Hanon oder nicht Hanon. Das ist meine Frage.

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Indifferent

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Und noch ne Unsicherheit tut sich auf:
Bisher hat sich mein Üben so gestaltet, dass ich ein paar Minuten Tonleiter geübt hab, dann Dreiklänge und dann Fingerübungen. Seit einigen Wochen von Hanon - die berühmten 60.

Jetzt lese ich aber immer öfter dass Hanon Zeitvergeudung ist.
Andere setzen darauf, dass Tonleiter/Dreiklänge reichen und man
Technik und Geläufigkeit ohnehin beim Üben von Musikstücken
erreicht. Oder in einem "Lernbuch" lese ich von sog. Parallel sets...

Ist es Glaubensfrage ob Hanon oder Nicht-Hanon oder gibts eine sinnige Antwort?
 
W

Windir

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na schaden kann es nich, nur zu spielen isses kotz langweilig... wenn du damit zurechtkommst bitte ^^
 
W

Wu Wei

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Nach meiner Meinung sind die Übungen im Hanon genauso gut oder schlecht wie andere technische Übungen ohne musikalischen Wert, die isolierte Bewegungen für alle möglichen Fingerkombinationen trainieren sollen. Zum Teil besteht aber die Gefahr von Schädigungen im Sehnen-Bänder-Apparat von Hand und Unterarm/Ellebogen durch widernatürliche Übungsanweisungen. Außerdem sind die Versprechungen im Vorwort einer quasi Virtuositätsgarantie nach ausreichend langem kompletten Durchspiel der gesamten Ausgabe illusorisch. Die Kunst für den Lehrer besteht, wie bei anderen derartigen Übungswerken auch, in der individuellen Auswahl für die jeweiligen Schwachpunkte des Schülers.

Eins der Hauptargumente der Hanongegner, dass man technische Probleme am besten an den jeweiligen zu erlernenden Stücken der Klavierliteratur trainieren sollte, und nicht schon alle potentiell möglichen Schwierigkeiten vorab trainieren, mag für Lernende gelten, die nie anderes als fertige Kompositionen spielen wollen. Ich für meinen Teil aber habe sehr großes Interesse am Improvisieren und denke, dass für dieses Ziel die Technik, das Handwerkszeug sozusagen, von vornherein möglichst "omnipotent" sein muss.
 
stephen

stephen

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Zitat von Indifferent:
Ist es Glaubensfrage ob Hanon oder Nicht-Hanon oder gibts eine sinnige Antwort?
<Ketzermodus>Glauben musst Du dort, wo Deine Erfahrung und Dein Verstand an Grenzen stoßen.</Ketzermodus>
Im weiten Spektrum der Klavierspielphilosophie sind, meine ich, Hanon und Chang die beiden Extreme - und eine Versöhnung ist nicht zu erwarten :)
(Ich sehe gerade, dass Wu Wei sich auch schon geäussert hat: vielleicht sollte man hinzufügen, dass der durchschnittliche Barpianist beide nicht kennt.)
Welchen Ansatz DU wählst, hängt von Deinen ganz persönlichen Vorlieben ab - und natürlich entscheidet es sich besser, wenn man möglichst viele Alternativen zumindest einmal ausprobiert hat.
Also, wie schon gesagt, weniger Glaubens- als Erfahrungsfrage.
 
W

Windir

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mein lehrer wollte mir auch schon sone maschinenartigen fingerübungen auftischen (czerny) und ich glaub er hat mittlerweile erkannt das er mit dem mist bei mir nich anzutanzen braucht ^^
 
B

Bert

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@indifferernt

mach einfach zum Aufwärmen ein paar "Umdrehungen" a la Hanon & Co und Du fühlst dich wohl! Danach kann man/frau mit dem Üben/Spielen von MUSIKSTÜCKEN anfangen. Den Hanon ernsthaft zu üben, bedeutet für den Anfänger Sehnenscheidenentzündung und für den fortgeschrittenen Frust.

:klavier:Gruß

Bert

p.s.: is nur meine Meinung :lol:
 
rockpianist

rockpianist

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Ich finde den Hanon hervorragend, im Gegensatz zu Cherny, Clementi und Konsorten. Letztere tun so, als müsse Technik Spaß machen und gut klingen, letztlich kommt aber nur Mittelmäßiges dabei heraus.

Hanon gibt sich erst gar keine Mühe: Hier kann man wurderbar abschalten, aus dem Fenster sehen oder an etwas Schönes denken und so ganz nebenbei die Finger trainieren. Bei 30 min täglich muss Niemand Angst haben, dass er Sehnenscheidenentzündung oder Ähnliches bekommt.
rockpianist
 
C

Christoph

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Meine Klavierlehrerin hat mich immer mit Hanon traktiert, aber ich find bei Bachpräludien aus dem WTK lernt man Fingerfertigkeit noch besser und es klingt viel schöner :wink:
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Ich habe die URL mal korrigiert (bei kompletten URLs entfällt der URL-Tag, sonst erscheint http doppelt). Es handelt sich übrigens um einen Auszug von Chang.
 
P

pianomobile

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Wuwei hat eigentlich schon das Wichtigste zusammengefasst. Der Nutzen von Hanon oder hanonähnlichen Übungen für die Improvisation besteht darin, dass man mit einfachen Mitteln lernt, auch Melodien in Stufen zu denken. Bei sachgemäßer Anwendung sollten dann auch keine Verletzungen passieren. Sehnenscheidenentzündungen entstehen meines Erachtens nur bei ungeduldigem, gewaltsamen und nicht entspannten Üben, wobei die Hanon-Anleitungen zugegeben nicht immer glücklich gewählt sind. Aber man muss sich ja nicht an alles halten.
Die Hanon-Kritik von Chang klingt für mich schon auch etwas nach persönlicher Abrechnung. Übungs-Anleitungen aus dem 19. Jahrhundert zu kritisieren finde ich überflüssig, da sich Methodik und Didaktik selbstverständlich weiterentwickelt haben, und jeder Lehrer ohnehin weiss, dass Hanon-Übungen einer gesonderten Aufarbeitung bedürfen.
 

