Ich will Islamey spielen!

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AnnaB.

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Hallo zusammen,
ich bin seit einer Woche total verrückt nach Islamey! Ich habe bei Youtube die Interpretation eines 13-jährigen (!) Jungen gehört und möchte Islamey jetzt auch unbedingt spielen! Das Stück ist soooo unglaublich, vorallem der wunderschöne Mittelteil :kuss:
Aber das Stück ist natürlich ein unheimlicher Brocken. Aber ich komme davon nicht mehr los.
Also, ich habe die Noten schon besorgt, allerdings ohne Fingersatz:mad: Und schon am Anfang in den ersten Takten weiß ich nicht welche Finger ich nehmen soll. Könnt ihr mir eventuell einen Fingersatz für die Takte sagen?
Und wenn ihr sonst noch Tipps habt, bin ich immer dankbar;)
lg:)
 
fisherman

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Hallo Anna, dann tu Dich mal mit Hacon hier zusammen, der hat das gleiche Ziel.
 
klavigen

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Achtung Schäuble

Wen der Schäuble hört, dass hier lauter Islamisten versammelt sind, wird es für uns gefährlich - lol:rolleyes:

Ich find es toll, dass sich so viele von dem orientalischen Virus anstecken lassen.

Zunächst- bevor man in die Fingersätze einsteigt, wäre es sinnvoll mal das Wesen dieser Fantasie zu erfühlen -

Denn eigentlich sind es 2 Melodien im orientalischen Stil, die ständig variiert werden und das eben auch in orientalischen empfundenem harmonisch, orientalischem Stil.

Diesen Zauber der vielen Harmonien, die Balakirev diesen einfachen Melodien unterlegt, gilt es nachzuempfinden und natürlich auch das irre spiel mit dur-Moll variationen.

Das Stück wird nie! leicht aber zumindest rückt es in spielbare Nähe, wenn man immer weiss, was gerade abläuft.

Ich kann mir jedenfalls kaum eine bessere Jugend (auch die ältere Jugend sei mit gemeint) wünschen als eine, deren Ziel es ist, diese Fantasie spielen zu wollen.
 
Walter

Walter

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Islamei

Hallo Klavigen und alle anderen Islamei-Begeisterten,

diesmal sicher nicht in einer Woche! - Ich hatte mir in meiner Studienzeit für das Stück ein ganzes Jahr gegönnt, hatte aber nicht ausschließlich daran gearbeitet. Es waren noch andere Stücke in Arbeit, außerdem hatte ich mein Studium (Mathe und Physik) und viele Stunden Leistungssport in der Woche. Ich wollte für mich den Druck herausnehmen, möglichst schnell damit fertig zu sein.

Aber diese Zeit war gut investiert für optimale Fingersätze und in der Erarbeitungsphase nie ein zu schnelles Tempo.

Heute würde ich wohl anders daran arbeiten, ich bin seither ein bisschen gescheiter geworden. - Vor allem würde ich beim Einüben die verschiedenen Abschnitte strenger einhalten und separat üben.

In der Phase der Überleitung vom langsamen Teil (dem kaukasischen Liebeslied) zum eher toccatenhaften Finale gibt es sehr schnelle Aufwärtsläufe in der rechten Hand. - "Daumenübersatz" (ähnliches gibt es in der 2. ung. Rhapsodie) oder Daumenuntersatz? - Diese Läufe rechts und die darauf folgenden links mit der Aufgabe, eine Steigerung herbei zu führen, empfinde ich als die schwierigsten Stellen der ganzen Phantasie.

Allen, die sich daran wagen, wünsche ich viel Erfolg und die Geduld, sorgfältig daran zu arbeiten, sonst schleifen sich Ungenauigkeiten und Unsicherheiten ein, die nicht sein müssen und die dann auch keinen Spaß mehr machen.

Bei manchen Interpreten habe ich den Eindruck, sie kennen von Balakirew nichts anderes als die Islamei. Dabei gibt es noch viel schöne Klaviermusik von ihm. - Es tut sicher gut, auch andere Werke des Komponisten mindestens von Aufnahmen her zu kennen, um die Stellung der orientalischen Phantasie einordnen zu können. (Sie wird von den Vollprofis im Schnitt bestimmt zu schnell gespielt.)

Gutes Gelingen!

