Korrekte Haltung beim Spielen

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Forminx, 13. Aug. 2006.

  1. Forminx
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    Forminx

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    Hallo ihr lieben,

    kann mir jemand beschreiben wie die Handhaltung (flache Finger, wie viel "finger"* auf der Taste,...)im Idealfall beim Kavierspielen aussehen soll, falls es so etwas überhaupt gibt?!

    welche bedeutung hat die haltung der schultern für das Spiel?


    danke für alle auskünfte!

    *wenn man die mögliche fläche einer fingerkuppe pro taste in betracht zieht; in welchem winkel soll der finger auf die taste fallen, um einen möglichst sanften Klang zu erzeugen?
     
  2. Sven1990
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    Sven1990

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    Also mir wurde es so beigebracht, dass die Handhaltung keinesfalls zu flach ist. Also ich hab mir immer nen Tischtennisball in die Hand genommen, und hab dann mit dem gespielt, ohne dass er runterfällt! (Ist aber für Oktaven und und größere Intervalle ungeeigenet. Spiel einfach jeden einzelnen Finger rauf und runter). Und dann sollten Arm und Handrücken auf einer Linie sein! Du kannst dir auch mal einen Bleistift oder eine Münze fürn Anfang auf deinen Handrücken legen. Wenn der liegen bleibt, dann müsste das meiner Ansicht nach ne ziemlich gute Handhaltung sein.

    Ansonsten gerade Sitzen, also gerader Rücken und Schultern auch nach hinten.

    In welchem Winkel die Finger auf die Taste auftreffen sollten... keine Ahnung... Also der vordere Fingerteil sollte schon ziemlich senkrecht auf die Taste auftreffen und der Hintere Fingerteil sollte etwa 30° zu den Tasten haben.


    Also so habs ich gelernt, vielleicht gibts andere, die des anders kennen!
     
  3. chily
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    chily

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    das einzige, was ich nicht bestätigen kann, ist "grader Rücken, Schultern nach hinten" -> grade sitzen im Prinzip schon, aber wenn du die Schultern nach hinten nimmst, kommst du ins Hohlkreuz, was sehr ungesund ist. Meines Wissens nach ist es am besten für den Rücken, dein Becken vor dich zu bringen (kannst du das nachvollziehen? Einfach mal extrem ins Hohlkreuz gehen, dann spürst du dein Becken quasi hinter dem Rücken ->nach vorne schieben) und die Schultern locker hängen zu lassen. Das fühlt sich so an, als würdest du krumm sitzen, aber im Spiegel betrachtet entpuppt sich das als Einbildung. Diese Haltung predigt übrigens außer meiner Klavierlehrerin unermüdlich auch meine Reitlehrerin, und die ist Physiotherapeutin...
     
  4. Forminx
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    Forminx

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    Danke für eure Hinweise!

    Ich denke oft, jetzt habe ich eine relativ ideale Haltung (natürlich auch von ganzem Notentext abhängig) gefunden. Dann fällt mit plötzlich auf, schau, so geht es ja noch besser! ... d.h. oft übe ich etwas und es gelingt nicht, weil ich etwas an der Haltung nicht passt. es ist schwer das auszubessern. deshalb mache ich mir auch sehr viele Gedanken über die Haltung...

    es ist sehr verwirrend: auch mein Klavierlehrer rät von der flachen Haltung ab, andererseits habe ich in einem Skriptum zur KLviertechnik das Geg.t. gelesen... naja


    bezüglich dem Rücken: werde darauf acht geben, dass das becken nach vorne gekippt ist (hab schon gehört, das soll allgem. fürs sitzen wichtig sein, aber beim kl.spielen noch nie daran gedacht)
     
  5. moserin
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    moserin

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    ellenbogen vom körper weg. also die typische variante buch unter die achseln, wenn man am tisch sitzt, am klavier ganz vergessen. arme außeinander, dann geht das schon. nur noch als kleine ergänzung
     
  6. Bachopin
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    Bachopin

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    Oh je Sven1990,

    du sprichst genau die typischen Dinge an, die man nach neueren Erkenntnissen zur Klaviertechnik nicht machen sollte:

    • Mit Tischtennisball/Apfel spielen.
    • Mit Münze auf den Handrücken spielen
    • Finger treffen senkrecht (wie ein Hammer) auf die Tasten

    Ich hab' fast das Gefühl, du machst das, um das Forum zu testen. :confused:

    Gruß
     
  7. Nicola
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    Nicola

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    Bachopin,
    Svens Beitrag ist von 2006, vielleicht galt die Apfel/Münz-Regel damals noch ;-)
     
  8. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Nicht auf die "Haltung" kommt es an, sondern auf die Beweglichkeit (des ganzen Körpers, nicht nur der Finger) :)
     
  9. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi,

    mist, durch den blöden Spam Post hatte ich das für aktuell gehalten. :-)

    Jetzt ist natürlich alles klar, von 2006, das ist ja uralt.

    Gruß
     
  10. .marcus.
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    .marcus.

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    Ich hab das auch so gelernt ;) und in Würzburg hat die Prof eher gemeckert, dass ich noch mehr in diese Technik gehen soll, weil gerade bei schnellen Tonleitern bei mir die Finger gerne etwas gestreckter sein wollen :D
    Dabei geht es mit der Technik wirklich schneller !

