Krystian Zimerman unterbricht Konzert wegen Handyfilmer

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Marlene
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Wer Urheberrechtsverletzungen Vorschub leistet oder sie verharmlost, vergreift sich an der Kunst.

Das Verhalten dieser Menschen hat aber auch etwas mit mangelndem Respekt und mangelnder Wertschätzung zu tun: Gegenüber den Künstlern und den anderen Besuchern.

In der Beethoven-Halle machen die das ganz diplomatisch:

„Bitte vergessen Sie nicht nach dem Ende des Konzerts Ihre Handys wieder einzuschalten“

Aber auch das kapieren manche wohl nicht.
 
Forte
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Marlene, Peter,

volle Zustimmung, aber in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und schwindender Unterstützung für Kulturelles, kämpfen die Veranstalter um jeden zahlenden Zuschauer.
Das geht aber im Zweifel nach hinten los, wenn diejenigen, die die Konzerte genießen wollen, nach Konzertabbruch auch nicht mehr kommen.

Und es gibt nun einige Pianisten, die bekanntermaßen bei weit weniger Anlass abgebrochen haben. Das ist für den Veranstalter (auch ein finanzieller) Eiertanz.

Ich frage mich gerade, was bei einem Konzertabbruch juristisch für Folgen möglich wären: Zuschauer tun sich zusammen und verklagen Veranstalter, der den Smartphone-Filmer nicht in den Griff bekommen hat, auf Schadenersatz. Der wiederum beruft sich auf seine Geschäftsbedingungen für die Konzertbesucher und verklagt den Smartphone-Filmer (1000 Karten á 75 € + Anwalts- und Gerichtskosten). Da geht die Filmkarriere schnell zu Ende :D
 
Stilblüte
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In St. Petersburg gibt es vor jedem Konzert unüberhörbare Ansagen, dass Handys verboten sind. In der großen Philharmonie erst auf russisch und dann auf englisch - man soll sein Gerät abstellen und sämtliche Aufnahmen sind verboten. Das wird sehr laut durchgesagt - mit der "Stimme Gottes". Außerdem hängen überall Verbots-"Verkehrs"-Anti-Handy-Schilder.
Im kleinen Saal gibt es vor den Konzerten eine Programmansage von einer Dame, die jedesmal noch zweimal sagt, dass man bitte das Telefon ausstellen soll, und wenn man nicht weiß, wies geht, den Nachbarn fragen. Und sogar schonmal eine junge Dame persönlich angesprochen hat von der Bühne aus, die am Telefonieren war.

Trotzdem klingelt in jedem Konzert mindestens ein Handy. Wie die Leute das hinkriegen, ist mir ein Rätsel. So viel Unfähigkeit, Ignoranz und Respektlosigkeit auf einem Haufen... Ich würde die Verursacher jedes mal am liebsten eigenhändig erwürgen oder auf die Straße setzen...
 
Troubadix
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Wo würdest Du Lutoslawski und Penderecki einordnen Troubadix?

Was die Entwicklung der Musik, die Förderung der polnischen Musik und die Wirkung auf die musikalische Nachwelt im eigenen Land betrifft, steht Szymanowski über den beiden genannten. Der Großteil der bedeutenden polnischen Komponisten, die nach ihm kamen (Bacewicz, Baird, Górecki , Serocki, Lutoslawski...) waren von ihm beeinflusst.

Zimerman ist einer der besten Interpreten Szymanowskis der heutigen Zeit, es kann einem also schlimmeres wiederfahren, als diese Kombination zu hören. ;)

Viele Grüße!
 
Marlene
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Dreiklang, wenn Du mal ein Konzert leibhaftig erleben würdest wüsstest Du wie sehr solche Störungen nerven und das „rabiat“ wäre Dir vermutlich nicht aus den Fingern gepurzelt. Mir kämen da sogar noch rabiatere Ideen; bekanntermaßen habe ich eine blühende Fantasie.

in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und schwindender Unterstützung für Kulturelles, kämpfen die Veranstalter um jeden zahlenden Zuschauer.

Dann verstehe ich nicht warum die Veranstalter das Gros der Zuhörer vergrault indem sie keine Hinweise aushängen. In der Kölner Philharmonie sehen die Angestellten zwar mit Argusaugen jedes Handy und rennen zum Besitzer aber das allein stört schon den Ablauf.

