Die maßlose Orgelwelt

Ja, Synth und DAW geben maximale "Wandlungsfähigkeit" (ich finde, da stumpft man aber auch ab), Stromgitarre keine Ahnung. Klavier dagegen wirklich vergleichsweise wenig. Trotzdem in Relation zur Orgel sehr beliebt.
Bei vielen Register(-additionen) leidet auch schnell die Differenzierung, erst recht bei den heute manchmal doch recht langweiligen. Für einen bestimmten Schalldruckpegel/"Raumfüllung" ist das nicht notwendig, siehe Chororgeln von Cavaillé-Coll. "Quasi-Dubletten" gibt es auch schnell. Da braucht sich der heutige Orgelbau gar nicht sonderlich rühmen, wenn man das zB mit Bauten aus den 20ern vergleicht und den interessanten, oft halt leiseren Stimmen. Von den Preisen will ich gar nicht erst anfangen (und dazu: meist ist es halt doch mehr oder weniger Standard, eingekauft von den Zulieferern). Da kann ich an Bornefelds Gedanken zur "Dubletten-Vermeidung" nichts Schlechtes finden. Möglichst viel und überall vollständig ist nun wahrlich keine Kunst.

Auenkirche: wenn man mal überlegt, dass dieses Ding schon ewig unter Denkmalschutz steht, kann man davon ausgehen, dass auch bei den teuren bisherigen Umbauten Denkmalmittel flossen. Und nun soll viel davon ebenfalls mit diesen gigantischen Denkmalmitteln wieder rückgängig gemacht werden. Wer weiß, vielleicht kann man da sogar für einen schon wieder neuen Spieltisch Mittel rausnehmen, weil er "alt aussieht"? Au weia.

Zu Ulm: ich hatte mal angefragt, wie das nun war mit dem Denkmalschutz (das Werk wohl nicht*, aber doch wohl das Gehäuse). Wurde total abgeblockt, keine Auskunft. Muss mal schauen, ob ich Zeit finde, evtl. Regelungen rauszusuchen, ob ich als Bürger dieses Landes da nicht Recht auf Auskunft/Einsicht habe. Zu gerne hätte ich auch die OSV-Argumentation gesehen. Vielleicht muss Gott nun lauter gelobt werden können, um einen gültigen Gottesdienst abzuhalten. Lex Kirche halt - davon können Privatleute in "umständlichen" denkmalgeschützten Gebäuden nur träumen. In das damalige Gehäuse hätte man diese Vorlieben jedenfalls nicht reingekriegt. In der Ladach-Verkaufsanzeige las man übrigens so gar nichts von den angeblichen großen und unbehebbaren Problemen...

*: auch interessant: x Bornefeld-Dorforgeln, meist sehr ähnlich und äußerst bescheiden, wurden unter Denkmalschutz gestellt, bei den größeren aber kaum was (ich erinnere an Murrhardt, das sicher zurückzuführen gewesen wäre). Da fragt man sich schon, ob das vielleicht mit vermutetem Widerstand zu tun haben könnte. Mit Dorforganisten kann man das ja machen, bei "wichtigen Personen" an großen Stellen weniger...
 
Ja, Synth und DAW geben maximale "Wandlungsfähigkeit" (ich finde, da stumpft man aber auch ab)

Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst, aber gut.


Dann höre Dir doch mal an, was man alles so mit einer Stromgitarre machen kann. ;-)
Welche Pickups, welche Bodentreter, welcher Verstärker, welche Spieltechnik.

Übrigens habe ich mal Courtoit am Cello life gehört. Der hat Walking bass gespielt, geschreddert wie Hendrix und auch sonst ziemlich abgefahrene Sounds aus einem Cello (akustisch, nicht E-Cello, also ohne Effektgeräte) geholt.

Nee, im Ernst:
Ich verstehe einerseits, was Du meinst.
Andererseits im Detail auch wieder nicht.

Wenn ich höre, wieviele verschiedene Sounds alle aus einer Trompete kommen können, je nach Dämpfer, Spieltechnik und Co., wenn ich höre, was man alles mit einer Querflöte anstellen kann ... selbst mein Sopransax kann nach "Snake Charmer" klingen, wenn ich im oberen Register Gas gebe mit der entsprechenden Klangvorstellung ist es schon für eine Trompete gehalten worden. Man man halt Gestatungsmöglichkeiten über Hals, Zunge, Rachenraum, Ansatz ... und dann bin ich noch nicht bei Blättern und Mundstücken. Ich habe halt auch andere Möglichkeiten, Töne zu verbinden (viel Zunge, wneig Zunge, keine Zunge und dazwischen). Ich kann auf meinen Bari super kurz tiefe Töne knallen lassen, fas Slpat Tongue. Die Möglichkeiten habe ich bei einem Orgelregister nicht so direkt.

