Bekannte Komponisten und deren nicht beachtete Werke

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AlkanLiszt

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Ihr mögt doch sicherlich alle die Polonaise in A-Dur Op. 40 Nr. 1 von Chopin, oder? Diese Polonaise wird auch häufig gespielt oder die anderen bekannten (fis-Moll, Heroique Polonaise oder die Polonaise-Fantasie)
Bleiben wir bei Op. 40: Ich persönlich finde die 2. Polonaise in c-Moll wesentlich interessanter (es gibt eine sehr empfehlenswerte Interpretation von Pogorelich). Um bei Chopin weiterzumachen, so ist zum Beispiel auch sein erstes Impromptu zu nennen, welches finde ich eher im Schatten des Fantasie-Impromptus steht. Das gleiche auch bei Liszt: Ich finde die Ungarischen Rhapsodien Nr. 4 und Nr. 12 am schönsten (subjektiv). In diesem Fall wird wohl eher die vierte weniger beachtet. Liszt bearbeitete ausserdem eines seiner Orchesterwerke für Klavier, welches den Titel "Gaudeamus Igitur" trägt - Es wird kaum aufgeführt. Czerny ist auch so ein Fall: Nur wenige beachten seine elf Klaviersonaten, welche zumeist wirklich riesig sind (Die d-Moll-Sonate hat sieben Sätze) Was ist eure Meinung?
 
Stilblüte

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Ich finde, das ist ein Fass ohne Boden. Wusstest du, dass Chopin und Mozart auch Fugen für das Klavier komponiert haben, oder Debussy ein Werk für Klavier und Orchester?
 
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AlkanLiszt

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Nein das wusste ich noch nicht. Aber ich kann mir das mit den Fugen von Chopin gut vorstellen. Artur Rubinstein hat ja mal in einem Interview gesagt, dass Chopin kein Romantiker sein wollte und er Mozart und Bach viel mehr mochte als Beethoven (er war ihm zu romantisch). Er hat ja auch das Wohltemperierte Klavier mit nach Mallorca genommen.
 
mick

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Ich kenne nur eine Fuge (in a-Moll) von Chopin. Das ist eine ziemlich misslungene Bach-Stilkopie.

Ziemlich unbekannt sind ebenfalls die kontrapunktischen Studien für Pedalflügel von Schumann. Piotr Anderszewski hat sie für Klavier transkribiert - das sind richtig tolle Stücke, die über Stilkopien weit hinausgehen:

 
Rheinkultur

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Ich finde, das ist ein Fass ohne Boden. Wusstest du, dass Chopin und Mozart auch Fugen für das Klavier komponiert haben, oder Debussy ein Werk für Klavier und Orchester?
Hat letzterer wirklich:


Ähnlich wie die spätere Fauré-Fantaisie ein kürzeres Konzertstück, das im Vergleich zu vielen größer dimensionierten Klavierkonzerten seiner Landsleute (Franck, Saint-Saëns) eher ein Schattendasein fristet.

LG von Rheinkultur
 
Rheinkultur

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Ziemlich unbekannt sind ebenfalls die kontrapunktischen Studien für Pedalflügel von Schumann.
Das liegt sicherlich auch daran, dass der Pedalflügel nur im mittleren und späteren neunzehnten Jahrhundert einige deutsche und vor allem französische Komponisten zu schöpferischem Tun anregte (Schumann, Liszt, Saint-Saëns, Gounod, Alkan, Franck). Und in der Gegenwart widmen sich eher Organisten mit speziellen Interessen als Pianisten dem Spiel dieses recht wenig beachteten Instruments - erstere, weil es ohnehin Unmengen originaler Literatur für Orgel gibt und längst nicht jeder Organist gleichermaßen gut und gerne Klavier spielt; letztere noch seltener. Warum? Zum einen existiert mehr als genug Originalliteratur für das herkömmliche Instrument ohne Pedalklaviatur, die zu bespielen man als Pianist eigens erlernen müsste, um in der Praxis dann gerade mal eine überschaubare Anzahl an Originalwerken spielen zu dürfen, darunter von Gounod ein Solokonzert mit Orchester. Am ehesten tun sich das die relativ wenigen Pianisten an, die das Orgelspiel vergleichbar gut beherrschen. Zum anderen gibt es kaum Auftrittsorte, an denen ein Pedalflügel ad hoc zur Verfügung steht. Was zusätzlich organisatorischen Aufwand bedeutet und Geld kostet, verbessert sicherlich nicht eben die Chancen, dass derartige Projekte realisiert werden. Entsprechend selten stehen die Stücke für Pedalflügel von Schumann auf den Konzertprogrammen. Leider.

LG von Rheinkultur
 
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St. Francois de Paola

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Die Frage ist, wo wenig beachtet anfängt. Spontan fällt mir bei Beethoven einiges an interessanten Stücken ein, die zumindest nicht die Beachtung von Apassionata, Mondschein, Waldstein, Pathetique und co. erlangen:
- 32 Variationen c-Moll
- Fantasie g-Moll
- Eroica-Variationen

Auch bei Liszt gibt es interessante unbekannte Werke, manche Spätwerke sind harmonisch äußerst interessant (z.B. Bagatelle sans tonalite).

