Musik, die einem nahe geht

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klaviermacher
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Was ist Musik, die einem Nahe geht. Ich meine wirklich zur Gänze!
Musik, die einem mitreisst, sozusagen sprichwörtlich erfasst und alle Gefühle weckt und vollkommen vereinnahmt.

Wie entsteht sowas überhaupt?

Die Musik enthält und besteht vorwiegend aus Emotion, die gefühlt wird. Es sind nicht einfach "pattern", die abgerufen werden. Beim komponieren von Musik benötigt man auch eine ganz bestimmte emotionale Phase. Ich meine jetzt nicht einen Teppich für einen Werbespot, sondern etwas das von sich aus schon gut ist.

Ein Beispiel: Ich kann jemanden keinen Witz erzählen, der gerade traurig ist oder einen starken Verlust erlebt hat. Ich meine können schon, aber ich werde ihn vermutlich, wenn überhaupt ganz anders erzählen als einem Menschen, der gerade fröhlich und dafür aufnahmebereit ist. Also wirken sich die Gefühle, die ich als Musiker empfange stark auf meine Idee bzw. Interpretation aus, um ein Verstehen des emotionalen Inhalts der Musik zu ermöglichen. Das ist ja meine innerste Absicht - eine tatsächliche Kommunikation zwischen Menschen und ein Verstehen davon zu erreichen.


LG
Michael
 
Haydnspaß
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Interessante Frage!

Michael, du stellst dieses Thema in die Abteilung "Theorie, Arrangement & Komposition"

Ob man diesem Phänomen mit kompositionstechnischen Mitteln beikommt...?

Die Komponisten von Filmmusik haben da sicher ihre Tricks, wie sie einen in eine bestimmte Stimmung versetzen können: Verliebtheit, Traurigkeit, Wut, Angst. Da verstärken sich dann meist die Handlung des Films und die Musik gegenseitig. Wenn man die Musik allein hören würde, wär es lang nicht so beeindruckend.

Vermutlich spielt Außermusikalisches insgesamt eine viel größere Rolle beim Musikerleben, als man annimmt.
 
violapiano
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Das glaub ich ganz sicher, das außermusikalisches Erleben eine sehr große Rolle spielt. Ich verknüpfe auch immer bestimmte Gefühlslagen mit Musik oder bestimmten Stellen in der Musik.
Und deswegen meine ich eben auch, dass ein großer Erfahrungshorizont/Lebenserfahrung sehr hilfreich ist, um eine anrührende Interpretation hinzubekommen.
Trotzdem gibt es ja immer wieder Kinder, die ausgesprochen anrührend spielen.:confused:
 
Fips7
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Ein Beispiel: Ich kann jemanden keinen Witz erzählen, der gerade traurig ist oder einen starken Verlust erlebt hat. Ich meine können schon, aber ich werde ihn vermutlich, wenn überhaupt ganz anders erzählen als einem Menschen, der gerade fröhlich und dafür aufnahmebereit ist. Also wirken sich die Gefühle, die ich als Musiker empfange stark auf meine Idee bzw. Interpretation aus, um ein Verstehen des emotionalen Inhalts der Musik zu ermöglichen. Das ist ja meine innerste Absicht - eine tatsächliche Kommunikation zwischen Menschen und ein Verstehen davon zu erreichen.

Hallo Michael,

ein wichtiges Thema, das du hier anschneidest. Eine Frage vorneweg: Wie meinst du den oben hervorgehobenen Abschnitt? Was bedeutet hier "empfangen"? Meinst du damit Gefühle, die du von deinen Zuhörern empfängst und die dann deine Interpretation beeinflussen?

Grüße von
Fips
 
klaviermacher
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Was ist Musik, die einem Nahe geht. Ich meine wirklich zur Gänze!
Musik, die einem mitreisst, sozusagen sprichwörtlich erfasst und alle Gefühle weckt und vollkommen vereinnahmt
Wie entsteht sowas überhaupt?
Ich versuche einmal einen Ansatz...
Innigster Wunsch jedes Menschen ist Zuneigung geben und erhalten, und zwar von Menschen, als auch von allen anderen Lebensformen. Man könnte genauso sagen, damit vermeidet man auf die ein oder andere Art gefressen zu werden – also ein niederer Überlebenstrieb. (Ein Tier, das ich mag, werde ich als letztes fressen) Was hat der Mensch nun für Mittel zur Verfügung, diesen Trieb zu befriedigen oder anders gesagt sein Überleben zu verbessern, was es exakter trifft, und was hat Musik damit zu tun.

