Debussy "Canope" (Prélude 10/II)

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Habe tatsächlich auch mal ne Frage, und zwar an Debussy Kenner/Experten resp. an alle, die Ausgaben der Préludes Band II haben:

Ich spiele gerade Prélude Nr. 10 Band II "Canope".

Ich spiele aus der Wiener Urtext Ausgabe. In Takt 18 kommt auf den 1. Viertel ein Vorschlagdoppelgriff (f1-c1), dann eine ganze Doppelgriffnote (es1-h).

Es geht um die obere Note, in meiner Ausgabe ein es1.

Walter Gieseking spielt in seiner Aufnahme von 1954 dort kein es1, sondern ein e1.
In der Könemann Ausgabe steht auch e1.

Nun ist es ja so, dass die Debussyforschung einiges zutage gebracht hat.
Bei Nr. 5 "Bruyères" ist ja zB eine ganze Quinte neu dazugekommen, die in früheren Ausgaben nicht da war (T45 3. Viertel as-des)...
Andererseits sollte Wiener Urtext doch genau sein.

Fragen zu Nr. 10 "Canope":

1) an alle: WER hat es in seiner Ausgabe WIE (e1 oder es1)?
WELCHE Ausgabe habt ihr?

2) an die Pianisten/Lehrer: Falls ihr es schon in Konzerten, Prüfungen etc gespielt habt: WAS habt ihr gespielt?
Oder falls eure Schüler/Studenten das gespielt haben: WAS habt ihr mit ihnen abgemacht? (e1 oder es1?)


Danke!
 
J

J. Gedan

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In Takt 17 findet man in den Vorschlagnoten ein es3 und es2. Nach üblicher Notation sollte dann in Takt 18 eigentlich ein Auflösungszeichen als Warnvorzeichen stehen, wenn die Hauptnote ein e1 sein sollte. In der Original-Ausgabe von Durand gibt es aber weder das Warnvorzeichen noch ein Erniedrigungszeichen, so daß kaum zu entscheiden ist, welches von beiden womöglich fehlt. Analog zu Takt 20 müßte es eigentlich es1 heißen, dann hätte man in Takt 18 denselben Akkord wie in Takt 20 um 1 Ton transponiert. Da aber der Vorschlag in Takt 18 eine reine Quarte, in Takt 20 eine verminderte Quarte ist, also die Vorschläge mit Sicherheit verschieden sind, ist kaum zu entscheiden, ob der Analogie-Schluß naheliegend ist und die Hauptnoten denselben Akkorden bilden sollen.

Ich kenne nur die Durand-Ausgabe. Wenn im Wiener Urtext kein Revisions-Bericht zu finden ist, dann hilft vielleicht der Revisionsbericht von Henle weiter, auf Henles Website frei herunterladbar, denn dort findet man:

X. Canope
13 o: In A statt Triole f 2–e2–es2 zwei Achtel f 2–e2.
18 m: b vor e1 nur in HE; h vor h fehlt in A.
24 m: h vor c2 nur in HE.

("HE" = Debussy's Handexemplar der Erstausgabe, in der Debussy demnach das b vor e1 nachgetragen hat; "A" = Autograph)
 
 

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