Wie schon gesagt: Sind halt andere Instrumente.

Aber wir sind ja hier, um über Orgeln zu meckern. :-)

Grüße
Häretiker
 
Meckern tut hier ja nur einer. Die anderen genießen diese enormen Geldausschüttungen bzw. -verbräuche. Z.B. bei dem "Örgelchen" (Zitat Pedall, iirc) im Ulmer Münster. Alles andere als notwendig - purer Luxus - für eine obszöne Summe. Wo das Geld ist, ist ja der Erfolg, oder?
Und wenn man sich sonst so umschaut, zB
Übernehmen die zuständigen Beamten-Leitungsfiguren da überhaupt irgendeine Verantwortung oder steuern gegen? Da hört man immer wenig - irgendwie sind ja gerade die hauptverantwortlich, dass sich die Kirchen binnen weniger Jahrzehnte dermaßen peinlich und unvorstellbar runtergewirtschaftet haben. Umso mehr können einem engagierte Leute vor Ort leidtun.
 
hat er aber selbst gekauft und nicht durch Spenden, Steuergelder o.ä. finanziert...

Ja, aber das war nicht die Aussage des Posters, wer das finanziert hat .... es wurde nur ein Preisvergleich zum Klavier gamacht. Die werden i.A. auch nicht aus Steuergeldern finfnaziert. habe ich jedenfalls nicht geschafft, unser Klavier haben wir selbst bezahlt.

Grüße
Häretiker
 
Vielleicht wird die Querflöte ja auch nach Polen verkauft (kann mir schon die Argumentation gegenüber dem Denkmalschutz vorstellen: "so bleibt die Orgel+Gehäuse als ganzes erhalten, wir hätten das und das ändern müssen"), wenn sich der musikalische Geschmack mal wieder ändert (und sich das ganze vielleicht eine Oktave tiefer abspielen soll)? Oder ist das eben doch ein Alleinstellungsmerkmal dieser "riesigen Prothese"? Ein "normaler Mensch" kann doch überhaupt nicht beurteilen, ob das nötig oder überhaupt vertretbar ist. Bei Kirchengemeinderäten bin ich mir auch nicht so sicher, auch wenn die hoffentlich Einblick in die Geheimpapiere der allmächtigen OSV bekommen. Da denken vielleicht so einige, dass das eine alternativlose Entscheidung war. Interessieren würde mich in solchen Fällen übrigens auch, ob die Leute, die das abnicken, selbst was dazu tun (Dekan zB 15% des Einkommens für 10 Jahre spenden, um mal ein Gefühl für die Summe zu bekommen, die da dahintersteckt. Wäre jedenfalls besser, als prof. Bettelbriefe an Unbeteiligte zu verschicken, wie es öfter geschieht). Bis zum Beweis des Gegenteil gehe ich übrigens davon aus, dass die Riegerin vielleicht ein Zehntel der Summe gekostet hat, die heute aufgewendet wird.
und: da darf man ja gespannt sein, wenn sich der "Geschmack" wieder ändert. Bei den heutigen sicherlich wesentlich solideren Gerätschaften bedarf es dann ja vielleicht richtig überzeugender Argumentation. Oder bis dahin ist das Geld alle oder die Sache abgewickelt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ein "normaler Mensch" kann doch überhaupt nicht beurteilen, ob das nötig oder überhaupt vertretbar ist.

Das ist wie bei vielen Dingen so: Dann muss die geldanfordende Stelle in der Lage sein, in kurzen klaren Worten erklären, was das soll. Transparenz.

Bis zum Beweis des Gegenteil gehe ich übrigens davon aus, dass die Riegerin vielleicht ein Zehntel der Summe gekostet hat, die heute aufgewendet wird.

Bis zum Beweis des Gegenteils kann ich viel annehmen. Vielleicht bist Du ein Reptiloid von der Innenerde!? ;-)


BTW: Wenn ich Querflöte eine Oktave tiefer spielen will, hole ich mir eine bassquerflöte. Mein Lehrer hat eine. Zusätzlich zu seiner 'normalen'. Deine Vergleiche hinken imer so schön ...

Grüße
Häretiker
 

Na, ich meinte damit, dass ich kein Instrument sonst kenne, das in kurzen Fristen (typische Wellenbewegungen mitsamt Überschwängen) so abhängig ist von Geschmacksfragen und entsprechend verändert wird. Habe ich da eine Wissenslücke?
Aber vielleicht müssen einem die Organisten dann ja auch richtig leid tun: die müssen dann ja plötzlich gigantisch gut sein auf dem superteuren Mobiliar - so im Vergleich zu Klavieren, Plastik- und Querflöten (aus Eigenmitteln angeschafft! das was die Kirchen immer mehr verlernen und vergessen...) - und Orgeln aus der Zeit der Orgelbewegung, auf denen man *alles* (mit teils großer Publikumsresonanz!) gespielt hat.
PS Auch von Theaterdonner oder Gesäusel kriegt man irgendwann genug - es geht halt doch nichts über Substanz, die überall gut klingt.
 
