Pedal

Marlene

Marlene

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Hallo,

neben meinen beiden spiele ich zwischendurch an anderen Flügeln. An meinem Bösendorfer fühle ich den leichten Druck des Pedals, was ich angenehm finde, ebenso wie den Pedalweg. Am Bechstein knallen die Dämpfer und es ist reine Glücksache, wenn ich – infolge des kurzen Pedalweges – die Dämpfer sanft und fast unhörbar absenke. Das ist bei meiner Majestät wohl eine alte "Bechstein-Krankheit", wie ich gehört habe.

An einem anderen Flügel muss ich mehr Druck aufbringen als an meinem Bösendorfer und beim ersten Betätigen des Pedals habe ich mich auf einen leichten Muskelkater im Fuß eingestellt. Und wiederum ein anderer Flügel hat einen recht langen Pedalweg und keinen für mich fühlbaren Widerstand. Das Pedal ließ sich so leicht betätigen, dass es mich völlig irritiert hat weil ich nicht sicher war ob ich es überhaupt richtig erwischt habe.

Sind die oben genannten Unterschiede bauartbedingt oder kann man den Pedalweg und –druck nach Wunsch und Vorlieben einstellen (lassen)?

Liebe Grüße
Marlene
 
C

Curby

Guest
Nein, es handelt sich um Dogmen. Finde dich mit deinem Schicksal ab.
 
Klavirus

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Welch sinnreicher Beitrag. Curbys Helpline...
 
rolf

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Sind die oben genannten Unterschiede bauartbedingt oder kann man den Pedalweg und –druck nach Wunsch und Vorlieben einstellen (lassen)?
ob man das ohne großen Aufwand (Umbau gar) ändern kann, weiß ich nicht - Micha weiß das bestimmt.

ansonsten sind Unterschiede Sache der Hersteller, z.B. Steingraeber hat ein quasi weichgängig-langsames Pedal, an das sich zu gewöhnen einige Zeit braucht; der sehr kleine Pedalweg bei Bechstein betrifft die älteren Flügel, die neuen sind da wie Steinway (sehr festes Pedal, starker Gegendruck)
 
Peter

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Bechsteinfan
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Bei meinem Bechstein (1879) braucht man auch richtig Kraft, um das Pedal mal zu bewegen.
 
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Ka8

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Hallo,

also mein Bechstein A (1907) hat einen relativ langen Pedalweg, ich wünschte fast, er wäre etwas kürzer. Dafür gibt es eine Art Druckpunkt, d.h. wenn ich dass Gewicht des Fußes auf die Zehenspitzen verlagere werden die Dämpfer kaum merklich abgehoben. Somit kann man ermüdungsfrei mit sehr kurzem Nachhall spielen, was zum Beispiel bei Bach ganz gut klingt.
 
fisherman

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Curby hat schon recht. Das sind Dogmen - und die einfache Änderung ist lt Micha nur in recht engen Grenzen machbar.
 
Peter

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Bechsteinfan
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...aber kannst ja die Federn entfernen, dann wirds leichter
Nee, an der liegt es nicht (bei angehobenen Wackelbrett geht das Pedal wie von alleine). ;)
Inzwischen sind die Dämpfer auch anders eingestellt (heben später ab...vorher hat es gereicht, den Fuß auf das Pedal zu legen). Evtl. ist laut Micha was am Wackelbrett verzogen, aber Bechstein ist wohl auch generell etwas schwergängig.
 
Marlene

Marlene

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Hast Du ne Muskelschwäche in den Beinen?
Ich zum Glück nicht. Aber bisher dachte ich, dass der Fuß die Arbeit am Pedal verrichtet. Die Ferse am Boden zu haben entlastet das Bein meiner Ansicht nach.

Curby hat schon recht. Das sind Dogmen - und die einfache Änderung ist lt Micha nur in recht engen Grenzen machbar.
Das bedeutet dann wohl: Man muss sich auf die verschiedenen Pedale einstellen wie man sich auch auf das unterschiedliche Spielgefühl einstellt?! Wenn man öfters an einem anderen Flügel spielt ist das ja kein Problem. Wenn man sich einmal kennengelernt hat „fremdelt“ man nicht mehr.

