Chopin: Préludes op.28

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AlCoFa

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Hallo Ihr,

ich habe mir mal eben eine meiner unzähligen zu Wehnachten ergatterten CDs angehört: Martha Argerich mit den Préludes op.28, den beiden anderen préludes und der Sonate b-moll von Chopin.
Besonders angetan war ich von den Préludes fis-moll, cis-moll, b-moll, es-moll und ganz besonders dem in d-moll :-D
Nun ist meine Frage: Die Préludes hören sich sehr, sehr, sehr kompliziert an, sind sie das auch oder...?
Könnte ja sein, dass jemand von Euch Erfahrung mit diesen Stücken hat, so fände ich es sehr nett, wenn mir derjenige eine Antwort auf meine Frage geben könnte :)

Mit greundlichen Früßen...ähm... freundlichen Grüßen,

Alex
 
A

AlCoFa

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Ich glaube sogar, dass grade die sehr kurzen Préludes(unter einer Minute, ja gar unter 30 Sekunden) die schwierigsten sind, weil die meistens so WAHNSINNIG schnell sind ;)
 
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Rajschaa

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Ich habe einige Préludes davon gespielt. Einige sind nicht besonders schwierig, wie zum Beispiel mein liebstes Stück, die Prélude e-moll. übrigens die Nr.4 auf der CD von Marha Agerich.
 
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AlCoFa

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Ja, genau. Also die Argerich-CD kann ich ja mittlerweile auswendig. Gespielt habe ich aber vorher schon die Nummer 4(e-moll), die Nummer 7(A-Dur) und die Nummer 20(c-moll). Das sind die einfachsten, aber meine liebsten Préludes habe ich ja in meinem Eröffnungsbeitrag gepostet ;-)
 
S

shia

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Ich spiele gerade die 4. in e... wirklich schön aber einige akkorde :x da geraten meine eingerosteten finger schon mal inschwierigkeiten...
 
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AlCoFa

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Besonders die Akkorde, die kommen, wenn das Stück kurz vor dem Schluss ins Forte gerät, da vergreif' ich mich sehr oft...
 
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manaus

Guest
Jetzt hab ich mal ne allgemeine Frage zu den Préludes:
Findet ihr nicht auch, dass über diese 24 ( 25 ) Préludes viel zu wenig gesprochen bzw. gespielt wird und viel zu sehr im Hintergrund sind, jetzt mal im Vergleich zu seinen Etüden, die ja jeder irgendwie spielen möchte!!
Also ich muss sagen, mir haben die Préludes sehr angetan gerade weil sie zum Teil sehr kurz aber halt auch manche sehr schwierig sind. Einzeln klingen viele gar nicht schön, finde ich, erst im kompletten Studium merkt man erst was Chopin hier für ein Meisterwerk komponiert hat. Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit diesen wunderschönen Werken!!

Wollt ich einfach mal so sagen, mal gespannt was ihr denkt!

Liebe Grüße, manaus:-)
 
Meckie

Meckie

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Hallo manaus,
auch ich bin ein Fan von den Chopin-Préludes. Ich habe mir kürzlich eine CD von Rafal Blechacz angeschafft. Spielen kann ich bisher aber nur eine davon (28 No.7).
Gruß
Meckie
 
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Hacon

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Hallo manaus,
auch ich bin ein Fan von den Chopin-Préludes. Ich habe mir kürzlich eine CD von Rafal Blechacz angeschafft. Spielen kann ich bisher aber nur eine davon (28 No.7).
Gruß
Meckie
Hey Meckie, hab genau dieselbe CD zu Weihnachten bekommen:p
Find den Kerl einfach nur genial:D. Is vor allem mal einer, der nicht mit Technik angibt , oder nur Show macht.
 
Pitt

Pitt

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Die Chopin Préludes sind echt tolle Stücke, hab auch endlich mal die kompletten Noten auf Weihnachten geschenkt bekommen.

Mein derzeitiger Favorit ist die Nummer 6, hier in meiner Lieblingsinterpretation von Pollini: Klick. Traumhaft...
 

