Keine musikalische Erfahrung: E Piano lernen

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Kaffee89, 17. Jan. 2018.

  1. ehenkes
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    ehenkes

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    Lang Lang sagt hier, dass der Spirio-Flügel zu 99,9% sein aufgenomenes Spiel reproduziert, und er betont, dass dies auch für ihn als Profi interessant ist, um sein Spiel zu verbessern.


    View: https://www.youtube.com/watch?v=nJ5sdpP4b4g


    Was heute in der Oberklasse noch 100 T€ kostet, kann in zehn Jahren vielleicht den mittleren Markt als bezahlbares Feature erreichen. Das sind interessante Innovationen. Da erbt man dann nicht nur den Flügel vom Opa, sondern auch seine besten Einspielungen. Posthumanes Pianospiel.
     
  2. Pedall
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    Pedall

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    Hast Du Dir mal die Aufnahme angehört?

    Ja, dann bleiben wir doch bitte mal beim Clavier, das trifft sich gut, denn als Beispiel hatte ich Bachs E-Dur-Suite genannt. Wir können auch den Puls noch tiefer ansetzen (60, 70 oder 80), dann wären die Tempi nach Quantz wie folgt:

    Courante: Viertel = 120 oder 140 oder 160
    Sarabande: Viertel = 60 oder 70 oder 80

    Schiff spielt die Courante mit knapp 130, die Sarabande mit knapp 50. Das ist am unteren Rand dessen, was Quantz angibt bzw. noch deutlich darunter.
    Such doch mal bitte eine Aufnahme, wo die Sätze doppelt so schnell gespielt werden.


    Balkungen können in Einzelfällen Hinweise zur Phrasierung (oder auch zur Verteilung der Hände) geben, ersetzen aber keine Legatobögen.
    Wenn damit generell ein Legato gemeint gewesen wäre, muß wohl der alte Bach vergessen haben, diese wichtige Regel seinen Söhnen beizubringen, denn nicht nur laut Carl Philipp Emanuel gilt die Grundregel: Bogen = Legato, Punkt = Staccato, keine Bezeichnung = weder Legato noch Staccato.
    Oder wie es der berühmte Musiktheoretiker Friedrich Wilhelm Marpurg 1755 ausdrückt:

    "Sowohl dem Schleiffen als Abstossen ist das ordentliche Fortgehen entgegen gesetzet, welches darinnen besteht, daß man ganz hurtig kurz vorher, ehe man die folgende Note berühret, den Finger von der vorhergehenden Taste aufhebet. Dieses ordentliche Fortgehen wird, weil es allezeit vorausgesetzt wird, niemahls angezeiget."

    Ich arbeite viel mit Violinisten zusammen und bin schon einigermaßen damit vertraut, wie man es schafft, mit Violine + Tasteninstrument eine gemeinsame Artikulation hinzubekommen.
     
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  3. maxe
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    an fotos und videos hat man sich auch gewöhnt
     
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  4. ehenkes
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  5. maxe
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    maxe

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    ich möchte dich nicht aergern lieber pedall, aber ich meine, das schleiffen ist ein legatissimo und das hurtige fortgehen ist ein nicht übertriebenes legato also einfach so gespielt wie man ohn irgendwelch künstliches zutun und sonderliche müh froh einherschreitet....

    das ist meine auslegung!

    Übrigens waren die ach so verschrienen romantiker wesentlich näher an der fraglichen Zeit

    weiterer einwand, ständiges mon legato ist genauso ermüdend wie übertriebenes legato
    irgendwo dazwischen muss wohl die richtung liegen
     
  6. mick
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    Ja, das ist unübersehbar. :lol:

    Ich frage mich, wie du auf sowas kommst. Schreibt Hermann Keller das irgendwo? Tatsache ist, dass die Balken bei den allermeisten Komponisten keine musikalische Bedeutung haben, und bei Bach schon mal gar nicht. Sie dienen der metrischen Gruppierung und damit der Lesbarkeit des Textes, mehr nicht. Dort einen "gedachten" Bogen herauszulesen, entbehrt wirklich jeder Grundlage.

    Ich bin mitten drin in der Orchesterwelt und kann diese Beobachtung überhaupt nicht bestätigen. Es gab schon immer eine gewisse Bandbreite an Tempi - daran hat sich in den letzten 100 Jahren nicht viel geändert. Man kennt ja etliche historische Aufführungsdauern (z.B. von Wagner, Strauss, Mahler) - die unterscheiden sich nicht - jedenfalls nicht in eine bestimmte Richtung - von heutigen Aufführungsdauern.
    Lediglich bei Bach ist das etwas anders - der wurde bis vor nicht allzu langer Zeit oft durch die Brille des 19. Jahrhunderts betrachtet und viel zu langsam gespielt. Aber das willst du doch nicht ernsthaft zum Maßstab nehmen? Ich bin jedenfalls froh, dass sowas hier...

    View: https://www.youtube.com/watch?v=pf4UNJqv_-A

    ... heutzutage unvorstellbar ist. Das hat mit Bach nicht das Geringste zu tun, das ist nur noch eine Karikatur von Bachs Musik. Der Puls liegt hier übrigens bei ca. 33. :angst:
     
  7. maxe
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    maxe

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    und da wollen wir noch von kunst sprechen
    produkte märkte pfui pfui!!!

    gutes handwerk und gute kunst ja auch gutes geld für gute arbeit aber hört doch mal mit markt und waren auf da sin wir doch im ganz banalen, man spielt doch musik um sich aus diesem jammertal der warenförmigkeit zu flüchten!!!
     