Walter
 
rolf

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Wen der Schäuble hört, dass hier lauter Islamisten versammelt sind, wird es für uns gefährlich - lol:rolleyes:
hallo,

... [ zensiert ] ....

schade um den Witz, aber das sind sensible Gefilde, da zensiere ich mich lieber selber :) :)

...nicht minder sensibles Gefilde sind Tipps zum üben, gerade hier, zumal man ja nur quasi eine "Ferndiagnose" betreiben kann...

Gruß, Rolf
 
rolf

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(Sie wird von den Vollprofis im Schnitt bestimmt zu schnell gespielt.)
hallo,

jetzt wage ich kaum zu erwähnen, dass es zwei Fassungen der orientalischen Fantasie gibt, und dass beide eine gepfeffert flinke Metronomangabe des Komponisten haben (aber evtl irren Komponisten bzgl ihrer Tempovorstellungen) -gemessen an dieser kann ich Deinen Verdacht nicht völlig teilen

Gruß, Rolf
 
klavigen

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diese Woche geistert immer noch rum

Hallo Klavigen und alle anderen Islamei-Begeisterten,

diesmal sicher nicht in einer Woche! -

Walter
irgendwie werde ich diese früher mal erwähnte Woche wohl nie mehr los.
Es ist eben schwer, sich deutlich auszudrücken :

Was ich meinte war doch, dass man für einen öffentlichen Auftritt, ob nun Examen, Konzert usw. eigentlich nur Stücke spielen und wählen sollte, die man zumindest einigermaßen gut innerhalb einer Woche spielen kann- denn die ist nun mal die gängie Praxis- In einem Klavierwettbewerb wird das eben so verlangt-

Nichts aber spricht dagegen, dass man sich mit vielen Stücken viel mehr Zeit lassen sollte, wie auch bei dieser Fantasie- und ich befürworte ganz explizit diese art des Studium aber im Umkehrschluß heisst das nun leider auch, dass man diese längere Zeit wirklich braucht, weil das Stück eben noch - gemessen am eigenen Können derzeit zu schwer ist - und dies liegt nun meistens daran, dass es nicht vollständig verstanden wird.

Das hat durchaus auch einen mechanistischen bzw technischen Aspekt. Das sogenannte technische Können entsteht durch viel Üben, viel Erkennen und oft auch zusätzlich durch angeborenes Talent-

Ich habe absolut nichts gegen viel Zeit, die ein Stück braucht, um immer besser zu werden, aber dies bedeutet eben, dass auch enorme Zuwächse an Verstehen nötig sind, die dann das höhere Spielniveau ermöglichen.
 
rolf

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Exotismen und Orientalismen

hallo,

trotz aller Begeisterung für diese effektvolle "Showpiece" möchte ich auf ein paar Umstände hinweisen, die meiner Ansicht nach von der gewollt effektvollen Klavierbehandlung übertönt werden:

"Exotik" in der Musik war ja nichts ganz so neues, man denke an die "Janitscharenmusik" bei Mozart (Sonate KV 331, Entführung aus dem Serail) - als Balakirev seine Fantasie komponierte, konnte er Verdis 1871 uraufgeführte Oper Aida noch nicht kennen :) und vermutlich waren die Noten der ein paar Jahre zuvor in Paris uraufgeführten Oper Don Carlo ihm ebenfalls nicht bekannt; allerdings überarbeitete er später seine Fantasie, und da er - entgegen seiner propagierten Theoreme - ein sehr gebildeter und gelehrter Komponist und zudem ein exzellenter Panist war, wird er Verdis Opern sicher nach seiner Erstfassung der Fantasie gekannt haben. In Don Carlo findet sich die "maurische" Arie der Eboli - in Aida findet sich spätromantisch "ägyptisches" ----- im weitesten Sinne handelt es sich hier um Stilisierungen, die unter den Namen "Orientalismen" und "Exotismen" bekannt sind. Im 19. Jh. beruhen diese noch nicht wie später bei Bartok auf quasi volkskundlichen Forschungen, sondern sie bedienen sich spezieller alterierter Tonleitern, die ganz allgemein für "exotisches" bzw. "nicht europäisches" verwendet wurden: bei Liszt werden solche Skalen zu zigeunerisch-ungarischem, bei Verdi zu maurischem oder ägyptischen, bei Delibes zu indischem (die Oper Lakme) - und Balakirev setzt dieselbe Sorte alterierter Skalen für "kaukasisches" und "islamisches" (meint er damit arabisches?) ein. Dur-Moll Wechsel, übermäßige Intervalle usw., im wesentlichen eine variabel eingesetzte "Zigeunertonleiter", die ggf auch statt 7 sogar 8 Töne haben kann.

