Aber während ich nicht in Zweifel ziehen möchte, dass eine gute Klaviertastatur besser als eine schlechte Flügeltastatur sein mag, so zeichneten sich doch alle dort verfügbaren Flügeltastaturen durch eine herrliche Leichtigkeit aus, die den Klaviertastaturen so gänzlich fehlten... Ich bin erstaunt, wie groß der Unterschied doch ist.
Meiner bisherigen, ebenfalls natürlich eher laienhaften Erfahrung nach muss eine Flügelmechanik schon wahrhaft furchterregend schlecht (bzw. furchterregend schlecht reguliert) sein, um nicht beinahe zwangsweise leichtgängiger und vor allem "direkter" im Anschlag zu sein als eine Klaviermechanik. Ich war bisher einzig an einem großen Konzertklavier der bekannten Hamburger Manufaktur leidlich glücklich, habe aber auch dort die ganze Zeit unbewusst den Vergleich zum
Flügel gezogen, und selbst gegen den mittelprächtig regulierten und intonierten Hoffmann vom örtlichen Klavierhaus (tschechische "Billig-Marke" von Bechstein) vermochte es mich nicht vollends zu überzeugen.
4.) In der Haupthalle (mit Teppich) befand sich ein Klavier namens Boston UP118 (?), welches sowohl lautstärkemäßig als auch von der Tastatur nicht uninteressant war.
Boston-Klaviere sind eine preiswerte
Steinway-Marke. Wenn es bei den Klavieren genauso ist wie bei den Flügeln, werden sie in Japan von
Kawai nach Vorgaben von Steinway hergestellt. Es sind also durchaus Qualitätsinstrumente, da ich Kawai qualitativ (mindestens) in derselben Liga wie
Yamaha verorte (nur mit ganz anderer klanglicher Ausrichtung). Ich weiß nicht, ob ein Silentsystem bei Steinway Serie ist, ich glaube nicht... wird daher wohl ein billiges nachgerüstetes gewesen sein, und da würde ich jederzeit sagen: MIDI-Ausgang, Ivory oder Pianoteq (oder ganz sein lassen).
5.) Abgesehen von den Instrumenten im kleinen Nebenraum fand ich die meisten erstaunlicherweise nicht so laut wie befürchtet. Aber die Akustik einer geräumigen Verkaufshalle lässt sich wohl kaum aufs 28m²-Wohnzimmer übertragen. Folglich bin ich mit geringen Blessuren davongekommen (d.h. mein rechtes Ohr schmerzt jetzt gerade nur noch ein bißchen).
Direkt "leise" ist selbst ein kleiner Flügel nicht. Man kann ihn leise spielen, aber selbst ein kleiner, sanft intonierter Flügel hat recht kräftigen Dynamikumfang. Auch ein Klavier kann recht viel Unterschied zwischen pp(p) und ff(f) an den Tag legen... da bist du vermutlich durch langjähriges Digital-Spiel "versaut". Bei den Digis wird wegen der Beschränkungen der Lautsprecher der Dynamikumfang künstlich klein gehalten und ist meiner Info nach mindestens 10dB kleiner... das heißt, bei gleicher pp-Lautstärke ist ff deutlich leiser.
Das ist aber eigentlich ein Manko dieser Instrumente, keine echte Stärke, und je größer/besser das Digi ist, desto kleiner ist es normalerweise. Bei Stage- und Kompaktgeräten ist die Dynamik meist eher an kleinere Lautsprecher oder Bühneneinsatz angepasst, ich würde die daher am unteren Ende vermuten... vielleicht nicht mehr als 30-35 Dezibel. Bei einem Flügel beträgt der Unterschied zwischen "laut" und "leise" bis zu 50 Dezibel, das ist echt eine andere Hausnummer. Bei einem weich/warm/sanft intonierten Flügel oder einem Klavier immer noch bis zu 45dB, würde ich schätzen.