Zuneigung, Liebe, Ästhetik, um mal ein paar "Überlebensretter" zu nennen sind neben Keule, Axt und Gewehr gewaltige Werkzeuge dafür. Es gibt den weisen Spruch: "Geteiltes Leid ist halbes Leid" welcher beweist, dass Gefühl für Mitmenschen das Dasein erträglicher macht. Wohin gehen wir von dort? Natürlich Richtung Freude, Wohlsein, Vergnügen und Spass. Wer nun meint, geteilte Freud ist halbe Freud, hat den Spruch nicht verstanden. Ein Grund, warum schenken Freude macht, ist, dass man Teil hat, oder Besitz ergreifen darf an der Freude des anderen.

Musik, welche als ein Bindeglied zwischen Menschen* verstanden werden kann, enthält in sich Ästhetik, transformierte Gefühle und Betrachtungsweisen um von anderen Mitmenschen erfahren zu werden. Sie wird geteilt, kann jedoch nur geteilt werden, wenn ich diese sehr speziell transformierten Gedanken verstehe (als Empfänger) bzw. zum Verstehen bringen kann (als Erzeuger). Je mehr die Musik verstehbare Gefühle und Ansichten transportiert, umso mehr kann man empfinden bis hin zu Freudestränen, Schauer und wer weiß was noch.
(*aber auch anderen Lebensformen)

Die Musik welche mich trifft, erweckt in mir als Zuhörer höchste Glücksgefühle, weil ich mit dem Erzeuger fast eins werde in der Betrachtung der Welt und erkenne die inhaltliche Ähnlichkeit mit meinem eigenen Blick auf die Welt, mit mir selbst, meinen eigenen Gefühlen. "Dort ist jemand, der mich versteht" ist die beste Heilmethode für alle Schmerzen, alle offenen Fragen, Ungewissheiten. Das Resultat ist verbessertes Überleben für beide Parteien. Für den Komponisten geht das sogar über den Tod hinaus.


@Haydnspaß Ich war mir nicht sicher, in welche Kategorie ich das stellen sollte, denn das Thema ist übergreifend – am ehesten passte es hier her, oder unter "Sonstiges". Wenn es ein Moderator dorthin verschieben will, soll es mir auch recht sein. ;-)

LG
Michael
 
Haydnspaß
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@Haydnspaß Ich war mir nicht sicher, in welche Kategorie ich das stellen sollte, denn das Thema ist übergreifend – am ehesten passte es hier her, oder unter "Sonstiges". Wenn es ein Moderator dorthin verschieben will, soll es mir auch recht sein. ;-)

Am ehesten würde das Thema in eine Abteilung: "Philosophisches rund um die Musik" passen - aber diese Abteilung gibt es ja leider nicht ^_^
 
F
Fred
Guest
Musik, welche als ein Bindeglied zwischen Menschen* verstanden werden kann, enthält in sich Ästhetik, transformierte Gefühle und Betrachtungsweisen um von anderen Mitmenschen erfahren zu werden. Sie wird geteilt, kann jedoch nur geteilt werden, wenn ich diese sehr speziell transformierten Gedanken verstehe (als Empfänger) bzw. zum Verstehen bringen kann (als Erzeuger). Je mehr die Musik verstehbare Gefühle und Ansichten transportiert, umso mehr kann man empfinden bis hin zu Freudestränen, Schauer und wer weiß was noch.
(*aber auch anderen Lebensformen)

Die Musik welche mich trifft, erweckt in mir als Zuhörer höchste Glücksgefühle, weil ich mit dem Erzeuger fast eins werde in der Betrachtung der Welt und erkenne die inhaltliche Ähnlichkeit mit meinem eigenen Blick auf die Welt, mit mir selbst, meinen eigenen Gefühlen. "Dort ist jemand, der mich versteht" ist die beste Heilmethode für alle Schmerzen, alle offenen Fragen, Ungewissheiten. Das Resultat ist verbessertes Überleben für beide Parteien. Für den Komponisten geht das sogar über den Tod hinaus.

