Heißt Interpretieren - "Spielen wie man will"?

Selbstverständlich darf jeder sein eigenes Geklimper für "interessante, fesselnde, gute etc. Musik" halten. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass es wirklich "interessante, fesselnde, gute etc. Musik" ist.

Darüber zu urteilen, ist - auch wenn du es nicht glauben magst - keine rein subjektive Angelegenheit. Objektive Kriterien gibt es zuhauf - und die sind keineswegs auf das Zählen falscher Noten limitiert. Ich befürchte allerdings, dass man mit diesen Kriterien nichts anfangen kann, wenn man sich jeder intellektuellen Auseinandersetzung mit Musik verweigert.
Im Zweifelsfall würde ich es darauf ankommen lassen. Was ich persönlich etwas schade finde, ist, dass so wenige Amateure ihre Träume wahrmachen, und durchaus auch mal (zu) schwere Stücke angehen, für die sie wirklich brennen... sich diese Stücke mit etwas Ausdauer und geeigneten Methoden dann draufschaffen (mit solchen Methoden könnte ich evtl. sogar helfen), die technischen Anforderungen bewältigen, und auch mal interessante und annehmbare Einspielungen online stellen.

Allerdings, beim technischen Teil der ganzen Sache sich auch nicht selbst belügen, sondern wirklich auch schauen, dass man's akzeptabel hinkriegt.

"Seine Träume wahrmachen" - das ist eine Sache, die bei einem Hobby schon wirklich Spaß macht.

Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass zu wenige Klavieramateure ihre Träume auch wirklich wahrmachen, oder je dahin kommen. Ist doch schade...
 
Was ich persönlich etwas schade finde, ist, dass so wenige Amateure ihre Träume wahrmachen, und durchaus auch mal (zu) schwere Stücke angehen

Ich habe eher den Eindruck, dass die allermeisten Amateure viel zu schwere Stücke angehen. Aber möglicherweise ist mein Eindruck nicht repräsentativ.

Allerdings, beim technischen Teil der ganzen Sache sich auch nicht selbst belügen, sondern wirklich auch schauen, dass man's akzeptabel hinkriegt.

Und noch viel mehr gilt das für den musikalischen Teil. Aber da belügt sich's deutlich leichter, nicht wahr? ;-)
 
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Und noch viel mehr gilt das für den musikalischen Teil. Aber da belügt sich's deutlich leichter, nicht wahr?


Margulis sprach immer wieder davon, dass alle Pianisten unzufrieden seien mit gewissen technischen Details, dass aber alle sehr zufrieden sind mit ihrer Musikalität!
Das trifft es doch recht gut.
Selbst sehr fortgeschrittene Schüler haben zuweilen noch Schwierigkeiten damit, zu akzeptieren, dass man an der musikalischen Gestalt eines gewichtigen Werks möglicherweise mehr üben muss als an der Technik.
Was hat wohl ein Michelangeli über Jahrzehnte an einzelnen Werken geübt?
 
Ich würde mich noch nicht einmal als Amateur bezeichnen, eher als Anfänger, dennoch bin ich auf einem guten Weg meinen Traum zu erfüllen.
Mussorgskys Bilder einer Ausstellung:

Bydlo/Promenade/Ballet der Kücken in ihren Eierschalen (zugegeben ohne Vorschlagnoten)/ Samuel Goldenberg und Schmuyle/ Marktplatz von Limoges (gerade in Arbeit)/ Katakomben/ mit den Toten in einer toten Sprache sprechen (Abwandlung einer Promenade) und sehr holprig die Hexe Baba Yaga...
Klingt alles schon ganz manierlich.


Ich habe eher den Eindruck, dass die allermeisten Amateure viel zu schwere Stücke angehen

Na und? Wenn man immer bei "alle meine Entchen" bleibt kann man sich auch nicht weiterentwickeln. Da ich mich zuerst auf die Hexe gestürzt habe, kam mir das andere eher leicht vor.
 
Rechnest Du Dir eine gute Chance aus, an's Ziel zu kommen (sprich, alles dann mal gut zu spielen)?

Den Ansprüchen, die hier herrschen, werde ich wohl nie gerecht werden, dass ist aber auch nicht mein Ziel, dafür bin ich auch viel zu alt.

Auf jeden Fall möchte ich das Werk vollenden.

