Lampenfieber

Ich kann auch keinem Kollegen davon erzähle....
Du musst! Wenigstens einem, zu dem Du Zugang hast. Über so etwas Reden hilft schon ungemein. Gut wäre auch ein Gespräch unter 4 Augen mit der Leiterin, damit sie Rücksicht darauf nehmen kann. Gerade die Kollegen können sicher auch dabei helfen, das Lampenfieber abzubauen.
Ich schäme mich so, hoffentlich habet Ihr für mich Verständnis.
Und wie. Mir geht´s genau so (bin zwar kein Lehrer, aber das ist denke ich in dem Fall egal).
Schämen, das musst Du nicht! Wofür? Ist doch was ganz natürliches. Versetz Dich mal in das Gegenteil: Ein Kollege erzählt Dir von seinem Problem mit dem Lampenfieber. Hättest Du dann ein Problem mit diesem Kollegen? Sicher nicht. Vermutlich würdest Du wohlgemeinte Ratschläge geben.
Übrigens: Geringes Selbstvertrauen zeugt oft von Intelligenz.
 
Ojeoje. vielleicht schätzt du deine Kollegen aber auch falsch ein, und es gibt da doch den ein oder anderen, dem es ebenso geht wie dir. Und diese anderen, die sich auch nicht trauen, sich zu outen, freuen sich , wenn endlich einer das Thema auf den Tisch bringt.
 
Hallo Zilla,
mich würde interessieren, wie du das Studium durchgestanden hast. Denn wenn man Klavier an einer Musikschule unterrichtet, hat man ja in der Regel ein Instumentalfach-Studium absolviert. Und da ist Vorspielen vor Publikum doch völlig normal (Klasssenvorspiele, Kammermusik, Prüfungen....).
LG,
NaMu
 
Liebe Zilia,

sei dir gewiss: jeder (!), der vorspielt, hat Lampenfieber. Es wird nur unterschiedlich damit umgegangen. Bei deinen Kollegen sieht es nur so aus, als ob sie kein Lampenfieber hätten! Deshalb schließe ich mich meinen Vorrednern an: du solltest dieses gemeinsame Thema unbedingt ansprechen, vielleicht erst mal nur mit einem Kollegen, dem du vertraust. Du wirst vielleicht verblüfft sein, was dabei herauskommt - nämlich dass alle vorher nervös sind. Macht doch mal ein Kollegensymposium zu dem Thema - davon profitiert auch euer Unterricht, denn Schüler haben natürlich auch Lampenfieber!

Es ist durchaus möglich, dass es auch anderen so wie dir geht und sie denken 'Mannoman, die Zilia tritt immer so selbstbewusst auf, wie macht die das'. Schein ist nicht Sein. :p

Es wird dir auf jeden Fall helfen, mit den anderen zu sprechen, dann ist man nicht mehr so allein und das baut Ängste, Hemmungen und falsche Vorstellungen ab. Vielleicht hilft dir auch, dass manche Weltklassepianisten furchtbares Lampenfieber haben (Martha Argerich ............).

Warum sagst du "Spezialisten"? Findest du, dass du weit schlechter spielst? Dann besinne dich auf deine Stärken! Du musst doch nicht dicke Solo-Brecher spielen! Vierhändig mit einem Kollegen ist doch wunderbar. Oder zusammen mit einem anderen Instrumentalisten. Immer ist die musikalische Qualität entscheidend und nicht die Schwierigkeit.

Was das Thema selbst angeht, wirst du hier über die Suchfunktion viel finden. Deshalb hier nur kurz:

Übung macht den Meister. Wenn du nur einmal im Jahr vorspielst, wird das immer ein Horror-Erlebnis bleiben. Versuche doch erst einmal, mehr Übung im Vorspielen im Familien- und Freundeskreis zu bekommen. Setze deine beste Freundin gemütlich in den nächsten Sessel und spiele ihr ein Stück vor, dass dir wirklich am Herzen liegt.

