Digi-Weiterentwicklung: Anschlagsvielfalt bald digital erfasst?

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hanspetter

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Hallo!
Im letzten Jahr haben mir Kawai und Yamaha bestätigt, dass der uralte MIDI-Standard, also 128 verschiedene Lautstärken (jew. verkettet mit je einer Klangfarbe) immer noch gelte. (Auch die Vervielfachung dieses Werts wäre nicht zieführend!)
Habt Ihr Infos, dass dieser "tödliche" Nachteil der Digis, dass jede Lautstärkeabstufung mit genau einer Klangfarbe verknüpft ist, bald einer digitalen Erfassung der Feinheiten des traditionellen Klavieranschlags weicht?
Dank Euch H.
 
Andre73

Andre73

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Hi,

es gibt inzwischen auch High Res Midi mit 16.000 Stufen, aber das wird wohl nicht sehr oft genutzt.
Manche Digis nutzen es wohl intern, manche geben es auch nach draußen (Casio?) und Pianoteq z.B. unterstützt das auch etc. Aber oft genug gehen halt auch nur die 127.

Ob 127 Lautstärkestufen so tödlich ist, weiß ich nicht, für nen Superprofi evtl.? In Diskussionsthreads haben Leute das ausprobiert und konnten keinen Unterschiede feststellen. Ist wohl ähnlich gravierend wie 44 khz oder 96 khz und die vergoldeten Stecker, das gute Gefühl hört mit ;)

Tödlicher ist wohl eher, dass aus 127 Stufen in vielen Digis halt nur noch 10 Klangfarben oder so werden, die dann umgerechnet werden.

Bestimmt machst Du aber auch gleich selbst einen Vorschlag wie das alles besser wird ;)

Viele Grüße,
André
 
Bassplayer

Bassplayer

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Lachnit baut Tastaturen mit high Resolution Midi mit 4096 Stufen. Das in Verbindung mit phys. Modeling finde oder fände ich einen vielversprechenden Ansatz. Dann hätte man auch innerhalb eines Lautstärkenereichs relativ viel klangliche differenzierungsmöglichleit.
 
FünfTon

FünfTon

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Es sind übrigens bei MIDI 127 Stufen, nicht 128. Eine davon wird bei Digitalpianos für den stummen Anschlag genutzt, übrig bleiben dann 126. Diese Feinheit lassen wir für nachfolgende Betrachtung der Einfachheit halber aber mal unter den Tisch fallen.

2^7 = 128 Stufen sind mehr als ausreichend, denn ein Klavierspieler spielt nicht nur maximal eine Taste, sondern auch mal zehn gleichzeitig. Dadurch ergeben sich sich dann 2^(7*10) = 1.180.591.620.717.411.303.424 Gestaltungmöglichkeiten. Oben drauf kommt das Pedal, das weitere Entropie in die Gleichung einfügt. Selbst eine einstimmige Melodie mit simplem Begleitakkord kann auf einer Standard-MIDI-Tastatur in 268.435.456 (128*128*128*128) unterschiedlichen Weisen gespielt werden.

Fazit: Auf der Seite des Problems gibt es nichts mehr zu verbessern. Und wie Selbstspieler-Flügel demonstrieren, reicht die Auflösung von Standard-MIDI auch völlig aus.

Es ist vielmehr so, daß die digitalen Synthesizer nach wie vor nicht in der Lage sind, diese Vielzahl an Möglichkeiten klanglich darzustellen. Das schaffen nur akustische Instrumente mit MIDI-System. (Das sind strenggenommen auch Digitalpianos, nur eben mit elektromechanisch-akustischer Klangerzeugung.)
 
H

hanspetter

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Danke an alle! An FünTon: Kannst Du konkrete akustische Instrumente mit MIDI-System benennen? Danke H.
 
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Curby

Guest
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein gängiger Profi 127 kontrollierte Lautstärkestufen am richtigen Flügel spielen kann - geschweige denn, dass der gemeine Zuhörer diese unterscheiden kann.

