Fuge Komponieren

Bzgl. des daraus kopierten Abschnitts über die Pausen...
Weiss nicht, ob du meine Fuge damit meinst,


Ich hatte das Zitat nur aufgeführt wegen dem "alles ist möglich..." was zeigt, daß Beethoven auch in Worten einen schrägen Humor hatte - nicht nur in seiner Musik :D

In dem Buch sind leider viele Notenbeispiele in einem komischen C-Schlüssel notiert (das c liegt dort, wo im Violinschlüssel das e ist - hab so einen Schlüssel noch nie gesehen)
 
Ok, alles klar - sich selber die Nase abbeißen geht ja vielleicht noch, wenn man ein künstliches Gebiß hat :D

Bzgl. des C-Schlüssels - das scheint ein variabler Schlüssel zu sein, das C liegt da wo die Spitze hinzeigt (glaube ich, bin mir aber nicht sicher). Z.B. die neu aufgetauchte Kopie von Bachs Choralfantasie hat auch so einen C-Schlüssel, und Bach hat viel damit geschrieben. Meine Orgellehrerin sagte, auch heute noch muss man in der Ausbildung zum A-Kirchenmusiker nach so einem Schlüssel spielen können :mad:
 
Ein klein wenig Nachhilfe: Der "komische" C-Schlüssel (c auf der ersten Linie) ist der Sopran-Schlüssel (c auf der zweiten Linie: Mezzosopran-, auf der dritten Linie: Alt-, auf der vierten Linie Tenorschlüssel).
Die Schlüssel sind alle variabel, nur benutzt man heute den G-Schlüssel und den F-Schlüssel nur noch als Violin- und Baßschlüssel. Die Variabilität ist der Sinn der Schlüssel. So gibt es z.B. den F-Schlüssel auch als Baritonschlüssel. Weitere Nachhilfe gibt's hier: http://www.dolmetsch.com/musictheory14.htm
 
Demnächst soll es eine Software geben, die Fugen im Stil von Bach schreiben kann: tonica fugata von capella-software. Das muss ja den Spaß am eigenen Komponieren nicht verderben und an Bach selbst wird's wohl auch nicht herankommen; andererseits ist das schon eine kleine Sensation.
Klaus Hansen
 
Nachdem ich hier immer wieder neue Beiträge lese, meldet sich ein kleines Gewissen, daß mich daran erinnert, meine fugatorische Müdigkeit zu überwinden. Es ist aber noch ziemlich klein...
 
Das Gewissensgefühl kommt mir irgendwie bekannt vor, Guendola...
 
Mir auch. Habe den Plan inzwischen fallengelassen, meine Fuge zum C-Kurs-Abschluss zu spielen. Die Stimmen liegen einfach zu hakelig für die Finger, was eben auch schon einiges zur fehlenden sanglichen Qualität der Stimmführung sagt.
Die persönliche Eitelkeit befriedige ich beim Dirigieren eines selbstgeschriebenen Chorals für 4-stimmigen Chor beim C-Kurs-Abschluss. :D
 
Ich muß sagen, mit 25 Seiten haben wir einen recht ordentlichen Beitrag zu diesem Forum geleistet ^^

Aber manche Dinge müssen halt reifen, bevor sie beendet werden. Ich glaube nicht, daß ich hier schon mein letztes Wort geschrieben habe.
 
Ich auch nicht.

Auch wenn ich derzeit nicht die Muße habe, an der Fuge großartig weiterzuarbeiten. Die Feinarbeit ist einfach die schwerste Arbeit und das Stück soll sich ruhig mal etwas setzen.
 
Hey
auch wenn das Thema jetzt schon ein wenig älter ist, wirds für mich jetzt erst interessant, weil ich als Facharbeit im Lk Musik eine Fuge komponieren muss;)..
die exposition habe ich soweit schon, und auch vom Aufbau der Fuge ist alles klar. Was jedoch meiner Meinung nach das schwierigste ist, damit eine Fuge wirklich "barock" klingt ist die Harmonik.
Meine Frage jetzt an euch: Kennt jemand ein Buch, in dem vielleicht etwas über barocke Harmonielehre drin steht oder ähnliches?
Ansonsten droht vermutlich die Gefahr, dass ich bevorzugt Kadenzharmonik verwende, was ja nicht wirklich typisch barock ist ;)..
schon einmal im vorhinein vielen dank!
lg Huitschifu
 

Hallo Huitschifu!

