Schubert sämmtliche Tänze

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Bachopin

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Hi,

meiner Meinung zeigen viele grosse Klavier-Komponisten gerne ihre Kunst in zusammenfassenden Werken mit kurzen Stücken.

Meistens heissen die dann Variationen oder Ecosaissen oder ... Typisches Beispiel sind die hier oft genannten 32 C-Molll Variationen von Beat-Hoven.
Diese Stücke sind mM meistens sehr geeignet für den fortgeschrittenen Enthusiast, da sie kurz (wer will als Üxx noch wochenlang eine Beethoven Sonate einüben? ;-) ) und meistens nicht gerade oberster Schwierigkeitsgrad sind, aber trotzdem die kompositorische Kunst in bewusst schulender und präsentierender Weise vielfältig abbilden.

So. Bei Schubert habe ich jetzt die für mich ziemlich unbekannte, grosse Sammlung sämmtlicher Tänze erschienen bei Henle als solches Werk entdeckt. Dazu habe ich noch ein paar Fragen, da ich das nicht richtig einschätzen kann:

1.) Sind das wirklich präsentierende und lohnende Beispiele der Klavier Kunst von Schubert? Was ist eure Meinung?

2.) Man findet wirklich wenig Aufnahmen. Besonders die Menuette würden mich interessieren. Haber dazu aber praktisch nichts gefunden. Hat da jemand einen Tip? Am besten fände ich eine Kompletteinspielung.

3.) Es sind ja alles Tänze. Wo finde ich kurze Stücke in diesem Sinne, die auch mehr das wichtige Liedhafte von Schubert zeigen?

Danke und Gruß
 
pianochris66

pianochris66

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Hallo Bachopin,

ich habe sämtliche Klavierwerke von Schubert in einer Gesamteinspielung mit Gilbert Schluchter auf CD, erschienen bei Tudor.

Gerhard Oppitz hat wohl auch das Gesamtwerk Schuberts beim Label Hänssler Classics eingespielt.

Ob Schluchter noch erhältlich ist weiß ich nicht, Oppitz auf jeden Fall.

LG
Christian
 
Walter

Walter

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Hallo Bachopin,

die Sämmtlichen Tänze von Schubert besitze ich auch, habe sie zum Teil auch "durchgemacht":

z.B. die 34 Valse sentimental habe ich vor Jahren ziemlich einwandfrei auf Kassette eingespielt. Gesamtdauer ca. 30 Minuten.
Das am Stück als reine Musik anzuhören, ist fast nervtötend, so sind die Stücke aber auch nicht gedacht.
M.E. sind das aufgeschriebene Einfälle Schuberts, mit denen er seinen Freundeskreis unterhalten hat.

Vielleicht lässt sich diese Reihe komplett als edelste Kaffeehausmusik verwenden.
Oder man begeht das Sakrileg, nur eine Auswahl davon mit etwa 10 Minuten Dauer aufs Konzertpodium zu bringen.

Weder das Eine noch das Andere macht ein "ernsthafter" Pianist, deshalb wenige Aufnahmen.

Die 6 Deutschen Tänze, D 820 habe ich schon viel öfter in der Bearbeitung für Streichorchester
von A.v.Webern im Radio gehört als das Original auf dem Klavier. :(

Diesen Zyklus habe ich schon präsentiert, eine sehr "schuberthafte" und passende Konzertnummer.

Schubert ist natürlich zuallererst der Liederkomponist und viele seiner Klavier, Kammermusik- und Orchestersachen
müssen vom Gesang her verstanden werden.

Schubert ist aber auch der gesellige Alleinunterhalter am Klavier, der Improvisator von kleinen Tänzen.
Es ist unumgänglich, auch diese Seite Schuberts zu kennen, will man so manchen Sätzen in den Klaviersonaten gerecht werden.
Der letzte Satz in der A-Dur Sonate D 664, ein Rondo, obwohl im 6/8Takt, strotzt geradezu von Walzerseligkeit, das nur ein Beispiel.

Fazit: Ich finde, im Anschluss an Deine erste Frage, die Tänze Schuberts nicht vollständig präsentierend,
aber trotzdem lohnend und für das Kennenlernen des Charakters Schuberts unverzichtbar.

Viele Grüße, überwiegend im 3/4-Takt

Wal(z)er, nein Walter
 
K

klafierspieler

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Die Tänze wurden meines Wissens wirklich zum Tanzen benutzt, später hat Schubert seine Improvisationen aufgeschrieben.

Habe vor einer Weile einen Klavierabend gehört, der durch eine Auswahl von Tänzen eingeleitet wurde. Der Pianist bezeichnete sie als Wörterbuch der Schubertschen Tonsprache. Danach folgten zwei große Sonaten. Damit ist denke ich der Stellenwert dieser Kompositionen und die Einordnung in ein Konzertprogramm adäquat realisiert.
 