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Hacon

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pegatom

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@Meckie
@Hacon

Hallo,
hab die Preludes-CD von Blechacz schon seit April 2008 und eine Zeit lang war sie mein Dauerbrenner. Blechacz spielt mit solcher Souveräneität, dass sich viele der "Grossen" verstecken müssen.

Interessant ist ein Vergleich von Op.28-16 in den Versionen von Blechacz und Rubinstein. Da lässt sich erst so richtig erkennen, mit welch spielerischer Leichtigkeit Blechacz unterwegs ist. Rubinstein kommt bei dieser Nummer wirklich sehr schlecht weg, die linke Hand macht nicht mit....

Muss euch auch dringend die CD "Sonatas" von Blechacz empfehlen (Haydn, Mozart, Beethoven). Rafal Blechacz ist für mich der personifizierte Traum technischer Brillanz. Allerdings ist sein Landsmann Krystian Zimerman in Sachen Chopin (und nicht nur dort) nicht umsonst sein grosses Vorbild.

LG,
pegatom
 
rolf

rolf

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...da muss ich passen... da bin ich vermutlich total vernagelt...

Natürlich, einzelne aus der Sammlung sind hinreissend, z.B. liebe ich das in As-Dur (armer Mendelsohn, SO ein Lied ohne Worte hat er nie hingekriegt... ok, das klingt ketzerisch, aber wo nötig, beweise ich es gerne), das in c-Moll ist vorweggenommene "minimal art", klar ist das in d-Moll eine echte Wucht!!!

Was ich meine ist: ich habe bis heute nicht begreifen können, warum man die 24 Preludes als "Zyklus" wahrzunehmen vorgibt - zyklisch sind diese Stücke, so weit ich es erkennen kann, nur im Sinne des Quintenzirkels... Unter "Zyklen" verstehe ich zusammengehörende Stücke, wie die Kinderszenen, Karneval, oder Bilder einer Ausstellung (ok, ich halte die beiden Etüdenbände auch nicht für "Zyklen" und halte es für wenig erbaulich, einen kompletten band davon im Konzert zu spielen) --- ich glaube auch nicht, dass Chopin sie als Zyklus a la Schumann komponiert hat, sie sind eher doch Einzelstücke wie die Mazurken (ok, da gibt es gelegentlich Zusammenstellungen, die man fast als "polnische Sonate" bezeichnen könnte), aber die Frage ist: wollte Chopin das? Hat er das wirklich und nachweislich zyklisch intendiert???

Aber die Möglichkeit, dass ich den inneren Zusammenhang in op.28 einfach noch nicht begreife, will ich nicht in Abrede stellen.

Ob ich hier lernen werde, die Preludes zyklisch begreifen zu können? DAS würde mich SEHR FREUEN!!!

gespielt habe ich alle mal, manche (Es-Dur, b-Moll, d-Moll) sind quasi verkappte Etüden, d.h. sie exerzieren ein manuelles Problem, und das tun sie auf hohem Etüdenniveau; manche sind eigentlich geniale Nocturnes (die zu recht berühmten Regentropfen Des-Dur) - manche sind ewig rätselhafte, sphinxartige Musik (C-Dur, a-Moll, es-Moll): ich bin überzeugt, dass Schumann die beste Charakterisierung der Preludes verfasst hat: "Adlerfittiche, Skizzen" usw.

...faszinierend finde ich sie dennoch, und irgendwie kann ich 24 Preludes von Chopin eher ertragen, als irgendeine Preludes-Sammlung von Rachmaninov, Skrjabin oder Debussy (auch wenn man mich steinigt: die drei letzten sind keine Zyklen) - und gelungener als Liszts ermüdenden Wanderjahre sind sie aicher auch (beim Liszt gibt es in diesen Sammlungen fantastische Einzelstücke, aber selbst mir Lisztfan graust, wenn ich mehr als eine halbe Stunde Wanderjahre am Stück hören muss...9

Sphinxen, rätselhaft, unnahbar, unbegreiflich, wunderschön

mehr fällt mir momentan zu op.28 nicht ein (halt: natürlich ist das eine irgendwie doch epochale, will sagen Schule machende Sammlung - entweder echte Zyklen a la Schumann, oder eben eine Sammlung a la Chopin)
 
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Michaelbyt2tz

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die Preludes

Na ja so unbekannt sind sie wohl auch wieder nicht, es müßte eigentlich jeder seriöse Klavierschüler einige davon eingelernt haben, nicht nur die langsamen, aber schön sind sie alle.
 