Hartwig

Hartwig

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Rockpianist:
Deine Meinung spricht mir aus dem Herzen. Jeder kann sich natürlich seine Lieblingsübungen aussuchen, aber so variabel wie die unterschiedlichen Übungen im Hanon es hergeben, kann man an einzelnen Stücken nicht profitieren. :wink:

Auf die richtige Mischung kommt es an.
Spaß zum Üben darf natürlich nicht durch Antipathie leiden, aber wer Hanon gar nicht spielt hat auf Dauer sicher etwas versäumt, Optimales zu erreichen. :twisted:

Ich selbst spiele auch Hanon, aber viel zu selten aus Zeitmangel, was ich an bestimmten Unzulänglichkeiten der Fingertechnik manchmal schon merke. :oops: :bongo: :drummer: :geige: :keyboard: :klavier:

Gruß Hartwig
 
C

Cata92

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Hi Leute!

Ich selbst spiele auch hin und wieder Hanon. Ich meine, wenn man eine Umfrage machen würde: Jeder halbwegs gute Pianist kennt Hanon. Es ist sozusagen ein MUSS... Wenn man zum Beispiel vorhat, später zu studieren und hat keinen Hanon zu Hause rumliegen, ist das schon reichlich ärmlich. Klar, er ist total bescheuert zu spielen, aber wir handhaben das so, dass meine Klavierlehrerin mir hin und wieder mal ein Stück aufgibt, das spiel ich ihr dann das nächste Mal vor und sie ist einverstanden. Ich halte mich damit auch nicht unnötig lange auf. Zehn Minuten jeden zweiten Tag vielleicht, wenn das Stück gerade mal halbwegs interessant oder halbwegs anspruchsvoll ist, spielt man ihn auch mal ganz gerne jeden Tag zehn Minuten, aber dann wird es zu viel.
Ich spiele selbst erst seit ca. 2 Jahren und habe Hanon schon nach einem halben Jahr gespielt, also noch relativ am Anfang meiner "Karriere":) Und ich hatte noch nie eine Sehnenscheidentzündung. Wenn es so dolle Hühner gibt, die denken, sie müssten den Hanon in einer Woche fließend hintereinander durchspielen, dann bitteschön, die haben's dann wohl echt übertrieben...

Liebe Grüße
Cata
 
W

Windir

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Jeder gute pianist MUSS hanon kennen ? och komm... ^^ Hanon ist keine klavierbibel oder ähnliches. Es ist nur eine anreihung von technikübungen die man auch in normalen stücken erlernen kann.
 
ubik

ubik

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So einen Beitrag gab es hier glaube ich schon mal.

Also ich würde diese Hanon Übungen nur nebenbei lernen, wenn du ein neues Stück lernst. Klaviertechnik sollte nicht mehr als ein Drittel der Lernzeit beanspruchen.

Für die linke Hand ist der Hanon sehr nützlich. Für die rechte selbstverständlich ebenfalls, die ersten paar Übungen kann ich mit der rechten Hand vom Blatt spielen.

Die Übungen sind eigentlich schon sehr nützlich, was die Geläufigkeit der Hand angeht, aber viel Zeit solltest du dafür nicht verwenden, sondern nur nebenbei üben, wie bereits gesagt.

Dass die Hanon Übungen schädlich sind, würde ich nicht sagen, es sei denn man führt sie falsch aus. Wichtig ist, dass die Hand immer locker bleibt. Überhaupt ist es falsch beim Klavier spielen Muskeln anzuspannen. So kann keine Sehnscheidenentzündung entstehen.
 
S

Siggi

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Es ist nur eine anreihung von technikübungen die man auch in normalen stücken erlernen kann.
Der Vorteil von Hanon - oder entsprechenden anderen Übungen - gegenüber dem Üben der Technik in normalen Stücken besteht darin, dass man sich völlig auf einen Punkt konzentrieren kann. Was im Einzelfall sinnvoll sein kann.


Bezüglich Sehnenscheidentzündungen und ähnlichen Schmerzen: Dadurch dass die Übungen so "einfach" sind, werden sie häufig nicht mit der erforderlichen Konzentration gespielt, und es passiert sehr leicht, dass die Hand oder das Handgelenk angespannt ist oder sich sonstige Fehler einschleichen. Was sich besonders heftig auswirkt, weil ja viele Wiederholungen gespielt und somit auch Fehler immer wiederholt werden. Wenn die Übungen korrekt ausgeführt werden, sollte es nicht zu Schmerzen kommen. Deshalb ist es gerade auch beim Hanon sinnvoll, dem Klavierlehrer vorzuspielen. Werden die Übungen nicht wirklich gut gemacht, sollte man sie sich lieber sparen.
 
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Wu Wei

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... Dass die Hanon Übungen schädlich sind, würde ich nicht sagen, es sei denn man führt sie falsch aus. ...
Und da scheint der Hase im Pfeffer zu liegen: Hanon selbst gibt ja wohl Spielanweisungen, die nach heutiger Erkenntnis unphysiologisch und damit schädlich sind. Das kann ins Auge gehen, wenn eine Anpassung durch den Lehrer fehlt.
 
S

Siggi

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Wu Wei,

habe bisher nur Übungen aus dem ersten Teil gemacht, im Widerspruch zu den Anweisungen Hanons waren die Instruktionen meiner Lehrerin bisher nicht.
 
 

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