Und da sind wir schon beim zweiten Punkt. Du wirst immer Lampenfieber haben. In dem Moment aber, wo du dich auf die Musik konzentrierst und ihr zuhörst, die Liebe zur Musik die führende Position einnimmt und nicht irgendwelche Leistungsansprüche, wird es dir gelingen, MIT Lampenfieber zu spielen.

Und der dritte Punkt: versuche nicht, gegen das Lampenfieber zu arbeiten. Nimm es an! Spiele mit Lampenfieber, mit kalten, zitternden Fingern, mit einem Herz, das dir zum Halse schlägt. Atme tief in den Bauch, bevor du spielst, und akzeptiere dich, wie du bist.

Du bist auf der Bühne nicht allein. Das Instrument und vor allem die Musik (!), der Grund, wieso alle sich zusammen finden, sind bei dir. Letztlich geht es nicht um dich, auch nicht darum, wie du spielst, sondern um das Miteinander - Teilen dieser Musik. Und dann kann ein Spielen auch mit Lampenfieber zu einem echten Genuss für alle werden.

Liebe Grüße

chiarina

P.S.: Verspieler sollten einem egal sein. Um zu ermöglichen, bei Verspielern immer wieder den Faden zu finden, sollte man sich gut vorbereiten. Eine gute Vorbereitung ist wichtig und dazu gehört z.B., bei allen Phrasenanfängen anfangen zu können. Aber das weißt du sicher alles.
 
Und der dritte Punkt: versuche nicht, gegen das Lampenfieber zu arbeiten. Nimm es an! Spiele mit Lampenfieber, mit kalten, zitternden Fingern, mit einem Herz, das dir zum Halse schlägt. Atme tief in den Bauch, bevor du spielst, und akzeptiere dich, wie du bist.
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Ohne ein kontrollierbares Lampenfieber ist Dein Spiel höchstwahrscheinlich künstlerisch vollkommen wertlos. Eine gewisse Anspannung ist nämlich erforderlich, um sich höchste Konzentration, Aufmerksamkeit und Wachheit abfordern zu können, ohne die das Spiel ein gelangweiltes und routiniertes Abspulen des Gelernten bleibt - uninspiriert, leblos, spannungslos, absolut uninteressant für jeden, der dem Auftritt beiwohnt.

Problematisch ist das unkontrollierbare und lähmende Lampenfieber, das selbst bei bester Vorbereitung die mögliche Bestleistung behindert oder gar verhindert. Wer bei aller Selbstkritik zum Schluß kommt, sich wirklich gut vorbereitet zu haben, sollte mit dieser negativen Form der Anspannung nichts zu tun haben. Insider mit Kenntnissen von Murphy's Gesetz wissen, dass gut vorbereitete Projekte schlecht und schlecht vorbereitete Projekte furchtbar enden. Wenn die Vorbereitung stimmt und die Nerven dann doch (wieder) versagen, liegen die Gründe dafür außerhalb der Musik - meist im seelisch-emotionalen Bereich, den man sich dann genauer anschauen sollte. Dazu haben meine Vorredner schon einiges geschrieben.

Eigene Erfahrung: Oft höre ich mir von eigenen Auftritten Live-Mitschnitte an und mache immer wieder die gleiche Beobachtung. Im Moment der Aufführung wahrgenommene Fehlleistungen stellen sich beim Wieder-Hören als weitaus weniger schwerwiegend oder als sogar gänzlich unbeachtlich heraus, obwohl das Mikrofon doch unbarmherzig und gnadenlos alles einfängt und die "Konserve" alles speichert - sowohl bei professioneller Studiotechnik als auch bei einfachen Amateurmitschnitten. Was das wohl zu bedeuten hat? Auf alle Fälle ist es hilfreich, mit Fehlern und Unzulänglichkeiten umgehen zu lernen und Selbstkritik nicht zur Waffe zu machen - wie eine ätzende Säure, die alles Schöne zerfrißt und irreparabel zerstört...!

LG von Rheinkultur
 
Liebe Zilia,

ich gebe zwar keine öffentlichen Konzerte, aber ich halte sehr oft Vorträge auch vor größerem Publikum, daher habe ich mich mit dem Thema schon einige Male auseinandergesetzt. Es gibt unzählige Tipps für solche Situationen, ich möchte hier mal schreiben, welche Methoden bei mir helfen.