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Yannick

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ich find in diesem "zyklus" vorallem die mollstücke sehr interessante, ich glaub meine lieblinge sind nr 10, 16, und 18 sagenhaft! aber vielleicht liegts auch am pianisten?
*schleichwerbung*alexandre tharaud!
 
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AlCoFa

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Hui, jetzt war ich ja beinahe zwei Jahre abstinent... :eek:

Ob ich hier lernen werde, die Preludes zyklisch begreifen zu können? DAS würde mich SEHR FREUEN!!!
Die Préludes sind jedenfalls kein Zyklus im logisch-stringenten oder kontextual nachvollziehbaren Sinne.
Wie du bereits sagtest, durchlaufen sie alle Tonarten, nicht chromatisch, sondern im Quintenzirkel, wobei auf die Dur-Tonart immer die Mollparallele folgt.
Darüberhinaus steht jedes Prélude, was den Ausdruck und das Tempo angeht, im deutlichen Kontrast zum folgenden; so folgt Lento auf Agitato oder Allegretto auf Presto con fuoco.
Jedes Prélude ist im Grunde - da ja das chopin'sche Prélude grundverschieden zum bach'schen "Vorspiel"-Präludium sich verhält - ein eigenständiges Werk, ein Gedicht, eine Geschichte, wie auch immer man es sieht. Aber ich denke, erst in ihrer Gesamtheit geben die Préludes das gesamte Ausdrucks- und Klangspektrum wieder, das sich durch Musik erfahren lässt. Jürgen Lotz schreibt dazu in seiner Chopin-Biografie: "Und so weiten sich diese Miniaturen erst in der geschlossenen Darstellung zu jenem Panorama musikalisch ausgestellter Emotionalität, das die romantische Klavierliteratur um ein Meisterwerk bereichert."

Die Préludes schließen in ihrer Gesamtheit also mehrere Kreise zugleich: den Quintenzirkel, das Tempo in all seiner Vielfalt und nicht zuletzt: das unvorstellbar große emotionale Ausdrucksvolumen, das Chopin durch die Musik ausschöpft. Es ist viel weniger ein Kreis, der dort endet, wo er aufhört, sondern viel mehr ein Kreis, der mal dort und mal dort angesetzt wird und schlussendlich seine 360° dennoch voll entfaltet. :)

Ich hoffe, damit lassen sich die Préludes etwas besser als Zyklus verstehen; nicht im pragmatischen, viel eher im ideellen Sinne, den Pragmatismus halte ich bei Chopin für relativ weit hergeholt. :D
 
rolf

rolf

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Die Préludes sind jedenfalls kein Zyklus im logisch-stringenten oder kontextual nachvollziehbaren Sinne.
hallo,

bis hierhin bin ich auch gelangt :)

Die Frage ist, in welchem Sinne dann?

Ich finde die Deutung der Preludes als (auch, nicht nur) Bezugnahme zu Bach im Sinne von Nähe und Entfernung hoch interessant - Du findest hier https://www.clavio.de/forum/workshops/6198-frederic-chopin-page-rankingeludes-op-28-a.html gegen Ende des Fadens zu diesem Thema einiges.

In jedem Sinne sind die Preludes op.28 ein epochales Werk - mal salopp gesagt, sind sie der Auslöser für eine "Preludes-Flut" (Rachmaninov, Skrjabin u.v.a) - aber erstaunlicherweise hatten spätere Komponisten überwiegend nicht den Komplettierungszwang des Quintenzirkels verwendet, was man so interpretieren kann, dass ihnen diese Vollständigkeit als nicht relevant erschien. Freilich sind die Preludes von z.B. Skrjabin nun auch wirklich keine Zyklen - sie sind einzelne schöne Klavierstücke.

