Chopin Berceuse

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Mindenblues

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Habe gestern die Berceuse von Chopin aufgenommen und würde mich sehr über Feedback, insbesondere konstruktive Kritik freuen. Im Bemühen um sanften Anschlag sind leider an ein paar Stellen Töne nicht oder kaum hörbar, aber so ist eben mein jetziger Entwicklungsstand an dem Stück.

Es ist auf meinem Flügel im Wohnzimmer aufgenommen, mit einem ZOOM H4 und internen Mikrophonen. Nachträglich habe ich noch etwas Hall zugefügt, sonst nix. Da das Aufnahmegerät auch zum ersten Mal zum Einsatz kommt, bitte auch Kommentare zur Aufnahmequalität. Der Flügel ist leider seit einem Jahr nicht gestimmt worden, es wäre eigentlich schon wieder fällig gewesen.

[MP3="http://family-schmidt-minden.de/MindenBlues2/Piano/Berceuse_ohne_Hall.mp3"]Chopin Berceuse[/MP3]
 
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klaviermacher

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Klingt doch gut. Manche Stellen am Beginn vielleicht etwas zu "Gerade". Bin allerdings kein Klavierlehrer und kann Dir nicht wirklich mit Tipps weiterhelfen.
Die Aufnahmetechnik ist sehr gut. Schade blos wegen des künstlichen Halls. Wie klingt das Stück ohne Hall?

Liebe Grüße
Klaviermacher
 
Mindenblues

Mindenblues

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@ Klaviermacher: danke fürs Hören und Kommentieren! Ja, der Anfang könnte wohl etwas mehr Rubato vertragen.

Die Aufnahmetechnik ist sehr gut. Schade blos wegen des künstlichen Halls. Wie klingt das Stück ohne Hall?
Hab gerade dieselbe Aufnahme upgeloaded ohne Hall, so wie es von ca. 3 Meter Enfernung vom Flügel aufgenommen wurde, zum Vergleich:

[MP3="http://family-schmidt-minden.de/MindenBlues2/Piano/Berceuse_ohne_Hall.mp3"]Chopin Berceuse ohne Hall[/MP3]

Klingt es so nicht doch etwas zu trocken?
 
Mindenblues

Mindenblues

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Interessant, eure Meinungen bzgl. Hall. Ja, vielleicht reicht der Hall des Wohnzimmers selber auch aus; früher hatte ich Mikros ziemlich dicht über den Saiten gehabt, und das ist dann wirklich zu "f**ztrocken".

Der Flügel klingt auch recht gut - was ist das für ein Apparat?
Steinway-O, Bj. 1935, vor 4 Jahren akustisch komplett restauriert (neue Renner-Mechanik, neue Saiten, Resonanzbodenaufarbeitung).
 
M

MaBa

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Interessant, eure Meinungen bzgl. Hall. Ja, vielleicht reicht der Hall des Wohnzimmers selber auch aus; früher hatte ich Mikros ziemlich dicht über den Saiten gehabt, und das ist dann wirklich zu "f**ztrocken".
Das Hallproblem wird eher daran gelegen haben, daß der Effekt erst ein Monosignal erstellt, das er dann verhallt. Wenn du vom Originalsignal nichts übrigläßt (100% durch den Hall, 0% Original), klingt es dann eben wie ein verhalltes Monosignal.

Die zweite Aufnahme klingt deshalb viel besser, weil sie echtes Stereo ist.

Gruß
 
.marcus.

.marcus.

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Sehr schöne Aufnahme, Mindenblues! :)

Das hast du wirklich super gespielt, aber da du ausdrücklich um Kritik gebeten hast:

Den Anfang würde ich mir etwas leiser und irgendwie matter wünschen. Hast du mal ausprobiert das Stück im Ganzen noch etwas langsamer zu nehmen?
Bei der Stelle mit den vielen Vorschlägen hinternander könntest du die Vorschläge noch ein bisschen leichter spielen.
Manchmal sind mir besonders die kurzen Noten etwas zu scharf gespielt (z.B. nach den chromatischen Terzen, die Stelle "pp e leggierissimo"). Ich finde diese Musik klingt insgesamt sanft und leicht, ein bisschen zerbrechlich vielleicht.