Meine Frage kam auf weil ich gestern erstmals an einem Flügel gespielt habe dessen Pedal mir butterweich vorgekommen ist. Dieses Gefühl eines „Nichts“ unter dem Fuß hat mich völlig aus dem „Tritt“ gebracht, weil ich ein so leichtgängiges Pedal noch nicht unter dem Fuß hatte. Es ist so sanft, dass ich während des Spielens dachte, ich würde keine Dämpfer bewegen. Gegenteiliges konnte ich selbstverständlich am Klang hören. Aber meine erste Begegnung mit diesem „Phantompedal“ war für mich erstaunlich irritierend. Was habe ich daraus gelernt: Bevor ich demnächst an einem unbekannten Instrument spiele (falls sich die Gelegenheit mal wieder ergibt), dann werde ich erstmal mehrmals das Pedal treten.

...aber Bechstein ist wohl auch generell etwas schwergängig.
An meinem ist das Pedal recht leichtgängig aber der Pedalweg erscheint mir kürzer als ein Zentimeter. Mit viel Konzentration kann ich die Dämpfer sanft aufsetzen aber beim Spielen klappt das nur zufällig. Anfangs haben mich die „knallenden“ Dämpfer gestört aber jetzt denke ich darüber: OK, Klaviermusik mit Perkussionbegleitung, es ist halt die besondere Stimme des alten Herrn.


Wackelbrett... :shock:. Da hat man eine Frage und schon taucht die nächste auf. :D

Es gibt Kochkurse, Weinseminare, Teeseminare etc. Liebe Herren und Damen Klaviertechniker: Bitte bietet doch ein Seminar an mit vielleicht diesem Titel: „Was Sie schon immer über Flügel und deren Mechanik wissen wollten“. Da gäbe es bestimmt zahlreiche Anmeldungen. Jetzt weiß auch jeder, was ich mir zu Weihnachten wünsche! ;)

Bei Tante Wiki gibt es eine Grafik anhand der man ersehen kann wo sich das Wackelbrett befindet. Aber was die Pedalmutation ist habe ich leider nicht gefunden. Hat das etwas mit der Tastaturverschiebung beim Betätigen des linken Pedals zu tun?

P.S.: Selbstverständlich hat Michael das Pedal meiner Majestät in Augenschein genommen und er wollte auch etwas daran modifizieren. Aber das muss bis zu seiner nächsten Stimmtour warten.
 
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C

Curby

Guest
Bei meinem Flügel wirkt beispielsweise das Hebelgesetz. Mein Pedal bewegt eine WIppe, welche widerum die Dämpfer hochdrückt. Mann kann vll. die Kraft einstellen (Fedrtausch oder ähnliches) und den ANschlagpunkt, wo (bei dem langen Pedalweg) die Dämpfer sich anfangen zu bewegen. Aber durch die Konstruktion - welche fest vorgegeben ist - wird auch viel vom Pedalverhalten vorgegeben.

Die WIppe neu positionieren kann ich nicht mal eben so. Gewisse Tricks und Kniffe gibts aber bestimmt.
 
klaviermacher

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Es war früher nicht ungewöhnlich, dass man die Pedalerie ohne Umwege direkt 1:1 ansetzen lies. Das bedeutet, der Weg, den das Pedal macht ist der Weg, den die Dämpfer machen. Manche Hersteller machten es so und die nächsten bauten eine Übersetzung ein. Der Weg, den das Pedal macht ist dann so übersetzt, so dass der Pedalweg länger wird, während die Dämpfer immer noch den gleichen Weg zurück legen.

