Synkopen - Betonung auf 4&

  • Ersteller des Themas karl2646
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karl2646
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Hallo ihr Lieben,



ich lese schon eine Weile mit und konnte auch schon einige meiner Fragen über die letzten Jahre dank des Forums beantworten. Heute ist im Klavierunterricht allerdings eine Frage aufgekommen, durch die ich nun etwas verwirrt bin und gerne eure Meinung einholen würde.

Und zwar geht es um Synkopen in folgendem Stück: https://www.lssyes.com/long/sheets/Animenz-2019-6-25/PDF/Oath Sign.pdf

Das Problem ist meinem Lehrer ab Ende des Taktes 21 aufgefallen. Dort findet ja ein „push“ statt, also die Bassnote wird aus Takt 21 um eine Achtel vorverschoben, also auf das im 4/4 Takt unbetonte 4&. Nun dachte ich immer, der Witz an diesem Push ist, dass ich nun eine musikalische Betonung auf einem sonst unbetonten Schlag habe und somit gegen den Takt arbeite. Das erzeugt Spannung und habe ich auch bisher immer als Synkope verstanden. Mein Lehrer meint nun, es sei falsch hier auf 4& eine Betonung zu spielen. Vielmehr solle ich in dem Takten 21-24 immer die 1 und die 3 betonen. Seine Begründung: ohne dazugehöriges Schlagzeug/Metronom würde der Hörer in diesen Takten gar nicht mehr merken, dass hier synkopiert wird, sondern würde einfach die 4& als 1 hören. Meiner Meinung nach ist dem aber nicht so, denn beispielsweise in Takt 17-20 ist die Bassnote ja immer auf 1, also auch eine Betonung und dadurch entsteht ja ein Kontrast zu Takt 21-24. Selbiges gilt dann wieder ab Takt 25. Um das zu hören, benötige ich doch gar kein Schlagzeug oder Metronom. Zudem klingt es mMn komisch, wenn ich dort die 1 und 3 betone. Die 3 wird ja nur in der linken Hand angeschlagen.

Ich habe mir nun zahlreiche Videos zum Thema Synkopen angeschaut und fühle mich eigentlich in meiner Meinung bestätigt, nämlich, dass gerade unbetonte Abschnitte des Taktes betont werden sollen und nicht nur eine Verschiebung stattfindet und nach wie vor brav die 1 und 3 betont werden. Selbiges in Takt 24 auf 2&. Melodisch klingt es für mich am besten dort den Akkord in der rechten Hand zu betonen. Mein Lehrer meint: nein, die Betonung gehört auf die 3.

Ich würde mich über jegliche Antworten freuen, denn das brennt mir schon seit heute Mittag extrem unter dem Nägeln :D.

Hier ist die Original Performance. Dort haben wir keine besonderen Betonungen gehört, aber ich bin der Meinung, eine leichte Betonung findet schon auf 4& statt.


https://www.youtube.com/watch/?v=krQdykIbABE

Zwar ein anderes Arragement, aber hier höre ich die Betonung bei 1:02 genauso, wie ich es vermute.

https://www.youtube.com/watch/?v=uQ39BVt_3sk



Liebe Grüße und bereits jetzt vielen Dank für jegliche Meinungen!
Karl
 
joe
joe
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Ob man hier tatsächlich von Synkope im klassischen Sinn sprechen sollte, wage ich zu bezweifeln. Der Umgangsname hierfür ist die "vorgezogene Eins", was im Pop-Bereich millionenfach vorkommt - und, natürlich, betont wird.
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
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Mein Lehrer meint nun, es sei falsch hier auf 4& eine Betonung zu spielen.
Dein Lehrer hat schlichtweg keine Ahnung von Pop-, Rock- oder Anime-Musik und meint, seine Hörgewohnheiten seien "richtiger" als unbekannter Notentext. Evtl. sollte er sich mal paar Filme reinziehen.
Seine Begründung: ohne dazugehöriges Schlagzeug/Metronom würde der Hörer in diesen Takten gar nicht mehr merken, dass hier synkopiert wird, sondern würde einfach die 4& als 1 hören.
Falscher kann man gar nicht argumentieren. Gerade dazugehörige Schlagzeuge, aber auch alle anderen Instrumente inkl. Stimme machen in der Rock- und Popmusik bei diesem Stilmittel der Steigerung in unzähligen Stücken die Verschiebung mit und verstärken den "Push-Effekt". Trotzdem kommt der Hörer nicht durcheinander. Der Grund ist auch ganz einfach: Außer der "Eins" wird nix verschoben.
 