Ich möchte dem hier Gesagten eigentlich nur meine Bestätigung hinzufügen.
 
Stuemperle
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Die Musik welche mich trifft, erweckt in mir als Zuhörer höchste Glücksgefühle, weil ich mit dem Erzeuger fast eins werde in der Betrachtung der Welt und erkenne die inhaltliche Ähnlichkeit mit meinem eigenen Blick auf die Welt, mit mir selbst, meinen eigenen Gefühlen. "Dort ist jemand, der mich versteht" ist die beste Heilmethode für alle Schmerzen, alle offenen Fragen, Ungewissheiten.
Nun glaube ich verstanden zu haben, was Du meinst: es gibt Schlager, Happy Feeling, Easy Listening, intellektuellen Nervkitzel (FreeJazz?), Liebeslieder, Marschmusik, ... und eben auch solche Musik.

Aber, ist es wirklich "solche Musik" oder erleben wir sie nur so?

Und wenn es wirklich "solche Musik" gibt, welche Merkmale hat sie, warum wirkt sie so?

Ist das Deine ursprüngliche Frage?
(Moment, nachgezählt, sind hier zwei, nochmal: drei, ne vier).

Hm, also, wenn ich Musik so erlebe, wie Du sie oben beschrieben hast, glaube ich, dass immer auch ein Teil subjektive Interpretation dabei ist: ich _stelle mir vor_, der Komponist/Interpret/beide haben im Innersten Ähnlichkeit mit mir, oder zeigen mir ihr Innerstes und lassen mich dran teilhaben. Bei Licht betrachtet kommt es mir aber so vor, als ob ich mich auf einen Eindruck einlasse und den nach eigener Stimmung ausschmücke.

Dennoch gibt es anscheinend auch was objektives. Bach z.B. hat für mich Atheisten nichts religiöses, aber dennoch eine tröstende, haltgebende "Mathematik" (der Stil), wie andere dies im Glauben finden.

Wie so etwas entsteht, hast Du eingangs gefragt.

Weiss nicht, jemand setzt sich hin und komponiert oder spielt drauflos. Ich habe das Gefühl, es kommt auf den "jemand" drauf an. Vielleicht auch, wie der gerade drauf ist.

Wenn Musik "Sprache ohne Worte" ist, gibt's Phrasendrescher, Heuchler, Schönredner, Dummschwätzer, Rhetoriker, Artisten und Menschen, die mit mehr oder ganz ohne Getöse Weisheiten verbreiten...

Ganz ergriffen bin ich von letzteren, denen ich dann meine "Weisheiten" unterstelle :D

Liebe Grüße
Hanfred
 
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klaviermacher
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Hallo Hanfred,

Ganz hab ich Dich nicht verstanden was Du mit "solche Musik" meinst.
Natürlich - es gibt Musik, die verschiedenen Zwecken dient, wie Haydnspaß schon erwähnt hat, doch was ich feststelle hat mit Kategorien und Unter-Kategorien nicht viel am Hut.

Was mich dabei so fasziniert, ich weiss nie, wann es mich packen wird. Manchmal spielt jemand (ein berühmter Interpret) ein weltbekanntes klassisches Werk oder aber auch etwas weniger Bekanntes, und daher für mich ganz Neues, und es passiert rein gar nichts. Ich bin da, und dort ist der Musiker, der sich abmüht. Die Eintrittskarte war teuer, die Qualität ist unbestritten, man findet keine Fehler, alles passt und trotzdem erfasst es mich nicht. Es war gut - mehr gibts dazu nicht zu sagen.

Und dann gibt es wieder so etwas faszinierendes, dass mich plötzlich einfache Volksmusik trifft wie ein Blitz. Ich meine jetzt nicht volksdümmliche, sondern einfach gut gespielte Volksmusik (Hackbrett, Gitarre und Flöte) am kleinen Bauernhof. Plötzlich bekomme ich Heimweh wie ein 5-jähriger, und fange fast an zu heulen.