Debussys Ganztonleitern und Bartoks rumänische und ungarische Rhythmen haben mit den Exotismen des 19. Jh. nichts zu tun, sie basieren auf ganz anderen Grundlagen (was jetzt nicht erörtert werden muss)

was mir im Kontext mit Liszt, Verdi, Delibes auffällt, ist folgendes: Balakirevs Fantasie nähert sich einem allgemeinen "Salonmusiktonfall", der aber nicht als Ironie verstanden werden kann: die Salonromantik (und etwas gekünstelte "Liszt-Imitation") des Mittelteils ist gewollt. Und die ritornellhafte Thematik der Außenteile wird allein durch motorisch-pianistischen Elan getragen. Negativ formuliert: ein Virtuosenstück, welches ein gängiges Muster (allgemein exotische Skale) effektvoll durcharbeitet und einen allgemeinen, irgendwie beliebigen Titel beansprucht (orientalisch kann ja allerhand sein, und wo in dem Klavierstück der Islam zu finden ist, dürfte sich nicht beantworten lassen) --- mein Verdacht: ein "reisserischer" Titel für eine geschickt gesetzte "Showpiece", evtl verwandt sind Klavierstücke von Gottschalk (wenn man diese als "amerikanisch" sehen will)

als Indizien: überzeugender, schlicht gekonnter wirken diese Techniken bei Verdi (und der Vergleich hinkt nicht allzusehr: wie Islamey ein Virtuosenstück für Klavier ist, so ist die maurische Arie ein Virtuosenstück für Sopran)

---- die "Islamey-Begeisterten" mögen mir bitte nicht zürnen, ich will auch niemanden von dem Stück abhalten (ich spiele es ja selber), aber ich würde mich freuen, wenn man die Anregung aufgreifen würde, vergleichbares aus der Musik des 19. Jh. wahrzunehmen um eben Islamey besser kennen lernen zu können: mit den Stärken und Schwächen, die zu dieser Komposition gehören. Ich bin überzeugt, dass man das Stück weder manuell noch musikalisch überschätzen sollte: die "sarmatische Wildheit", welche Bülow ihm attestiert hat, die ungeheuere Schwierigkeit hat es nicht; ebensowenig hat es ungewöhnliche manuelle oder musikalische Techniken.

problemlos spielbar ist das natürlich nicht, es ist ein typisches "Virtuosenstück", allerdings keines von den allerschlimmsten! zu "interpretieren" gibt es da nicht viel, zu "üben" durchaus :)

liebe Grüße, Rolf
 
Walter

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Islamei

Hallo Klavigen,

Du hast sicher recht: Claudio Arrau gewann einen Kl.-Wettbewerb in den 20ern des letzten Jahrhunderts, da war eben Islamei Pflichtstück. Ich habe davon einen Ausschnitt einer Aufnahme aus dem Radio.

Hallo Rolf,

meine Beobachtung ist, dass es in so manchen Aufnahmen so schnell zugeht, dass ich viele Einzelheiten gar nicht mehr erkennen kann - obwohl ich das Stück "von innen" kenne. :confused:

Walter
 
rolf

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Hallo Rolf,

meine Beobachtung ist, dass es in so manchen Aufnahmen so schnell zugeht, dass ich viele Einzelheiten gar nicht mehr erkennen kann - obwohl ich das Stück "von innen" kenne. :confused:

Walter
hallo Walter,

manche Passagen wollen und sollen doch schnell sein, und sicher sind die dann nicht dazu gedacht, dass man jeden einzelnen Ton in aller Ruhe heraushören soll - vielleicht liegen solche Eindrücke aber auch an der unterschiedlichen Wahrnehmung von aktiv selber spielen und eben passiv hören: mir jedenfalls geht es so, dass ich während des Spielens im Tempo jeden Ton wahrnehme, während des Hörens aber auch von der Wirkung im Tempo überrascht bin - - beim spielen ist die Aufmerksamkeit vermutlich anders als beim hören (das hören "hinkt" quasi hinterher, das spielen ist immer ein wenig "voraus")

aber zum Tempo hier überhaupt: das relativiert sich doch, wenn man mal nur die "Melodik" im Tempo spielt - und dann könnte man einfach mal eine schnelle Rossini-Ouvertüre (Wilhelm Tell, diebische Elster) hören: bei den Orchestersachen ist man nicht von klavieristischen Fragen a la "wie geht denn das jetzt?" abgelenkt, und ich finde, man kann da bei Rossini in rasendem Tempo alle Feinheiten hören - - vielleicht hilft ja, wenn man vom Klavier quasi "weg-denkt".