Im laufe der Zeit hat sich das als vorteilhafter erwiesen, erstens da man die Dämpfung kontrollierter anheben und sogenanntes "Halbpedal" besser fühlen kann und zweitens deshalb, weil das Eigengewicht der Dämpfer im Laufe der Jahrzehnte/Jahrhunderte kontinuierlich zugenommen hat, um den Zeitgeschmack (sehr trockenes Abdämpfen) gerecht zu werden.

So fühlt sich ein direktes Pedal mit höherem Dämpfergewicht schwer an, selbst wenn alle Reibung minimiert wurde und/oder das Halbpedal ist schwer bzw. fast gar nicht zu kontrollieren, als auch das leise loslassen.

Heute bauen alle Hersteller eine Übersetzung ein.

LG
Michael
 
Marlene

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Fragen über Fragen... ;)

[...] und zweitens deshalb, weil das Eigengewicht der Dämpfer im Laufe der Jahrzehnte/Jahrhunderte kontinuierlich zugenommen hat, um den Zeitgeschmack (sehr trockenes Abdämpfen) gerecht zu werden.
Was meinst Du mit „trockenes“ Abdämpfen?

So fühlt sich ein direktes Pedal mit höherem Dämpfergewicht schwer an, selbst wenn alle Reibung minimiert wurde [...]
Wie hoch ist das Dämpfergewicht bei einem Flügel in etwa? Wenn ich dieses im Fuß nicht wahrnehme, dann bedeutet das, dass die Übersetzung gut ist?
 
Marlene

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Danke erstmal für Eure Rückmeldungen.

Vorhin habe ich mir mal die Dämpfer seiner Majestät genauer angeschaut. Wenn sie oben sind, dann stehen sie mit der Unterseite der Filze genau eine Basssaitenstärke über den Saiten, also etwa 4-5 mm darüber. Nun habe ich mal nur mit der Socke am Fuß gespielt und siehe da: Ich kann die Dämpfer auch leise absetzen wenn ich genau aufpasse. Das erfordert noch einiges an Konzentration, aber da Klavier spielen ja eh das schönste Gehirnjogging der Welt ist steuert das Bechstein-Pedal somit eine weitere Übung für die grauen Zellen bei.

Bei Tante Wiki gibt es eine Grafik anhand der man ersehen kann wo sich das Wackelbrett befindet. Aber was die Pedalmutation ist habe ich leider nicht gefunden. Hat das etwas mit der Tastaturverschiebung beim Betätigen des linken Pedals zu tun?
Wer hilft mir dabei in dieser Frage nicht weiter unwissend zu bleiben?
 
klaviermacher

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Hallo Marlene,
Wie hoch ist das Dämpfergewicht bei einem Flügel in etwa?
Unterschiedlich.. Je tiefer der Ton umso schwerer der Dämpfer.

Bei Tante Wiki gibt es eine Grafik anhand der man ersehen kann wo sich das Wackelbrett befindet. Aber was die Pedalmutation ist habe ich leider nicht gefunden. Hat das etwas mit der Tastaturverschiebung beim Betätigen des linken Pedals zu tun?
Wer hilft mir dabei in dieser Frage nicht weiter unwissend zu bleiben?
Die Mutationen sind der Übersetzungsapparat (das Hebelwerk) der Pedale. Das schließt alle Pedale mit ein. Selbst das Wackelbrett gehört zur Mutation.

LG
Michael
 
Marlene

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Danke, Michael, für die Antwort.

Je tiefer der Ton umso schwerer der Dämpfer.
Klar, dass die Bassdämpfer schwerer sind als kleinen. Aber ich möchte sie ungern ausbauen und auf die Briefwaage legen. ;)

Wenn ich das richtig im Blick habe trete ich das Pedal und hebe damit alle Dämpfer hoch. Daher würde es mich interessieren was die alle gemeinsam in etwa wiegen.

Die Mutationen sind der Übersetzungsapparat (das Hebelwerk) der Pedale. Das schließt alle Pedale mit ein. Selbst das Wackelbrett gehört zur Mutation.
Also ich sehe schon, das Klaviermechanik-Seminar muss her... :D;)
 
 

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