Na, ich meinte damit, dass ich kein Instrument sonst kenne, das in kurzen Fristen (typische Wellenbewegungen mitsamt Überschwängen) so abhängig ist von Geschmacksfragen und entsprechend verändert wird. Habe ich da eine Wissenslücke?

Synthesizer.
Analog ist wieder in.
FM ist wieder stark im kommen.
Mal sehen, was dann kommt. Physical Modelling 2.0?
Trend weg von der DAW ist auch so 'ne Mode.

Grüße
Häretiker
 
Da bin ich gerade drüber gestolpert, Thema OSV
Was wohl das genaue Problem ist?
Bemerkenswert jedenfalls die Diskrepanz der Beurteilungen zwischen den Sachverständigen (kennt jemand überhaupt einen Fall einer kritischen Abnahmebeurteilung und Forderung nach größerer Nachbesserung? In unserer superlativen Zeit heute ist ja erst recht immer alles ganz dolle). Und, dass man es überhaupt hat gerichtlich klären lassen. Da traue ich dem gerichtlich bestellten natürlich weit mehr (Orgelbaumeister, schätze ich). Das Gros der kirchlichen Sachverständigen dürfte schlicht unqualifiziert für diesen Job sein.
Auch da haben sicher wieder Laien über Jahre gezahlt - im guten Glauben, dass schon alles seine Richtigkeit hat.
Ach ja, MusikundTheologie hatte da doch was, interessant auch, dass man offensichtlich Korruptionsvermeidungsregelungen bis ins Detail braucht...
 
Synthesizer.
Analog ist wieder in.
FM ist wieder stark im kommen.
Mal sehen, was dann kommt. Physical Modelling 2.0?
Trend weg von der DAW ist auch so 'ne Mode.
Das mit dem Synthesizer verstehe ich nicht. Wo ist da eine große Änderung? Analog als Schallspeicherung ist auch nur der Haptik wegen wieder in (alles andere ist Einbildung, bzw. Schönempfinden von techn. Unzulänghlichkeiten, die man aber auch simulieren kann, wenn man will). Aber als Klangerzeugung? Wobei es was hätte, eine Übeorgel mit Sägezahngeneratoren aufzubauen (zum Klang-Abstrahieren), wollte ich mal machen, aber der Aufwand ist gigantisch.
FM? Also ich als HAM liebe eher SSB oder CW :)
 
Größere Glocken (Diskussionsmöglichkeiten) würde ich mir ja schon betr. OSV-Argumentationen in den Quasi-Geheimpapieren wünschen, wenn mal wieder ein Neubau fällig ist, der regelmäßig zu enormen Kosten führt, die zum allergrößten Teil von Laien getragen werden müssen, und sogar vom ungefragten Steuerzahler. Die OSV werden ja hoffentlich dazu stehen können, auch wenn dann öfter pure Geschmacksargumente (und Kantorenwünsche, die eher nicht in unsere Zeit passen) öffentlich werden würden bzw. manche Verschleierung aufflöge. Finde es ja ganz schön forsch, wenn da quasi einzelne Fachleute (meist ausgebildet über Learning-by-doing) dermaßen große Summen bewegen (nochmal: die Laien im KGR können das nicht wirklich beurteilen). Und bis mir einer das Gegenteil beweist: das war zu Orgelbewegungszeiten durchaus anders, da war man mit deutlich "weniger" zufrieden, was die Kreativität nicht behindert hat. Die kann man sich halt nicht kaufen.
Dass "die Kirche" großzügige 0,0 Prozent dazugibt (wenige Ausnahmen, die auch nicht immer begründet scheinen, bestätigen die Regel), daran hat man sich ja offensichtlich schon gewöhnt (ich verstehe es allerdings überhaupt nicht).
 
Kosten führt, die zum allergrößten Teil von Laien getragen werden müssen, und sogar vom ungefragten Steuerzahler.
Es ist doch völlig egal, wer die Kosten trägt.
Wird vom Steuerzahler (wie immer ungefragt) etwas abgezweigt: MartinH lamentiert.
Wird die Sache durch freiwillige Spenden finanziert: MartinH lamentiert.
Nimmt ein anonym bleiben wollender Großspender einen Batzen Geld in die Hand: MartinH lamentiert.

Um eine Bach-Toccata zu spielen, reicht es, eine gebrauchte Gitarre anzuschaffen. Das ist viel billiger und klingt daher viel schöner.
 

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