Demian
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Stelle deinen Lehrer doch mal auf die Probe: Sage ihm, du seist auf einem Rock-Konzert gewesen, und alle hätten auf den Zählzeiten Zwei und Vier mitgeklatscht. Das sei doch völlig daneben, weil ja schließlich die Eins und die Drei die betonten Zählzeiten sein müssen, analog zur Bass Drum.

Das hat zwar nicht direkt mit deinem geschilderten Problem des Off-Beats zu tun, sondern mit dem Back-Beat ( Betonung auf Zwei und Vier), aber die Antwort deines Lehrers wird aufschlussreich sein.
 
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StefanN
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Das ist doch ein sanftes Stück, Die Melodie schwebt über dem festen Grundschlag der lH.
Wer da anfängt, marschartig die Synkope auf 4& herauszuhauen, outet sich als Klassiker.

Die Melodie mal komplett allein in der rH spielen oder singen (die Töne liegen ja gut zum Singen). Die Geste g'-fis'-d'-d' (Achtel-Viertel-Viertel-AchtelViertel) muss als Motiv verstanden werden, am liebsten noch leicht diminuendo und diesen "Synkopenton" leise wie beim Sprechen ein Satzende. Oder ganz leicht anbetonen, wie wenn man nach oben blickt. Jedenfalls gerade nicht herausdonnern. Der Lehrer hat recht.

Und das ganze argumentative Geknobel mit Bass auf 1 und so kann man sich gleich schenken, der Hörer hört keine Mathematik mit. Der Höreindruck zählt. (Dass es Hörkonventionen gibt, weiß ich. Auf diesem Level spielen sie aber noch keine große Rolle.)
 
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Flieger
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der Hörer hört keine Mathematik mit. Der Höreindruck zählt.
Schon, aber der Höreindruck ist doch, dass der Rhythmus etwas früher kommt, dass etwas verschoben ist, schneller ist. Dafür ist eine gewisse Betonung nötig.
Wie stark dieser Eindruck ist, bzw. wie stark die Betonung sein muss, damit sie dem Hörer auffällt, ist individuell höchst unterschiedlich und ein Musiker kann das nicht für jeden im vollen Konzertsaal im richtigen Ausmaß machen. Für ein paar wird es unnötig stark sein, ein paar andere werden es nicht bemerken...
 
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karl2646
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Schon einmal vielen Dank für eure Antworten es schien sich ja eine einheitliche Meinung anzudeuten, so klar gegen Ende dann aber doch nicht. De Ausdruck vorgezogene 1 war mir noch nicht bekannt, hat mir aber noch einmal deutlich bei der weiteren Recherche geholfen. Speziell in etwas rockigeren Stücken höre ich hier auch sehr häufig eine Betonung. Könnte man sagen, dass eine Betonung auf 4& möglich, aber nicht unbedingt notwendig ist? Ganz falsch, wie mein Lehrer es meinte, scheint sie ja nicht zu sein :)

LG
Karl
 
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ralle
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Jetzt musste ich mich mal anmelden, weil da doch viel Unsinn geredet wird.

Dort findet ja ein „push“ statt, also die Bassnote wird aus Takt 21 um eine Achtel vorverschoben, also auf das im 4/4 Takt unbetonte 4&. Nun dachte ich immer, der Witz an diesem Push ist, dass ich nun eine musikalische Betonung auf einem sonst unbetonten Schlag habe und somit gegen den Takt arbeite. Das erzeugt Spannung...
...wenn man das mal macht, ja. Und immer nur solange, wie das Metrum klar erkannt wird. Das kann durch andere Stimmen geschehen, durch deutliche Harmoniewechsel auf dem Schlag oder dadurch, daß das Metrum vorher "bekannt" war, man sich also noch im Groove befindet. Dann denkt man das Metrum noch für 1 bis vielleicht 2 Takte weiter. In dieser Zeit kann man off-Beat Akzente setzen, wie es beliebt. Und so machen es gute Rock-/Funk-/Jazzbands auch. Sie kehren aber bald zum Beat zurück. Du kannst aber nicht beliebig lange nur synkopieren. Wenn das ginge, müsste man nur die Taktstriche in einem gegebenen Stück verschieben und es würde "voll synkopisch" klingen. Das ist natürlich Unsinn.

