Stück versehentlich auswendig gelernt?

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von fbuckert, 27. Juli 2015.

  1. fbuckert
    Offline

    fbuckert

    Beiträge:
    11
    Hallo Zusammen,

    unglücklicherweise ist meine KL vor den Ferien krank geworden, ohne dass wir Stücke für die Ferien absprechen konnten. Ich spiele also die Stücke von vorher weiter...und heute habe ich gemerkt, dass ich ein Stück auswendig spielen kann (da bin ich etwas stolz drauf!). Ich frage mich jetzt, wieso und wie ich das kreativ nutzen kann? Die Noten habe ich nicht im Kopf. Die 'Melodie' natürlich schon, aber das kann es eigentlich nicht sein.

    Was lernt man beim Auswendig spielen?

    Voller Stolz und Fragen

    Gruß

    Friedrich
     
  2. Pianojayjay
    Offline

    Pianojayjay

    Beiträge:
    5.568
    Frag mich nicht wie das Gehirn es macht, man hat definitiv nicht alle Noten im Kopf. Aber wenn du das Stück auswendig kannst, dann bist du viel freier beim Spiel, da du dich nicht auf die Noten konzentrieren musst
     
  3. klaviermacher
    Offline

    klaviermacher

    Beiträge:
    8.053
    Hallo Friedrich,

    Ich lerne Musik ähnlich wie Sprache. Also es ist eine Geschichte, und die hat ein Schema, eine Handlung, einen Anfang und ein Ende. Keine Ahnung, wie man das sonst erklären kann. Wenn ich einen Satz formuliere, komponiere ich ;-) Wenn ich jemandes andere Komposition wiedergebe, dann zitiere ich.^^

    LG
    Michael
     
  4. pepschmir
    Offline

    pepschmir

    Beiträge:
    96
    also ich (Anfänger) habe immer ein erhabenes Gefühl wenn ich ein Übungsstück ohne Noten das erste Mal durchbringe. Das ist für mich eigentlich sogar die ultimative Motivationsbombe um das Stück richtig anzugehen und die Details auszuarbeiten...
     
  5. Chopinne
    Online

    Chopinne Guest

    Ich gehe mal davon aus, dass Du das Stück im motorischen Gedächtnis hast. Das kann man durch mehrmaliges Wiederholen erreichen; aber vorsicht: Bereits kleine Veränderungen der äußeren Umstände (anderer Flügel, neuer Raum, Zuhörer!!) können es stören und dann hängst Du in der Luft.

    Um Dich 100%ig sicher zu fühlen, solltest Du das Stück nicht nur von Anfang bis Ende ohne Unterbrechung "abspulen" können, sondern an beliebigen (von Dir gesetzten) Punkten einsetzen können. Auch immer mal wieder mit Noten üben, damit Du nicht den Bezug zum Text verlierst.
    Einige Profis lernen auch den Text durch Reflexion auswendig; allerdings habe ich das noch nie ausprobiert, dazu fehlt mir die Zeit momentan.... :/

    Nachtrag: Was natürlich immer hilft beim auswendig lernen, ist, zu versuchen, die musikalische Entwicklung nachzuvollziehen und zu verstehen! Dann werden zB aus 10 Einzelnoten auf einmal 5 große logisch zusammenhängende Gruppen und aus diesen wiederum nur noch zwei usw....also Einzelelemente zusammenzufassen. Dieser Technik bedient man sich auch im Gedächtnistraining (Mnemotechnik), wenn es gilt, sich besonders viele Zahlen zu merken.
    Beispiel: 12031967.
    Das menschliche Gehirn kann sich normalerweise nur 7 Informationen auf einmal merken. Indem Du aus obiger Zahl etwas machst, das Sinn ergibt, zB: 12.03.1967 (als Datum!) hast Du sieben Einzelinformmationen zu drei komprimiert (Tag-Monat-Jahr). Lässt sich auch auf Noten übertragen, wenn man ein wenig musiktheoretisches Wissen hat. Aber das nur am Rande, weil ich es interessant finde :D

    Weiterhin viel Spaß!
     
    Joh, Tuki, Doc88 und 7 anderen gefällt das.
  6. ag2410
    Online

    ag2410 Guest

    Was Zahlengruppen angeht: Ich kann mir die Zahlen nur in einem bestimmten "Rhythmus" merken, sodass sie aufgeteilt in 4/4 oder 3/4-Takt-Rhythmus passen (geht auch bei ungeraden Zahlengruppen). Schräg, ich weiß.
     
