Mitsummen beim Spielen

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Puenktchen
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Hallo zusammen!

Ich war mir nicht sicher, ob ich hier oder im Klavierlehrer-Forum posten soll, aber ich mach's jetzt mal hier :)...

Folgendes "Problem" (ich bin mir noch nicht sicher, ob es eins ist :p ):
Ich habe eine Schülerin, 8 Jahre alt, hat seit 15 Monaten bei mir Unterricht. Sie ist eine wahre "Traumschülerin". Sie übt sehr gewissenhaft, ist konzentriert, sehr offen für allerlei Musikrichtungen. Ich würde sie mal als begabt bezeichnen.
Im Moment arbeiten wir an folgenden Stücken: Kleiner Scherz aus op. 72 von Kabalewski und Rondo F-Dur von Mozart (KV 15hh).

Seit etwa zwei Monaten summt das Mädchen sobald sie spielt die Melodielinie mit. Zunächst nur manchmal, inzwischen regelmäßig. Ich habe sie heute mal darauf angesprochen, ob sie es merkt. Das hat sie verneint. Ich bat sie dann, mal darauf zu achten und zu schauen was passiert, wenn sie es unterlässt. Das hat sie dann auch gemacht, aber immer nur für einige Takte, dann fing sie wieder an zu summen. Ich habe sie dann auch gelassen, weil sie keine schönen Linien mehr gespielt hat, als sie nicht summte und irgendwie den Eindruck machte, nur noch halbherzig dabei zu sein. Wenn sie summt ist sie ganz in der Musik...

Nun zwei Fragen:
1. Kennt jemand sowas? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht, wie hat sich das entwickelt?

2. Was meint ihr: Soll ich sie lassen, oder versuchen, ihr das Summen "auszutreiben"? Eigentlich spricht ja alles dafür, sie summen zu lassen, wenn sie dadurch musikalischer spielt. Aber was, wenn sie mal vorspielen soll?

3.Ich hatte auch überlegt, sie evtl. zum Tonkünstler-Wettbewerb zu schicken. Wie kommt so etwas bei einer Jury an? Jemand Erfahrung damit?

Wäre super, wenn ich ein paar Meinungen dazu bekäme!

Viele Grüße
Pünktchen
 
Fips7
Fips7
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Hallo Puenktchen,

der berühmteste Mitsummer war ja Glenn Gould und dem hat es nicht geschadet. Für die Musik kann es bekanntlich sehr förderlich sein, wenn man sich die Melodien eines Klavierstücks einmal vorsingt, um ein Gefühl für die richtige Phrasierung und den passenden Ausdruck zu bekommen. Für manche Pianisten ist es offenbar noch hilfreicher, wenn sie gleich permanent mitsummen.
Aber für die Hörer kann das schon störend sein. Wenn ich eine CD höre, will ich nicht unbedingt dauernd eine Stimme im Hintergrund brummeln hören.

Ich bin kein Klavierlehrer, kenne das also nicht aus eigener Erfahrung. Es der Schülerin ganz auszutreiben, könnte sie eventuell in ihrem Musikempfinden und dadurch auch in ihrem Ausdruck stören (wie du es auch schon beschrieben hast). Aber meiner Meinung nach sollte am Klavier auch nicht ständig mitgesummt werden. Vielleicht kann die Schülerin lernen, ihren Gesang etwas "weiter nach innen zu verlagern", d.h. mehr innerlich mitzusummen, so dass man es nicht mehr hört. Wie man das aber am besten erreicht, kann ich nicht sagen.

Grüße von
Fips
 
K
koelnklavier
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Seit etwa zwei Monaten summt das Mädchen sobald sie spielt die Melodielinie mit. Zunächst nur manchmal, inzwischen regelmäßig.
Das kann durchaus ein Entwicklungsschub sein, der sich in der Regel auch wieder verliert. In jedem Falle würde ich die Eltern fragen, ob Ihnen in den letzten zwei Monaten etwas aufgefallen ist.

Ich habe sie heute mal darauf angesprochen, ob sie es merkt. Das hat sie verneint. Ich bat sie dann, mal darauf zu achten und zu schauen was passiert, wenn sie es unterlässt.
Es it sicherlich hilfreich, wenn Du Deine Schülerin auf ihr Mitsummen aufmerksam machst. Aber mit der Aufforderung, das Verhalten "abzustellen", wäre ich vorsichtig. Das Mitummen ist jedenfalls ein Zeichen hoher Konzentration. Offensichtlich sind alle Sinne auf die Musik gerichtet - was ja nur positiv zu werten ist. Wenn Du das Gefühl hast, daß das Mitsummen die musikalische Entwicklung Deiner Schülerin behindert, dann versuche, ie spielerisch in eine andere Richtung zu lenken:
  • Laß sie eine andere Melodie hinzuerfinden.
  • Laß sie einen Text erfinden, den sie mitsingen oder gar mitsprechen soll.
1. Kennt jemand sowas? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht, wie hat sich das entwickelt?
Ich habe so etwas bisher zwei-, dreimal erlebt. Wir sind sehr spielerisch damit umgegangen, und es hat sich in allen Fällen ohne größere Komplikationen von selbst aufgelöst.
2. Was meint ihr: Soll ich sie lassen, oder versuchen, ihr das Summen "auszutreiben"? Eigentlich spricht ja alles dafür, sie summen zu lassen, wenn sie dadurch musikalischer spielt. Aber was, wenn sie mal vorspielen soll?
Glenn Gould war ein großer Summer vor dem Herrn. Pollini brummt mitunter so laut, daß man sein Pianissimo kaum mehr hört. (Er brummt zudem so schräg und "falsch", daß man ihm früher in der Schule verboten hätte, mitzusingen. :D)
3.Ich hatte auch überlegt, sie evtl. zum Tonkünstler-Wettbewerb zu schicken. Wie kommt so etwas bei einer Jury an? Jemand Erfahrung damit?
Was deutsche Juroren dazu sagen? Nun, da bin ich eher skeptisch! :floet:
 
