Qualitätsmerkmale von Musik

Auf jedenfall. Aber letztlich ist es ja logisch nachvollziehbar, wenn man bestimmte "Sinne" täuscht. Und es geschieht auf der Grundlage des Stetigen und nicht umgekehrt.

Selbst wenn ich einen Rythmus komplett strecke, gegen jede Erwartung, so muss er doch einer "Regel" folgen. Ansonsten wirds beliebig.
Das ist gut, denn die Regelverletzung braucht natürlich die Regel. Was die Beliebigkeit angeht, findet sich allerdings auch etwas: Wie steht dazu die Aleatorik? Ist sie noch Musik?
 
Unterschiedliche Gestaltung liegt offensichtlich vor, aber wieso unterschiedliche Qualität?
Worauf ich hinauswill: Es wäre Unsinn, Werken Qualität ab oder anzusprechen, nur weil sie formal verschieden sind. Man sollte nur eine Gattung innerhalb eines Genres vergleichen.

Werte ich die Werke von TEY als klassische Sonaten/romantische Charakterstücke für Klavier, so fallen diese bei allen Liebhabern klassischer/romantischer Musik durch.

Werte ich diese Werke hingegen als Easy-Listening/Minimale Klaviermusik/Filmmusik, so finde ich Eigenschaften, die für solche Musik als qualitativ hochwertig gelten (ja, das habe ich gesagt!).

Qualitätsvergleiche machen nur mit gleichem Sinn - daher kann ein Thread "Qualitätsmerkmale von Musik" nicht zielführend sein oder einen Sinn haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ok, habe kurz wiki durchforstet.

Das ist interessant. Denn einerseits impliziert das Wort Zufall die komplette Zusammenhangslosigkeit, dabei wird aber auch in dieser Kunstrichtung ein Rahmen des sich zu Schaffenden gelegt. Also selbst wenn alles gewürfelt wird: Taktart, Tonart, Tempi. So werden unsere Hörgewohnheiten trotzdem nicht komplett enttäuscht werden. Jedenfalls erklingen noch uns vertraute Skalen und Rythmen, wobei das sicherlich sehr gewöhnungsbedürftig klingen kann. Der Zusammenhang könnte schwer nachvollziehbar sein. Das führt dann wirklich zu der Frage was Musik sein soll: Hörerwartungen bedienen und absichtlich befriedigen oder doch enttäuschen (Zuckerbrot und peitsche), Dinge darstellen, alles natürliche was in der Natur vorkommt vertonen? Für janacek gab es keine falsche Harmonien. Solange die harmonischen Gebilde jenes ausdrückten, für was sie geschaffen waren, bedienten sie die Musik als Ausdruck. Und auch dieser "Zufall" ist doch letztlich eine Ausdrucksform des Unvorhersehbaren, demnach wohl auch Musik.

Edit: nur stümperhafte Überlegungen

Lg lustknabe
 
... einige interessante Aspekte bisher :super:

Nehme später Stellung (habe erst am Abend wieder Zeit).
 
Hast Du schon mal versucht allgemeingültige Kriterien für die Qualität von Gemälden/Filmen festzulegen?

Meine Wenigkeit würde sich dessen kaum anmaßen, aber einer der ersten, der dies getan hat, war Aristoteles. https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles)
Seine Ideen sind leicht auf andre Kunstgattungen zu übertragen.

Nach ihm haben es Generationen von Philosophen und Ästhetikern versucht. Das ist jetzt etwas schwierig in einem Post zusammenzufassen... Aber vielleicht kommen wir hier auch noch auf das eine oder andere zu sprechen.
 

Du meinst, das Unvorhersehbare ist Teil der Natur, die Musik ein Abbild (sehr weit gefasst) der Natur?
Mir kommt da grad Heisenbergs Unschärferelation in den Sinn - Boulez ist der Heisenberg der Musik! :lol:

Wenn wir die Linse sehr Weit krümmen, ist sie ein Medium etwaiger natürlicher Vorgänge die uns überall umgeben. Und dazu finde ich deinen Heisenberg ganz passend, man kann wohl nicht einen musikalischen Abdruck schaffen und gleichzeitig die emotionale Wirkung, die es beim Hörer erzielen "sollte" bestimmen. Entweder befriedige ich eine Hörerwartung oder man richtet alles auf den zu projizierenden Gegenstand. Dieser kann in diesem Falle halt auch dein "Zufall" als Form sein.
Aber eigentlich ist das jetzt Spinnerei :-D
Das muss dazu reichen.

Kurz gefasst: ja! Musik als "code" kann sicherlich jeglichen Umstand wiedergeben. Man könnte wahrscheinlich auch ein Computerprogramm auf einem musikalischen Kontext basierend konstruieren und mehr. Es wäre aber reine Spielerei und Kunst. Satie war doch der freak der auf Basis von Primzahlen komponierte:konfus: das wäre auch Musik in einer interessanten Form!

Vielleicht sollte man fragen, was nicht Musik wäre :-D im Ziegenrücker ist es ja klar definiert.

Lg lustknabe
 
"Der Lustknabe isst einen Apfel"
Musik kann einfachste Umständenicht wiedergeben...

Wie kann sie da Abbild der Natur, oder sagen wir erweitert, des Seienden sein?

Und schon mit nem Stöckchen ausgehebelt :-D Na dann spiele ich weiter Wühlmaus.

