Keine musikalische Erfahrung: E Piano lernen

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Kaffee89, 17. Jan. 2018.

  1. mick
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    mick

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    Genau. Deshalb waren die Violinbögen damals ja auch doppelt so lang und die barocken Sänger und Bläser hatten vier Lungenflügel und nicht nur mickrige zwei...

    :coolguy::lol:

    BTW: Was Hermann Keller angeht: dessen Ausführungen sind inzwischen so krass überholt, dass man sie heute wirklich nicht mehr ernst nehmen kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Feb. 2018
    Barratt, dilettant und Pedall gefällt das.
  2. maxe
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    maxe

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    i
    wenn die kinder zur oma fahren für zwei wochen und oma kein klavier hat?? ich rede von stage/transportablen DigiPianos ins Taeschen und ab ins Auto ...., es gibt auch schöne klappmontagen an der wand unter einem Regal zb, ein stehendes hölzernes digi meine ich nicht das hat nachteile und kann eben nicht sofort verladen werden,...

    auch die vielen erwachsenen, die zur eigenen Lust spielen, wollen doch gerade im Urlaub ihr liebstes Hobby nicht missen, also auch da StageP in die Tüte und mit in den Urlaub....
    was spricht dagegen?

    Herzliche Grüße
     
  3. FünfTon
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    FünfTon

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    Wieso außer Kawai und Yamaha? Zählen die nicht, oder wie?

    Und damit doppelt so teuer wie vergleichbare Instrumente aus Asien.

    Warum sollte man über ein teures Schimmel-Kleinklavier nachdenken, wenn Yamaha zum ähnlich Preis schon ein modernes, neu konstruiertes U1 liefern kann? (Und das alte U1 noch günstiger als Modell B3 weiter anbietet.)

    Als ob! Yamaha-Klaviere sind erheblich besser wieder verkaufbar, erst recht wenn sie ein zeitgemäßes Silentsystem haben.

    Klaviere, die neu für wenige Tausender über den Ladentisch wandern, können keinen großen Wertverlust mehr erleiden. Der Wertverlust bei deutschen Marken der zweiten Reihe hinter S&S resultiert schlicht daraus, daß der Listenpreis viel zu hoch ist.
     
  4. maxe
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    maxe

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  5. maxe
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    maxe

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    Ich werde jetzt mich nicht aufregen über soviel Abseitigkeit, ein Klavier braucht minimal gerechnet 150 Arbeitsstunden, da haben wir aber bei weiten noch nicht alles geschafft, ob man soweit gehen muss wie die Damen und Herren hier mit 1000 stunden kann unkommentiert bleiben (http://www.klavierstimmungen.com/klavierbau.html) aber rechnen wir mal die 150 stunden mal 40 euro Handwerkerbrutto also etwa 6000 euro und Material und Beschaffung und Fahrtkosten und Lager/Betrieb/Verkauf schließlich Mehrwertsteuer, wollen wirs ganz umsonst anbieten....
    wo gibts denn bessere Klavierbauerfahrung als hier in Mitteleuropa (ok Fazioli etwas südlicher)
    die andern haben bei uns gut aufgepasst und ja raubkopiert, oder einfach fachleute und betriebe aufgekauft und abgeworben, wenn wir das alles gut finden und unterstuetzen wollen nur zu

    nichts gegen Familien, die jeden Euro umdrehen müssen, da muss oben gesagtes egal sein, da zaehlt sicher der Preis, aber wir reden von den vielen, die genug haben und die die andern 5000 euro im Urlaub sinnlos verjubeln... anstatt Kultur ins Heim zu holen....

    Herzliche Grüße
     
  6. FünfTon
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    FünfTon

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    Es ändert nichts daran, daß nur Instrumente weltbekannter Premium-Marken wie S&S ihren Wert behalten. Rönisch kennt niemand, also wird man dort zwangsläufig viel Geld versenken.

    In Japan zum Beispiel gibt es Klavierbau-Erfahrung seit über 100 Jahren.

    Und anders als in Europa, wo die Hersteller kurz vor der Pleite noch verzweifelt auf modernistische Geschmacksverirrungen beim Design gesetzt haben, um die Verkaufszahlen wieder hochzubringen, haben die Japaner seinerzeit erfolgreich in moderne Elektronik und moderne Fertigungsmethoden investiert. Deshalb gibt es sie noch und sie können sie Klaviere und Flügel - akustisch und digital - zu global konkurrenzfähigen Preisen anbieten.

