Der Kasper auf dem Klavierschemel – Bewegung beim Klavier spielen

Kulimanauke

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bei diesem Lang Lang Video hingegen glaube ich, dass diese Gestik absolut echt ist und nicht gespielt:
http://youtube.com/watch?v=yuiQ0Ihn8Go[/QUOTE]

Danke für den Link! Ich denke, daß war ein privates Video.

Hab mir gleich noch Lang Lang mit Li angesehen. Das hat mich umgehauen.

Kulimanauke
 
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Hacon

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Wenn du allerdings Konzentration darauf verschwenden musst, um derlei Sachen zu unterdrücken, wird dein Spiel darunter leiden. Wichtig sind nicht die Mittel, sondern nur was am Ende dabei herauskommt. Ich würde mich nicht beherrschen wollen.
Leider leidet dann tatsächlich auch der Ausdruck dieser Stellen darunter, wenn ich solche Sachen unterdrücke, aber nicht weil ich Konzentration aufs Unterdrücken verwende, sondern weil ich dann meinen Gefühlen nicht freihen Lauf lasse und die ja in ersten Linie für den Ausdruck verantwortlich sind.

Aber mal ehrlich: Ich kann doch nicht nachher beim Vorspiel vor 100-200 Leuten solche Bewegungen machen, oder mein Gesicht komisch verziehen.

Ich meine, bei nem Yundi Li ist es mir egal, wenn der sowas macht, weil mich sein Spiel einfach berührt, aber wenn ein Klavierschüler sowas macht, dann kommt das wahrscheinlich ehe hochnäßig rüber, manch einer wird wohl denken, dass das nur Schauspielerei ist und er nen Toppianisten spielen will.
 
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Windir

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Wenn man ein wenig mit dem Oberkörper mitgeht ist das ok aber wenn ich manchmal dieses Rumgezappel was am ende einfach nur gestellt aussieht sehe, dann finde ich das ziemlich affig und wenn sich das Publikum mehr von dem Gezappel des Pianisten beeindrucken lässt als von der Musik dann is das noch schlimmer... Lustig ist auch wenn der Pianist dann noch urkomische Grimassen schneidet um den Ausdruck noch mehr rüberzubringen, sieht einfach nur lächerlich aus am Ende...
 
Mindenblues

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Solange es für mich als Zuschauer und Zuhörer danach aussieht, dass die Bewegungen echt und nicht gespielt sind, sondern von Herzen kommen, ist alles erlaubt. Und ich denke schon, dass Bewegungen helfen können, Gefühle in die Tasten zu transportieren.

Ich habe einen begnadeten, aber sturzbesoffenen Boogie-Spieler aus Hamburg erlebt, der am Schluss an der Taste gewackelt hat, als ob er dadurch ein Vibrato rauskitzeln könnte. Geht natürlich nicht, Klavier ist kein Clavichord, aber auch das sah ehrlich aus. Und vielleicht - mit ein bisschen Einbildung - kam da ein klitzekleines Vibrato?
 
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Hacon

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Solange es für mich als Zuschauer und Zuhörer danach aussieht, dass die Bewegungen echt und nicht gespielt sind, sondern von Herzen kommen, ist alles erlaubt.
Meine Rede!
Und ich denke, als Zuschauer/hören merkt man, ob das nur Schauspielerei oder echt ist.

Und vielleicht - mit ein bisschen Einbildung - kam da ein klitzekleines Vibrato?
Genau das macht doch höchst professionelle Musik aus. Vieles ist da nur Einbildung. Das ist eben der Unterschied zwischen einem Hobby-und einem Toppianisten: Der Hobbypianist schafft es vielleicht, mit schönstem Ausdruck zu spielen, aber der Toppianist schafft es, Spannung zwischen zwei Tönen aufzubauen, ein Legato zu erzeugen, wo keins ist.
Das ist nunmal Einbildung; es sind halt Dinge, die man dann hört, die aber physikalisch nicht messbar sind.
 
Stilblüte

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Genau das macht doch höchst professionelle Musik aus. Vieles ist da nur Einbildung. Das ist eben der Unterschied zwischen einem Hobby-und einem Toppianisten: Der Hobbypianist schafft es vielleicht, mit schönstem Ausdruck zu spielen, aber der Toppianist schafft es, Spannung zwischen zwei Tönen aufzubauen, ein Legato zu erzeugen, wo keins ist.
Das ist nunmal Einbildung; es sind halt Dinge, die man dann hört, die aber physikalisch nicht messbar sind.
Bin ich blöd, wenn ich das jetzt nicht ganz verstehe? :confused:
Erklär mal genauer.
Ich bin längst kein Toppianist, aber ich bin durchaus in der Lage, Spannung zwischen Tönen aufzubauen.
Darin liegt meiner Ansicht nach ein großer Teil des "schönstem Ausdrucks" begründet.
Legato spielen, wo ich keines spiele, kann ich allerdings nicht, oder wie war das gemeint?! :p

EDIT:
Meinst du, an gewissen Stellen so spielen, dass es sich nach Legato anhört obwohl es technisch eigentlich unmöglich ist?
 