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Puenktchen
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Danke ihr zwei für eure Antworten!

Mit Gould will ich die Kleine nun nicht gerade vergleichen :D... Diese berühmten Aufnahmen kenne ich natürlich...

Aber mit der Aufforderung, das Verhalten "abzustellen", wäre ich vorsichtig.
Ich habe sie dann ja auch summen lassen, zumal es ja wie gesagt sogar positive Auswirkungen auf ihr musikalisches Empfinden hatte - so mein Gefühl.

Der spielerische Umgang mit dem Ganzen wird bei diesem Mädchen sicher nicht einfach werden... Sie ist so wissbegierig und total darauf versessen, sich in Dinge zu verbeißen, schwierige Stellen zu knacken etc.. Spielerische Stundeninhalte akzeptiert sie zwar (sie ist ja brav :p ) aber Gefallen scheint sie nicht daran zu haben.

Was mir noch einfiel: Am Anfang haben wir ganz viel gesungen, die Lieder die sie spielte hatten auch meistens einen kindgerechten Text, den wir dann gesungen haben, gespielt oder auch mal beides gleichzeitig. Vielleicht ist das bei ihr so stark hängengeblieben? Mozart und Kabalewski haben nun keinen Text und die Melodien sind nun auch nicht wirklich singbar für eine Kinderstimme...

Hat noch jemand Ideen?

Viele Grüße
Pünktchen
 
K
koelnklavier
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[...] total darauf versessen, sich in Dinge zu verbeißen, schwierige Stellen zu knacken etc.. Spielerische Stundeninhalte akzeptiert sie zwar (sie ist ja brav :p ) aber Gefallen scheint sie nicht daran zu haben.
So wie Du es beschreibst, scheint mir das Mitsummen eine Art Ventilfunktion zu haben (wie Kinder sich auch auf die Zunge beißen, wenn sie schreiben oder lesen). Du solltest gar nicht weiter daran rühren. Vielleicht Deiner Schülerin eine der berüchtigten Gould-Aufnahmen vorspielen, um ihr zu zeigen, daß sie nicht die einzige Exotin ist. Aber sie erlebt dann, wie irritierend das Verhalten auf Außenstehende sein kann.

Wenn Deine Schülerin auf spielerisch-didkatische Ansätze generell nicht spielerisch anspricht, solltest Du Derartiges auch außen vor lassen. Kinder fühlen sich sonst leicht nicht ernst genommen.
 
rolf
rolf
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hallo,

ich würde sie summen lassen und mich freuen! Das Kind erlebt doch Melodien mit, und so äußert sich das momentan bei ihr - also lass sie einfach. Sie wird es von allein "minimieren", und zudem wird sie erst später in der Lage sein, selbstkritisch mit ihrem summen umgehen zu können - also nicht zu früh darauf hinweisen, damit sie ihr Mitgehen und Erleben nicht etwa als "Fehler" missdeutet.

ich bin sicher, sie wird ihr summen allmählich in "inneres Mitsingen" umwandeln.

liebe Grüße, Rolf
 
Fips7
Fips7
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hallo,

ich würde sie summen lassen und mich freuen! Das Kind erlebt doch Melodien mit, und so äußert sich das momentan bei ihr - also lass sie einfach. Sie wird es von allein "minimieren", und zudem wird sie erst später in der Lage sein, selbstkritisch mit ihrem summen umgehen zu können - also nicht zu früh darauf hinweisen, damit sie ihr Mitgehen und Erleben nicht etwa als "Fehler" missdeutet.

ich bin sicher, sie wird ihr summen allmählich in "inneres Mitsingen" umwandeln.

liebe Grüße, Rolf

Ja, das klingt stimmig, was Rolf schreibt.
 
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Debbie digitalis
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Zitat von rolf
ich würde sie summen lassen und mich freuen! Das Kind erlebt doch Melodien mit, und so äußert sich das momentan bei ihr - also lass sie einfach. Sie wird es von allein "minimieren", und zudem wird sie erst später in der Lage sein, selbstkritisch mit ihrem summen umgehen zu können - also nicht zu früh darauf hinweisen, damit sie ihr Mitgehen und Erleben nicht etwa als "Fehler" missdeutet.
ich bin sicher, sie wird ihr summen allmählich in "inneres Mitsingen" umwandeln.


