Czernys Erster Lehrmeister | Anfängerfragen

  • Ersteller des Themas Greg Ory
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Greg Ory

Greg Ory

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Guten Tag!

ich bin dabei, den Ersten Lehrmeister von Czerny zu üben, und zwar wirklich eine Übung nach der anderen. Es stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, eine Übung zu wechseln, bzw. wann man wissen kann, dass man "gut" spielt.

Soll ich dieselbe Übung spielen, bis ich den Eindruck habe, ich spiele sie einwandfrei, und erst dann mit der nächsten Übung anfangen? Oder soll ich mehrere gleichzeitig spielen? Soll ich eine Übung anfangen, wenn ich den Eindruck habe, ich spiele die vorhergehende Übung noch nicht ganz perfekt?

Und ist Perfektion das, was ich hier erstreben soll? Oder ist der Sinn dieser Übungen nur, die Finger auf andere Stücke vorzubereiten, so dass man sich nicht viele Gedanken um Perfektion machen sollte? Ich bin manchmal eher pingelig. Aber wann "reicht" es?

Meine Methode ist so: Ich fange jetzt eine Übung an. Mein Ziel ist, sie dann pro Sitzung zehnmal zu spielen, wobei ich nicht in der Lage bin, eine neue Übung gleich zehnmal zu spielen. Bei mir kommt das nur mit der Zeit. Wenn ich dann durch zehn Sitzungen dieselbe Übung zehnmal ohne Fehler spiele, dann denke ich, das ist "gut".

Aber dann, wenn ich nach einem Monat die Übung wieder versuche, mache ich schon wieder Fehler. Wie soll ich das beurteilen? Habe ich also die Übung nicht richtig gelernt? Manchmal frustriert mich das. Sonst spiele diese Czerny-übungen ganz gerne. Ich bin jetzt bei Übung 47.

Ich finde auch, gemessen an dem, was sich heute als Anfängerübungen verkauft, ist Czernys "Erster Lehrmeister" eher anspruchsvoll, der Titel klingt schon fast ironisch.

Na ja, das sind eben meine Fragen, vielleicht habt ihr ein paar Tipps für mich. Danke und beste Grüße,

Greg Ory
 
Demian

Demian

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Grundsätzlich empfiehlt es sich, Übungen wie z.B. Czerny nicht als Stücke zu betrachten, die man nach einer gewissen Zeit des Übens abschließt. Sinnvoll ist es, sich ein kleines Repertoire solcher Übungen draufzuschaffen und sie eine Weile zu spielen, bis man selbst oder der Klavierlehrer erkennt, dass der Kern der jeweiligen Übung verinnerlicht ist. Dann kommen neue Übungen dran, zu den vorigen sollte man aber immer mal wieder zurückkehren. Damit hält man sich am Klavier fit (wenn man denn wirklich solche Sachen spielen will).
 
Greg Ory

Greg Ory

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Danke für die Antworten!
@Ferdinand, vielen Dank für die Aufnahmen! Mensch, der spielt das wunderschön. Sein Tempo ist definitiv schneller als meins, aber vielleicht kann ich das auch versuchen. Wie er Nr. 45 spielt, das ist wirklich schön!
@Bavaria blu, ja, KL wäre toll, in meiner Gegend aber schwer zu finden, und Corona macht das noch schwieriger.
@Demian, tolle Einsichten! Auf die Stücke wiederzukommen ist ganz wichtig. Mir geht es in der Tag darum, nur ein bisschen fit zu bleiben. Ich wählte Czerny nicht aus ästhetitschen Gründen, aber je mehr ich seine Stücke spiele, desto mehr respektiere ich sie.

Mit dem ersten Lehrmeister wird es langsam zu einer inneren Beziehung. Der Weg ist schon zum Ziel geworden, und ich fühle mich wohl dabei.
 
J. S. Schwach

J. S. Schwach

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Aber dann, wenn ich nach einem Monat die Übung wieder versuche, mache ich schon wieder Fehler. Wie soll ich das beurteilen? Habe ich also die Übung nicht richtig gelernt?
Stücke sind keine Gedichte, die man auswendig lernt, um sie zu rezitieren. Du machst die Fehler nach der Zeit, weil du dich auf dein verblassendes Muskelgedächtnis verlässt, anstatt die Noten zu lesen. Das ist nicht verwunderlich und vollkommen normal, Blattspiel ist eine Fähigkeit, die man sich stückchenweise in Jahren erwirbt.

Im Übrigen halte ich Fehlerfreiheit per se nicht für ein Kriterium. Wenn du die Tasten triffst, aber den Rhythmus nicht oder den Vortrag ignorierst, ist nichts gewonnen. Es bringt mich auch pianistisch nicht weiter, alles vortragsreif ins Muskelgedächtnis zu prügeln.
 
 

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