Als aller erstes muss man sich wie bereits gesagt wurde bewusst machen, dass Lampenfieber etwas völlig natürliches ist. Im Gegenteil wäre es sogar höchst sonderbar, wenn jemand kein Lampenfieber hätte. Horowitz zum Beispiel hatte bis zum Schluss wahnsinniges Lampenfieber und kalte Finger, Richter hat sich nach einem Blackout nicht mehr ohne Noten auf die Bühne getraut, Argerich mag nicht mehr in Solo-Konzerten auftreten… Tatsächlich handelt es sich um einen Urinstinkt der dadurch ausgelöst wird, dass man sich schutzlos einer größeren Menge an Leuten ausliefert und der tödliche Speer jederzeit aus der Menschenmasse angeflogen kommen kann. Diese „Speere“ muss man dann im übertragenen Sinne eher seelisch verletzend sehen, wenn das Publikum einen auslacht oder mit Tomaten wirft usw… Wenn du das einmal verstanden hast fällt es dir schon mal leichter diese Nervosität zu akzeptieren und anzunehmen, ja sogar als Begleiter zu begrüßen. Sie ist ein fester Bestandteil solcher Auftritte, die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Hier nun einige Vorschläge von mir, um die Nervosität in den Griff zu bekommen:

1. Gleich einmal ein radikaler Tipp: Stell dir vor, welche Bedeutung dein Abschneiden bei diesem Auftritt 10min vor deinem Tod noch hat. Klingt ungewöhnlich, aber bei mir hilft es.

2. Die Vorbereitung ist wichtig. Du musst davon überzeugt sein, perfekt vorbereitet zu sein. Ich mache das immer so, dass ich mir vor einem Vortrag zunächst einmal in der Firma ein paar Kollegen suche und den Vortrag halte. Meine Frau muss sich den Vortrag sowieso ständig anhören. Dann such ich mir Freunde, Schwiegereltern usw. zusammen, je mehr, umso besser und übe was das Zeug hält. Dasselbe kann man auch vor einem Vorspiel machen. Such dir auch Kollegen, und spiel ihnen das Programm vor. Du musst ja nicht sagen, dass es am Lampenfieber liegt, sondern frag sie, ob sie zum Beispiel die musikalische Gestaltung plausibel finden. Je öfter du das im Vorfeld machst, umso sicherer wirst du beim großen Event sein.

3. Am schlimmsten sind normalerweise die 5 Minuten vor dem Auftritt. Versuche mal folgendes: Versuche diese 5 Minuten zu lächeln. Kein übertriebenes Lächeln, sondern einfach ein freundliches, entspanntes, natürliches Lächeln. Das gibt innere Ruhe. Sehr wichtig ist auch die Atmung. Ich wende die sogenannte Trapezatmung an und die geht so: Atme eine Sekunde lang ein, ruhig und tief in den Bauch, aber nicht so tief, als wenn du gleich 100m tauchen willst. Alles muss sich natürlich anfühlen. Halte die Luft dann zwei Sekunden lang an. Nun atme eine Sekunde lang aus (Menschen vergessen oft das bewusste Ausatmen, wenn sie nervös sind), alles wieder ganz ruhig und natürlich. Wenn du ausgeatmet hast, halte das vier Sekunden und atme dann erneut eine Sekunde lang ein usw.. Wichtig ist, dass du „in den Bauch“ atmest, nicht in die Brust, der Brustkorb sollte also möglichst ruhig bleiben.