    Natürlich sitzen Händler und Privatleute immer noch auf haufenweise Instrumenten aus der o. g. Ära. Und die mußte früher nehmen, wer Klavier spielen wollte. Diese Zeiten sind dank Digitalpianos aber endgültig vorbei. Schade für die Händler - aber für Klavierspieler sind es die besten Zeiten.
     
  7. maxe
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    maxe

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    Wie ist dieser Satz zu verstehen, ich stehe auf dem Schlauch, soll denn künftig das Elektronische die Mechanik ablösen in der Kunst, was spräche denn gegen digitale "Pinseldrucker" für bildende Künstler Farbe tropft dann nicht mehr und ich brauche keinen Malerkittel mehr....

    Das digiP ist und bleibt im Konzertanten ein Hilfsmittel aber nicht ein alleinseeligmachendes Substitut

    Ein Klavierbau braucht Zeit und Ruhe und gut abgelagertes Holz keine elektronische Schnelltrockung,
    ebenso die Hammerköpfe also.....

    Lieber Fünfton das digi ist eine wertvolle Ergänzung nicht mehr aberbauch nicht weniger,
    ich sitze wie gesagt gerade zwischen Klavier und roland eingezwängt und tippe....

    herzliche Grüße
     
  8. ehenkes
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    ehenkes

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    ... oder Gitarre.
     
  9. ehenkes
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    ehenkes

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    Wenn ich das richtig beobachtet habe, geht der Trend im Massenmarkt (und der entscheidet die Entwicklung der Zukunft) hin zum Digital-Piano und zum Silent- oder Hybridsystem. Für akustische Klaviere und vor allem hochwertige Flügel wird natürlich eine Marktnische verbleiben.
     
  10. Pedall
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    Pedall

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    Echt jetzt?

    Wie würde man nach Quantz die Courante der Französischen Suite E-Dur spielen?
    Die gehört sicher zur Kategorie "Im Dreyviertheiltacte, kann man, wenn das Stück allegro geht, und die Passagien darinnen aus Sechzehntheilen oder eingeschwänzten Triolen bestehen..."
    Rechne ich den Puls zu 80 Schlägen pro Minute, komme ich auf Halbe = 80 ("drey Pulsschläge auf sechs Viertheile"), macht Viertel = 160.

    Die Sarabande rechne ich mal zur Kategorie "Adagio cantabile im Dreyviertheiltacte" mit "Bewegung der Grundstimme ... aus Viertheilen, und der Gesang ist mehr arios als traurig" (die kleineren Notenwerte sind größtenteils ausgeschriebene Verzierungen, als Grundbewegung zählen klar die Viertel). Also Viertel = 80 ("jedes Viertheil ein Pulsschlag").

    Nun vergleich das mal z. B. mit dieser Aufnahme:

    View: https://www.youtube.com/watch?v=kkNPezHTWzU




    Da gibt es viele Beispiele mit autographen Bögen, an denen man studieren kann, daß das Legato eine Spezialform der Artikulation ist, Legato über mehrere Takte hinweg gibt es überhaupt nicht:


    upload_2018-2-19_19-18-18.png


    Da verhindern die Konsonanten ein genaues Legato: "Schaff's mit mir, Gott..."

    Von "immerfort" ist nicht die Rede, und Deine Ohren waren für Bach sicher nicht der Maßstab.
    Auch was die durch und durch von der Romantik geprägten Interpreten Hermann Keller und Albert Schweitzer schreiben, ist nicht der Maßstab für Bach.



    Das scheint ein Mißverständnis zu sein, vgl. Ludger Lohmann, Die Artikulation auf den Tasteninstrumenten des 16.-18. Jahrhunderts, 3. Auflage Stuttgart 2015, S. 141
     
  11. FünfTon
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    Für Klavierspieler gibt es eine breite Auswahl an vorzeigbaren neuen akustischen und digitalen Instrumenten zu attraktiven Preisen. Niemand ist hierzulande mehr auf die häßlichen und runtergenudelten Gebrauchtinstrumente aus der Niedergangs-Phase des europäischen Klavierbaus angewiesen. Oder auf neu gebaute Produkte der übriggebliebenen "deutschen" (teilweise in japanischem und chinesischen Besitz befindlichen) Manufakturen zu überzogenen Preisen, die bei schon aufrechten Klavieren bis weit über 30.000 € gehen - von Flügeln ganz zu schweigen.

