Eigenhändiges "Kürzen" von Werken

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ag2410

Guest
Hallo!

Mein Schüler ist am musischen Gymnasium. Natürlich müssen sie Pflichtstücke üben, aber er weigert sich standhaft, klassische Musik zu spielen, was die dortige Lehrerin OK findet.
Nun spielt er Schönmehl, Einaudi und anderes.
Zur Zeit spielt er "Secrets" von Linnemann. Ich habe es vor etlichen Jahren mal selber gespielt, und war überrascht, daß es so kurz ist. Der Schüler meinte, die Lehrerin hat 2 Seiten dieses Stückes weggelassen, sie meint, das passt schon so.
In der Tat würde man beim Spielen nicht merken, das etwas fehlt. ABER:
Ich finde es fragwürdig, ein Werk eigenhändig zu kürzen weil es "schon passt". Dann sollte man das dem Schüler doch lieber gar nicht zum Spielen kopieren, oder? Es geht ja auch um den Respekt vor dem Komponisten und dem Werk, und um das, was man als Lehrer dem Schüler vorlebt. Sehe ich das zu eng?



Das Stück finde ich weder ansprechend noch atmosphärisch, das steht hier aber nicht zur Debatte.

 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Bei der Art von Musik* (TEY) kann man getrost kürzen, wenn man nichts wichtiges dabei weg nimmt.

* Mein persönlicher Eindruck: Das sind so die typischen Stücke, wo Themen nur deshalb wiederholt werden, damit das Stück auf Länge kommt, und nicht, um etwas auszudrücken.

Es geht ja auch um den Respekt vor dem Komponisten und dem Werk, und um das, was man als Lehrer dem Schüler vorlebt.
Bei wie vielen Werken lernen Schüler nur einen Teil, nur einen Satz?
 
40er

40er

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Heutzutage sagen eben die Schüler was Sache ist.

Auch muss heute alles abgekürzt werden was unangenehm erscheint und mit Mühe verbunden sein könnte, damit genug Zeit übrig bleibt um auf dem Handy rumknipsen zu können, in Facebook abhängen, möglichst früh am Tag mit dem Kiffen anfangen zu können, Gewaltspiele sich reinziehen zu können und den Rest vom Tag mit Schlafen oder sinnlosen Geldausgeben zu verbringen.

Im Ernst, ein musisches Gymnasium wo sich Schüler weigern können hat seinen Namen nicht verdient oder der Schüler hat das Gymnasium nicht verdient.
 
Bechsteinfreund

Bechsteinfreund

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Auch wenn es oft im Unterricht praktiziert wird, ich mag auch nicht das Erarbeiten nur einzelner Sätze oder gar Abschnitte. Zwar spiele ich gelegentlich auch mal nur Abschnitte oder einzelne Sätze, dann aber eher zum Verbessern des Blattspiels. Das sind dann eher Prima vista geeignete Passagen.
Wenn ein Werk von mir richtig erarbeitet wird, dann immer nur ganz. Damit musste ich immer mal wieder Stücke verschieben, bis ich mich bereit fühlte. Aber auch diese Vorfreude und das Hinarbeiten machen Spass und motivieren.
In die o.g. "Piano-Ballade" habe ich reingehört. Ich habe immer wieder vorgespult damit ich das Werk "begreifen" kann, aber nicht alles hören muss...
Da kann man bedenkenlos kürzen, an völlig beliebiger Stelle und eigentlich am besten so früh wie möglich...

LG
Bechsteinfreund
 
Rheinkultur

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Im Ernst, ein musisches Gymnasium wo sich Schüler weigern können hat seinen Namen nicht verdient oder der Schüler hat das Gymnasium nicht verdient.
Was ist das für eine Schule, wo der Schüler die ihm genehmen Unterrichtsinhalte vorgeben kann? Und was ist das für ein Schüler, der sich eine Schule mit musischem Schwerpunkt aussucht, obwohl er in diesem Bereich ungenügend interessiert und leistungsbereit ist? Das passt jedenfalls hinten und vorne nicht zusammen.

Bei Musikausbildung und Musizierpraxis gibt es eine grundlegende Unterscheidung: Es ist das Vorrecht des Amateurs und Hobbymusikanten, die theoretischen und praktischen Inhalte nur selektiv anzunehmen, allerdings stellt sich dann irgendwann eine Sinnfrage: Wozu sich überhaupt mit Musik abgeben, wenn das Interesse so gering ist, dass man kaum etwas Brauchbares mitnehmen kann? Denn die Lehrkraft ist zwar gehalten, mit guter und kompetenter Musikvermittlung Interesse zu wecken und zu erhalten - aber wo nichts ist, kann auch nichts geweckt und erhalten werden! Bei professionellen Ansätzen ist allerdings die Sachlage eine andere: Sie macht eine professionelle Einstellung und Leistungsbereitschaft zwingend erforderlich. Die Entscheidung für den Besuch eines musischen Gymnasiums führt bereits in den professionellen Bereich, da diese Schulform dazu qualifizieren soll, bei der späteren Berufswahl Betätigungsfelder anzusteuern, die mit dem Musizieren auf ambitioniertem Leistungsniveau verbunden sind oder sein können. Entweder stimmt diesbezüglich die Einstellung oder man entscheidet sich dann doch besser anders.

