Bösendorfer restaurieren

Dieses Thema im Forum "Das Klavier: allgemeine Infos, Kauf, Reparatur" wurde erstellt von Einflügler, 11. Jan. 2017.

  1. Einflügler
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    Einflügler

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    Hallo Tastenfreunde

    Kaum habe ich angefangen ist ein Problem aufgereten. Weiss jemand wie man bei Bösendorfer Flügeln den Gussrahmen herausnehmen kann? vorne beim Stimmstock steht der Holzrahmen auf beiden Seiten über den Gussrahmen vor. Ich dachte da ist was geschraubt, aber es sind keine Schrauben zu finden. Ist das geleimt?
     

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  2. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Vermutlich ist das so. Da bleibt halt nur der Einsatz eines scharfes Stecheisens.
    Vielleicht geht ja die Leimfuge ohne großes Splittern auf.
    Toni
     
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  3. Einflügler
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    Einflügler

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    Es war geleimt. Innen war ein Stück Hartholoz auf den Weichholzrahmen aufgeleimt und dann drüberfurniert. Ich habe zuerst mit der kleinen Kreissäge so tief wie möglich geschnitten und dann mit roher Gewalt...ist halt schon etwas vom Rahmen abgesplittert aber das krieg ich schon wieder hin.
     
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  4. Einflügler
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    Einflügler

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    Dann hätte ich schon die nächsten Fragen an euch Spezialisten:

    -würdet ihr die Mensur neu berechnen oder soll ich sie so lassen? Ich habe gehört, bei sehr hochwertigen Instrumenten lässt man die Originalmensur. (Baujahr 1925)
    - Die Stimmwirbel waren 7,1 und der Flügel war noch gut stimmbar, ich werde neu 7,25 vernickelt nehmen. Würdet ihr da nochmal vorbohren und mit was für einem Bohrer (7 oder 7,1 oder?)
     
  5. thinman
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    thinman

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    entschuldige bitte, wenn ich eine provokative Frage stelle: Ist dies Dein erster Restaurationsversuch? Deine Fragen klingen für mich etwas laienhaft. Auch Dein Hau-Ruck-Verfahren steigert jetzt nicht unbedingt meinen Glauben an eine wenigstens gut gemachte Amateur-Restauration.
     
  6. Einflügler
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    Einflügler

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    Warum bezeichnest du das als Hauruck Verfahren, was wär denn dein Vorschlag gewesen?Bei der Mensur kann man sicher geteilter Meinung sein, da wäre ich interessiert an euren Überlegungen und was das vorbohren angeht würde ich mich über Erfahrungswerte freuen. Dein threat hilft mir jetzt nicht unbedingt weiter.
     
  7. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Bei gleicher Stimmnagellänge würde ich nicht nachbohren, die Gefahr, daß der Bohrer verkantet und mehr Material als nötig wegnimmt wäre mir zu groß.
     
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  8. xentis
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    xentis

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    Wenn 7,1 drin waren ist bei 7,25 sicher kein Vorbohren notwendig. Die geringe Zunahme bringt wahrscheinlich sogar nicht genug. Wie willst Du denn vorbohren? Freihändig? Da sind die Löcher ruckzuck versaut.... :blöd:
     
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  9. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    könnten 7,25 noch recht leichtgängig sein. Besser 7,35.

    LG
    Henry
     
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  10. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Laß sie lieber so. Man kann bei einer Neuberechnung mehr verschlimmbessern als man optimieren kann. Eine Neuberechnung macht nur bei Instrumenten Sinn, welche schon vorher greisslich klangen, oder eine Stimmung auf 440 Hz ned ausgehalten haben.

    LG
    Henry
     
  11. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Wie sonst? Hat doch ned jeder ne CNC Anlage in der heimischen Stube :-D

    LG
    Henry
     
  12. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Wennst die Gußplatte touchiert hast, ist des schlecht - da kann es ganz schnell zum größeren Riß bis hin zum finalen Bruch kommen. Vielleicht noch ein kleiner Tip am Rande: bevor Du die Gußplatte abschraubst, entspanne die Saiten und entferne diese. Zunächst den Baß entspannen, entspannst Du nämlich erst den Blankbezug, fliegen Dir die Baßsaiten um die Ohren. Den Blankbezug entspannst Du wie folgt: eine Reihe nach oben nächste Reihe nach unten usw. bis sie völlig entspannt sind, anschließend kannst Du dann Saite für Saite entfernen.