4. Die innere Haltung ist entscheidend. Evgeny Kissin hat mal gesagt, er mag seine Live-Aufnahmen lieber, als die Studio-Aufnahmen. Das Publikum treibt ihn zu Höchstleistungen an. Wie erreicht man das? Während du auf die Bühne gehst sagst du dir: „Ich bin Musikerin! Musik ist eines der schönsten Dinge in meinem Leben, eines der schönsten Dinge, die ich zu geben habe und gleich hab ich die große Freude, diese schöne Musik anderen Leuten näherzubringen, ich darf sie teilen. Ich habe meinem Publikum etwas Großartiges zu bieten und jeder einzelne Gast darf sich glücklich schätzen, mir gleich beim Musizieren zuhören.“ (Atmen nicht vergessen!!!) Wenn ich dann die Bühne erreicht habe und auf ihr stehe nehme ich mir zunächst ein paar Sekunden. Ich schaue lächelnd (freundlich, entspannt, natürlich) ins Publikum langsam von links nach rechts, nehme Augenkontakt auf und sage mir (in Gedanken!!!) dabei: „Ich freue mich, dass ihr hier seid => Ich freue mich, dass ich hier stehe => Ich werde euch jetzt etwas Tolles erzählen.“ Einmal noch tief durchatmen und dann ist Showtime. Viele Pianisten machen das ähnlich, wenn sie sich vor dem Auftritt verbeugen.

Wenn du dich ans Klavier setzt, dann denke noch mal kurz an Alf (ja, den aus dem Fernsehen :D), bevor du mit dem Spielen beginnst. Atmung (ausatmen!!!), lächeln (freundlich, entspannt, natürlich) und spüre deine Füße, die du sicher im Sitzen auf den Boden stellst, sorge für eine sichere und stabile Sitzposition.

Du wirst sehen, auch diese Methoden erfordern etwas Übung und du wirst sie bei jedem Mal effektiver einsetzen können. Du brauchst positive Energie! Nervosität aus Angst und Nervosität aus Freude liegen sehr nahe beieinander und können vom einen ins andere umschlagen. Bei meinem ersten Fachvortrag außerhalb der Firma kannte ich keinen Menschen und ich musste vor ca. 500 Leuten reden. Es war ein 30 Minütiger Plenarvortrag, ich war mit Abstand der jüngste Redner (alle anderen waren Professoren, Doktoren, Geschäftsführer usw.) bei der Veranstaltung und musste gleich als zweites in der Früh ran, also zu einer Zeit, zu der noch alle zuhören. Ich bin um 02:00 Uhr in der Nacht aufgewacht und habe kein Auge mehr zugemacht. Mit nur zwei Stunden Schlaf bin ich vor Nervosität fast gestorben. Als ich dann aber auf der Bühne stand, mein Ritual durchgezogen hatte und den ersten Satz gesprochen hatte, war meine Nervosität wie weggeblasen und es war ein sehr schönes Erlebnis. Seitdem bin ich als Rampensau :) bekannt und freue mich auf jeden Vortrag, den ich halten darf. Nervös bin ich immer noch vor jedem Vortrag, allerdings ist es mittlerweile eine freudige Nervosität und mit der kann ich locker umgehen.

Ich hoffe, dass hilft dir ein bisschen!

Viele Grüße!
 
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Meine Vorredner haben es in etwa schon geschrieben : Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind die wirklich sensiblen. Wer völlig ruhig und unbeindruckt aufs Podium marschiert, braucht vermutlich die Mentalität des Glöckners von Notre Dame ( obwohl man gerechterweise sagen muss, dass der wohl auch eine empfindsame Seele hatte).
Der Titel des Buches von Gerhard Mantel "Mut zum Lampenfieber" ( halte ich für sehr empfehlenswert) ist in diesen drei Worten schon ein tolles Programm! ( siehe auch Chiarina).
Ich konnte die Zeit der mittleren Podiums-Nervenkrisen ein Stück weit abschließen, indem ich bei Solokonzerten am Anfang stets mit einer Improvisation begann, bis das Lampenfieber anfing zur erhöhten Temperatur herunterzuköcheln. Sehr reizvoll und hilfreich fand ich dabei auch die Devise des großen Miles Davis. "Wenn ich einen falschen Ton spiele, spiele ich ihn noch drei Mal hinterher".
Bei auskomponierten Stücken der sog. "Ernsten Musik" ( was für ein dummer Begriff) ist dieses Verfahren nicht zu empfehlen. Allerdings ist die Angst vor Fehlern ( darum handelt es sich in erster Linie) eine Art sich selbst erfüllender Prophezeiung, von der man sich so weit wie möglich lösen muss.
Das Publikum freut sich viel mehr an lebendiger Gestaltung als an einem womöglich aseptischen Spiel ohne technische Fehler. Wilhelm Kempff hat oft in Konzerten ( habe ich selbst erlebt) so viele falsche Noten gespielt, dass man daraus hätte neue Stücke schreiben können. Doch was für ein toller Musiker.
Es kann immer sein, dass ein paar Fehlerzähler im Publikum sitzen. Aber die zählen nicht.