Die Probleme von elektronischen Instrumenten liegen ganz wo anders.
 
bebob99

bebob99

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Habt Ihr Infos, dass dieser "tödliche" Nachteil der Digis, dass jede Lautstärkeabstufung mit genau einer Klangfarbe verknüpft ist, bald einer digitalen Erfassung der Feinheiten des traditionellen Klavieranschlags weicht?
Das "Problem" ist gar keines, weil Du hier zwei getrennte Dinge vermischst.
MIDI hat mit Klang erst einmal überhaupt nichts zu tun, sondern stellt lediglich fest, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Auslöser mit der Stärke X aufgetreten ist. Genauso wie wenn Du am Klavier auf eine Taste drückst.

Dass auf den Auslöser ein Geräusch folgt ist im Fall des Klaviers eine Frage von Hammer, Saiten, des Resonanzraums, usw. Im Fall von MIDI wird der Auslöser von einem Sound Modul in ein Geräusch übersetzt. Was dabei heraus kommt und mit welchen akustischen Eigenschaften es dann Dein Ohr schmeichelt ist die Entscheidung und das Können der Programmierer.

Ein und der selbe MIDI Datenstrom kann je nach Einstellung in einen Synthi Klang übersetzt werden, eine "Trompete", ein "Nintendo Klavier" oder eine Top of the Art Flügel Emulation mit allen Schikanen. Wenn das schlecht klingt, muss man das Sound Modul verbessern, nicht das MIDI Signal. Wenn das Klavier verstimmt ist werden ja auch die Saiten gestimmt und nicht die Tasten.

Mehr als 127 Stufen für die Auslöser Stärke machen bei einem Klavier Sound wahrscheinlich weniger aus als man meinen möchte. Dadurch dass jeder Ton grundsätzlich angeschlagen wir, also perkussiv klingt, kannst Du die relative Lautstärke jeweils nur mit dem vorangegangenen oder nachfolgenden Ton vergleichen. Das Ohr tut sich bei solchen Vergleichen sehr schwer. Auch sehr schnell angeschlagene Töne werden getrennt wahrgenommen.

Anders ist es, wenn Du mit einem MIDI Signal eine Violine oder Posaune klingen lassen sollst und den Ton sanft an und abschwellen lässt. Bei kontinuierlichen Tönen ist eine Stufe von 1/128 durchaus zu hören, gerade bei ganz leisen Tönen. Das nennt sich Quantisierungsrauschen und es sorgt dafür, dass leise Crescendi in Posaunen mit MIDI zu eckig klingen und dass Handy Fotos bei wenig Licht so verrauscht sind.
 
dilettant

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Sieht MIDI eigentlich auch beim Loslassen der Taste diese 127 Abstufungen vor? Wie mir erst in einem Workshop beigebracht wurde, macht es ja beim Klavier/Flügel durchaus einen Unterschied, wie schnell man eine Taste loslässt.

Ansonsten glaube ich auch, dass der größte Hebel für die Verbesserung von Digitalpianos nicht in der Abtastung der Taste liegt, sondern im Klang (keine Loops, bei stärkerem Anschlag nicht nur lauter werden, sondern auch das Obertonspektrum ändern).
 

Klavierretter

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Auch ein "schräges" Ende ist ein Ende... :-D
 
Häretiker

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Das verändert allerdings nicht den Klang des Tones, sondern ändert lediglich das Ende (schnell/langsam)
Kommt auf den Sound an. Mein Pianoexpander hat das Runterknallen der Dämpfer beim Rhodes emuliert, das hörte man und konnte es prima nutzen. Man konnte eine Fläche legen und mit rechts quasi eine Melodie herausschneiden, sehr schön dynamisch spielbar.

Relasevelocity hat schon mein Roland D70 (BJ 1990) gesendet, damit habe ich den Pianoexpander angesteuert.

Wie bei allen Dingen mit Midi:
kommt darauf an, was der Empfänger mit der Information macht.

Vielleicht gehen die Hersteller mal den Schritt und nutzen OSC.

Grüße
Häretiker
 
 

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