Vielleicht sollten sich die Besucher der Konzerte in Kompaniestärke formieren und via "Gesichtsbuch" die entsprechenden Philharmonien etc. bitten Schilder aufzuhängen. Sozusagen eine Revolution gegen die Handymania anzetteln. Wenn es Aushänge gäbe, z.B. neben den Abendkassen, am Eingang zum Konzertsaal, auf der Eintrittskarte wäre das wohl schon hilfreich.
 

Destenay
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Trara um nichts. Ich hasse nichts so sehr wie in die Höhe gestreckte Handys bei irgend welchen Veranstaltungen. Das zu vermeiden, dafür sollte der Veranstalter Sorge tragen.

Aber als Künstler, erst Recht als bekannter und erfolgreicher, muss man da drüber stehen. Ich finde so was ziemlich mimosenhaft und dieses "Diebstahlgequatsche"....wir reden hier über Smartphones.

Viel krasser finde ich ja das hier: Also darauf hin darf man wirklich sauer sein. :)

Nein ! dies ist nicht mimosenhaft. Jedes von Zimerman aufgeführte Werk muss für ihn vollkommen sein ( ein Rubin), so wie bei den ganz grossen Malern ein Gemälde.
Stimmt irgend etwas nicht für den Künstler wird es vernichtet.
Zimerman gilt als sehr ernsthaft, hoch anspruchsvoll, exzentrisch. Seine früheren Aufnahmen gehören zu den Sammlerstücken, da von diesen auf Anordnung von ihm keine mehr vertrieben werden dürfen, währe er Maler würde er alle vernichten.
Das jemand es wagt auf einem Smartphon ihn aufzunehmen , kann doch daher nur verstanden werden.
Nimmt Zimerman bei seinem Label die gespielten Werke auf, dann darf keine Aufnahme vordem gemacht worden sein, ansonsten kann dies sehr sehr teuer werden. Zimerman hat dies bei diesem Konzert mitbekommen, aus den genannten Gründen entstand seine Reaktion. Dieses Verhalten bestätigt doch die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit dieses Künstlers.
 
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Beutlin
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Hallo zusammen,

Erstens geht es nicht um Diebstahl (wir reden immer noch von Handykameras mit quasi nicht existierendem Ton)

Ab welcher Tonqualität wäre es denn Diebstahl? ;)

Weder die simple technische Möglichkeit zur Durchführung noch eine evtl. unzureichende Ausführung lassen so etwas legitim erscheinen.

Gruß
Beutlin
 
Peter
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Ab welcher Tonqualität wäre es denn Diebstahl?
Wenn ihm Schaden entstehen würde. Sein Absatz, in welcher Form auch immer, wird sicher nicht durch eine Smartphoneaufnahme beeinflusst.
Zimerman gilt als sehr ernsthaft, hoch anspruchsvoll, exzentrisch. Seine früheren Aufnahmen gehören zu den Sammlerstücken, da von diesen auf Anordnung von ihm keine mehr vertrieben werden dürfen, währe er Maler würde er alle vernichten.
Sag ich doch: Übertrieben, kindisch. Ernst nehmen kann ich das nicht.
Jedes von Zimerman aufgeführte Werk muss für ihn vollkommen sein
Nun, dann muss er den Rahmen dafür schaffen, vor der Aufführung. Oder, wenn es eh nur um seinen Anspruch geht und nicht um den des Publikums, muss er eben in´s Studio ausweichen.

Ich wiederhole mich noch mal: Ich hasse diese Smartphone-Scheisse ebenso. Aber das ist für mich nicht Grund genug, ein komplettes Publikum vor den Kopf zu stoßen.
 
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Dreiklang
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Dreiklang, wenn Du mal ein Konzert leibhaftig erleben würdest wüsstest Du wie sehr solche Störungen nerven

Marlene, ich weiß wie sehr die nerven, allein die Husterer kenne ich ja zur Genüge auf CDs und DVDs. Husterei ist kein Teil des musikalischen Vortrags. Zumindest bei der Musik, die ich so genieße.

Mir kämen da sogar noch rabiatere Ideen; bekanntermaßen habe ich eine blühende Fantasie.