LG von Rheinkultur
 
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ag2410

Guest
Ich finde es eine interessante Einstellung, daß es für (professionelle) Musiker hier völlig OK ist, eine Originalkomposition einfach abzukürzen, weil sich ja eh alles wiederholt.
Dann kann man auch die "Aufforderung zum Tanz" von Weber kürzen, weil sich eh einiges wiederholt? Oder darf man das da nicht, weil das ja ein ernstzunehmender Künstler ist?
(Nein, ich würde das niemals tun, da ich dieses Klavierstück sehr schön finde, andere subjektiv vielleicht langweilig)
Wo zieht man die Grenze? Bei welchem Komponisten darf man kürzen, bei welchem nicht?
Wohlgemerkt: Ich kürze eine Sonate ja nicht, wenn ich bloß den ersten Satz lerne. Ich lasse ja vom ersten Satz nichts weg, ich spiele ihn komplett.
Ich finde, auch wenn eine ständige Wiederholung des Grundthemas stattfindet, hat man nicht das Recht, das Werk eines Komponisten willkürlich zu kürzen. Der Komponist hat sich trotz allem das Werk erarbeitet. Wenn es einem auch subjektiv langweilig vorkommt, sollte man wenigstens so ehrlich sein und dazu stehen, daß einem das Stück nicht gefällt, und es eben gar nicht spielen.


Ich habe den Eindruck, mein Schüler (9. Klasse) ist an das musische Gym gegangen, weil man da so schön Klavier spielen lernen kann. Was es im Endeffekt bedeutet, diese Schulform zu besuchen, haben wohl auch die Eltern nicht verstanden.
Er findet Sonaten doof, Klassik an sich doof, aber ich denke, das ist eine Schutzbehauptung, da er durch Faulheit nicht so gut spielt wie andere Klassenkameraden. Er muß sich jedes Stück, auch einfache, die ihm nicht gefallen(!), sehr mühsam erarbeiten, und die Bereitschaft, sich an Neues (Anspruchsvolleres) zu wagen, ist gleich 0.
Er hat sich "Comptine, d'un autre été" selber beigebracht... Also, er könnte, wenn er wollte!

Dass der Musiklehrer das aber so akzeptiert, ist gelinde gesagt seltsam.

LG Antje
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Also ich bin ja eher der Typ, der Werke eigenhändig verLÄNGERT....- deshalb halt' ich hier lieber mal meinen Mund...:schweigen::lol::lol::lol::teufel:
 
mick

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Ich gehe auch in die 9. Klasse eines musischen Gymnasiums. Bei uns käme dein Schüler damit niemals durch. Es gibt (zumindest in Bayern) einen Pflichtstückkatalog, und daraus muss man in jedem Schulhalbjahr zwei Stücke vortragen. Man kann eines dieser Stücke durch ein adäquates, anderes Werk ersetzen. Das muss allerdings vorher mit dem Musiklehrer abgestimmt sein - und bei uns werden in dem Fall nur Werke zugelassen, die im Anspruch deutlich über den Pflichtstücken liegen. Man kann selbstverständlich eine frühe Haydn-Sonate durch eine späte Beethoven-Sonate ersetzen, oder eine Chopin-Mazurka durch eine Transzendentaletüde von Liszt. Aber eine andere Haydn-Sonate oder eine andere Chopin-Mazurka wird schon nicht genehmigt, und TEY & Co. nie und nimmer. Wenn schon ein Pop-Stück, dann muss es aus dem Pflichtkatalog kommen.

Aber einen Tipp für deinen (faulen) Schüler habe ich: Lass ihn doch die Vexations von Satie spielen - da stehen Aufwand und Ertrag in einem perfekten Verhältnis: 10 Minuten üben -> 10 Stunden spielen! :-D

LG, Mick
 
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nils1

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Bei der Art von Musik* (TEY) kann man getrost kürzen, wenn man nichts wichtiges dabei weg nimmt.
Boahhhh..., *schnaub* *nachluftschnapp* *würg* *qualmschnaub* *ausohrblut* :bomb::bomb::bomb::bomb::bomb::bomb:

Wo ist die Moderation, die diesen kulturbanausischen, gefühllosen, abwertenden, magenzuckenden, bauchkrümmenden Schmierkram sofort löscht, den betreffenden User livebanned, sein Haus anzündet, ihm die Beine abschlägt und zusieht, wie er auf seinen blutigen Stümpfen herauskriecht????

HEEEEEEELP!!!! Moooooooooderation!!! :-D

:lol:
 

Dreiklang

Dreiklang

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Zum Stück: als Lehrer würde ich das dem Schüler vermutlich ausreden:schweigen:
___

Zum Kürzen/Bearbeiten/Verändern von Stücken ganz allgemein: meine Meinung: wenn man weiß, was man da tut, ist es okay.
(nicht besonders hilfreich, ich weiß)
 
LMG

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egal was man spielt: man spielt.

LG, Olli!
 
fisherman

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Für mein "privates" Spiel kürze ich, wo und wie es mir gefällt. ICH habe keine Verpflichtung, die Intention des Komponisten exakt umzusetzen. Bei Schülern eines MUSISCHEN Gym sehe ich das aber ganz anders - auch bei TEY.
 
 

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