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Hacon

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Bin ich blöd, wenn ich das jetzt nicht ganz verstehe?
Erklär mal genauer.
Ich bin längst kein Toppianist, aber ich bin durchaus in der Lage, Spannung zwischen Tönen aufzubauen.
Darin liegt meiner Ansicht nach ein großer Teil des "schönstem Ausdrucks" begründet.
Legato spielen, wo ich keines spiele, kann ich allerdings nicht, oder wie war das gemeint?!

EDIT:
Meinst du, an gewissen Stellen so spielen, dass es sich nach Legato anhört obwohl es technisch eigentlich unmöglich ist?
Ich bin vielleicht der Falsche um das genau zu erklären, weil ichs selbst nicht draufhab, und nur versuche, es genau zu verstehen.

Du sagst, du bist durchaus in der Lage, Spannung zwischen zwei Tönen aufzubauen, und das glaube ich dir auch.
Aber wenn du zum Beispiel ein sogar technisch einfaches Stück spielst, und das musikalisch richtig draufhast, dann aber in ein Konzert gehst und ein Pianist das vorspielt, wird es dir mit Sicherheit besser gefallen, du wirst dich vielleicht manchmal nicht mal trauen zu atmen.
Ich denke mal, da du wahrscheinlich schon auf klassischen Konzerten warst, kannst du das nachvollziehen.

Das mit der Spannung nichts, was ich mir selbst ausgedacht habe;), ich habe eben nur versucht, wiederzugeben, was ich neulich in einem Interview mit Bernd Goetzke gehört habe.

Vielleicht könnte das ja mal einer der Fachleute hier besser als ich erklären, ich habs nämlich selbst nicht richtig kapiert.

Legato spielen, wo ich keines spiele, kann ich allerdings nicht, oder wie war das gemeint?!

EDIT:
Meinst du, an gewissen Stellen so spielen, dass es sich nach Legato anhört obwohl es technisch eigentlich unmöglich ist?
Nein, so hab ichs nicht gemeint.
Das ist übrigens auch wieder so eine Aussage, die man immer wieder hört.
Es geht irgenwie darum, dass ein Ton, den du einmal angeschlagen hast, nicht mehr verändert werden kann.
Mit der Stimme kannst den selben Ton noch weiter verändern, beim Klavier wird der Ton leiser.
Deshalb ist es schwierig, eine Melodielinie so zu gestalten, wie ein Sänger es kann.
Das ist auch der Grund, warum manche Pianisten - Gould, Stadtfeld- schon auch mal mitsingen. Es geht eben darum, eine Illusion zu erzeugen.

Barenboim hat zum Beispiel in einem Meisterkurs erzählt, dass er mit 14 Horowitz vorgespielt hat. Letzterer hat ihm dann folgenden Tipp mitgegeben:
Ein Crescendo kann man nicht erzeugen, indem man nur lauter wird, es geht nicht nur auf mechanischem Wege. Sondern man muss innerlich hören, wie es lauter wird.

Wahrscheinlich habe dich jetzt nur noch mehr verwirrt, aber ich hoffe, dass das vielleicht noch mal jemand erklären kann, ders besser versteht, als ich.
 
Stilblüte

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Mit der Spannung meinst du sicherlich das, was schon im Thread "wie begeistere ich ein Publikum" angesprochen wurde.
Eben dieses bannen des Publikums; keiner wagt mehr zu atmen, wie du sagst.
Um das zu können, muss man aber kein Toppianist sein;
Ich würde eher anders herum sagen, man kann nur Toppianist werden, wenn man es kann. Es gibt wohl eher wenige Pianisten, bei denen die Zuhörer während einem Stück anfangen, sich zu unterhalten.

Und das mit der inneren Vorstellung sehe ich so:
Spiel mal ein mehrstimmiges Stück von Bach, ohne besonders auf die einzelnen Stimmen zu achten.
Jetzt spielst du es nochmal und hörst auf die Einsätze.
Dadurch, dass du sie hörst und dir vorstellst, hört sie auch das Publikum.
Ich vermute, das ist damit gemeint - nicht nur den Fingern strikte Anweisung geben, sondern alles, was man tut, auch innerlich spüren.
Sonst hört man nicht ;)
 
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Hacon

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Ich vermute, das ist damit gemeint - nicht nur den Fingern strikte Anweisung geben, sondern alles, was man tut, auch innerlich spüren.
Genau das meine ich.

Aber mal ehrlich: Was, wenn nicht die Fähigkeit, eine enorme Spannung zwischen jedem einzelnen Ton, und einen Spannungsbogen, der das ganze Stück umfasst, macht denn bitte sonst einen Toppianisten aus?
 
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