Meistens werden die ganz großen Werke aber durchaus angemessen gewürdigt.
 
Stilblüte

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Das verstehe ich jetzt aber nicht, die 32 Variationen von Beethoven sind sicher eines seiner meistgespielten Werke. Selbstverständlich werden auch die Sonaten oft gespielt, keine Frage, aber ich glaube, Beethoven könnte sich nicht über mangelnde Beachtung seiner Werke beschweren... Aber vermutlich kommt es drauf an, wo man sich gerade aufhält. Vielleicht ist das Stück in manchen Ländern weniger beliebt als in anderen. Manchmal gibt es da anscheinend erstaunliche Unterschiede.
 
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St. Francois de Paola

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Echt die sind oft gespielt? Ich habe die noch nirgends in echt gehört und auch echt erst spät kennen gelernt in meiner Unterrichtszeit, als ich noch über ein Musik-Studium nachgedacht habe, habe ich sie nicht einmal gekannt. Nirgendwo bei irgendwelchen Wettbewerben, höherwertigen Schülervorspielen, Meisterkursen oder auch sonst habe ich das gehört.
Seltsam, dass die so an mir vorbeigegangen sind. Vielleicht sind die wirklich nur in Westdeutschland nicht so beliebt oder zufällig an mir vorbeigegangen.
 
rolf

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ja, die werden oft gespielt (auch bei Prüfungen) - bei Youtube kann man in einen Pires Meisterkurs zu den 32 c-Moll Variationen reinschauen; Horowitz hat sie in den 30ern (ungefähr) aufgenommen, unlängst hat Kissin sie gespielt
die Eroica Variationen werden auch oft genug gespielt
- - seltener gespielte Sachen von Beethoven sind seine Fantasie und die Polonaise, aber "unbekannt" sind sie nicht.

Balakirevs orientalische Fantasie "Islamey" ist wohlbekannt und oft gespielt, seine Klaviersonaten und Scherzi hingegen hört man nur sehr selten.

Carl Maria von Webers Klavierwalzer "Aufforderung zum Tanz" ist ebenso bekannt wie oft gespielt, seine schwierigen (weil weitgriffigen) Sonaten kriegt man kaum zu hören.

Obwohl immerhin von Emil Gilels eingespielt, ist die Klaviersonate G-Dur von Tschaikowski nahezu unbekannt.
 

rolf

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OT: Ich habe von dieser Sonate auch Aufnahmen von Richter und Cherkassky, so unbekannt ist sie nicht. Wird aber sicherlich weniger gespielt als das 1. Klavierkonzert;-).
@pianochris66 das ändert nichts daran, dass die Tschaoikowskisonate bestenfalls ein Schattendasein führt: weder Gilels noch Richter haben sich um eine permanente Popularisierung der Sonate bemüht, d.h. sie haben sie nicht über Jahrzehnte hinweg immer wieder aufs Programm gesetzt, sondern sie nur eher gelegentlich verwendet. Und tatsächlich findet man diese Sonate nur so selten in Konzertprogrammen, dass man sie durchaus als irgendwo zwischen "unbekannt" und "selten gespielt" angesiedelt sehen kann. Von den Sonaten der bestbekannten Spätromantiker ist sie die am seltensten gespielte.
 
pianochris66

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@rolf : Ich wollte nur darauf hinweisen, dass neben Gilels auch noch andere große Pianisten diese in jeder Beziehung mächtige Sonate gespielt und aufgenommen haben. Ein wirklicher Exot wäre für mich die 1. Klaviersonate von Tschaikowsky, die er noch als Student von Rubinstein, also Anton;-), geschrieben hat und die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde.
 
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AlkanLiszt

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Ich finde das 1. Klavierkonzert von Rachmaninoff steht absolut zu unrecht im Schatten seiner 2 späteren Nachfolger also dem 2. Klavierkonzert und Rach3. Oder Schumanns 3 Klavierstücke sind auch wunderbar aber leider nicht so beachtet. Bei Liszt gibt es auch ein höllisch schweres Rondo (Valentina Lisitsa hats natürlich gemeistert) welches auch fast nie aufgeführt wird, den Totentanz oder die Paraphrase über das Dies Irae Thema würde ich auch in diese Kategorie einordnen.
 
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Wo wir bei romantischen Sonaten sind: Es gibt auch von Chopin einige Stücke, die selten gespielt werden, z.B. eben die 1. Sonate oder seine Variationszyklen. Die Frage nach dem Warum ist leicht zu beantworten - sie sind einfach weniger gut als seine späteren Sachen. Letztens hörte ich die Variationen über "La ci darem" (ich gebe zu, wenig überzeugend gespielt, trotz Lincoln-Center). Das Stück ist höllisch schwer und es kommt nur warme Luft raus.
 
rolf

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. Letztens hörte ich die Variationen über "La ci darem" (ich gebe zu, wenig überzeugend gespielt, trotz Lincoln-Center). Das Stück ist höllisch schwer und es kommt nur warme Luft raus.
das hatte Robert Schumann ganz anders als du gesehen: anläßlich der Variationen über la ci darem la mano schrieb er seinen berühmten Aufsatz "Hut ab, ihr Herren, ein Genie!"
 
