Langjährig falsch geübt

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Wu Wei, 20. März 2007.

  1. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Einige von uns haben immer wieder mal berichtet, dass sie nach einem Lehrerwechsel feststellen mussten, beim vorhergehenden Lehrer Falsches beigebracht bekommen zu haben. Mich würde mal interessieren, was das so im konkreten Fall war, wie sich das gezeigt hat und worin die Korrektur bestanden hat.

    Wu Wei
     
  2. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Hallo Wu Wei,

    da fühle ich mich sofort angesprochen.
    Ich habe als kleines Kind bei einer freundlichen Frau angefangen, mit der ich gut zurechtgekommen bin. Sie erzählte mir immer, ich soll socker sein, mit Schwung spielen usw. Ist schon länger her, ich erinnere mich noch daran dass meine Ame oft "bewegt" und keine steife Verlängerung der Hand waren (oder so ähnlich?!).
    Sie wohnte leider zu weit weg, ich wechselte. Die nächste Lehrerin erzählte mir plötzlich genau das Gegenteil, ich war ziemlich verwirrt! Ich soll die Arme ruhig lassen, nicht so rumhampeln, Fingerübungen ("Fingerkrat") machen. Vielleicht hat sie etwas anderes gemeint, als ich verstanden habe- denn man braucht ja wirklich Kraft in den Fingern und im "Grundgelenk", mit dem sie an der Hand festgewachsen sind.
    War vielleicht der falsche (zu frühe) Zeitpunkt mit so einer "feinen" Technik zu beginnen oder schlecht erklärt- jedefalls war ich wohl sehr fest in Ellebogen und Arm und verkrampft, als ich bei ihr aufhörte.
    Dann sind wir umgezogen und ich kam zu meinem jetzigen Lehrer. Der erzählte mir nun wieder was anderes- nämlich das, was ich als erstes gelernt hatte! Also wieder umlernen!
    Natürlich erst einfacher, mit angespannten Muskeln zu spielen, und ich habe sehr lange gebraucht, bis ich richtig verinnerlicht hatte, was mir nun beigebracht wurde- das Lockerheit und Gewichtspiel (letzteres natürlich nicht bei jedem Stück) als Grundlage das A und O ist.
    Ich war ziemlich verzweifelt in der Zeit und hätte fast den Lehrer gewechselt, doch ich bin froh dass ich das nicht getan und durchgehalten habe, denn mit der jetzigen Technik komme ich sehr gut zurecht.
    Inzwischen kann ich problemlos zwischen den "beiden Techniken" oder besser: Spielweisen unterscheiden, spüre ganz genau, wann meine Muskeln angespannt sind und ob das gut oder schlecht ist, kann das recht gut kontrollieren und damit umgehen.
    Selbstverständlich trainiere auch ich meine Fingerkraft, aber die Muskeln sollen dabei eben trotzdem locker sein.

    Und da ich immer das positive an den Dingen suche und in dem Fall auch etwas positives rauszuholen ist:
    Ich weiß, wie es falsch ist, wie man es nicht machen soll.
    Das ist auch etwas wert. Ich merke vielleicht eindeutiger, wenn ich an einer technisch anspruchsvollen Stelle nicht weiterkomme und warum-
    und falls ich einmal Klavierschüler unterrichten werde, die das gleiche Technikproblem haben wie ich damals, kann ich mich gut in sie hineinversetzen (so war es bei meinem jetzigen Lehrer).

    Noch zum Schluss:
    Es kann vielleicht sein, dass sich jemand denkt "was schreibt die da für einen technischen Mist zusammen", weil er einen komplett anderen Ansatz hat. Dass es eben vielleicht doch nicht nur "die eine" Möglichkeit gibt, fällt mir oft auf, wenn ich Videos von Pianisten sehe. Haben die z.B. große Hände, können sie Oktaven und Akkorde ganz leicht abgreifen und vielleicht den Arm als Hebel benutzen und bleiben im Handgelenk steifer (oder was weiß ich...:rolleyes:). Beispiel an das ich dachte: Horowitz.
    Ich habe übrigens recht kleine Hände :D

    soviel zum Thema falsche Technik.

    Stilblüte