Grüße
Andreas
 
Meine Vorredner haben es in etwa schon geschrieben : Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind die wirklich sensiblen.

Also das find ich jetzt wiederum nicht ok. Ich weiß, dass das Zilia aufbauen soll, aber das geht doch bestimmt auch, ohne dass man andere herabsetzt (oder war "sensibel" negativ gemeint?). Ich gehöre z.B. zu den Leuten, die nicht unter Lampenfieber/Nervosität leiden. Ich weiß auch, warum nicht, habe jetzt aber gerade keinen Bock auf Seelenstriptease. Jedenfalls hat es mit Sensibilität nichts zu tun.

Trotz meiner naturgemäß eher beschränkten Erfahrung mit Nervosität kann ich einen Tipp ebenfalls unterstreichen: Vorbereitung! Ein paar Mal hatte ich nämlich das Gefühl, nicht so ganz zu wissen, was ich da eigentlich tue - und siehe da, da war ich dann auch ein bißchen nervös. Dabei waren das (zum Glück) kleinere, unwichtige Dinge - aber darauf kommt es eben nicht an, es ist egal, wieviele Leute da sind oder ob es jetzt gerade um die Karriere geht oder nicht. Wichtig ist nur, dass man sich sicher fühlt und das Gefühl hat zu wissen, was man gerade tut, was man erreichen will. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um den Umständen entsprechende Vorbereitung.
 
aber das geht doch bestimmt auch, ohne dass man andere herabsetz
wir sind alle, alle ganz toll und sensibel und hochintelligent. Alle, alle - ohne Ausnahme ...

Sorry, aber dass nicht alle zu den wirklich Sensiblen gehören, heißt ja noch lange nicht, dass sie unsensibel wären. Sondern nur, dass es eben sensiblere, wirklich sensible und vermutlich auch weniger sensible gibt. Und selbst unsensibel wäre auch noch keine Herabsetzung. Genausowenig, wie farbig, behindert usw. All das gilt ja inzwischen als "unkorrekt". Mich nervt dieses dämliche Betroffenheitszeugs. Und wie! Mann muss einen Deppen einen Deppen nennen dürfen, einen Dummen einen Dummen. Und wenn jemand einen schwarzen A... hat, dann ist der schwarz. Genauso wie die rote Rübe meines Nachbarn. Die ist auch nicht grün.

Sprache ist zum Kommunizieren da - nicht zum Gleichmachen und Glattbügeln.
 
Mann muss einen Deppen einen Deppen nennen dürfen, einen Dummen einen Dummen.

Selbstverständlich, fisherman. Wenn man den anderen kennt!

Sprache ist ganz bestimmt nicht dazu da, über eine große Anzahl Menschen zu urteilen, die man nicht kennt. Aber in Deiner Welt ist bestimmt alles klar, oder:
- Alle X sind Y
- Alle, die Y tun, können Z nicht
- Alle, die U gut finden, haben kein V

Beliebig fortsetzbar...
 

Also das find ich jetzt wiederum nicht ok. Ich weiß, dass das Zilia aufbauen soll, aber das geht doch bestimmt auch, ohne dass man andere herabsetzt (oder war "sensibel" negativ gemeint?). Ich gehöre z.B. zu den Leuten, die nicht unter Lampenfieber/Nervosität leiden. Ich weiß auch, warum nicht, habe jetzt aber gerade keinen Bock auf Seelenstriptease. Jedenfalls hat es mit Sensibilität nichts zu tun.


