Bach-Präludium C-Dur

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J. Gedan

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Ein Ansatz zur Analyse der musikalischen Struktur ist allein das Hinzufügen von Akkordbezeichnungen noch nicht. Besser versucht man zu ergründen, wie harmonische Zusammenhänge ein Stück gliedern. Dem dient als Anregung, die weiter keine Kommentare enthält, folgende Schreibweise des Skeletts:
https://www.clavio.de/forum/attachment.php?attachmentid=1101&stc=1&d=1233509892
In der untersten Miniatur-Notenzeile ist das Stück mit zusätzlich hinzugedachten Baßnoten versehen, die zeigen, daß man das Ganze evtl. als eine Folge von Quintfallsequenzen verstehen kann:
T. 1-4: C-dur-Kadenz
T. 5-8: Quintfall a, d, G, C
T. 9ff: Quintfälle bis zum Baßton der Subdominante in T. 21
T. 24ff: Dominant-Orgelpunkt
T. 32ff: Tonika-Orgelpunkt

So ergibt sich eine übergeordnete Struktur, auch ohne erst jeden einzelnen Akkord benennen zu müssen.
______________________
Jörg Gedan
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Bachopin

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Gerd

Gerd

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Akkordanalyse

Hallo Bachopin,
danke für Deine Harmonieanalyse.

Habe übungshalber sämtliche Akkorde in geschlossener Form (senkrechte Terzschichtung) in einer neuen Datei nochmals zur besseren Übersicht aufgelistet.

Als Versuch nach dem Lehrsatz aus o.g. Buch von Jürgen Ulrich:
„Als Grundton eines Dreiklanges hört man denjeniegen, der eine reine Quinte über sich trägt.“

Als mein „Endergebnis“ bekomme ich daraus andere Akkorde, als Du sie genannt hast.
Ob das so nun stimmt, kann ich nicht sagen.

Meine anderen Akkorde sind, bezogen auf Deine Angaben in den Takten:

T5: 4. Akkord (AK)
T9: 4. AK
T13: 2. und 4. AK
T21: 2. AK
T25: 4. AK

Übrigens: Das o.g. Buch kann ich sehr empfehlen!

Mir hat´s auch Spaß gemacht, habe sehr viel gelernt!

Gruß
Gerd
 

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Fred

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Hi Gerd,

eine Analyse ist das ja noch nicht, sondern nur die Akkorde in Symbolschrift.
Apropo, mach doch mal einen Abgleich mit meiner Datei. Da sind einige Unstimmigkeiten.
Ich benutze die international gültigen Zeichen, also für Dur mit großer Sept MA7. Nimmst Du für so einen Akkordtyp das Pluszeichen führt das zu Verwirrungen, da das Pluszeichen, wenn überhaupt, immer für die übermäßige Quinte angewendet wird.
 
.marcus.

.marcus.

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Viel interessanter fänd ich, wenn jemand mal erklärt, warum dieses Präludium ein fünfstimmiger Satz sein soll. Das habe ich nämlich noch nie kapiert :confused:

Also wo sind die 5 Stimmen? Ist das dann ein homophoner Satz (denn unabhängige Stimmen kann ich erst recht nicht erkennen) ?

lg marcus
 
B

Bachopin

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Hallo Bachopin,
Meine anderen Akkorde sind, bezogen auf Deine Angaben in den Takten:

T5: 4. Akkord (AK)
T9: 4. AK
T13: 2. und 4. AK
T21: 2. AK
T25: 4. AK

Nach Takten: jeweils dein , mein Vorschlag
T8 C+7 , C/H
Ich finde ein C-Dur Akkord mit H im Bass ist kein Cmaj7. Die maj7 muss in den oberen Lagen sein.

T12 Gverm7, A7/9b / G
Da ist meine Funktionsanalyse eingeflossen. ;-)

T14 Dverm7, G7/9b/F
meine Funktionsanalyse.

T16 F+7, F/E
siehe T8 wie C/H

T22 Averm7 , D7/9b / Fis
meine Funktionsanalyse. Aber sehr zweifelhaft. ;-)

T28 Averm7 , D7/9b /G
meine Funktionsanalyse. Hier find ich's ok.

Gruß
 
Gerd

Gerd

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Überarbeitung des Präludiums Nr. 1, C-Dur

Ich danke allen Beteiligten für die hilfreichen Akkord-Vorschläge, Hinweise und Tabellen!!

Diese habe ich nun (nach Bestem Anfänger-Wissen!) in meine überarbeitete PrintMusic-Noten-Datei übetragen. (s. Anhang)

Bei der Bestimmung der Akkorde aufgrund der Stufentheorie habe ich noch nicht die großen Schwierigkeiten.

Wo ich aber noch sehr unsicher bin, ob sie denn nun stimmen, sind meine Angaben zu den Funktionsbezeichnungen!!

Ich würde mich freuen, wenn ich da von Euch noch mal Hilfestellung bekommen könnte.
 

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Fred

Guest
Wo ich aber noch sehr unsicher bin, ob sie denn nun stimmen, sind meine Angaben zu den Funktionsbezeichnungen!!

