Linke Hand und Sicherheit


Guendola
Guendola
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Meine rechte Hand lag ja einige Zeit brach und währenddessen habe ich mich in erster Linie mit den beiden Präludien für die linke Hand von Skrjabin beschäftigt (Opus 9).

Jetzt, wo meine rechte Hand wieder einigermaßen einsatzbereit ist, fällt mir folgendes auf: Alles ist plötzlich irgendwie leichter, solange ich nicht unglücklich mit der rechten Mittelfingerspitze aufkomme (die ist noch sehr empfindlich).

Die beiden Stücke verlangen einiges an Präzision und recht differenziertes Spielen in der selben Hand, es gibt große Sprünge, insbesondere im Nocturne (was wäre das auf Deutsch? Abendständchen klingt irgendwie falsch.) und man hat permanent Lagenwechsel. Insgesamt ist dadurch anscheinend meine linke Hand wesentlich stabiler und sicherer geworden, wodurch natürlich viel mehr Zeit bleibt, sich auf anderes zu konzentrieren. Ich glaube auch, daß ich meinen Akkordanschlag links etwas verändert habe und das scheint auch die rechte Hand direkt zu übernehmen. Er ist weicher, elastischer und baut viel weniger Spannung auf. Für das Allegro Barbaro von Alkan reicht das leider noch nicht, da schreit das linke Handgelenk immer noch nach einigen Takten.

Ich frage mich, ob es nicht eine gute Idee ist, sich gelegentlich intensiv mit der schwächeren Hand zu befassen. Ob nun Fingerübungen oder ganze Stücke, die Aufmerksamkeit muß normalerweise immer geteilt sein und im Zweifelsfalle konzentriert man sich häufig auf die rechte Hand, weil die scheinbar mehr zu tun hat und man mit links ja einigermaßen klar kommt. Wenn man stattdessen gezielt nur eine Hand verwendet, lernt die vermutlich wesentlich besser und das kommt auch der anderen Hand zugute.

Aber das ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck. Jetzt sind Erfahrungen, Wissen und Meinungen anderer gefragt, um diese Theorie zu erhärten oder zu kippen.
 
DonBos
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Ich glaube, dass es allgemein oftmals etwas für das Spiel bringt, wenn man mal eine Weile lang nicht wie gewöhnlich mit linker Hand, rechter Hand und Pedal übt, sondern ganz bewusst mal einen Teil wegfallen lässt.
Besonders leicht fällt dies natürlich nur dann, wenn ein Teil (wie bei dir z.B. die rechte Hand) einmal für eine Weile ausfällt, weil man dann dazu gezwungen ist, die anderen Teile intensiver zu üben. Denn lieber ein Stück nur mit der linken Hand üben als gar nicht. Dadurch, dass aber ohne rechte Hand etwas fehlt, kann man zwar weniger am Ausdruck des Gesamtstücks arbeiten, aber dadurch, dass die Melodie dadurch nun fehlt oder unvollständig wird, lenkt sich das Übeaugenmerk automatisch auf andere Aspekte (z.B. die Geläufigkeit oder eine bequeme Handstellung) die beim Komplettspiel des Stücks eher untergeordnet behandelt werden unter andere Aspekte wie das Hervorheben der Melodie oder ein rundes Gesamtbild.

Ich persönlich kenne den selben Effekt etwas anders. Ich habe mir einmal 2 Wochen vor einem wichtigen Vorspiel der Ravel-Sonatine den rechten Fuß so verstaucht, dass ich eine Woche lang kein Pedal mehr drücken konnte. Aber zwei Wochen vor dem Konzert einfach mal eine Woche Übeausfall zu haben kam für mich nicht in Frage. So übte ich den Ravel ohne Pedal. Der Klang eines Ravels ohne Pedal ist sehr fremd, unvollständig und auch teilweise dadurch verwirrend und klingt einfach nach nichts. Aber durch diese gezwungene Übemethode wurde meine Aufmerksamkeit auf viele Details und Unregelmäßigkeiten und Schlampigkeiten im Spiel gelenkt, die ich sonst immer unter dem Pedal versteckt hatte. Das Ergebnis war, dass der Ravel als ich das Pedal wieder drücken konnte umso besser lief und auch um so besser klang.
 
Dimo
Dimo
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Insgesamt ist dadurch anscheinend meine linke Hand wesentlich stabiler und sicherer geworden, wodurch natürlich viel mehr Zeit bleibt, sich auf anderes zu konzentrieren. (...)Wenn man stattdessen gezielt nur eine Hand verwendet, lernt die vermutlich wesentlich besser und das kommt auch der anderen Hand zugute.
Aber das ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck. Jetzt sind Erfahrungen, Wissen und Meinungen anderer gefragt, um diese Theorie zu erhärten oder zu kippen.
Kann ich bestätigen! :)
Während meiner Daumenverletzung habe ich tagelang nur mit links geübt. Zum einen die Linke-Hand-Etüde von Blumenfeld, aber auch mein "normales" Programm (hauptsächlich Brahms C-Dur Trio - und dabei die rechte Hand mental geübt).
Meine linke Hand fühlt sich jetzt am Klavier fitter an als davor. Und fürs Cellospielen - Beweglichkeit/Geläufigkeit der linken Hand - hat es auch was gebracht.
Jetzt übe ich aber nur noch selten mit links allein. Macht einfach weniger Spaß... :floet:
Aber die Blumenfeld-Etüde übe ich schon noch weiter.:cool:
 
Madita76
Madita76
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Hier das 4. Posting zu diesem Thema und ebenfalls eine Bestätigung zu Guendolas These.

Seit ich fast täglich die empfohlenen Stützfingerübungen (ein herzliches Dankeschön an koelnklavier, Frederik Chopin...) mit meiner linken Hand ausführe, bin ich eindeutig zufriedener mit der Spielweise meiner linken Hand.

Ich bilde mir ein, dass Alberti-Bässe gleichmäßiger und runder laufen und ich dynamische Gestaltungen deutlicher ausführen kann.
 
 

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