Tastenblicke

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Silvia

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Hallo zusammen, ich hab da mal eine Anfängerfrage. Ist vielleicht doof, aber es beschäftigt mich schon eine Weile: Ist es sinnvoll anzustreben während des Spielens so wenig wie möglich bis gar nicht auf die Tasten zu sehen und möglichst alle Bewegungen, auch größere Sprünge und Lagenwechsel "im Gefühl" zu haben? Im Laufe der paar Monate, die ich jetzt bereits übe, merke ich schon, dass es immer besser geht vom häufigen Blick auf die Tasten loszukommen und schon einige Sprünge ohne hinzusehen "in den Fingern" zu haben. Kommt das mit der Zeit einfach so als Belohnung fürs Üben hinzu oder muss man das konkret trainieren? Mich würde mal interessieren wie die anderen Anfänger das angehen.

lg

Silvia
 
Nora

Nora

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Hallo Silvia,

ich habe anfangs auch sehr auf die Tasten geschaut. Dies führte dazu, dass ich alle Stücke schnell auswendig gelernt habe, damit ich sie auch flüssig spielen konnte. Das wiederum hatte leider zur Folge, dass ich nicht mehr in die Noten geschaut und viele Dinge übersehen habe.

Ich habe dann mal die "Hausaufgabe" aufbekommen ein Stück wirklich blind zu spielen und immer in die Noten zu sehen. Das habe ich probiert und es hat tatsächlich geklappt. Seitdem ist der Knoten irgendwie geplatzt. Ich sehe jetzt viel mehr in die Noten und nicht so viel auf die Tasten.

Natürlich gibt es immer noch Stellen, an denen ich einen Blick riskiere. :D
Aber es ist deutlich weniger geworden. Ich habe daraus gelernt, dass ich es mir nur vornehmen muss. Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich mir nicht sicher, ob ich da nicht schon wieder etwas nachlässig werde. Ich sollte auch mal wieder darauf achten, dass ich es wirklich weiterhin umsetze.

lg
Nora
 
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Bachopin

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Hi,

bin zwar kein Anfänger mehr, aber ich hoffe ich darf da auch was dazu sagen. ;-)

Das grosse Ziel des Kl4spielens ist mit verklärtem Gesichtsausdruck und/oder geschlossenen Augen und leicht wippenden Oberkörper zu spielen. :D

Nee, nee, das grosse Ziel ist die musikalische innere Klangvorstellung ohne motorische Schwierigkeiten/Ablenkungen umzusetzen, um sich dabei nur auf den musikalischen Ausdruck konzentrieren/kümmern zu können.

Das bedeutet, dass du nicht dazu gezwungen sein solltest permanent auf die Tasten schauen zu müssen, da du dich ja dann nicht nur auf die Musik konzentrieren kannst.
Wobei der ständig unbewusst und automatisch ablaufende Prozess des Ausführens und der Kontrolle von Spielbewegungen durch alle Sinne (Augen, Ohren, Tastsinn, Muskelbewegungs/orientierungssinn) überwacht und gesteuert werden sollte. Die Augen sind also auch notwendig, aber sie sollten mehr das grosse Bild überwachen und nicht dazu gezwungen sein einzelne kleine Bewegungen zu überwachen.

Wie übt man das? Indem man ohne auf die Tasten zu schauen spielt. ;-)
Es gibt keine Abkürzung.
Übrigens ist auch das Spielen mit geschossenen Augen sehr lehrreich, da dann nur noch das Ohr und der Tastsinn benützt werden können.

Gruß
 
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JRMeijin

JRMeijin

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Wenn man es so weit schafft wie Wilhelm Kempff, der selbst bei Beethovens virtuosen Sonaten seinen Blick zum größten Teil nicht für die Tasten verschwendet, sondern entschlossen nach vorn bzw. nach oben schaut, der
kann sich wirklich groß nennen. =D
 
E

Emma

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Hallo Silvia,

habe einfach Geduld! Aber was anderes wird dir eh nicht übrigbleiben, denn beschleunigen kann man den Prozess nicht, was meine Erfahrung zumindest angeht. Ich spiele ja nun schon etwas länger als ein paar Monate und auf die Tasten muss ich immer mal wieder schauen, die rechte Hand ist da zwar schon ziemlich sicher, aber links muss ich wirklich immerzu "aufpassen", da passt das Gefühl noch nicht so. Ich entferne mich aber auch immer mehr von den Tasten (lt. meiner KL), aber trotzdem wird es noch einige Zeit dauern! Aber es ist auch mein großes Ziel, ich denke wenn man das geschafft hat, tja dann kann man wahrscheinlich alles erreichten! Vor allem ist man dann viel freier im Spielen, in der Interpretation, man kann die Augen tatsächlich mal schließen, ach wenn es doch schon soweit wäre....also arbeiten wir weiter dran!
LG
 
Guendola

Guendola

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Als "Belohnung" kommt diese Fähigkeit auf jeden Fall. Sicherlich kann man sie auch üben und es gibt ja auch Situationen, wo man nicht alles im Blick haben kann, man braucht sie also auch, es ist keine reine Artistik. Wie schnell man sie braucht, ob es also nötig ist, das speziell zu üben, weiß ich nicht. Ich selbst habe es früher nicht bewußt geübt und bin mir keiner üblen Folgen bewußt. Schaden kann es natürlich nicht aber ich habe den Eindruck, daß man es automatisch so lernt, wie man es braucht.
 