Oder ich bin in einem kleinen Club und da entsteht neben der Bar etwas Wunderbares: Ein Jazz-Duett (zwei gute Musiker) Klavier und Klarinette, sie spielen das erste Mal zusammen ein Stück, dass sie unabhängig voneinander einstudiert haben. Sie proben eigentlich.

Sie unterbrechen zwischendurch - geben sich Ratschläge, spielen weiter, werden plötzlich Eins zusammen - zack - und ein Funke, dann ein ganzes Feuerwerk, nein, ein Feuerwerk ist blass dagegen, an mir die Gänsehaut, all das entsteht förmlich wie aus heiterem Himmel vor meinen Augen/Ohren. Sie unterbrechen wieder - sie formen etwas aus, spielen weiter. Die Sprache zwischendurch? oder die Musik zwischendurch? sie plaudern mit ihren Instrumenten weiter :-) , die eigene Spielfreude, eine Zeit? ein Fluss?

Ja! Das muss es sein. Sie nehmen mich mit in den Spielfluss. Sie nehmen mich mit in ihre (freudige) Zeit. Sie zeigen nicht blos etwas, sondern binden mich ein. Sie müssen mich als Teil begreifen, der essentiell ist in genau diesem Augenblick. Sie nehmen mich, den Zuhörer, den Unbekannten, den stummen, aber lebendigen und wichtigen Teilhaber als Mitglied in die unendliche Welt der Musik auf. Sie hätten sonst gar nicht öffentlich gespielt/geprobt. Es geht ungezwungen vor sich - wie jede natürliche Kommunikation.

Es mag die Idee vorherrschen, es käme auf meine subjektive Stimmungs- und Erwartungshaltung an, ob mich Musik trifft oder nicht. Doch das ist nicht unumstößlich. Objektiv gesehen, lässt sich nämlich eine Erwartung stets durch die andere Person verändern, wenn echte Kommunikation (Austausch von Gedanken und Ideen) stattfindet. Und da Musik keine unechte, bestenfalls überhöhte Kommunikation ist, ist es für einen Musiker möglich, Stimmungen, feinste Schwingungen, Strömungen, Gefühle aufzunehmen und zu ändern mit Hilfe der Musik. Und mit diesem letzten Satz beantworte ich gleichzeitig die Frage von Fips7.

LG
Michael
 
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gubu
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Michael, ich glaube, ich weiß recht gut, was Du meinst. Bei Wagner fragt Parsifal , wer denn der Gral sei. Gurnemanz antwortet: "Das sagt sich nicht". So ist es wohl auch hinsichtlich Deiner Frage. Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, die sich "rational" nicht so recht packen lassen....
Liebe Grüße, gubu
 
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Zitat aus einem sogleich wieder gelöschten Beitrag:

Es ist der Zufall, daß man sich mitnehmen läßt.

Vielleicht ist Zufall nicht ganz das richtige Wort, aber es ist etwas, das man nicht absichtlich herbeiführen kann - eine Art Wunder.

Ich vermute, jeder Versuch, so ein Wunder künstlich herbeizuführen, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Und was nun genau passiert bei diesem Wunder, auch das läßt sich nur schwer "festmachen".

Manchmal ist Musik tatsächlich wie eine Botschaft aus einer anderen Welt :rolleyes:
 

G
gubu
Guest
...Ich glaube , es lässt sich gar nicht "festmachen". Und das ist auch gut so...;)
 
Haydnspaß
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...Ich glaube , es lässt sich gar nicht "festmachen". Und das ist auch gut so...;)

Jetzt kommen wir in hochphilosophische Bereiche... ;)

Die Sache ist doch die: als Musiker ist es im Prinzip unsere Aufgabe, Wunder zu präsentieren - oder besser gesagt geschehen zu lassen.

Man darf sich also auch nicht ganz naiv stellen und darauf warten, daß das Wunder passieren wird, einfach so, ohne daß man einen Einfluß darauf hätte. Man hat schon einen Einfluß. Zumindest weiß ein erfahrener Musiker, was er alles vermeiden muß, um das Entstehen eines Wunders nicht zu stören.
 