Zum Thema:

Ich habe mir natürlich sämtliche Aufzeichnungen von sämtlichen Künstlern angehört/angeschaut und bin der Meinung, dass keiner
das Stück ohne irgendwelche Kritikpunkte spielen kann.

Vielleicht liegt das auch daran, dass diese Leute so ein Stück relativ kurz lernen, dann spielen und sich alsbald auf etwas Neues stürzen, so dass die Qualität darunter leidet und das Stück daraufhin wieder in der Schublade landet.
Da ich für solch ein Werk ewig brauche, und alle Stücke täglich mehrmals wiederhole, klingt das schon fast wie aus dem Labor gezaubert.

Es gibt natürlich Stellen, wo extreme Treffsicherheit gefragt ist, da setzt es dann bei mir manchmal aus.

Bei einem Video gab es irgend eine Kritik, die aber sofort mit der Tatsache entschuldigt wurde, dass das gesamte Stück ja sehr schwer zu spielen sei und man so etwas erst einmal können muss.

Dazu kann ich nur sagen: fleißig üben, üben und üben, dann ist das auch für einen totalen Anfänger, wie mir, zu schaffen.
 
Da ich mich zuerst auf die Hexe gestürzt habe, kam mir das andere eher leicht vor.
...ein weit verbreiteter Irrtum!

@PERFORMANCE wie können die Küken ohne Vorschläge manierlich klingen???? ...und wie ist das mit den Vorschlägen in der Hexe??? ...zu schweigen von den repetierten Verzierungen vom Schmuyle...

Mit dem Mussorgski-Zyklus hast du dir ein sehr heikles Virtuosenstück ausgesucht, welches gelegentlich unspielbare Details enthält (Tuileries) und ansonsten Schlachtrösser wie Chopins As-Dur Polonaise technisch toppt (Hexe, Heldentor) ... selbst Prokovevs Suggestion diabolique (!) ist weniger anstrengend als der Markt von Limoges...
 

...wie können die Küken ohne Vorschläge manierlich klingen?

Das stimmt schon. Besonders auffällig wird das nach dem Trio, wo die Kücken holprig und verzweifelt übereinanderpurzeln. Ansonsten geht es (wenn man es nicht anders kennt). Diese Passage werde ich aber noch überarbeiten, denn gerade da klingt das Stück dann völlig unoriginell.

und ansonsten Schlachtrösser wie Chopins As-Dur Polonaise technisch toppt (Hexe

Na dann klopf ich mir mal auf die Schulter. Die Hexe ist m.M.n. nur im Mittelteil schwer zu spielen, wo sie praktisch wild durch die Gegend fliegt und man schnell über die ganze Bandbreite mit beiden Händen zielsicher treffen muss. Ist mir anfangs auch nicht gelungen, bis ich dann dazu übergegangen bin, nur die linke Hand zu beobachten. Die Rechte muss das blind können. Vorher habe ich das umgekehrt versucht, das funktionierte absolut nicht. Klar, ich verhau mich da hin und wieder, besonders wenn die Passage dann mit den "G"s endet.
Problematisch ist auch den (mehr als bekannten) musikalischen Fluss zu erkennen wenn man die passende Geschwindigkeit noch nicht beherrscht.


Gut, die Stücke spielen sich sehr unterschiedlich. Die Kücken bieten eine ganz andere Herausforderung als die Hexe. Aber das ist ja besonders für einen Anfänger interessant.
Ich kann das Stück eigentlich nur jedem empfehlen, da es so facettenreich ist.
 
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Solange die Kücken nicht auf Krüken anrüken...
 
@Barratt Du erscheinst mir hin und wieder etwas gestresst (siehe dazu auch hier und hier).

Tip: Versuch' doch auch mal einfach so ein bisschen Herumklimpern. Bringt manchmal Spass und entspannt.;-)
 
Die Frage ist, ob diese Amateure überhaupt Klavier spielen würden, wenn sie nicht ihre (eigentlich zu schwierigen) Wunschstücke spielen würden. Das bezweifle ich bei vielen.
Mich hat zum Beispiel jahrelang ein - absolut nicht vorzeigbares - Beethoven-Sonaten-Herumklimpern beim Klavierspiel gehalten. Mondschein, Appassionata, Waldstein, und Pathetique "im Tempo" aber in den schweren Stellen kaum noch überhaupt erkennbar herunterzurasseln, kann schon Spaß bringen... die Frage ist, ob es wirklich so furchtbar sinnvoll ist auf Dauer, und man es sich wirklich wünscht.
Aber seit ich (m)eine eigene geniale Übemethodik entwickelt habe und anwende, sind die technischen Schwierigkeiten in diesen Stücken allenfalls Pipifax und Pillepalle.