rolf

rolf

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Hallo zusammen, ich hab da mal eine Anfängerfrage.

hallo,

ich halte Deine Frage für keine "Anfängerfrage"!

einerseits ist die Klaviatur ja etwas breiter als ein Din A 4 Blatt oder ein Tablett, sodass es oft gar nicht möglich ist, für beide Hände gleichzeitig genau zu fixieren oder fokussieren, was man macht - die logische Folge ist, dass man sehr oft eine Hand "blind" spielt, ohne es zu merken. allerdings würde ich darüber nicht große nachdenken sondern das halt einfach laufen lassen!

andererseits kann man sich doch vorstellen, dass man joggen geht, ein Feld-, Wald- und Wiesenweg - man wird nicht permanent auf die direkt vor einem liegenden Schritte starren müssen, nur wenn Pfützen oder Steine/Wurzeln den Weg holperig oder glitschig machen, wird man genauer hinschauen, um nicht zu stoplern. exakt so macht es auch fast jeder Profi (wenn es schwierig wird, schaut man auf die zu treffenden Tastenregionen)

auf gar keinen Fall ist "alles ohne hinschauen spielen zu können" ein sinnvolles Ziel - alles schön zu spielen, darum geht es.

Gruß, Rolf
 
D

didanja

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Hallo Silvia,

schön, dass Du diese Frage gestellt hast. Ich habe mich auch schon oft gefragt, ob man versuchen sollte nicht auf die Tasten zu schauen.

Wenn ich es mir allerdings recht überlege, da ich es überhaupt nicht schaffe ein Stück auswendig zu spielen, muss ich zwangsläufig in die Noten schauen. Und wie Rolf schon sagte, auf beide Hände gleichzeitig und auf die Noten sehen, ist ja wohl nicht möglich. Also spielt man wohl mehr oder weniger unbewußt zumindest eine Hand blind. Ich sehe dabei wohl mehr auf die linke Hand, da die Sprünge dort meistens größer sind.

Gruß
Didanja
 
Moderato

Moderato

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...ob es also nötig ist, das speziell zu üben,......ich habe den Eindruck, daß man es automatisch so lernt, wie man es braucht.

Horowitz hat es bestimmt nie geübt:D Es gibt doch immer noch große Pianisten, die fast nie den Blick von der Tastatur lassen. Wenn Kempff in die Luft gekuckt hat, lag es vielleicht auch daran, daß er im Alter sowieso nicht mehr viel sehen konnte und ihn bewußtes Sehen auch angestrengt hat.
 
Fips7

Fips7

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auf gar keinen Fall ist "alles ohne hinschauen spielen zu können" ein sinnvolles Ziel - alles schön zu spielen, darum geht es.

Letzteres finde ich auch um Dimensionen wichtiger als es unbedingt zu vermeiden, auf die Tasten zu schauen. Es hilft mir beim Auswendigspielen, wenn ich meinen Fingern zuschauen kann. Sieht vielleicht von außen nicht so toll aus. Aber worum es geht, ist das, was aus dem Instrument an Musik herauskommt.

Grüße von
Fips
 
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Moderato

Moderato

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Fips, seit ich Dich spielen gesehen habe, würde ich sagen, Du spielst wie Horowitz;). Ich empfinde das beim Zusehen und Zuhören durchaus als Versenkung in das "Machen" und in die Musik.
 
Fips7

Fips7

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Fips, seit ich Dich spielen gesehen habe, würde ich sagen, Du spielst wie Horowitz;). Ich empfinde das beim Zusehen und Zuhören durchaus als Versenkung in das "Machen" und in die Musik.

:eek: Boah, das ist ja mal ein Kompliment! Danke! Aber natürlich habe ich nicht ganz die technische Ausstattung wie ein Horowitz (bedauerlicherweise)...
Die "Versenkung in die Musik" ist etwas, was ich anstrebe, was ich mir wünsche (auch für den Zuhörer). Ich habe zwar noch nicht das Gefühl, an dem Punkt zu sein, wo ich hin will. Aber wenn etwas davon spürbar geworden ist für dich, dann freut mich das natürlich ungemein. :)

Grüße von
Fips
 
S

Silvia

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Danke für eure Antworten, damit kann ich wirklich etwas anfangen. Ich habe auch schon gemerkt, dass das von den Augen unabhängige Tastenspiel sich im Laufe der Monate verbessert. Ich war mir nur nicht sicher, ob ich mich auch mit großen Sprüngen, die über eine Oktave groß sind, quälen muss um sie "blind" zu finden. Ihr habt mich ungemein beruhigt :-)
Ich finde das Forum hier wirklich eine Bereicherung und eine große Hilfe für mein weitestgehend autodidaktisches "Werkeln" am Klavier. Ich bin eigentlich täglich hier so am Schauen, was es für neue Fragen gibt und um die interessanten Antworten zu lesen.
Liebe Grüße aus der sonnigen Südpfalz.
Silvia
 
S

Sabrina09

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Höre zum ersten Mal, dass man sich den Blick auf die Tasten zu Gunsten der Musik abgewöhnen sollte. Meine KL hat davon nie etwas erwähnt.. Ok, wenn ich ein Stück sicherer spiele, gucke ich auch nicht mehr soooo häufig.. ausser

Macht aber Sinn - ich werde mal versuchen darauf zu achten ;)

Grüsse
Sabrina
 
 

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