Hallo Nica,

Ich wollte keineswegs irgendjemanden herabsetzen. Es tut mir leid, wenn das so angekommen ist.
Ich gebe zu, dass der Anfang meines Beitrags ungeschickt formuliert war. Der Begriff der "Sensibilität" ist so unscharf und mehrdeutig, dass man in ihn diesem Zusammenhang wohl vermeiden sollte.
Weil extrem unsensible Leute kein Lampenfieber kennen, heißt dass natürlich nicht im Umkehrschluss, dass jeder Mensch ohne Lampenfieber unsensibel ist. ( Und ab jetzt verwende ich den Begriff wirklich nicht mehr).
 
Sprache ist ganz bestimmt nicht dazu da, über eine große Anzahl Menschen zu urteilen, die man nicht kennt. Aber in Deiner Welt ist bestimmt alles klar, oder:
- Alle X sind Y
- Alle, die Y tun, können Z nicht
- Alle, die U gut finden, haben kein V

Beliebig fortsetzbar...

Ich entsinne mich nicht, das geschrieben zu haben. Und empfehle DRINGEND diese Lektüre: Martenstein: "Was ist denn schlimm an dem Wort 'Arzthelferin'?" | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
 
Weil extrem unsensible Leute kein Lampenfieber kennen, heißt dass natürlich nicht im Umkehrschluss, dass jeder Mensch ohne Lampenfieber unsensibel ist.
Ich finde nicht, dass man das einem erwachsenen Menschen erklären MUSS (+ Entschuldigung!!!). Ein bisschen Intelligenz darf man doch bei jedem voraussetzen, auch ohne dass man ihn kennt. Oder möchtest Du - Nica - dass man mit Dir redet, als seist Du ein wenig gaga? Naja, lest den Martenstein, der kann das besser ausdrücken als ich.
 
Wau, was issn jetzt los?
Da trau man sich ja garnichts mehr zu posten...:(
 
Ach quatsch, Uwe, halb so wild. Ich krieg nur so nen Hals, wenn erwachsene intelligente Menschen neuerdings immer mehr einfordern, dass man jedes Wort dreimal umdrehe, damit auch ja keiner "diskriminiert" wird. Das ist sowas von verlogen. Diskriminierung - die findet da draussen statt. Das ganze ist wohl eher mein "persönliches Problem". (ACHTUNG, NICA, mit dem Folgenden meine ich NICHT Dich!) Ich habe einfach schon so oft feststellen müssen, dass gerade die, die auf "sprachliche Korrektheit" achten, Ihre Probleme mit Randgruppen und Exoten haben, während es die "Direkten, Unkorrekten" sind, die den Penner von der Straße holen.

Vgl. DIE ZEIT 2011: Soziale Kluft: Maria und Josef im Ghetto des Geldes | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
und DIE ZEIT 2012: Soziales Experiment: Maria und Josef in Neukölln | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
 
Fisherman, Ausgangspunkt war dieser Satz: "Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind die wirklich sensiblen." Da sind wir jetzt im sprachlichen Bereich. Wenn der Satz nämlich so lauten würde: "Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind sehr sensibel" hätte ich gar nichts dazu angemerkt. Die oben zitierte Formulierung sagt aber aus, dass es ein Charakteristikum von wirklich sensiblen Menschen ist, großes Lampenfieber zu haben. Ergo: Wer keins hat, gehört nicht zu dieser Gruppe. (Ob es positiv ist, zu dieser Gruppe zu gehören, ist erstmal völlig irrelevant.) Was mich daran stört, ist die Pauschalisierung. Ich kenne sowohl Leute mit als auch Leute mit wenig Lampenfieber persönlich, und Sensibilität ist nicht der Unterschied. Und Walsroderpianist hat ja inzwischen klargestellt, dass er das nicht so gemeint hat.

Mit einer "politisch korrekten" Sprachpolizei (à la Martenstein oder Deinem ersten Beitrag) hat das gar nichts zu tun. Hier geht es nicht um den Begriff, sondern um die Aussage! Es geht überhaupt nicht darum, Worte umzudrehen oder dskriminierende Begriffe anzuprangern!