von "blutjungen" Arrau gibt es eine Aufnahme (frühes 20. Jh.), die sehr sehr viel Rubato verwendet - in einer Arrau-Biografie ist das beigelegt (hatte ich mal aus einer Bibliothek entliehen und angehört)

Gruß, Rolf
 
H

Hacon

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Ja was war denn hier los über Nacht:confused:

Ist das Forum jetzt in eine Islamey-Begeisterung ausgebrochen --bis gestern dachte ich noch, außer mir und Klavigen würde es keinem gefallen:confused:

Jetzt darf aus dieser Begeisterung nur nicht ein wie-verrücktes-draus-üben werden, denn wie sagte Rolf:

wenn Dir Islamey so sehr gefällt, dann probiers doch einfach wie beschrieben - nebenher, ohne Zwänge, einfach zum kennen lernen und aus Spaß............natürlich NICHT versuchen, Tempo zu machen
Daran will ich mich doch auch halten und deswegen auch nicht länger als höchstens 45 Minuten am Tag an dem Stück üben ----sonst ergibt sich die Gefahr, zu früh Tempo machen zu wollen.

Überhaupt habe ich keineswegs vor, diese Fantasie jetzt in einem Zug auf Vorspielniveau bringen zu wollen ---wo käme ich denn da hin?

Ich wills eher so machen wie Rolf mit seiner Beethoven-Fuge: Erstmal schauen, wie weit ich komme, und dann immer wieder ruhen lassen und vielleicht kann ichs dann als alter Opi, fünf Minuten bevor mir die Finger erstarren:D

Aus diesem Grunde wird wohl auch der von fisherman vorgeschlagene Zusammenschluss mit Anna nicht stattfinden, denn die wills wohl schneller lernen.

Ist es nun pädagogische Absicht, dass ihr ihr noch keinen Fingersatz gegeben hat? Wenn nicht, könnte ich mal mit denen meiner "Edition Peters"-Ausgabe weiterhelfen???
 

A

AnnaB.

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Hallo,
ja, der Islamey-Wahn ist ausgebrochen!
Ich weiß nicht recht, ob ich meinen Lehrer einweihen soll, ich glaube, der wär nicht so begeistert...
Aber ich will das Stück später auf jeden Fall mal vorspielen, ich spiele viel vor aber nie so große Stücke... Natürlich erst in einigen Jahren, wenn ich dem Stück gewachsen bin. Dass es zu schwer ist weiß ich sowieso. Aber ich komme davon nicht los, und wenn ich es schonmal ein bisschen gespielt habe, kann das später doch Vorteile haben, denke ich mir. :)
Ich kann die Töne der ersten Seite schon spielen, aber habe eben keinen Fingersatz und die Noten mit Fingersatz kommen erst nächste Woche. Vor allem für die ersten Takte wäre ein Fingersatz super^^
@ Hacon: Schön, dass du Islamey auch spielen willst :)Natürlich werde ichs auch extrem langsam üben und darauf achten dass alles genau ist. Wie weit bist du denn schon gekommen?

Ich habe noch eine Frage zur Technik. In dem Stück kommen schon am Anfang in der rechten Hand einige Repetitionen mit Terzen vor. Wie kann ich die spielen, ohne dass meine Hand zu Gips erstarrt?
 
rolf

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hallo Anna,

die von Dir erwähnten Repetitionen sind kinderleicht - stell Dir vor, vier repetierte Terzen wären in irgendeinem Lied ohne Worte oder Nocturne: würdest Du da viel Aufhebens machen?

ansonsten: erst mal piano staccato und aus ganz lockerem Handgelenk (diese Bewegung haben wir alle drauf, sie ist ein wenig minimiert das selbe, wie wenn ein Kleinkind "winke-winke" macht!) - angenommen Du spielst solche Repetitionen in Triolen, dann immer auf der ersten Terz eine Betonung, also in eine Betonung hineinrollen und dabei die anlaufenden Repetitionen in einer Bewegung ausführen (evtl hilft Dir auch die Vorstellung, Du würdest die Terzen aus dem Handgelenk auf die Tasten werfen und sie prallen ab)

Gruß, Rolf
 
 

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