Ich auch... aber wer in Konzerte geht, muß diese Dinge eben tolerieren, und wer Konzerte gibt, ebenfalls. Pianisten verdienen damit schließlich Geld.

Bisher scheint ja niemand eine Lösung zu haben. Ein Grund mehr, gar nicht erst in Konzerte zu gehen.

Und wieso die Veranstalter keinen Arsch in der Hose haben, da irgendwie durchzugreifen oder Konsequenzen zu ziehen, das darfst Du mich nicht fragen.

---

Wenn Du wissen willst, wie man Veranstalter zu irgendetwas bringt, dann sag' ich's Dir. Wenn's nämlich ans liebe Geld geht - vorher nicht.

Schließt euch per Internet zusammen und boykottiert einfach drei Konzerte. Was meinst Du, wie schnell die Veranstalter dann auf einmal ihre Ärsche aus den Sesseln bekommen :cool::D

Und sofort werden Handys geahndet, Schilder aufgehängt, Durchsagen gemacht.

Gründet 'ne "Konzert-Initiative".
 
rolf
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Ich wiederhole mich noch mal: Ich hasse diese Smartphone-Scheisse ebenso. Aber das ist für mich nicht Grund genug, ein komplettes Publikum vor den Kopf zu stoßen.
dann solltest du keine so starken Worte wie "hassen" wählen ;) sondern lieber sagen "ich mag das smartphone-Getue nicht, aber ich toleriere es, wenn auch unangenehm berührt" -- tja, und wenn du das tolerierst (inklusive der dazu gehörenden Verhaltensweisen), dann darfst du dich nicht beschweren, wenn du irgendwann mal in einem Konzert, welches du besuchst, keinen Ton zu hören bekommst (weil lauter modischer Schnickschnack ja toleriert wird...) ;)

Sag ich doch: Übertrieben, kindisch. Ernst nehmen kann ich das nicht.
angenommen, du machst eine Führung durch ein Kunstsammlung mit.
angenommen, du drängelst dich dauernd nach vorn und filmst per smartphone den Kunsthistoriker, der da gerade allerlei erklärt.
...was meinst du sagt der zu dir, wenn du vor ihm mit dem handy vor den Augen stehst?

und was du gar nicht berücksichtigst ist, dass der Zimerman nicht spielt, um von jedem abgelichtet/gefilmt zu werden, sondern damit man zuhört und vielleicht die gespielten Sachen neu/anders hört -- wäre der scharf aufs gefilmt werden, würde er einen Job wie die derzeit hochgeschätzte trash-Penthesilea namens Jolie machen :D:D

...Schwimmbäder z.B. untersagen vielerorts den Gebrauch von filmenden/ablichtenden Gerätschaften

ich finde es ok, wenn dem elektronischen/elektrischen Spannertum wenigstens in Kulturräumen (Opern, Konzertsäle) ein Riegel vorgeschoben wird!
 
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Peter
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Ich glaube, wir reden hier aneinander vorbei.

Es ist falsch, dass ich Smartphones tolerieren würde, im Gegenteil.

Kurz: So wie von Stilblüte beschrieben sollte es ablaufen. Wer dann immer noch das Handy zückt, fliegt raus, fertig. Und bei Filmern wird am besten gleich noch das Handy konfisziert.

Um alle diese Dinge können sich Interpret und Veranstalter vor dem Konzert kümmern, aber nicht während, in dem der Interpret einfach wie ne eingeschnappte Leberwurst von der Bühne verschwindet.
 
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Forte
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uh-oh, hast Du die Genehmigung der Zeitung, das hier zu veröffentlichen?

Wenn nicht, wäre das eine Copyright-Verletzung....

Da sollte sich der Mod einschalten, auch wenn er das für kleinlich hält!
Wie sacht der deutsche Handwerker: Oh, oh, oh - das wird teuer :wink:
 
Marlene
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Leider, Forte, gab es die Kritik nicht im Internet zu lesen. Aber bei solch schönen Kritiken wird die Auflage der Zeitung (die ja jeder lesen kann) sprunghaft ansteigen, wie ich vermute.

Aufgrund Deines Beitrages habe ich mich wirklich gefragt ob ich die Kritik hier einstellen darf. Ich denke wohl zu viel und die Smartphone-Besitzer zu wenig.
 
 

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