Muss ein Lehrer auch selber gut spielen können um ein guter Lehrer zu sein?

  • #21
Vielen Dank für Eure Meinungen. Ich bin mittlerweile zu einem Entschluss gekommen.
Für gezieltes Coaching zu einem ganz konkreten, virtuosen Stück halte ich es für sinnvoll und sehr inspirierend, wenn der Lehrer dieses auch selbst vorspielen kann (zumindest in Auszügen) und sich selbst intensiv damit auseinandergesetzt hat. Solche Unterrichtsstunden verlaufen dann erfahrungsgemäß deutlich effektiver und effizienter. Für regelmäßigen Technik-Basis-Unterricht (um den es hier nicht geht) mag das anders sein.
 

  • #22
Was ist denn Technik-Basis-Unterricht? Und wofür ist der gut?
 
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  • #24
der Lehrer sich persönlich sehr für das bearbeitete Stück interessiert.
Neuhaus schreibt in seinem sehr lesenswerten Buch sinngemäß, dass er innerhalb weniger Stunden vom leidenschaftlichen Chopinfan, zum Enthusiasten für die Musik Bachs und wenig später zum begeisterten Anhänger moderner Komponisten mutiert. Das ist das Vorbild!!
 
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  • #25
Neuhaus schreibt in seinem sehr lesenswerten Buch sinngemäß, dass er innerhalb weniger Stunden vom leidenschaftlichen Chopinfan, zum Enthusiasten für die Musik Bachs und wenig später zum begeisterten Anhänger moderner Komponisten mutiert. Das ist das Vorbild!!
Genau - Offenheit und breiter Geschmack & breites Können, aber OHNE WAHLLOSIGKEIT!

Das unterscheidet den genannten Herrn von irgendwelchen Leuten, die so Sachen sagen wie "och, ich höre/spiele eigentlich alles Mögliche gerne". Letzteres scheint erstmal begrüßenswerte Offenheit zu sein, aber es verbirgt sich dahinter in aller Regel a) keinerlei Kenntnis und b) keinerlei Begeisterung. Das sind dann immer echt langweilig zu unterrichtende Schüler, denen man auch kaum jemals mehr Begeisterung vermittelt bekommt.
 
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  • #26
Würdet ihr bei einem Klavierlehrer lernen, bei dem ihr beim ersten Treffen denkt: Ist der schwerhörig oder was?
Czerny hat genau das gemacht. Er schrieb über Beethoven sinngemäß, ihm seien sofort die mit gelblicher Salbe getränkten Wattepfropfen in den Ohren aufgefallen.
War offenbar trotzdem kein völliger Fehlgriff...
 
  • #27
Nee, das war anders. Beethoven muss ein lausiger Lehrer gewesen sein. Er setzte Czerny seine Sonaten vor und sagte „Spiel das mal.“ Wie das gehen sollte (immerhin waren die Sonaten voll von neuen technischen und musikalischen Phänomenen) sagte Beethoven nicht. Czerny war halt in der Lage, sich selbst zu helfen - und schrieb seine Etüden, um die Problemen der Sonate bewältigen zu können.
 
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  • #28
In Bezug auf Czerny, Übung, Technik :

Ich habe Hanon intensiv geübt, aber Czerny Etüden eigentlich nicht so viel, insnesonders die anspruchsvollen Etüden wie op.740.

Ich kann solche im Prima Vista schon einigermaßen spielen, aber ich muss üben, um sie auswendig und in Tempo spielen zu können. Und in meiner jetztigen Lage fühle ich mir keine Notwendigkeit, sie zu üben.

Aber ab und zu fällt es mir ein : "das ist der Grund, warum du die Repertoire Chopin/Liszt/Beethoven/Haydn etc nicht so reibungslos und einwandfrei spielen kannst!" Ein rötliches Teufelchen mit Dreizack taucht neben meinem Kopf auf und sagt mir sowas. :teufel:

Sind die Czerny-Etüden wie op.740 eigentlich etwas nicht übersprungen zu werden ???? Sind sie absolut die "Must-Have-Repertoire" in gesundem, vernünftigem Curriculum? Ich möchte eure (Ihre) Erfahrungen hören :-)
 
  • #29
Ich habe alle Chopin-Etüden, alle Transzendental-Etüden von Liszt und etliche von Rachmaninow und Skrjabin gespielt und dabei die Czerny-Dinger nie vermisst.

Man kann die natürlich spielen (sinnvoller als Hanon sind sie allemal!) - aber was man daran lernen kann, kann man auch woanders lernen.
 
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  • #32
Weil er es kann.
 
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  • #33
Ich glaube, wenn man Hanon bewusst übt, kann man viel gewinnen! Dafür braucht man kreative Punktierung und Transponieren in jeder Tonart. Mit Punktierung kann man vom Anfänger her Entwicklung erwarten, meiner Meinung nach, mit Transponieren (musiktheoretische Kenntnisse vorausgesetzt) auch !

Natürlich verspricht Hanon keine Musikalität, sondern bietet nur Fingersport an, aber ich zähle immer Hanon als einen guten Anfang. Mein ganz erster Klavierunterrichtsmaterial (war schon vor fast 25 Jahren...) war auch Hanon.

Insbesonders die Skalenübung (Nr. 39) mit vollkommenen Ganzschluss in allen Dur-Molltonarten ist sehr hilfreich nicht nur für Skalenübung, sondern auch für Musikalische Verständnisse. Man kann

(In Stufentheorie) ii65 - I64 - V75 - I
(In Oktavregel) (4)65 - (5)64 - (5)75 - (1)

diese Form in die Finger verinnerlichern.

Arpeggienübung (Nr. 41) und Oktavenübung (Nr. 57) habe ich auch viel gemacht... alte Freunde.

Für Aufwärmung habe ich in der Vergangenheit Hanon geübt, zurzeit mit Bachs Inventionen und (Chopin-) Etüden.
 

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