B

Bachopin

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Hi Leute,

danke für die Hinweise.

Schubert Tänze, eine Fundgrube
dieses Menuett in cis-moll D 600 finde ich herausragend. Aber es gibt soviel mehr.
Das cis-moll Menuett ist klasse und hört man öfters. Das ist aber leider erst im 2. Band. Ich habe zu Weihnachten nur den 1. Band geschenkt bekommen. ;-)

diese CD-Box enthält eine ziemlich umfangreiche Einspielung der Schubert'schen Tänze. Dort steht 'Ga', was wohl 'Gesamtausgabe' heißen soll. Die Menuette sind laut Box-Rückseite jedenfalls dabei.

Tänze für Klavier (Ga): Amazon.de: Musik
Danke Fips7, ja, die hatte ich auch schon gesehen. Die werde ich mir wohl zulegen.

ich habe sämtliche Klavierwerke von Schubert in einer Gesamteinspielung mit Gilbert Schluchter auf CD, erschienen bei Tudor.

Gerhard Oppitz hat wohl auch das Gesamtwerk Schuberts beim Label Hänssler Classics eingespielt.
Danke pianochris66. Oppitz gibt es noch neu, Schuchter wohl gebraucht.

...
Das am Stück als reine Musik anzuhören, ist fast nervtötend, so sind die Stücke aber auch nicht gedacht.
M.E. sind das aufgeschriebene Einfälle Schuberts, mit denen er seinen Freundeskreis unterhalten hat.
...
Fazit: Ich finde, im Anschluss an Deine erste Frage, die Tänze Schuberts nicht vollständig präsentierend,
aber trotzdem lohnend und für das Kennenlernen des Charakters Schuberts unverzichtbar.
Hi Walter, klar, das ist nicht dazu gedacht alles an einem Stück zu spielen. Ich will mir nur die Rosinen rauspicken. ;-)

Habe vor einer Weile einen Klavierabend gehört, der durch eine Auswahl von Tänzen eingeleitet wurde. Der Pianist bezeichnete sie als Wörterbuch der Schubertschen Tonsprache. Danach folgten zwei große Sonaten. Damit ist denke ich der Stellenwert dieser Kompositionen und die Einordnung in ein Konzertprogramm adäquat realisiert.
Danke, klaffff..ierspieler ;-) . Dann entspricht das also meiner Einschätzung.

Gruß
 
T

Tastenmiki

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Schuberts Tänze, Menuette und Walzer waren damals schon das, was man heute als "Stimmungsmacher" bezeichnen würde.
Das Publikum und die Schubertianer liebten die eingängigen Melodien. Deswegen freue ich mich immer wenn ein Pianist im Konzert in der Tonhalle ein solches Encore spielt.
Die Oppitz-Aufnahme finde ich glänzend. Mit Schuchter habe ich allerdings so meine Probleme. Manches gelingt hevorragend manches ist aber auch sehr unausgegoren wie z.B die Impromptus. Da zeigt Oppitz die Unterschiede auf beglückende Weise auf. Letztes Jahr rezensierte ich auch eine Aufnahme der Sonaten mit Jan Vermeulen...was mich störte waren die fürchterlichen Geräusche des alten Klaviers welches er für seine Aufnahmen verwendete. Da ist man Anderes von den großen Konzertflügeln gewöhnt und Schubert hätte gewiss seine Freude gehabt wenn er seine Musik so hören hätte können.
Grützi
Tastenmiki
 
bobmusic

bobmusic

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Als Zyklus finde ich die 12 Deutschen Tänze D. 790 sehr, sehr schön und dankbar zu spielen. Großartig finde ich die Einspielung von Alfred Brendel und die von Inesa Sinkevych gefällt mir auch sehr gut. Beide Aufnahmen sind bei YouTube zu finden.
 
klavierrestaurator

klavierrestaurator

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du kannst dir die schubert'schen tänze beliebig zusammensetzen. das hat man früher auch gemacht und wenn ich mich nicht irre, suite genannt.
vor kurzem habe ich so 16 tänze (auf einem hammerflügel von ca. 1835) in einem hauskonzert gehört. der pianist hat sie mit viel gefühl für tonarten und charakter zusammengesetzt. es ist eben eine schöne unterhaltungs musik, die ich aber, wenn eben gut zusammengestellt, gar nicht unterschätzen würde. das was ich gehört habe, hat mir auf jeden fall sehr gut gefallen. ich kann mal um eine aufnahme bitten, wenn es dich interessiert.

lg
emm
 
 

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