  8. maxe
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    maxe

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    Danke für diese schöne Aufnahme! ach so hoff ich hat es Bach gedacht!

    so kann man alles wirken lassen und man wird wahrlich ergriffen
     
  9. mick
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    mick

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    Durch das absurd langsame Tempo wirkt Richters Aufnahme sogar deutlich unruhiger als diese Einspielung Herreweghes:

    View: https://www.youtube.com/watch?v=UT8DFLjWdC8
    Bei Richter konzentriert sich das Ohr unweigerlich auf die Achtel des 12/8-Taktes; die eigentlichen Taktschwerpunkte verschwimmen darin völlig. Das führt zu einer 3/8-Empfindung mit einem Puls von ca. 100. Bei Herreweghe (der den Puls richtigerweise auf die punktierten Viertel legt), hört man ein Tempo von ca. 54.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Feb. 2018
  10. maxe
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    maxe

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    also herrewghe klingt getriebener und für mich ist die andacht im richter ergreifender
    obgleich du mathematisch technisch irgendwie schon zutreffendes sagst
     
  11. ehenkes
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    Ja, das ist richtig. Dr. John Mortensen, Steinway Artist und Professor of Piano, gibt seinen neuen Studenten 10 Ratschläge, und da gehört das Diskutieren über Klaviere, Waren, Märkte nicht dazu.
    Sorry.

    Deshalb zurück zum eigentlichen Thema: "Klavierspielen lernen" (egal mit welchem Tool).
    Seine 10 Ratschläge sind:
    1) Noten studieren
    2) 20 min. pro Tag: prima vista spielen
    3) Über Musik lesen
    4) Konzerte besuchen
    5) Sich selbst aufnehmen/analysieren/kritisieren
    6) Übezeit schützen (also regelmäßig und beständig üben)
    7) Alle Tonarten üben/spielen (keine Furcht vor einer Tonart)
    8) Improvisieren/Komponieren
    9) Eigene Schwächen finden und sofort angreifen/beseitigen
    10) Über Musik reden/diskutieren

    Original:


    View: https://www.youtube.com/watch?v=jFrhar5XexU
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Feb. 2018
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  12. maxe
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    angenehme nachtruhe allseits
     
  13. mick
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    Vielleicht, weil man spätestens beim Choraleinsatz Atemnot und damit einhergehend beklemmende Todesangst bekommt... :lol:
     
  14. maxe
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    maxe

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    ob bach sich wohl silbermann artist genannt hätte?? Mortensen ist teil des furchtbaren Marktes!!
    der teufel steckt leider wie so oft im detail:teufel:
    gutes nächtle
     
  15. maxe
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    leben ist doch genießen des freiströmenden atem der nicht gehetzt und getrieben gehechelt sondern wahrhaft (in)spiriert (wird) und da klingt und scheint der spiritus, esprit der Geist auf
    und dem ist ein schweben dahingleiten (also legato) angemessene bewegungsart , ja ich hoffe du verstehst mich wenigstens etwas

    gute nacht
     
  16. ehenkes
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  17. maxe
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    maxe

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    alles gute tips
    nun ja da hat er recht (noten studieren, ich denke da an gieseking, der hat seine schüler gezwungen, stücke mental einzustudieren und dann sofort vorzutragen, nicht schlecht)

    tipp 11 von mir : viel zusammenspielen Kammermusik, Korrepetition usw. registerproben etc
    tipp 12 von mir : auftrten auftreten auftreten in welche Rahmen auch immer man wird freier und besser

    jetzt also gute nacht
     
  18. Pedall
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    Kein Problem, ich habe keinen Grund, mich zu ärgern.
    Schließlich bin nicht ich es, der sich mit Unkenntnis der einschlägigen Quellen und Ignoranz hinsichtlich deren Aussagen blamiert.
    ;-)

    Das kannst Du definieren, wie Du willst, dann nennen wir es eben "Legato", wenn man die eine Taste loslässt, bevor man die nächste anschlägt.

    Wieviel früher losgelassen wurde, sieht man sehr deutlich an den Anweisungen für die Orgelwalze des Père Engramelle, zu denen Dom Bédos (1778) schreibt:

    "Alle Noten setzen sich aus zwei grundlegenden Teilen zusammen, dem Anschlag (tenue) und der Pause (silence). Beide zusammen ergeben den vollen Notenwert". - "Sie müssen bei der Notierung sehr genau eingehalten werden. So muß nicht nur der Wert des klingenden Teils jeder Note angegeben werden, sondern auch der ihrer Pausen..."

    In untenstehendem Takt sieht man, wie sich der klingende Teil (dunkler) von der Pause (heller) abhebt. Die einzigen Noten, die länger als die Hälfte ihres Wertes ausgehalten werden, sind die jeweils ersten Noten der Triolen:

    upload_2018-2-20_0-49-30.png


    Auf jeden Fall waren Engramelle (1727 - 1805) und Dom Bédos (1709 - 1779) noch wesentlich näher an der fraglichen Zeit als die Romantiker, geschweige denn Schweitzer und Keller.

    Niemand spricht von "ständigem non legato".
    Wie ich vorhin schon schrieb:
    Und auch innerhalb des "non legato" gibt es eine gewisse Bandbreite an Artikulationsmöglichkeiten. Wie man am abgebildeten Beispiel ja sehen kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Feb. 2018
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  19. mick
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    mick

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    NB: Um Hermann Keller nochmal so richtig zu diskreditieren - es gibt einige ältere Henle-Ausgaben mit Fingersätzen von ihm. Bitte ansehen und genießen; dagegen sind diejenigen von Hans-Martin Theopold geradezu brillant! :lol:
     
  20. FünfTon
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    FünfTon

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    Darf er ja als Steinway Artist auch nicht.