    Deshalb sind es erfreuliche Zeiten für neue Klavierspieler. Und weniger gute für diejenigen, die ihr altes Klavier ganz dringend loswerden müssen.
     
  12. ehenkes
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    ehenkes

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    Ich denke, man muss das anders bewerten. Der Anschaffungspreis ist nur eine Kenngröße von vielen.

    Im Bereich Fotografie wurde ich einmal von einer älteren Dame gefragt, ob sich die Anschaffung eines speziellen Objektivs, das ca. 1000 Euro kostete, für sie lohnen würde. Sie dachte dabei mehr an das fotografische Moment. Mit der von ihr genannten Frequenz der Aufnahmen pro Jahr konnte ich ihr vorrechnen, dass das Objektiv sie pro Bild ca. einen Euro kosten würde. Das hat mich damals selbst erstaunt.

    So sollte man auch an das Klavier heran gehen. Wie oft und wie lange spiele ich auf dem Instrument, wie viele Stunden pro Jahr? Was kostet mich das Klavier pro Jahr (Wertabschreibung, Stimmen, Prüfen, Intonation/Regulation/Reparaturen, Transporte)? Dann weiß ich etwa, was mich die Stunde Klavierspielen kostet.

    Spiele ich also durchschnittlich jeden Tag eine Stunde, so wären das abzüglich Dienstreisen, Urlaubsreisen, Krankheiten, Sonstiges vielleicht 250 bis 300 Stunden pro Jahr. Bei einem Kostenaufwand von 1000 Euro pro Jahr wären das drei bis vier Euro pro Stunde, etc.
    Spiele ich gar nicht mehr, steht das Klavier weitgehend ungenutzt herum, was schon mal vorkommt, dann steigt der Stundensatz in große Höhen. Klassische Fixkostenhyperbel.

    Für 1000 Euro pro Jahr kann ich auch einen Mietpreis von ca. 83 Euro pro Monat ansetzen. Dafür kann ich ein Klavier von ca. 7000 - 8000 € Anfangswert mieten je nach Kalkulation.
     
    Hammerkopf gefällt das.
  13. FünfTon
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    Mein Digi bewegt sich aktuell bei 35 Cent pro Nutzungsstunde. :lol:
     
  14. maxe
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    Höre dir einfach mal Violinenspiel im Vergleich zum Klavierspiel ganz allgemein an , violine klingt meistens wesentlich zusammenhängender als Klavier (Perkussion), und es ergibt sich ein anderer Legatobegriff im Violinespiel, lass es dir von einem Violinisten erklären, ich schaffe das nicht so gut...bin keiner,... die autographen die du meinst, sind dahin zu bewerten, das man über den balkengruppen schon einen Bogen mitdenkt/spielt und darunter die kleineren Bögen als artikulierende teilbögen deutet die auch schwere/leichte und agogische Momente ins verhältnis setzen...

    ausserdem war das übliche common tempo der Pulsschlag seiens nun 80 oder gar nur 60
    also und jetzt frage ich was ist denn heute das durchschnittstempo.....
    schau mal in die orchesterwelt was die majestros abhetzen

    und doch wieder ja, Kellers Hermann (der Mann ist genau richtig für unsere verquerten PostModernisten):
    "Ich beziehe den Satz, "welches er gemeiniglich sehr lebhaft nahm", nur auf den Dirigenten, nicht auf den Klavier- und Orgelspieler Bach. Keinesfalls darf diese Stelle so aufgefaßt werden, als ob die seit Czerny übliche Verhetzung der Bachschen Klavierwerke dadurch ihre Rechtfertigung finden würde. Die unsinnig hohen Metronomisierungen Czernys und der meisten seiner Nachfolger haben ja fünfzig Jahre und länger Bachs Klavierwerke zu polyphonen Fingerübungen und Geläufigkeits-Rennen mißbrauchen helfen (daß schon die zahlreichen Verzierungen solche Tempi unmöglich machen, sei nur nebenher erwähnt)."

    „Deutschland ist – abgesehen von Bösendorfer in Wien und dem kleinen italienischen Hersteller Fazioli – das einzige Land der Welt, in dem es noch eine Klavierbaukultur gibt“, sagt Blüthner-Hässler.