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Ja, ich setze das natürlich ins Verhältnis zu dem, was er später noch geschrieben hat. Wenn man von einem noch wenig bekannten Pianisten so ein Eigenwerk hört, ist das natürlich phänomenal. Es ist ja durchaus abwechslungsreich, kreativ und nicht sterbenslangweilig. Aber verglichen mit den Ideen, der Form, dem Spannungsbogen usw., den er in Werken wie den Balladen, den anderen Sonaten, seinen Klavierkonzerten oder z.B. auch den Préludes hat, ist es einfach weniger gut...
 
rolf

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Ja, ich setze das natürlich ins Verhältnis zu dem, was er später noch geschrieben hat. Wenn man von einem noch wenig bekannten Pianisten so ein Eigenwerk hört, ist das natürlich phänomenal. Es ist ja durchaus abwechslungsreich, kreativ und nicht sterbenslangweilig.
oh wie schön, es kommt da also doch nicht bloß heiße Luft hinaus... ;-)
Aber verglichen mit den Ideen, der Form, dem Spannungsbogen usw., den er in Werken wie den Balladen, den anderen Sonaten, seinen Klavierkonzerten oder z.B. auch den Préludes hat, ist es einfach weniger gut...
den beiden Klavierkonzerten, der grande Polonaise und dem Krakowiak sind die Variationen für Klavier und Orchester ebenbürtig (lediglich der Klavierpart ist in den Variationen schwieriger) und es ist kein Wunder, dass Schumann speziell die Variationen so hoch schätzte! Die paar Jahre zuvor komponierte Jugendsonate von Chopin damit zu vergleichen wäre unfair dem Studiensonätchen gegenüber ;-)
...ja die Balladen und die Sonaten b- und h-Moll sind andere Kaliber, auch deutlich später entstanden - bon, die Beethovenschen Sonaten op.2 und op.10 sind auch viel früher als op.53/57 und gar op.109-111 entstanden, freilich spricht hier ebenfalls niemand ernsthaft von "heißer Luft"

(kleiner Tipp: einfach das saloppe Fehlurteil über die Variationen mit einem lächelnden sorry revidieren, statt etwas nebulös herum"argumentieren"...) ;-):drink:

a prospos Chopin:
Allegro de Concert und Cellosonate werden nicht allzu oft gespielt (späte Sachen), die frühen Variationen für Flöte und Klavier sowie das Trio hört man ebenfalls nicht oft
 
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Na, es mag sein, dass andere die Variationen toll finden, ich fand sie wie gesagt langweilig und mir würden fünfhundert Stücke einfallen, die ich lieber üben würde...
Mein Gefühl ist, dass hier Aufwand und Ergebnis einfach in einem schlechten Verhältnis stehen. Die Variationen sind wahnsinnig schwer, dafür aber nicht toll genug für meinen persönlichen Geschmack. Wenn ich einen Gaspard de la Nuit vor mir habe, übe ich gerne sehr sehr sehr viel daran, weil ich weiß, dass am Ende etwas absolut einzigartig Überwältigendes rauskommt.

Dennoch mag es auch an der Interpretation des Pianisten gelegen haben (dessen Namen ich nicht nenne), dass sie mich (erneut) nicht überzeugt haben. Ich habe später im Klavierabend Stücke gehört, die ich besser kannte (z.B. Etüden von Rachmaninov), die ich wirklich noch nie so schlecht gehört habe und von jedem Studenten bisher besser. Keine Ahnung, was da los war...
 
rolf

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Mein Gefühl ist, dass hier Aufwand und Ergebnis einfach in einem schlechten Verhältnis stehen. Die Variationen sind wahnsinnig schwer, dafür aber nicht toll genug für meinen persönlichen Geschmack.
bescheidene Frage: wer außer dir orientiert sich an deinem Gefühl und deinem Geschmack bei der Beurteilung von romantischen Kompositionen? ...
Ob dir Chopins Variationen ge- oder missfallen, ist irrelevant.

wie dem auch sei: diese Variationen sind weder wenig bekannt noch selten gespielt, was sowohl für Aufführungen mit Orchester als auch für die Soloversion gilt. Schumanns berühmte enthusiastische Rezension ist unschwer zu finden, die Noten ebenso; ganz besonders hübsch ist, wie Chopin Mozarts Thema am Ende in eine glanzvoll-heitere Polonaise umbastelt. Und für Freunde krasser Schwierigkeiten ist die Variation mit den Sprüngen sehens- & hörenswert.
 
 

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