Dem kann ich nur zustimmen!

Ich habe eine neunjährige Tochter, die Klavierunterricht erhält und beim Üben zuhause immer mitsingt bzw. summt. Wenn ich ihr beim Üben zuhöre, habe ich den Eindruck, dass sie das Mitsingen bzw. Mitsummen braucht, um das Stück zu erlernen bzw. auf ihre Weise zu begreifen. Deshalb sage ich auch nichts dazu. Wenn sie das Stück dann mal gut kann und es mal Erwachsenen vorspielt, dann geht es auch ohne Summen bzw. Singen.

Andererseits habe ich aber auch gemerkt, dass bei Stücken, die sich von der Tonlage her für sie nicht so zum Mitsingen bzw. Mitsummen eignen, das Üben schwerer fällt. Sie wird dann leichter ungeduldig und findet das betreffende Stück dann eher mal "doof". :rolleyes:

Liebe Grüße

Debbie digitalis
 
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Lalona
Guest
*lach*

Liebe Debbie,
sie wird bestimmt noch lernen, innerhalb der oktaven zu springen, wenn die Melodie auszerhalb ihrer Weichreite liegt...das habe ich auch gemacht.

@ all: So eine phase hatte ich auch, und mittlerweile singe ich nur noch mit, wenn ich es bewusst will ^^ ich wuerde sagen, das reguliert sich von selbst. Ist doch schoen, wenn sie ueberhaupt mitsingen kann ;-) Ganz oft trauen sich di Kleinen heutzutage ja nicht mehr, den Mund aufzumachen und wenn, treffen sie die Toene nicht (und an dieser Stelle _bitte_ ich darum, sie singen zu lassen ;-) )
lg
 
P
Puenktchen
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Hallo zusammen!

Danke euch für eure Antworten!
Gut, dann bin ich ein bisschen "beruhigt" und werde sie bedenkenlos summen lassen :)...
Ich glaube (und hoffe) nicht, dass ich, als ich sie darauf ansprach, ihr Summen als Fehler vermittelt habe. Ich habe ihr auch von Gould erzählt und sie wie gesagt ja dann auch weitersummen lassen und auch mal mitgesummt :cool:, weil ich auf keinen Fall wollte, dass sie es als Kritik sieht. Ich fand es halt interessant, dass sie es selbst nicht bemerkt...
Na mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

So wie Du es beschreibst, scheint mir das Mitsummen eine Art Ventilfunktion zu haben (wie Kinder sich auch auf die Zunge beißen, wenn sie schreiben oder lesen)

:D Ich habe einen Schüler, der beim Spielen in hoher Konzentration stets so den Mund verzieht, dass ich manchmal Angst habe, er renkt sich den Kiefer aus. An den musste ich gerade denken... Da bin ich allerdings irgendwann eingeschritten und inzwischen kann er sich auch ohne Grimassen konzentrieren :rolleyes:...

LG
Pünktchen
 
K
koelnklavier
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Off-Topic

Ich singe übrigens gerne mit, wenn meine Schüler Schwierigkeiten mit der Phrasenbildung haben. Letztens Kommentar einer Schülerin: "Ok, ich spiele die Phrasierung jetzt so, wie sie da steht, aber hör' um Gottes willen auf zu singen!" Keinen Respekt haben die Kleinen mehr. :rolleyes:
 

rolf
rolf
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hallo,

das heiße ich mir eine kantable Pädagogik :)

liebe Grüße, Rolf
 
klavigen
klavigen
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Summen und Brummen

Ich bin über jeden froh, der mitsingt, brummt oder sogar pfeift- wie mein ehemaliger , verehrter Lehrer-

Ich würde es einfach so geschehen lassen und garnicht kommentieren.
Viele Instrumentalisten haben eine recht genaue Vorstellung, was sie produzieren wollen, also welchen Klang, haben aber merkwürdigerweise oft keine Kontrolle darüber, was ihre Stimme anrichtet.

So gibt es gerade bei Dirigenten wirklich gute, die fürchterlich und oft grottenfalsch mitsingen aber dabei das richtige meinen. Auch Pablo Casals hat sich durch Brummen vergewissert, ob er wohl den richtigen Ton träfe, was immer so passierte obwohl der gebrummte Ton nicht wirklich fein intomiert war.

Das Mitsingen scheint demnach eine wichtige Ventilfunktion zu übernehmen und ist fast nur bei echt talentierten Menschen anzutreffen, jedenfalls gehäuft ebenda.

auch bei LangLang glaube ich, dass seine Grimassen weniger show sind, sondern vielmehr das Resultat eines überquellenden Sentiments, was sich in dieser oft unkontrollierten Weise äussert.

Ich würde es wohlwollend zur Kenntnis nehmen und nicht weiter darauf eingehen, es sei denn, ich werde direkt dazu befragt.
 
 

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