Der chromatische Terzenaufgang und ein bisschen später die absteigenden Terzen haben mir sehr gut gefallen! :o

Ich glaube, dieses Stück ist sehr schwer zu spielen, dabei muss alles ganz mühelos klingen.

marcus
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Wow, das klingt wirklich gut, Mindenblues! Da merkt man, daß intensiv am Klang und an der musikalischen Gestaltung gearbeitet wurde. Und daß du auch wirklich nichts dem Zufall überläßt :)

Großes Kompliment, daß ist wirklich ein erheblicher Fortschritt im Vergleich zu den Stücken, die ich bisher so von dir gehört hatte. Und die waren ja auch nicht schlecht!

Wirkliche Kritik hätte ich garnicht. Was mir nur auffällt ist, daß in der linken Hand der jeweils letzte Ton im Takt (Viertelnote as) ein bißchen laut klingt. Vielleicht willst du das ja auch so, vielleicht ist dieser Ton bei deinem Flügel etwas laut. Vielleicht kann man ihn aber auch ein bißchen in der Lautstärke reduzieren. (Die Ostinato-Figur der LH hat ja eine weibliche Endung).

Und ab Takt 39 würde ich die Figuration der RH so leise wie möglich spielen, wie Sternenstaub.

Eine gewisse Lässigkeit würde diesem Stück insgesamt guttun, aber das kommt dann automatisch, wenn man das Stück mal ein paar Monate weglegt und nachher wieder ganz unbefangen drangeht.
 
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Stilblüte

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Hallo Mindenblues,

mein großes Kompliment, ich finde dieses Stück von Chopin wunderschön und möchte es unbedingt irgenwann auch spielen. Ich habe mir schon vorgenommen, dass ich das später mal meinen Kindern zum Einschlafen vorspiele :D
Also ich glaub ich wäre da bestens dahingeschlummert...
Natürlich nur, wenn es gut gespielt wird, und das hast du in meinen Ohren! Ich hab mir mal die Noten ausgedruckt, das sieht ja teilweise Haarsträubend aus, und trotzdem klingt es bei dir so verträumt, wie es klingen sollte. Ich habe beim hören fast vergessen, dass es keine CD ist ;-)

Nun also meine persönliche Kritik, wie du es dir gewünscht hast.
Obwohl ich das Stück noch nie gespielt habe.

Ich würde versuchen, die linke Hand noch leiser zu spielen. Sie hat ja keinen melodischen Auftrag, sondern bildet nur das harmonische Bassostinato, das das ganze Stück über (fast) unverändert bleibt.
Besonders am Anfang fällt mir das auf, später wird es dann leiser.

Ebenfalls leiser spielen würde ich an manchen Stellen die Mittelstimme, die ist manchmal etwas zu mächtig gegenüber der zarten Melodie.
Und ich fände auch, dass es dem Stück allgemein gut tun würde, wenn du den gesamten Charakter noch etwas stiller und ruhiger hinbekommst; einfach die Nebenstimmen noch ein bisschen zurückhaltender, vielleicht ab und zu das linke Pedal benutzen.
Ich weiß nicht, was dasteht, könnte mir aber vorstellen, dass das gesamte Stück im piano gespielt werden soll.

Und noch eine Sache.
Keine Ahnung, ob ich das rechtens sagen kann und wie sich das anhört, aber vielleicht sollte man das Rubato hauptsächlich auf die rechte Hand beschränken. Ich meine (sogar hier im Forum?) mal gelesen zu Haben, dass Chopin den Grundschlag gar nicht so sehr verändert haben wollte und die Linke Hand eher führend und gleichmäßig sein sollte, während die Rechte ein bisschen spielt.

Das fällt mir einfach so gerade dazu ein, natürlich stehe ich nicht daneben, wenn du spielt, sondern höre das nur über Kopfhörer, kenne das Stück nicht so gut und hab allgemein auch nur beschränkt Ahnung :D

Also noch mal mein Kompliment.

ps:
achja. ich würde den Schlussakkord etwas anders wegnehmen, es klingt ein bisschen (böse gesagt) abgerissen. Irgendwie mehr ausklingen, verklingen lassen...
 
Mindenblues

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@ .marcus, @ Haydnspaß:

Vielen Dank für eure detaillierten Stellungsnahmen!

@.marcus:
Ja, der Anfang gefällt mir selber auch nicht so, ist mir erst beim Anhören der Aufnahme aufgefallen. Und ja, im Optimalfall sollte alles bei der Berceuse mühelos und zerbrechlich klingen.