Fips7
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Jetzt kommen wir in hochphilosophische Bereiche... ;)

Die Sache ist doch die: als Musiker ist es im Prinzip unsere Aufgabe, Wunder zu präsentieren - oder besser gesagt geschehen zu lassen.

Man darf sich also auch nicht ganz naiv stellen und darauf warten, daß das Wunder passieren wird, einfach so, ohne daß man einen Einfluß darauf hätte. Man hat schon einen Einfluß. Zumindest weiß ein erfahrener Musiker, was er alles vermeiden muß, um das Entstehen eines Wunders nicht zu stören.

Es gibt ja diesen schönen Spruch: "Man kann das Gras nicht zum wachsen bringen, aber man kann die Steine vom Acker entfernen, damit es von selbst wachsen kann." Das lässt sich wahrscheinlich auch auf die Musik und das Musizieren übertragen. Man sollte, so gut es geht, für gute Bedingungen sorgen, damit das Wunder - vielleicht... - geschehen ("wachsen") kann.

Grüße von
Fips
 
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gubu
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Haydnspaß, "geschehen zu lassen" finde ich gut. Deine Sicht ist die des Musikers. Da stimme ich Dir zu. Ich hatte es mehr auf die Zuhörenden bezogen. Wenn man nun noch die "Wechselwirkung" zwischen Zuhörenden und Musiker(n) (in solchen "Sternstunden") betrachtet, wird´s ganz kompliziert.... Ich bleib dabei: "Das sagt sich nicht".......
 
rolf
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Vielleicht ist Zufall nicht ganz das richtige Wort, aber es ist etwas, das man nicht absichtlich herbeiführen kann - eine Art Wunder.

Ich vermute, jeder Versuch, so ein Wunder künstlich herbeizuführen, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Und was nun genau passiert bei diesem Wunder, auch das läßt sich nur schwer "festmachen".

hallo Haydnspaß.

meine uneingeschränkte Zustimmung!!!

ich kann nur anfügen, dass man wohl auch empfänglich für viele kleine Wunder sein muss: wie oft hat man irgendeine Scarlattisonate schon gehört, und plötzlich hört man sie neu und ist ergriffen, berührt. Aber wenn es passiert, entzieht es sich der Beschreibung.

tröstlich in einer technisierten Welt ist, DASS es solche Wunder eben doch gibt!...

Gruß, Rolf
 
Haydnspaß
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hallo Haydnspaß.

meine uneingeschränkte Zustimmung!!!

ich kann nur anfügen, dass man wohl auch empfänglich für viele kleine Wunder sein muss: wie oft hat man irgendeine Scarlattisonate schon gehört, und plötzlich hört man sie neu und ist ergriffen, berührt. Aber wenn es passiert, entzieht es sich der Beschreibung.

tröstlich in einer technisierten Welt ist, DASS es solche Wunder eben doch gibt!...

Gruß, Rolf


Das freut mich ja, daß wir auch mal in einem Punkt einer Meinung sind - ehrlich!

Ein Kriterium für eine "wunder"bare Interpretation ist mir jetzt doch noch eingefallen: man muß die Balance finden zwischen zu viel Gestaltung und zu wenig Gestaltung. Was natürlich auch wieder eine Geschmacks- und Temperamentssache ist, wie man z.B. an Guendolas Thread über das Schostakowitsch Präludium feststelleb konnte. Ich neige wohl eher ein bißchen zur Übertreibung und muß mich immer bremsen, damit es nicht zu gekünstelt klingt, andere gestalten zu wenig und siond der Ansicht: "wenn das Stück langweilig klingt, ist der Komponist schuld, nicht ich!"

Also in diesem Spannungsfeld muß man irgendwie die goldene Mitte finden. Oder zumindest suchen ;)
 
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klaviermacher
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Ich werde die Essenz der vorigen Beiträge mal deuten, und mein Verständnis davon wiedergeben: Die Welt ist real und fassbar, vermessbar. Die Musik ist es nicht. Daher kann man mit den technischen Mitteln der realen Welt in der Welt der Musik nur zufällig ein großes AHHH erhalten, und muss auf "Wunder" hoffen, und muss dabei "Glück" haben.:confused:

Wie ihr Euch unschwer vorstellen könnt, ist das für mich ganz anders:D
Ich vergleiche in Nachfolgendem absolut identisch 1:1 Sprache und Musik!
Was hinter Sprache steckt, steckt im Grunde auch hinter Musik.