    Chopinne und PianoAnnie84 gefällt das.
  7. Peter
    Offline

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    18.014
    Oh ja! Es ist mir ein Grauen, wenn ich eine Telefonnummer in einem Rhythmus vorgelesen bekomme, der nicht meiner ist.
    Berliner Telefonnummern sind mir immer in der Folge 3-2-3 zu nennen!
     
    Lustknabe, ag2410 und klaviermacher gefällt das.
  8. fbuckert
    Offline

    fbuckert

    Beiträge:
    11
    Volle Zustimmung!

    Schön finde ich auch immer wenn die Zahl als Ganzes vorgelesen wird: z.B. 57 wird zu Sieben.......undfünzig
     
  9. raffaello
    Offline

    raffaello

    Beiträge:
    390
    Telefonnummern lassen sich gesungen am einfachsten merken:
    0190 331 331 (Pause) 331 331 :blöd:
     
    AndreasBln gefällt das.
  10. elli
    Online

    elli Guest

    Frage, wie spielst du den Flowalzer? Flohwalzer lernt man meist eher nicht vom Lehrer, sondern der wird einem ohne Noten von einem Gutmütigen gezeigt. D.h. man lernt durch das Blicken auf die Tastatur, merkt sich genau wo wie gegriffen wird im richtigen Rhythmus und spielt es ausschließlich auswendig.

    Viele Anfänger lernen auf diese Weise ihre Stücke, identifizieren die Notenschrift mit den Tasten und Griffweisen und lernen dieses auswendig und spielen nach diesem Programm das Stück. Auffällig werden diese Schüler, da sie kaum etwas direkt vom Blatt hinkriegen ohne auf die Tastatur zu schauen.

    Diese beiden Arten sind miteinander verwandt, da sie nicht von der Musik ausgehen, sondern vom mechanischen wie und wo.

    Hat man die Musik im Kopf und setzt diese auf dem Klavier um, dann handelt es sich um einen weit fortgeschrittenen Schüler, denn es gibt genug antrainierte Griffbewältungsstrategien für bestimmte Musikabfolgen. Erst in diesem Stadium gibt es echtes Auswendigspielen im Sinne von Musik wiedergeben. Hier ist es nur notwendig an hakigen Stellen gewisse Fingersätze zu optimieren und zu lernen, ansonsten läuft die Musik und wären wohl auch kaum ellenlange Stücke auswendig möglich, rein auf mechanisches Abfolgengedächtnis sich verlassend.

    Zwischen diesen beiden Varianten liegen die Blattleser, sehr gute Blattleser können alle vermerkten Zeichen kombiniert mit antrainierten Bewältigungsstrategien sofort umsetzen und die Musik gestalten. Beim Üben werden sie dieses natürlich optimieren, manche Fingersätze persönlicher gestalten - und wenn sie bereits Könner sind, auch ohne Fingersätze mehr oder weniger direkt aus angelerntem Knowhow die Musikschrift umsetzen können.

    Vorteil liegt in der Fähigkeit schnell Stücke sich selbst erarbeiten und gestalten können. Aber im Auswendigspielen blockieren sie sich oft selbst, da irgendwie im Hirn eine Leitung zwischen Notenschrift Musik und Ausführung besteht - gebe ich dem Spieler (natürlich nicht einem Profi) eine andere Ausgabe wird es zunächst hakeln.

    Zu letzterem gehört meist der fortgeschrittene Laienspieler, der Profi kann beides Nach innerlich gehörter Musik, die er eben vom Blatt innerlich ohne Instrument ablesen kann, lernt und schließlich ohne Noten umsetzen kann.

    Ach , es gibt auch noch Auswendigspieler, die schließen die Augen und haben fotografisch die Noten im Gedächtnis und spielen diese ab. Das sind aber immer noch Vom-Blattspieler
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Juli 2015
  11. fbuckert
    Offline

    fbuckert

    Beiträge:
    11
    Den Flohwalzer spiele ich gar nicht!

    Ich spiele seit gut 10 Jahren Saxophon und kann daher ganz gut mit Noten, wobei der Bassschlüssel mir immer noch Probleme bereitet. Seit ca. 4 Monaten lerne ich noch Klavier.

    Ich spiele sonst nur nach Noten. Soweit ich mich in meiner 'Komfortzone' bewege, schaue ich nicht auf die Tastatur. Bei dem Stück (Walking Together - Christopher Norton) war das Problem, das ich die Sprünge nicht alle ohne Blick auf die Tastatur hinbekommen habe und daher erst mal diese 4 Takte auswendig gespielt habe. Nach dem Blick auf die Tastatur war es dann nicht ganz einfach wieder die Stelle zu finden, wo es weiter geht. Also habe ich auch das noch auswendig gespielt, aber ohne Blick auf die Tasten....