So etwas geschieht in diesem Stück aber. Ich musste es 3-5 mal anhören, um an den neuralgischen Wechselstellen einen Beat durchhalten zu können. Anfangs habe ich genau das gehört, was dein Lehrer sagt: die 4+ als 1. Für mich schwimmt das Stück an den Stellen. Ich kenne das Stück nicht und das "qualifiziert" mich in gewisser Hinsicht, weil ich es unvoreingenommen hör(t)e. Du kennst es und hast die Noten vor dir. Beides trübt leider die Wahrnehmung.
M.E. ist das Machwerk einfach nur schlecht arrangiert. Oder der Kompositeur wollte den verschwommenen Eindruck hervorrufen. Aber das ginge sicherlich kunstvoller.

Hier ↓ hast du im Bass von Anfang an Synkopen: auf 1+ und 2e, aber: dann kommt die 3, gefolgt vom Backbeat 4 im Schlagzeug. Ohne Firlefanz! Und über dem Ganzen der Gesang, der sehr deutlich die 1 markiert.


https://www.youtube.com/watch/?v=aC7_LAklaHo?start=54
 
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Flieger
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Möglich ist alles. Die Frage ist eher, was üblich ist.
Ob etwas falsch ist, kann man nur sagen, wenn man es auf ein konkretes Regelwerk bzw. auf Konventionen bezieht. Aber gegen Konventionen zu verstoßen ist ein wichtiger Teil in der Kunst. Irgendwann wird der Verstoß zur neuen Konvention (wenn er denn gut klingt, Spaß macht, etc.) und dann gibt es wieder neue Verstöße, die gegen diese neue Konvention verstoßen. Das scheint ein zeitgenössisches Werk zu sein. Hat sich der Komponist einem speziellen Genre verschrieben, dessen Regeln er absolut eingehalten haben will? Dann kann man richtig und falsch benennen. Ansonsten hat der Interpret auch gewisse Freiheiten. Ich betrachte (als nicht-professioneller Musiker) die Noten und Akzentuierungen als Vorschläge(!) des Komponisten. Meist sind es sehr gute Vorschläge und es zahlt sich aus, sie zu befolgen. Aber es sind keine Gesetze, die man buchstäblich befolgen muss. Letztlich spiele ich ja für mich (und nicht für den Komponisten und auch nicht für ein zahlendes Publikum).
Probiere verschiedene Betonungen durch! Welche gefällt dir am besten?
 
Peter
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Bechsteinfan
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Ich kenne das Stück nicht und das "qualifiziert" mich in gewisser Hinsicht, weil ich es unvoreingenommen hör(t)e.
:-D
Ich musste es 3-5 mal anhören, um an den neuralgischen Wechselstellen einen Beat durchhalten zu können.
Das ist bemerkenswert angesichts der Arpeggios der linken Hand, die das Metrum in 8teln durchhält und NUR! die 4& und die 1 verbindet und angesichts der Tatsache, dass ein viertaktiges Thema lediglich wiederholt wird. Genaugenommen wird der Offbeat bereits bei 1& wieder aufgelöst; hält also noch nicht mal einen halben Takt lang.
Ich kannte das Stück auch nicht (ich bin qualifiziert! :-D ); für mich ist da jedoch nix ins Schwimmen gekommen.
 
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ralle
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Ich glaube, ehrlich gesagt, daß es Leuten, die so einen Krempel öfters hören, wurscht ist, ob da nun eine Synkope ist oder nicht. Ich habe ja ein Beispiel für wirksame Synkopen verlinkt. Davon gibt es unzählige in der Popmusik. Das Stück des OP ist ganz sicher keines. Man hätte sie ohne jede musikalische Einbuße hier auch weglassen können (man hätte übrigens ohne jede Einbuße für das kulturelle Erbe auch das Stück weglassen können :005:).
 

 

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