    Nun die chinesen haben Schimmel 2016 übernommen und setzen trotzdem auf seine eigenständigkeit wegen der qualität (natürlich werden die auch abgucken)
    "Unternehmen bleibt eigenständig
    Bei Übernahmen werden oftmals die beteiligten Unternehmen verschmolzen. Allerdings ist das bei Schimmel nicht vorgesehen. „Das Management der Marke Schimmel und für die Marke Pearl River gehen weiterhin getrennte Wege“, bestätigt Li. „Die Marke Schimmel soll auch künftig von der Firma Schimmel verwaltet werden.“ Deshalb hat Li auch keine Pläne in der Schublade, chinesische Technologie in den Schimmel-Werken einzusetzen: „Schimmel wird die Produktionsstätten in Deutschland und Polen genauso behalten wie seine traditionellen Herstellungsmethoden“, verspricht Li. Wichtig ist ihm den ausgezeichneten Ruf und den bekannten Markennamen des deutschen Instrumentenbauers zu erhalten. „Schimmel ist eine Top-Marke und verfügt über klare Wettbewerbsvorteile mit Blick auf die geschichtliche Tradition, den Bekanntheitsgrad, das Niveau der Herstellung und auch hinsichtlich des Entwicklungspotenzials.“

    FAZIT
    In China sind qualitativ hochwertige Produkte von deutschen Herstellern äußerst beliebt. Das zeigt einmal mehr die Übernahme des traditionsreichen Pianobauers Schimmel durch die Pearl River Piano Group: Die gute Produktqualität der Deutschen erlaubt dem Investor aus China, in höhere Marktsegmente einzusteigen. Gleichzeitig ebnet das Unternehmen aus Guangzhou der neuen Tochter den Weg auf den chinesischen Markt und legt dabei Wert auf die Eigenständigkeit und den
    Erhalt der Traditionsmarke Schimmel."
    https://www.ma-dialogue.de/harmonische-klaenge/

    herzliche grüße
     
  15. maxe
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    maxe

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    PS: Was machen wir eigentlich mit Konzertharfen, wie sollen die digitalisiert werden und auch in China???
     
  16. FünfTon
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    FünfTon

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    Die Übernahme fand nur zu einem Zweck statt: Die Chinesen (Pearl River) wollen bald selbst so gut Klaviere bauen können wie Schimmel. Das werden sie auch schaffen und dann hat die europäische Zweigniederlassung ihre Schuldigkeit getan und wird nur noch den Vertrieb chinesischer Klaviere machen. Denn in 10-20 Jahren kommen Schimmel-Klaviere alle aus China und gehen überwiegend nach China.

    Das auch noch als Erfolg zu feiern, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
     
  17. maxe
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    maxe

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    Ja es wird leider so kommen, weil alle billig billig wollen und ich sagte ja die gucken natuerlich ab....
    aber du unterstützt das ganze ja nach leibeskräften in dem du unsere klavierbauer so schlecht machst....
     
  18. FünfTon
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    Da bist du falsch gewickelt, nix billig billig. Die Chinesen werden in absehbarer Zeit Klaviere und Flügel auf europäischem Standard in China bauen und zu europäischen Preisen weltweit verkaufen. Der Wissenserwerb ist das langfristige Ziel dieser Übernahme. Und keinesfalls die Sicherung des Produktionsstandortes Braunschweig, wie man dort glaubt, weil deutsche Klaviere in China so beliebt sind. ;-)

    Man hat sich anders als die Japaner auf Erfolgen von über hundert Jahren Klavierbau ausgeruht und der Ausverkauf nach Asien ist eben die Quittung. Wenn wir Glück haben, überleben ein Hersteller oder zwei.
     
  19. ehenkes
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    ehenkes

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    Die Globalisierung hat schon Ende des letzten Jahrtausends begonnen und bereits ihre ersten Opfer gefordert. Das wird weiter gehen. Wir reden momentan nur vom Massenmarkt. In der Oberklasse sieht das noch anders aus.
     
  20. maxe
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    maxe

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    Da hast du völlig recht, doch gegenwärtig haben die ihre Käufer mit billig billig gelockt und geködert, das lässt sich nicht verwischen.