    Gruß
    Friedrich

    P.S.: Die meisten Sprünge gehen mittlerweile auch ohne Blick auf die Tasten - was üben alles bewirken kann.
     
  12. elli
    Online

    elli Guest


    Lustig sind schon mal die Namen dafür in verschiedenen Ländern:
    • Großbritannien: Chopsticks („Essstäbchen“)
    • China: 小偷进行曲 Xiǎotōu jìnxíngqǔ: („Marsch der Diebe“)
    • Japan: 猫踏んじゃった Neko Funjatta („Ich bin auf die Katze getreten“)
    • Korea: 고양이 춤 Koyangi Chum („Katzentanz“)
    Wer will kann dahinter gewisse Gemeinheiten entdecken :teufel: (Beispiele aus deutschem wiki Flowalzer)

    Meine Version - also die ich durch Flüsterpropaganda gelernt habe- ist mit links Oktaven, offensichtlich laut you tube ist allerdings die Sache nochmal vereinfacht worden:
     
  13. cwtoons
    Offline

    cwtoons

    Beiträge:
    6.069
    Wer is 'n das?

    CW
     
  14. Barratt
    Online

    Barratt Lernend Mod

    Beiträge:
    8.638
    Super! :super: Das trifft´s! Die Japaner und ihre onomatopoetischen Wörter ... unvergleichlich.
     
    rolf gefällt das.
  15. Steppenwolf
    Offline

    Steppenwolf

    Beiträge:
    8
    Hallo,

    beim Auswendiglernen spielen viele Faktoren eine Rolle.

    Es reichen 15 Minuten Klavier spielen, um das Gehirn neu zu strukturieren.

    Das motorische Gedächtnis wird angekurbelt und es entstehen Synapsenverbindungen (Nervenzellenverbindungen). Wenn du nun dein Stück etwa 1000 mal spielst, kann es durchaus vorkommen, dass dein Gehirn jetzt die Bewegungen der Finger kennt und du nur noch darauf in deinem Geist zugreifen musst, um es zu spielen.

    Das visuelle Gedächtnis ist, wenn du die Noten "virtuell" vor deinen Augen siehst. Das heißt, du brauchst die Noten nicht, aber weißt trotzdem an welcher Stelle, welche Note steht.

    Das auditive Gedächtnis ist, wenn du die Musik innerlich hören kannst. Meiner Meinung nach das wichtigste Gedächtnis überhaupt beim Klavier spielen. Denn nur, wer die Melodie innerlich abrufen kann, kann auch gut musizieren.

    Ich glaub es gibt noch mehr Gedächtnisarten...

    Klavier spielen ist deswegen ein prima Mittel gegen Demenz.

    Nun hängt es von deinem Gehirn ab, wie schnell solche Synapsenverbindungen zu Stande kommen. Hast du schon seit Kindheit an geübt und ohne Unterbrechung, wirst du ganz schnell auswendig lernen.

    Ab einem Alter von 40 Jahren ist es nur noch sehr schwierig auswendig zu lernen, aber nicht unmöglich.

    Ich bin 26 und ich bemerke jetzt schon einen Unterschied, was das Auswendig lernen betrifft. Mit 20 konnte ich Stücke nach 6 Wochen auswendig. Jetzt müsste ich mich schon anstrengen, um ein Stück auswendig zu lernen.
     
    Chopinne gefällt das.
  16. Chopinne
    Online

    Chopinne Guest

    @Steppenwolf : Sorry, nicht themenbezogen...aber Dein Nickname.... :herz: Hessefan?
     
  17. Steppenwolf
    Offline

    Steppenwolf

    Beiträge:
    8
    Weiß nicht. Einfach so ausgewählt. :-)

    Vielleicht mag ich die Band Steppenwolf...
     
  18. Dorforganistin
    Offline

    Dorforganistin

    Beiträge:
    1.809
    Es ist nicht schwieriger als in jungen Jahren, allenfalls ein bisserl anders. Ob jemandem das Auswendiglernen leicht oder schwer fällt, hängt von vielen Faktoren ab. Das Alter könnte einer dieser Faktoren sein, finde ich (Ü40) aber vernachlässigbar.
     
    SaWa, KAsper und Lustknabe gefällt das.
  19. Steppenwolf
    Offline

    Steppenwolf

    Beiträge:
    8
    Von welchen Faktoren hängt das denn ab, ob das Auswendig lernen schwierig fällt oder nicht?
     
  20. Lustknabe
    Online

    Lustknabe Guest

    Für wie wichtig dein Organismus den zu erlernenden Inhalt erachtet.

    Lg lustknabe
     
    sadagio, Styx, Nutifean und 3 anderen gefällt das.