Fuge als Musik-Leistungskurs-Facharbeit? Finde ich klasse. Im übrigen ist in diesem Forum hier:
https://www.clavio.de/forum/theorie...n/5637-musik-facharbeit-fuge-komponieren.html
auch schon mal dasselbe angesprochen worden (Fuge als Musik-LK Facharbeit) mit Postings - kannst du dir ja auch mal ansehen. Ich finde es nur immer schade, wenn jemand mit sowas anfängt (wie in dem erwähnten Faden), und dann wird es nicht zu Ende geführt, und man weiss nicht, was draus geworden ist.

Zu deiner Frage bzgl. der Harmonik meine Anmerkungen:
1) wer sagt, dass die Fuge barock klingen muß? Ist das eine Auflage oder selbst gewählt? Weil, Fugen wurden auch in allen Stilepochen nach der Barockzeit komponiert, gerade von den Romantikern wie z.B. Mendelssohn oder später, Reger, gibt es wunderschöne Orgel- oder Gesangsfugen.

2) Es gibt ein leider ziemlich schwer zu lesendes (ok, gehe nur von mir aus) Harmonielehrbuch von Diether de la Motte "Harmonielehre". Dort werden alle Epochen abgegrast, auch die der Barockzeit.
Nur, in die Barockzeit fällt auch Bach. Und die Harmoniefortschreitungen von Bach sind an einigen Stellen auch für heutige Ohren noch wahnsinnig kühn. Manche Akkorde, wie z.B. Sept-Nonenakkorde, sind erst wieder in der Romantikzeit rausgekramt worden.

3) Kadenzharmonik ist doch nicht schlecht, und auch erstmal nicht "unbarock". :)

Also, ich würde an deiner Stelle darauf aufpassen, dass du die "schulmäßige" Form einer Fuge einhälst, wie Einsetzen des Themas in der nächsten Stimme eine Quinte höher, oder eine Quarte tiefer, möglichst sangliche Führung der Stimmen und strikte Vermeidung der wichtigsten Satzfehler, nämliche offene Quint- und Oktavparallelen zwischen allen Stimmen. Dann kann dir erstmal keiner ans Zeug flicken.

Bzgl. Harmonik, mach es doch so, dass du dir für dein gewähltes Thema eine Harmoniefolge zurechtlegst, z.B. für jede Viertelnote, und die notierst, und dann beim Fugenverlauf, wenn die Stimmen nacheinander einsetzen, deren Linie entsprechend deiner Harmoniefolge folgen lässt. Diese Harmoniefolge brauchst du dann nur für die Parts, wo man auf der Quintenstufe ist, entsprechend umzusetzen.

Setz doch am besten dein Fugenthema, und soweit wie du bist, hier rein, damit man drüber klönen kann, wenn du willst.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Erst einmal vielen Dank für die Antwort =).
Ja einerseits schon schade, aber ich weiß ehrlich gesagt auch nicht ob ich die Ausdauer hätte die Fuge komplett zu komponieren, wenn ich nicht den Druck hätte ;).
Dein angefügter Link hört ja auch etwas abrupt auf..
so, dann erstmal zu 1.): Die Fuge sollte schon im barocken Stil verfasst sein, da sie da nunmal unter J.S. Bach ihren Höhepunkt gefunden hat. Alles andere wäre auch mal vorsichtig ausgedrückt zu "einfach", da man natürlich viel mehr Freiheiten hätte. Zudem ist das natürlich nur ein Teil der Facharbeit, weil sie insgesamt so um die 15-20 Seiten haben muss - natürlich rein textlich.
Deshalb beginne ich auch mit der Entwicklung der Fuge bis hin zu Bach, dann mit den Regeln der Fuge im Allgemeinen, dann kommt eben meine Komposition, in der ich die Regeln auch beachten sollte^^, dann eine Analyse meiner eigenen Fuge und weils ja eine Art wissenschaftliche Arbeit sein soll natürlich auch Erklärungen dazu, warum ich was wie gemacht habe etc., und als Schluss werde ich dann glaube ich die weitere Entwicklung der Fuge über Romantik bis hin zur Moderne beschreiben ( also z.B. Hindemith mit "Ludus tonalis" usw.)...jep, soweit zur Theorie..
zu 2): Also mich kann nichts mehr abschrecken, da ich bereits ein Buch (wenn auch nict ganz ;)) namens "Gradus ad Parnassum" von J.F.Fuchs gelesen habe, welches in altdeutscher Schrift verfasst ist und die Kontrapunktik behandelt^^. Wer schon mal versucht hat, eine Fuge von Bach harmonisch zu analysieren, weiß glaub ich, dass das kein so leichtes Unterfangen ist, da eben noch "horizontal" und nicht "vertikal" gesehen komponiert wurde. D.h. ganz einfach, dass die Stimmführung deutlich wichtiger war, als als die Harmonieführung. Nicht dass jetzt jemand meint ich behaupte, dass Bach keine Harmonik verwendet hat, aber es ist halt schwer diese herauszufinden -.-.
Kadenzharmonik finde ich halt nicht so passend, da sie erst in der Klassik aufgrund der Dreiklangsbildung etc. erst richtig zur Geltung kommt.
Das ist jetzt eben auch mein einziges Problem. Von den Fugenregeln weiß ich glaub ich alles was es wert ist gewusst zu werden. Ich habe schon gefühlte tausend Fugen gespielt und 2000 analysiert ;).
Ja, soweit bin ich noch nicht. Ich habe bis jetzt erst einmal meinen Dux und den Comes. Und weil ich ein modulierendes Thema habe bin ich jetzt schon beinahe am verzweifeln wie ich von A-Dur wieder nach c-Moll komme, was meine Grundtonart ist :D...
Den Anfang könnte ich schon reinstellen, allerdings besitze ich kein Notenschreibprogramm^^.
lg Huitschifu
 