Ok sie kann den Vorgang nicht wiedergeben, jedenfalls nicht einfach so. Aber, es gibt die allgemeine Vorstellung davon, wie der erste Biss in einen saftigen Apfel klingt. Also dieses kräftige knacken. Das könnte man sicherlich musikalisch untermalen, dass es so zu interpretieren wäre. Und den Knaben kann man ja auch mit nem fagott und harfe als schelmischen Lüstling vertonen :lol:

LG lustknabe
 
Ja, das ist irgendwie als Kategorie nicht brauchbar. Aber vielleicht können wir es so sagen: Musik hat keine semantische Ebene, dafür aber eine ausgeprägte syntaktische Ebene. Alles ist Zusammenhang und Spiel damit, nicht wahr?

Insofern ist es unerheblich, ob ein Barock- oder ein romantischer Komponist den lüsternen Knaben Äpfel essen lassen möchte. Es ist auch für den Hörer unerheblich, aber es ist möglich, dass beide diese Vorstellung hatten. Beide werden zu völlig verschiedenen Formen kommen.
 
Insofern ist es unerheblich, ob ein Barock- oder ein romantischer Komponist den lüsternen Knaben Äpfel essen lassen möchte. Es ist auch für den Hörer unerheblich, aber es ist möglich, dass beide diese Vorstellung hatten. Beide werden zu völlig verschiedenen Formen kommen.

Ja, durchaus. Es gibt keine feste Form. Die Möglichkeiten wären schier unbegrenzt.

Ja, das ist irgendwie als Kategorie nicht brauchbar. Aber vielleicht können wir es so sagen: Musik hat keine semantische Ebene, dafür aber eine ausgeprägte syntaktische Ebene. Alles ist Zusammenhang und Spiel damit, nicht wahr?

Hmmm greift das, wenn man die semantische Ebene auslässt? Vielleicht wäre das dann der tonvorrart. Also in unserer abendländischen Vorstellung die halbtonschritte? Und syntaktisch halt alles andere: Harmonien, Melodie usw.

Damit wäre die Musik dann wohl recht sprachlich und damit regional verknüpft. Konnte ein Chinese vor 300 Jahren einer dur/moll harmonik überhaupt etwas abgewinnen? Gibt es allgemeinverträgliche Musik?

Lg lustknabe
 
Hmmm greift das, wenn man die semantische Ebene auslässt?

Es greift doch wohl mit einer kleinen Ausnahme, die allerdings auf Konventionen besteht, die nur dem wissenden Hörer vertraut sein können: Die Rede ist hier von Tonsymbolik. Etwa der Tritonus als Symbol für den Teufel.

Dann gibt es natürlich noch das ungleich weitere Feld der Tonmalerei, vom Donnergrollen in der Oper bis zu Honeggers "Pacific 231" https://de.wikipedia.org/wiki/Pacific_231

Diese Dinge funktionieren in einem gewissen Umfang, indem sie Geräusche der Umwelt und der Technik imitieren. Letztlich sind sie aber für das musikalische Geschehen wohl nicht konstituierend, weshalb ich sie zurückstellen würde. Eine Unterscheidung von Skala/Melodie/Stimme und Begleitung/Harmonie/Funktion bezüglich Syntax/Semantik: Wäre die nicht rein willkürlich?

Damit wäre die Musik dann wohl recht sprachlich und damit regional verknüpft. Konnte ein Chinese vor 300 Jahren einer dur/moll harmonik überhaupt etwas abgewinnen? Gibt es allgemeinverträgliche Musik?

Ersteres spricht eben für die Abwesenheit von Semantik. Ich habe mich schon immer gefragt, warum derzeit die Asiaten alle wie wild die westliche Musik studieren und ihre eigene Tradition völlig zu vernachlässigen scheinen. Aber auch das müssen wir erst mal hintenan stellen.

Wir haben immer noch den Punkt, dass Musik logisch und folgerichtig sein muss. Das ist wohl erst mal zu bejahen, aber welches Kriterium brauchen wir noch?
 
Komplexität, Länge, Nichttrivialität - diese Dinge wurden schon genannt. Ein zentrales ist sicher auch die Schönheit, welche sehr schwer in irgendwelche Regeln zu pressen ist.
Länge ist ein Merkmal, kein Qualitätsmerkmal.
Dasselbe gilt für Komplexität, deren Plausibilität kontextabhängig ist, und dasselbe gilt für Trivialität: "O Du lieber Augustin" mag leierkastenhaft-abgedroschen wirken und nicht jeden zum Mitsingen einladen. Aber es ist nicht trivial.
Zum Thema Schönheit der schöne Schlußdialog von Statler und Waldorf: "Also, mir hat's gefallen." - "Naja, Dir hat auch der Krieg gefallen."
 
Wir haben immer noch den Punkt, dass Musik logisch und folgerichtig sein muss. Das ist wohl erst mal zu bejahen, aber welches Kriterium brauchen wir noch?

Na sie muß sich in einem tonalen Raum aufhalten. Jetzt nicht unbedingt ein Zentrum, aber eine Ebene, die Wiedererkennung, bzw. Veränderungen und Vermischungen zulässt.
Gewissermaßen muss sie dann einem gemeinschaftlichen Konsens unterliegen.

Lg lustknabe
 

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