    LG
    Henry
     
  13. xentis
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    xentis

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    Zwischen CNC Anlage und freihändig gibt es noch ein paar Abstufungen. Bohrständer, Bohraufsätze...;-)
     
  14. Einflügler
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    Einflügler

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    Vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir echt weiter.
    Mit 7,1 war der Stimmwirbelsitz gar nicht so schlecht, darum dachte ich 7,25 reicht. Ich nehme die gleiche Länge (55). Besteht denn nicht die Gefahr, dass zu grosse Stimmnägel den Stimmstock zerreissen?

    Die Gussplatte habe ich nicht touchiert, es ist bei der Leimfuge am Holz etwas abgesplittert. Die Saiten habe ich schon entspannt und entfernt.
    Ich habe die Saiten auch schon gemessen und abgesaitet, Stegdruck gemessen und alles. Heute nehme ich die Platte raus.
    Die Saitenstärke verändert sich übrigens unregelmässig etwa alle fünf Saiten von .79 .83 .85 .88 .93 .95 1.00 1.05 dann direkt 1.11

    Hier noch ein Bild des corpus delicti. Ich musste oben das Furnier teilweise abkratzen um die Fuge zu finden, am Schluss habe ich einen Metallspachtel hineingetrieben, weil ich keine Tauchsäge IMG_20170112_135233.jpg habe die so teif geht. Das war echt verdammt sark verleimt.
    Die Dämpfer habe ich übrigens in eine Kartonschachtel gesteckt, eigent sich super als Dämpferrechen. (Mt Ale vorlochen)
     
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  15. Peter
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    Peter Bechsteinfan

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    Selbst gemessen oder stehen die Maße irgend wo?
     
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  16. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Wenn, dann stehen wahrscheinlich Nummern auf dem Steg, beginnend mit schätzungsweise 13 im Diskant.
     
  17. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Bei den Zahlen würd ich sagen "wohl selbst gemessen" - wahrscheinlich Saite für Saite :dizzy:

    Dabei stehen die Stärken als Zahlen meist auf dem Steg:

    13 - 0,775
    13,5 - 0,800
    14 - 0,825
    14,5 - 0,850
    15 - 0,875
    15,5 - 0,900
    16 - 0,925
    16,5 - 0,950
    17 - 0,975
    17,5 - 1,000
    18 - 1,025
    18,5 - 1,050
    19 - 1,075
    19,5 - 1,100
    20 - 1,125
    usw.

    LG
    Henry
     
  18. Einflügler
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    Einflügler

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    Danke, ihr seid super!
    Ich habs jetzt auch gesehen, trotzdem interessant mal nachzumessen. Also .
    Bei .79 steht 13 1/2 das wäre also eigentlich .80
    gemessen . 83 gelesen (14) entspricht .825
    .85 habe ich richtig gemessen
    .88 (15) entspricht 875
    Ich habe meist eine Saite pro Chor gemessen, im Zweifelsfall auch mehrere. Der Übergang von .875 und .900 ist mir beim messen untergegangen (oder vielleicht waren falsche Saiten drauf?). Ist auch sehr schwer zu messen finde ich.
    Hätte mir einiges an Zeit sparen können, dafür konnte ich etwas den Umgang mit dem Mikrometer üben...
    LG
    Fabian
     
  19. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Logisch, die Saiten werden ja mit der Zeit auch dünner und länger.

    LG
    Henry
     
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  20. Einflügler
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    Einflügler

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    Ich bin immer noch unschlüssig
    Stimmwirbel alt 7.1 x 55 Wirbelgang war meiner Meinung nach nicht so schlecht.
    soll ich neu
    7,25 x 55 nehmen oder
    7,35 x 55?
    Sind zu grosse Wirbel eine Gefahr für den Stimmstock (Risse?)