Als Kompendium romantischer Expressivität? Das wäre ein Ansatz, aber nur einer von mehreren - da bleibt immer noch der Bezug zu Bach, aber auch der Bezug auf die typisch romantische Sammlung von Skizzen (gibt es sowohl in der Malerei, als auch in der Literatur - Schumann deutet die Preludes ja in diese Richtung)

Die "Sammlung" op.28 ist meiner Ansicht nach seh vielschichtig - das gerade macht sie ja auch epochal und folgenreich in verschiedene Richtungen (Reger z.B. mit seinen "bunten Blättern"). Trotzdem überzeugt mich all das noch nicht von der zwingenden Notwendigkeit, op.28 komplett hören oder aufführen zu müssen. Dazu ist mir dieser vermeintliche "Zyklus" zu offen, zu unzyklisch.

24 charakterlich stets kontrastierende, mehr oder weniger kurze Klavierstücke...

Ich hoffe, dass sich dieser Faden hier beleben und Denkanstöße geben wird.

Gruß, Rolf
 
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AlCoFa

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In einem irrationalen Sinne, denke ich. In einem völlig unpragmatischen und - im Gegensatz zu Bach, dem ich dies schon zuschreiben möchte - gar nicht funktionalen Sinne.
Ein Zyklus? Ja, sicherlich. Aber zyklisch zu verstehen? Nein, niemals; und die Erklärung liefert dabei der von dir verwendete Begriff:
Das ist jedenfalls der Ansatz, den ich vertrete und den ich für den sinnigsten halte. Ein Kreis, dessen 360° durch emotionale, psychische Umstände sich ausdrücken. Aber genauso, wie ein Mensch, der die verschiedensten psychischen Stadien im Laufe seines Lebens durchwandert, verhält auch dieser Kreis sich ganz unvorhersehbar und vermeintlich unordentlich.
Vielleicht ist der Opus 28 einfach die musikalische Ästhetisierung des Menschseins.


Den ich in dem Falle tatsächlich als gar nicht so wichtig erachte. Die Struktur des Opus 28 alleine gibt mir relativ wenig Aufschluss darüber, inwieweit dieses Werk zyklisch zu betrachten ist.

Trotzdem überzeugt mich all das noch nicht von der zwingenden Notwendigkeit, op.28 komplett hören oder aufführen zu müssen.
Mich auch nicht. Eine Torte ist auch etwas Rundes. Aber niemand kommt auf den Gedanken, eine Torte ganz sich einzuverlieben; zu groß wäre die Herausforderung, so fatal und schädigend die Folgen. Vermutlich würde man nie mehr Torten sehen können.
Ganz ähnlich sehe ich es mit dem Opus 28: Die Préludes sind als eigenständige Stücke sicherlich ein großartiges (Hör-)Erlebnis, doch alle auf einen Schlag kommt mir einem Nervenzusammenbruch gleich; zu viel auf einmal. Es ist ein sehr vielschichtiges Werk, das vor Emotionalität nur so strotzt. Und wer möchte sich schon freiwillig einem absoluten Gefühlschaos ausliefern?

Dazu ist mir dieser vermeintliche "Zyklus" zu offen, zu unzyklisch.
Chopin hat doch viele Begrifflichkeiten neu erfunden: Die Etüde ist seit ihm Konzertstück, die Ballade ist seit ihm nicht mehr nur Dichtung, sondern auch Musik, das Prélude ist nichtmehr Vorspiel, sondern eigenständiges Werk, der chopin'sche Walzer ist auch kein Walzer zum Tanzen, ebenso wie die Polonaisen keine Tanzstücke sind.
Für mich liegt dann ganz einfach nahe, dass auch der Zyklus bei Chopin eine grundsätzlich andere Begrifflichkeit ist als beispielsweise bei Bach.
 
 

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