    Schade, dass wir schon wieder unterschiedlicher Meinung sind, Bachopin ;)

    lg marcus
     
  11. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    marcus, verstehe ich das richtig - du propagierst die Tennisballhand? :eek:
     
  12. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi .marcus.,

    so macht das Spass, wenn man unterschiedlicher Meinung ist, klasse. ;-)

    Zum Thema:
    Aber wenn es damit (flachere Finger) schneller geht, gerade dann ist es doch für schnelle Passagen die bessere Technik.

    Das ist ja genau eine der Kernaussagen modernerer KL-Technik: genau die natürlichen Bewegungen nutzen, die für das Problem am besten (natürlichsten) geeignet sind.


    Gruß

    ps: muss mal nachschauen, auch Chopin hat glaube ich flachere Finger probagiert.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. März 2009
  13. .marcus.
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    .marcus.

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    Oh, da hab ich mich missverständlich ausgedrückt. Mit gekrümmten Fingern geht es schneller.

    @Haydnspaß: Vom Prinzip her ja. Tennisballhand erweckt aber so negative Assoziationen (Tennisarm :D ).

    Wenn ich aber eine Tonleiter z.B. auf einem Tisch oder dem geschlossenen Klavierdeckel spiele, hört man bei jedem Ton so ein "Klopfen".

    Leider habe ich keine Videokamera, sonst würd ich mein Spiel mal aufnehmen.

    lg marcus
     
  14. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Was mich betrifft brauchst du kein Demo machen, ich kenne diese Spieltechnik nur allzu gut ^_^

    (Bin in der Zwischenzeit aber total davon abgekommen)
     
  15. .marcus.
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    .marcus.

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    Warum? :)

    Es muss ja irgendwelche Probleme gegeben haben.
     
  16. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Ist nicht so einfach zu erklären, und es könnte sich dann eventuell auch der eine oder andere zu einem Streit herausgefordert fühlen 8)

    Nur soviel: ich kann Läufe wesentlich besser und feiner modellieren (dynamisch und agogisch), wenn die Finger flach auf der Taste liegen. Geht natürlich nicht immer, aber da wo es geht, bevorzuge ich die flache Fingerhaltung.
     
  17. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi,
    ihr werdet überrascht sein, ;-)
    ich hab' sogar eine Erklärung dazu:

    Zur Steuerung von Bewegung (hier der Anschlag) benötigt das Nervensystem möglichst starke und klare Reize zur Rückkopplung (Feedback). Wenn man nun nicht mit den Fingerspitzen sondern mit dem Fingerballen spielt, bekommt das Nervensystem viel mehr sinnvolle taktile Signale, da im Fingerballen die meisten Nerven (Tastsinn) für diese Aufgabe liegen. Wichtig: Das ganze passiert unbewusst, man mekrt es nur am besseren Ergebnis.

    2. Begründung gegen senkrechter Finger:
    Wenn man die Taste mit senkrechtem Finger anschlägt, wird sie viel härter angeschlagen, da gleich der Finger-Knochen kommt. Das führt zu einem physikalischem Anschlagverhalten des Finger/Tasten-Systems bei dem dieses System zu starken Schwingungen beim Auftreffen angeregt wird. Und das führt zu einem härteren Klang.

    Die Taste sollte so angeschlagen werden, dass sie beim Auftreffen mit einer kontinuierlich stärker werdenden Beschleunigung bewegt wird, das führt zu einem schöneren (weniger harten) Klang. Also nicht wie mit einem Hammer, sondern dadurch dass der Finger gedämpft aufliegt. (deswegen ist auch der Name Anschlag leider völlig falsch)

    Das ist keine Theorie. Das kann jeder selber ausprobieren, indem er die Taste einmal wie mit einem Hammer anschlagt und einmal mit weich aufliegendem Finger. Man wird den Unterschied hören (hoffe ich ;-) ).

    Gruß
     
  18. .marcus.
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    .marcus.

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    Da das ganze bloß ein Text ist, ist es für mich sehr wohl Theorie ;)
    Und da ich schnöder Theorie grundsätzlich misstraue, hier mal ein Mini-Test:

    [MP3="


    Ich habe viermal dasselbe gespielt, die ersten 2x mit ****Fingern, die anderen 2mal mit ****Fingern.

    Jetzt wird Bachopin wohl auf magische Weise sagen können, welches welches ist :p Ich höre keinen Unterschied (und die Fingerhaltung, da müsst ihr mir natürlich vertrauen, habe ich extra übertrieben).

    lg marcus
     
  19. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Ich hab auch eine Erklärung dazu :D

    Da sich die Finger bei meiner Methode nicht bewegen, sondern nur der Arm, und die gestreckten Finger den leichten Druck bzw. Schwung nur passiv an die Taste weitergeben, kann dieser "Druck" sehr viel feiner und gleichmäßiger reguliert werden, als wenn jeder Finger autonom seine eigene Lautstärke produzieren muß.

    Der Unterschied ist so ähnlich, ob man mit einem Stift eine geschwungene Linie zeichnet (aus einem Schwung heraus), oder ob man die Bewegung immer nach 2 mm unterbricht und wieder neu ansetzt. Geht natürlich auch, ist aber bestimmt wesentlich anstrengender und erfordert mehr Konzentration.
     
  20. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi .marcus.,
    super Idee, kann ich aber erst heute Abend anhören, bin grad bei der Arbeit.

    Ich bin selber auf das Ergebnis gespannt. Das ist ja der alte Streit, ob der Klang durch unterschiedliches Anschlagen verändert werden kann.

    Gruß