P.S. Die beiden Zeit-Artikel habe ich auch gelesen (vor einem Jahr und diesmal). Das sind interessante Phänomene, für die es mit Sicherheit interessante soziologische und psychologische Erklärungen gibt. Du machst hier aber ein Schlachtfeld auf, das völlig an meinem Beitrag vorbeigeht. Da hast Du mich wohl komplett missverstanden.
 
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Fisherman, Ausgangspunkt war dieser Satz: "Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind die wirklich sensiblen." Da sind wir jetzt im sprachlichen Bereich. Wenn der Satz nämlich so lauten würde: "Die Menschen, die großes Lampenfieber haben, sind sehr sensibel" hätte ich gar nichts dazu angemerkt.
Genau das meine ich mit "Goldwaage"! ;-)
Die oben zitierte Formulierung sagt aber aus, dass es ein Charakteristikum von wirklich sensiblen Menschen ist, großes Lampenfieber zu haben.
Eben nicht! Wenn wir nämlich schon Erbsen zählen, dann richtig. Es müsste dann heißen " Es ist DAS Charakteristikum von wirklich sensiblen Menschen, großes Lampenfieber zu haben". Wurde aber nie gesagt. Peng. Aus. Alles andere ist DEINe Interpretation.
Ergo: Wer keins hat, gehört nicht zu dieser Gruppe.
Auch das ist interpretiert. Bei meinem (!) obigen Satz (mit "DAS") wäre der Umkehrschluss legitim. Sonst aber niemals.
(Ob es positiv ist, zu dieser Gruppe zu gehören, ist erstmal völlig irrelevant.) Was mich daran stört, ist die Pauschalisierung.
Es geht Dir also nicht um eventuell einer Pauschalierung innewohnende Diskriminierung? Sondern um die Pauschalierung per se? Und für so was opferst Du Schreibzeit? Ich nenne das Besserwisserei, sorry. Da steckt ja nicht mal ein soziales Anliegen dahinter...
Ich kenne sowohl Leute mit als auch Leute mit wenig Lampenfieber persönlich, und Sensibilität ist nicht der Unterschied
Ich auch. Aber Sensibilität kann ein Kriterium sein.

Nica, Du bist mit Sicherheit hochintelligent. Ich bin es auch ;-). Und ich lese aus dem Zitat von WP folgendes: "Liebe Zilia, gräme Dich nicht. Wenn Du so ein Lampenfieber hast, dann bist Du bestimmt wirklich sehr sensibel (als positiv wertendes Prädikat)"! Weshalb liest Du anderes, Negatives? Ich verstehe nicht, wie Du Dich an diesem netten Satz festbeißen kannst.

Hätten wir hier ein Kindergartenforum, so würde ich Dir ja recht geben (müssen), aber hier sind Erwachsene und zwar m.E. sogar ein Durchschnitts-IQ weit über dem Bundesdurchschnitt versammelt. Statt zu schreiben: "Hammerköpfe sind oval", muss ich nach Deiner Vorstellung schreiben "Die meisten Hammerköpfe haben eine ovale Grundform, wobei aber auch Ausprägungen bis zur Linsen oder gar Birnenform / Tränenform vorkommen können" ???? Da kommen mir die Tränen.

So, nix für ungut. Ist ein wunder Punkt von mir - Du hast ja bereits bemerkt, dass ich selbst gerne pauschaliere (weil ich von der Intelligenz meiner gGegenseite überzeugt bin). Und heute war mir nach Prinzipiendiskussion ;-)
 
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*achselzuck* Dann sehen wir die Sache halt unterschiedlich. Vielleicht hätte ich nichts geschrieben, wenn ich nicht gerade grummelig wegen Erkältung zu Hause rumhängen würde...
 
Dann lass Dich mal auf die Entfernung "ein wenig drücken"! War mir schon klar, dass wir beide gerade nicht unseren freundlichsten Tag hatten ;-). Dass wir da nicht so schnell Konsens finden, war auch abzusehen - ich kenne ja meine Vorlieben und weiß, wo ich anecke ;-).

Gute Besserung! (bitte, ohne Ironie!!!):kuss:
 

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