Zuerst einmal: Wie lernt man Sprache? Natürlich einmal die Buchstaben, dann Wörter, einfache Sätze, dann, mit der Zeit und genügend Wortschatz einen komplizierteren, verschachtelten Text. Man lernt sie hörend und man lernt sie zu erzählen usw. bis man ein Buch (vor)lesen kann. Dann kann man noch Atemtechniken als Sprecher erlernen wie ein Fernsehansager. Das alles fällt in die Kategorie "erlernbar" - Das ist was ein Sprachlehrer vermittelt.

Kommen wir nun zu den Inhalten: Sprache vermittelt Ideen, Absichten, Werte, Gefühle, Emotionen etc. eine Beschreibung von der inneren und der äußeren Welt des Sprechenden. Das heisst, die Wörter sind nicht aneinandergereihte Buchstaben, sondern gefüllt mit Inhalten, die der Sprecher dem Zuhörer mitteilt.

Das Erstaunliche: Die Buchstaben, sogar die Wörter sind eigentlich ganz nebensächlich, wenn der Inhalt befördert wird. Habt ihr schon mal jemand etwas erzählen hören, nicht mal in der eigenen Muttersprache, und ihn vollkommen verstanden? Also mir ist das schon öfter passiert.:cool:

Kommen wir zum Gegenteil davon: Jemand erzählt Euch etwas ganz eindringlich, und ihr seid nicht im Stande, es zu begreifen? Nach endlosem hin und her und drei Tage später sagt derjenige - aber das hab ich Dir schon gesagt und Du erkennst endlich um was es geht und bist vollkommen erstaunt, dass Du es nicht schon früher verstanden hast.:rolleyes: Es waren die gleichen Wörter, aber Du hast es nicht verstanden.

Das zeigt uns, daß das Überspringen / Übertragen der Idee von einem Menschen zu anderen das Entscheidende ist. Es ist nicht so sehr, ob ich es langsamer oder schneller erzähle, ob ich etwas mehr oder weniger betone, ob ich genau artikuliere, Nein - es ist das Übermitteln der Idee an sich, welche zunächst in den Vordergrund zu rücken ist.

Und wenn die Idee ein Apfel ist, dann soll drüben ein Apfel ankommen und nicht ein Vielleichtapfel. Der Apfel kommt so an wie meine Idee, selbst erlebt oder als Idee von jemand anderen weitererzählt wird. Er könnte saftig, trocken sein, einen säuerlichen Geschmack haben, eine grüne, rote oder gelbe Farbe haben, aber auch einen duftenden Geruch. Er kann voll mit bitteren Kernen sein oder wurmig. Aber!!!, wenn in meiner Erzählung keine selbsterzeugte Idee über diesen Apfel mitgeteilt wird, dann kommt beim Zuhörer kein (lebendiger) Apfel an, sosehr ich mir dabei den Mund fusselig rede.

Ergo muss man Ideen haben, welche mitgeteilt werden. Je mehr ich mich mit dieser Idee identifiziere - sie meine eigene Idee ist oder geworden ist, um so eher kommt sie drüben an. Die Idee muss mir so wichtig sein, dass ich sie erzählen will - ihrer selbst willen. Sie soll am Ende für den anderen das Selbe bedeuten wie für mich. Das ist das Allerwichtigste! Auf was muss ich noch aufpassen beim erzählen? Natürlich ob ein Empfangskanal offen ist. Jemand, der nicht zuhört, wird keinen Apfel erhalten. Oft will ich was sagen, und muss eine Weile warten, weil dort drüben niemand aufpasst.

Das ist in Grundzügen mein Verständnis, wie Wunder entstehen in der Musik. Es gibt gewiss noch mehr dazu, aber es baut auf diese Weise auf.

Liebe Grüße
Michael
 
Klimperline
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Klaviermacher, Du triffst absolut des Pudels Kern. Sehr schön durchdacht und anschaulich dargestellt. Du hättest Professor werden sollen!
 
 

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