@PERFORMANCE: hab' ruhig Deinen Spaß mit Deiner Art der Beschäftigung! Das sag' ich ausdrücklich. Letzten Endes muss das, was man am Instrument macht, nur einem gefallen: einem selbst. Und man muß seinen Spaß haben. Zumindest als autodidaktisch arbeitender Amateur.
 
@Dreiklang
Ich finde das auch absolut legitim. Wer daran Spaß hat, Originalwerke für sich selbst zu verunstalten, bitte sehr, soll er machen.
In Hamburg gab es übrigens mal einen (dänischen?) Pianisten, der die Musikhalle einmal im Jahr gebucht hat und mit Klassischer Literatur herumgestümpert hat. Diese Konzerte bekamen irgendwann Kultcharakter.

Aber seit ich (m)eine eigene geniale Übemethodik entwickelt habe und anwende, sind die technischen Schwierigkeiten in diesen Stücken allenfalls Pipifax.

Das klingt ja wie das „wunderbare Märchen“, das der Pianosoph hier mal verlautbart hat. Würdest du uns an deiner genialen Übemethode teilhaben lassen?
 
@Tastimo fütter die Suchfunktion mal mit DKMM. Aber bestimmt wird der Erfinder dieser Methode Dir das alles auch noch einmal genau erklären.
 
In Hamburg gab es übrigens mal einen (dänischen?) Pianisten, der die Musikhalle einmal im Jahr gebucht hat und mit Klassischer Literatur herumgestümpert hat. Diese Konzerte bekamen irgendwann Kultcharakter.
Das ist ja ein Ding...! :-D
Das klingt ja wie das „wunderbare Märchen“, das der Pianosoph hier mal verlautbart hat. Würdest du uns an deiner genialen Übemethode teilhaben lassen?
Ich lach' mich fett: der einzige hier im Forum, der eine andere, machtvollere Übemethodik gar nicht braucht, weil er seine schweren Sachen auch so schon ganz alleine stemmt, fragt mich danach ;-)

Ich habe hier und da schon mal darüber berichtet, bzw. es versucht. Irgendwelche Erklärungsversuche scheiterten regelmäßig am hochgradig verbitterten Widerstand bzw. Desinteresse des hier fest etablierten KL-Didakten-Trios.

Aber egal... Basis der ganzen Sache ist das Metronom und ein paar Regeln/Methodiken drum herum. Damit hält man das Hirn immer am optimalst-möglichen Punkt des motorischen Lernens. Falls es Dich (oder sonst jemanden) näher interessiert: es gibt hier ja die PN-Funktion (bzw. hier heisst das Ding ja "Unterhaltung").

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p.s. eine weltberühmte deutsche Geigerin hat ebenfalls schon mal das Metronom als "für den Technikaufbau genial" bezeichnet. Ich finde die Doku leider im Moment nicht.
 
Du ziehst das Tempo mit dem Metronom hoch. Na und ? Diese Mehtode ist uralt
Das stimmt, wenn man so will habe ich sozusagen das Rad neu erfunden. Ich hoffe ein wenig, dass es statt einem primitiven Holzrad aber ein modernes PKW-Rad geworden ist. Das neue (?) daran ist vermutlich, dass ich auch extrem weit über meinen eigentlichen technischen Fähigkeiten Liegendes damit gezielt und erfolgreich angegangen bin. Mein letzter KL hat mich eher schlecht als recht die einfachen Clementi Op. 36 Sonatinen spielen lassen, und vermutlich nicht mal die im wirklich erforderlichen Tempo und sicherlich nicht in der maximal möglichen Klangqualität. Danach klingt die (aber ingesamt noch verbesserungsfähige, weil nicht gründlich genug geübte) La C. Einspielung nicht gerade, oder?
aber hier im Forum, denke ich, ist es verpönt, darüber zu sprechen. Vielleicht sollten wir 'eh damit langsam wieder aufhören.
 

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