Ich habe irgendwo gelesen, dass Chopin die Berceuse in Nohant, dem Sommersitz von G. Sand komponierte, zu einer Zeit, wo die eng befreundete Sängerin Pauline Viardot mit ihrem einjährigen Baby zu Besuch war. Ich bin mir ziemlich sicher, Chopin hat die Betriebsbewährung dieses wunderschönen Wiegenlieds am lebenden Objekt ausprobiert.

Und es stimmt, nachdem ich 6 Monate (!) an der Berceuse geübt habe (allerdings auf kleinerer Flamme, da C-Kurs-Abschluss mit umfangreichem Orgelprogramm demnächst ansteht), kann ich nur sagen, dass es mir schwerer fällt als anfangs angenommen. Ist mit Sicherheit eher eins von den schwierigeren Chopin-Stücken.

@ Haydnspaß:
Ganz großes Dankeschön für den Hinweis mit der linken Hand! Nein, es ist nicht so beabsichtigt gewesen, den jeweils letzten Ton pro Takt in der linken Hand zu betonen. Sondern das die linke Hand die Schunkelbewegung einer Wiege nachahmt, mit Betonung auf 1. und 4. Achtel des 6/8-Taktes. Ich werde versuchen, das zu verbessern, es ist ein sehr wertvoller Tip für mich! Auch kann ich leider nicht den Flügel dafür verantwortlich machen, dass der letzte Ton so raussticht, bin ich schon selber gewesen...
Es fällt mir ziemlich schwer, mich auch auf eine schöne sangliche Figur der linken Hand zu konzentrieren, weil die rechte Hand doch so einiges veranstaltet in dem Stück.
Wahrscheinlich hast du auch recht, dass es gut wäre, die Berceuse ein paar Monate liegen zu lassen. Aber irgendwie, wenn man mit einem neuen Stück zu neuen Ufern aufbricht, ist dann das alte schnell vergessen bei mir.

Und ab Takt 39 würde ich die Figuration der RH so leise wie möglich spielen, wie Sternenstaub.
Wie Sternenstaub - ein wunderschöner Vergleich. Ja, die Figuration würde ich auch gerne viel leiser und gleichmässiger spielen können - aber da sind dem kleinen Mindenblues leider die derzeitigen technischen Grenzen aufgezeigt:(

Ich habe vor, die Berceuse in ein paar Tagen (zusammen mit dem Chopin Ges-Dur-Walzer op.70/1) bei einem grösseren Geburtstag meiner Tante zu spielen (+ Schubert-Arpeggione mit einem Bratschisten zusammen). Hoffentlich machen die Nerven mit, die Berceuse und den Walzer spiele ich auswendig, hoffentlich bin ich entspannt genug, die Berceuse klingt im nervösen Zustand schrecklich...
 
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Mindenblues

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@ Stilblüte:

Sehe jetzt erst deine umfangreiche Nachricht, vielen Dank!

Ja, es ist definitiv ein Stück zum Einschlafen, dieser Wiegenrhythmus...
Kann mir nur noch vornehmen, (und es ist eine wunderschöne Vorstellung), dies mal meinen Enkeln zum Einschlafen zu spielen (meine Tochter ist in deinem Alter).

Ich gebe dir in fast allem recht (außer wo du von beschränkter Ahnung schriebst), vor allem was es angeht, noch ruhiger und leiser und gleichmäßiger zu spielen. Rubato hauptsächlich rechte Hand- ja, bietet sich wohl bei dem Stück gut an, aber irgendwie mag ich selber Rubato nur in kleinenr Dosen, auch meint meine Klavierlehrerin, dass dieses "Klappern" (r/l Hand asynchron, wie es z.B. Haydnspaß gerne spielt) wie ein Witz ist, den man nicht so oft erzählen sollte, damit er sich nicht verbraucht - aber natürlich wie so vieles, Geschmacksache. Aber vielleicht nur hier und da etwas asynchrones Rubato?

Der Schlussakkord: ja, viele Aufnahmen, die ich kenne, lassen den Ton verklingen. Chopin, der ziemlich viele Dynamikangaben machte, schreibt keine Fermate. Man kann es auch so auffassen, dass man zum Schluss, wenn die Wiege ausgeschunkelt hat, sich aus dem Zimmer schleicht und die Tür leise zumacht (das ist das Bild, was ich dabei habe). Aber verklingen lassen ist auch schön, vielleicht schöner.
 
 

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