Und weil ich ein modulierendes Thema habe bin ich jetzt schon beinahe am verzweifeln wie ich von A-Dur wieder nach c-Moll komme, was meine Grundtonart ist :D...

Überzeugend ist doch immer wieder, wenn man vor Eintritt in die Grundtonart auf der Dominante landet, am besten als Dominantseptakkord. D.h., von G7 gäbe es kein Halten mehr, danach muss dann c kommen.
Vielleicht A -> D -> G7 -> c z.B.?

Den Anfang könnte ich schon reinstellen, allerdings besitze ich kein Notenschreibprogramm^^.

Nimm doch am besten Finale Notepad, dass gibts kostenlos zum Download und haben wir bisher alle hier im Fugenfaden oder woanders genommen:
http://www.klemm-music.de/coda/notepad/index.html
 
Ja, genau dieselbe Akkordfolge hab ich auch bereits im Visier gehabt. Allerdings klingt es nunmal nicht gerade sehr "bachfugenhaft" ;). Aber vermutlich kommts darauf an wie man das ganze praktisch umsetzt, sprich die äußere Hülle machts.
Wenn sonst noch jemand Interesse, Vorschläge etc. für dieses Thema hat würde ich mich natürlich sehr darüber freuen. Jedoch habe ich die Bitte mir das in einer privaten Nachricht mitzuteilen, da ich aus schulisch-rechtlichen Gründen vorziehe nichts weiteres hier öffentlich zu posten.
lg Huitschifu
 
Zitat von Huitschifu:
Und weil ich ein modulierendes Thema habe bin ich jetzt schon beinahe am verzweifeln wie ich von A-Dur wieder nach c-Moll komme, was meine Grundtonart ist ...
Zum Fugenkomponieren braucht man aber schon Modulationslehre, oder? ;)

Ein überzeugender Modulationsweg, mit dem man überall hin kommt, ist folgender: Man geht zunächst in einen Dv-Akkord. Der Basston dieses Dv liegt im Tritonusabstand zur Zieltonart (hier dis). Dann geht man einen Halton höher auf e und spielt darüber den Quart-Sext-Akkord der neuen Tonika. Bzw. man spielt die Dominante mit Quart-Sext-Vorhalt (ist ja das gleiche). Wenn man dann also die 6-4 zur 5-3 auflöst, hat man die Dominante zur Zieltonart. Dann geht man halt in die Zieltonart. Fertig. :D

Vlt ist ein modulierendes Thema etwas schwierig für den Anfang. Aber hast du mal geschaut, wie Bach mit seinen modulierenden Themen verfährt?

marcus
 
...Und weil ich ein modulierendes Thema habe bin ich jetzt schon beinahe am verzweifeln wie ich von A-Dur wieder nach c-Moll komme, was meine Grundtonart ist :D...