    Letztlich muss ich Dir schon sagen, ja deutschland wir schaffens uns abzuschaffen lies mal hier:
    "Herausgekommen ist ein Produkt, das nicht bloß eine technische Spielerei sein soll, sondern
    dem vom Wettbewerb gebeutelten Traditionshaus den Weg in ein komplett neues Geschäftsfeld
    ebnet. Die im Korpus verbaute Elektronik ist nur ein Baustein dieses Systems. Fast noch
    wichtiger ist die Bibliothek an Stücken, die auf dem mitgelieferten iPad liegt und via Bluetooth
    auf dem Flügel abgespielt wird. 1700 Titel sind verfügbar, und das Unternehmen nutzt sein
    Netzwerk der „Steinway Artists“, um das Angebot fortlaufend zu vergrößern.
    Von Lang Lang über Olga Kern bis hin zu Jacob Karlzon: All diese Pianisten haben Stücke
    eingespielt und dazu beigetragen, dass die Roboter-Flügel, die der Kunde auch weiter selbst
    spielen kann, schon fast 500 Mal verkauft wurden. Trotz des stolzen Preises von mindestens
    100 000 Euro je Stück sei die Nachfrage deutlich höher als erwartet, sagt Husmann.
    Die Aufnahmen macht Steinway in New York, Hamburg, London, Schanghai und Tokio. Dort
    stehen speziell präparierte Konzertflügel, die jede noch so kleine Bewegung der Tasten und der
    Pedale in hochauflösenden Dateien speichern. Die Elektronik zum Abspielen kommt aus
    Amerika, eingesetzt wird sie im Werk im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. In den nach Holz
    duftenden Produktionshallen setzen Mitarbeiter rund 1200 Konzertflügel im Jahr zusammen,
    und etwa ein Fünftel der Produktion entfällt schon heute auf Flügel, die mit dem Spirio-System
    ausgestattet sind. In puncto Qualität müssten die neuen Produkte mindestens genauso gut
    sein wie die alten, sagt Thorsten Dehning, der seit drei Jahrzehnten für Steinway arbeitet und
    die Elektronik in den Korpus montiert. „Wer so viel Geld für einen Flügel ausgibt, der erwartet
    Perfektion“, sagt der 52 Jahre alte Tischler. „Das gilt für Spirio-Flügel genauso wie für die
    klassischen Instrumente.“
    Für Steinway & Sons, das 1853 von deutschen Auswanderern in New York gegründet wurde
    und heute in Amerika und Deutschland produziert, soll Spirio ein Befreiungsschlag sein. Denn
    die Verkaufszahlen sind schon lange unter Druck. Binnen zehn Jahren ist die Zahl der
    abgesetzten Flügel von 4000 auf etwa 2500 gesunken. In Amerika, dem mit Abstand
    wichtigsten Markt, hat sich das Geschäft von den Einbrüchen nach der Finanzkrise bis heute
    nicht erholt. Auch in Europa herrscht Flaute – nicht zuletzt, weil Musikschulen und
    Konzerthäuser wegen der klammen öffentlichen Kassen weniger teure Instrumente anschaffen.
    In China dagegen hat Steinway den Absatz zuletzt um ein Viertel gesteigert. Die Volksrepublik
    steckt viel Geld in die musikalische Erziehung ihrer Kinder. Zudem wird die wohlhabende
    Mittelschicht immer größer
    , was das Land als Markt für Spirio interessant macht. „Es gibt viele
    wohlhabende Chinesen, die sich so einen Flügel gerne ins Wohnzimmer stellen“, sagt
    Husmann, 66 Jahre alt. „Auch in anderen Teilen Asiens ist das Interesse an dem System groß.“
    In den angestammten Märkten Europa und Amerika hat Steinway ebenfalls schon etliche
    Spirio-Flügel unter das Volk gebracht.
    In Zukunft soll das Potential noch wachsen. Denn Steinway will bald eine Neuerung
    nachschieben, die die Einsatzmöglichkeiten weiter vergrößert. Können Spirio-Flügel heute nur
    Dateien wiedergeben, sollen sie innerhalb von zwei Jahren auch in der Lage sein, das eigene
    Klavierspiel aufzuzeichnen. Mit dem Ausbau des High-Speed-Internets werden dadurch
    Anwendungen möglich, von denen man heute nur träumen kann.
    Durch Übertragung der Daten in Echtzeit könnten Klavierlehrer ihre Schüler auf der anderen
    Seite des Globus unterrichten. Profi-Pianisten könnten ihre Übungen aufnehmen und die eigene
    Technik besser analysieren und verfeinern. Grundsätzlich würde der Zugang zum Klavierspiel
    erleichtert, und genau darum müsse es einem Hersteller wie Steinway gehen
    , ist Husmann
    überzeugt. „Wir konkurrieren heute mit Computern und Smartphones um die knappe Freizeit
    der jungen Leute“, sagt er. „Dadurch wird es immer unattraktiver, ein Instrument zu lernen.
    Darauf müssen wir reagieren, sonst wird unser Markt auf lange Sicht immer kleiner werden
    .“