebrauch und es ist klar, dass man da Kompromisse machen muss. Eine der alten Temperierungen, die nur für wenige Tonarten geeignet ist, halte ich für unbrauchbar, das sollte man den Instrumenten vorbehalten, die für diese spezielle Musik geeignet und typisch sind.
Bin ich persönlich absolut Deiner Meinung - aber gut, des Kunden Wille ist des Kunden Himmelreich, hab auch schon mal für ne Kneipe ne "schräge Otto Stimmung" gemacht, wo ich mir auch dachte "dafür hätt man das Instrument am besten doch garned gestimmt". We4nn ich in der Wirtschaft eine Bulette mit Sauerkraut haben will, erwarte ich auch daß man es mir serviert, auch wenn sich der Koch noch so sehr da vor graust :D :D :D

Viele Grüße

Styx
 
Klimperer

Klimperer

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Irgendwo habe ich auch noch eine Stimmanleitung für das EVBT nach Gehör, aber da müsste ich suchen.
Die gibt's, zumindest auf Englisch, direkt auf Bills Webseite - allerdings habe ich mich damit schwer getan, weil einige Intervalle bzw. Schwebungsvergleiche meines Ermessens nicht sehr genau beschrieben sind. Ich bekomme unweigerlich eine unangenehm große Durterz zwischen as und c', die dem As-Dur (nach meinem Empfinden) einen zu aggressiven Charakter verleiht. Da ich nur nach Gehör stimme, bin ich mir nie sicher, ob ich die Anleitung falsch umsetze, oder ob dieser Charakter gewollt ist. Dann fummle ich lange am c' herum, und gebe es meist frustriert auf... Wiegesagt, das soll keineswegs auf Bills EBVT reflektieren - gut möglich, dass ich einfach zu doof bin, es gescheit umzusetzen.

Ciao,
Mark
 
S

Styx

Guest
Ich bekomme unweigerlich eine unangenehm große Durterz zwischen as und c', die dem As-Dur (nach meinem Empfinden) einen zu aggressiven Charakter verleiht.
Ja, As Dur klingt bei dieser Variante arg greisslich - man kann diese Stimmskala allerdings auch einen Tonschritt nach unten versetzen, dann ist es recht angenehm und geht dann zu Lasten von dis Moll/Fis Dur - eine Tonart welche nicht all zu oft vorkommt. f Moll/As Dur hingegen werden doch recht häufig verwendet.

Viele Grüße

Styx
 
Sesam

Sesam

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Hallo Styx,

ich verstehe gar nicht, was du hast ;-) Auf dem Klavier habe ich letztes Jahr auch eine "historische" Kellner`sche Stimmung von unserem lieben Wiener-Vorarlberger bekommen. Die hab` ich mir gewünscht und bin wirklich begeistert. Je weiter man im Quintenzirkel voranschreitet, umso schräger klingt es zwar, also ab As Dur/E Dur klingt es schon sehr fremd für unsere Ohren, aber trotzdem ist es interessant und aufschlussreich, Intervalle in den oberen Vierteln des Zirkels mal jenseits der üblichen Hörgewohnheiten zu hören.
Ich würde, was die Auswahl der Stücke betrifft, nicht unbedingt über die Epoche des Barock hinausgreifen. Komplexe, harmonisch elaborierte Klangwogen wie sie bei spätromantisch-impressionistischen Kompositionen auftauchen, lassen sich mit Kellner nicht darstellen, aber barocker Musik nähert man sich stilistisch mit völlig neuen Klangeindrücken an. Ist wirklich eine sehr empfehlenswerte Erfahrung. Vor allem, wenn man das Glück hat, vergleichend zwei Instrumente bespielen zu können.

LG, Sesam
 
S

Styx

Guest
Lieber Sesam,

wenn es nach mir ginge hätten ALLE Tonarten ausschließlich reine Intervalle - die Mathematik stellt sich da allerdings leider gegen mich (es hatte wohl seinen Grund gehabt warum ich Mathe schon in der Schulzeit gehaßt habe :D ), bei einer Aufteilung von nur 12 Tönen innerhalb einer Skala, ist man da an seine Grenzen. Sinnvoller wäre es vielleicht die Oktave in 24 Vierteltonschritten aufzuteilen...oder besser 48 Achteltonschritte :D :D :D


Viele Grüße

Styx
 
 

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