Versuch's mal mit dieser Modulation



Verlauf:



Tonika = A

Tonika-Sextakkord als Dominante zur Subdominante = A7/C#

Mollsubdominante in Form eines abgewandelten Neapolitaners (mit Quartvorhalt) - Bb/D

Verselbstständigter Neapolitaner als Dominante zur bIII Stufe der Zieltonart = Bb7

Dieser löst sich trugschlußmäßig auf in die Tonika (mit Sekund- und Quartvorhalt) der Zieltonart = C-

Danach kommt die bVI Stufe mit Subdominantmollfunktion = Ab6

Es wird abkadenziert in die Zieltonika, angefangen mit der kleinen verkürzten Doppeldominante = F#o7

Es folgt die Dominante der Zieltonart mit Quartvorhalt = G7sus4

Dann die Dominante der Zieltonart = G7

Und die Zieltonika = C-
 
Vielen Dank euch beiden, die Funktionsfolge werde ich mir auf jeden Fall für das weitere Stück merken, allerdings kann ich beide glaub ich nicht wirklich bei meinem jetzigen Problem anwenden. Wie gesagt habe ich erst Dux und Comes, lande dann in A-Dur und muss nach c-Moll. Man muss jetzt aber bedenken, dass die Fuge noch zweistimmig ist und es deshalb kein so leichtes Unterfangen wäre mit zwei Stimmen vierstimmige Akkorde zu bilden ;). Zudem kommt ja jetzt wieder der Dux in der Tonika, jedoch sollte es dann nur ein Binnenzwischenspiel sein, das meist nur ein/ zwei Takte dauert. Meine bisher beste Lösung, wenn sie auch nicht barock klingt ist folgende Bassführung: a-g-f-e-d-e-f-FIS-g (den Rhythmus natürlich außer Acht gelassen). Sie ist zwar primitiv, aber vielleicht kann man das ganze etwas schmackhafter machen, wenn man die obere Stimme ein paar interessante Sachen spielen lässt ;).
lg Huitschifu
 
Wer schon mal versucht hat, eine Fuge von Bach harmonisch zu analysieren, weiß glaub ich, dass das kein so leichtes Unterfangen ist, da eben noch "horizontal" und nicht "vertikal" gesehen komponiert wurde. D.h. ganz einfach, dass die Stimmführung deutlich wichtiger war, als als die Harmonieführung.

Also ich glaube schon, dass Bach eben sowohl horizontal als auch vertikal gedacht hat beim Komponieren. Die wunderschönen Harmoniefortschreitungen sind garantiert kein Zufallsprodukt, sonst würden sie nicht so "zwingend" und einleuchtend erscheinen. Das macht ja gerade die Faszination (zumindest bei mir) aus, diese wundervoll zwanglose Einheit von verschiedenen Stimmen, die zusammen von einer Harmonie in die andere schreiten.

In diesem Zusammenhang finde ich es auch sehr interessant, wie die UNVOLLENDETEN polyphonen Stücke bei Bach vom Notenbild her aussehen. Man könnte nämlich denken, wenn Bach vor allem "horizontal" gedacht hätte, dass er erstmal eine Stimme durchschreibt, dann die nächste dazu usw.
Hat er aber nicht, ich habe einige unvollendete polyphone Stücke gesehen, wo TAKTWEISE abgebrochen wurde, jeweils mitten in irgendwelchen Harmonielinien der einzelnen Stimmen. Ich habe kein abgebrochenes Stück gesehen, wo stimmenmäßig abgebrochen wurde. Wie könnte das passieren, wenn er nicht auch vertikal gedacht hätte? :!:
 
Nein, ich behaupte ja auch nicht, dass es keine Harmonik gegeben hätte. Aber wenn man jetzt Barock mit Klassik vergleicht steht im Barock die Melodieführung der einzelnen Stimmen im Vordergrund. Natürlich bilden die Stimmen zusammen auch Harmonien, bei den sich Bach natürlich was gedacht hat. Aber man kann diese Harmonik nicht mit unserer Kadenzharmonik vergleichen. Diese hat Bach lediglich am Schluss verwendet. Was ich eigentlich meine, ist dass es schwer ist die Harmonik zu bestimmen, weil es keine "festen" Punkte gibt, an denen das möglich wäre, weil Bach eben die Harmonien beinahe jede Note ändert ;).
 

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