Takt 1
T
_______________
Takt 2
S6
7
_______________
Takt 3:
D7
3
_______________
Takt 5:
A- ist Drehpunktakkord von C Dur nach G Dur

Tp
3
=
Sp
3

Von nun an wird alles auf G Dur bezogen!

_______________
Takt 6
D
7
_______________
Takt 7
T
3
_______________
Takt 8
S
7
_______________
Takt 9
Sp7
_______________
Takt 10
D7
_______________
Takt 11
T
_______________
Takt 12
C#o7 ist Drehpunktakkord von G Dur nach C Dur

DDv
7
=
(Dv)
7

Von nun an wird alles wieder auf C Dur bezogen!
_______________
Takt 13
Sp
3
_______________
Takt 14
Dv
7
_______________
Takt 15
T
3
_______________
Takt 16
S
7
_______________
Takt 17
Sp

_______________
Takt 18
D7

_______________
Takt 19
T

_______________
Takt 20
(D7)

_______________
Takt 21
S7

_______________
Takt 22
DDv
3
______________
Takt 23
Dv
9>
_______________
Takt 24
D7

_______________
Takt 25
T6
_4
_______________
Takt 26
D7
_4
_______________
Takt 27
D7

_______________
Takt 28
DDv
D
_______________
Takt 29
T6
_4
_______________
Takt 30
D7
_4
_______________
Takt 31
D7

_______________
Takt 32
(D7)

_______________
Takt 33
S S6
5 5
_______________
Takt 34
__D7
T
_______________
Takt 35
T
 
Gerd

Gerd

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Der letzte Schliff am Präludium

Danke Fred für Deine superschnelle Antwort.
Werde mich damit weiter beschäftigen und in die Datei einarbeiten.

Zum Wechsel von z.B. C-Dur nach G-Dur, ist das eine Ausweichung?

Als Ausweichung bezeichnet man in der Musik eine harmonische Wendung, die sich zeitweise von der Tonika oder dem jeweils herrschenden tonalen Zentrum entfernt, ohne tatsächlich zu modulieren und das Zentrum nachhaltig zu verlassen. Man bedient sich hierzu hauptsächlich der Zwischendominanten. Eine Stufe zwischen Ausweichung und Modulation wäre die Scheinmodulation. (aus Wikipedia)


Hier mal die Changes als Chordsymbols.
Einer Analyse stünde jetzt nichts mehr im Wege.

In dieser Tabelle sind mir noch zwei Akkorde aufgefallen:

Takt 5: A-7/C => hier fehlt das G in der Septime, also nur Am/C (?)

Takt 14: Bo7/F => meine Deutung: Do7/F (D-F-As-H)

Gruß
Gerd
 
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Fred

Guest
Zum Wechsel von z.B. C-Dur nach G-Dur, ist das eine Ausweichung?
Ja, könnte man eventuell so sehen. Für mich ist es eine Modulation, da ein neues tonales Zentrum etabliert wird. Vielleicht kann sich ja noch wer anders zu dieser Frage äußern.
In dieser Tabelle sind mir noch zwei Akkorde aufgefallen:

Takt 5: A-7/C => hier fehlt das G in der Septime, also nur Am/C (?)

Takt 14: Bo7/F => meine Deutung: Do7/F (D-F-As-H)

Beim A-/C in Takt 5 hast Du natürlich Recht. Das war eine Unachtsamkeit meinerseits.
Die Bezeichnung Bo7/F habe ich bewußt so gewählt, da der Ton B ja den Leitton zur folgenden Tonika darstellt. Der Dv in Grundstellung heißt hier b d f ab.


-
 
Gerd

Gerd

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End-gültig (?) fertiggestellte Datei!!

Da sich alle Beteiligten viel Mühe an der Analyse gemacht haben,
hier nun die aktuelle Überarbeitung der Datei.

Füge noch eine andere Datei an, die ich zum besseren Verständnis für mich übungshalber mal angefertigt habe. (Funktionsanalyse) (Quelle s. dortiger Text)

Mit musikalischem Wochenend-Gruß
Gerd
 

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Gerd

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Ein Ansatz zur Analyse der musikalischen Struktur ist allein das Hinzufügen von Akkordbezeichnungen noch nicht. Besser versucht man zu ergründen, wie harmonische Zusammenhänge ein Stück gliedern. Dem dient als Anregung, die weiter keine Kommentare enthält, folgende Schreibweise des Skeletts:
https://www.clavio.de/forum/attachment.php?attachmentid=1101&stc=1&d=1233509892
In der untersten Miniatur-Notenzeile ist das Stück mit zusätzlich hinzugedachten Baßnoten versehen, die zeigen, daß man das Ganze evtl. als eine Folge von Quintfallsequenzen verstehen kann:
T. 1-4: C-dur-Kadenz
T. 5-8: Quintfall a, d, G, C
T. 9ff: Quintfälle bis zum Baßton der Subdominante in T. 21
T. 24ff: Dominant-Orgelpunkt
T. 32ff: Tonika-Orgelpunkt

So ergibt sich eine übergeordnete Struktur, auch ohne erst jeden einzelnen Akkord benennen zu müssen.
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Jörg Gedan
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Die Vorlage von Jörg, mit weiteren Hinweisen von Fred, habe ich nun in eine Gesamt-Tabelle übertragen. (Dank an beide für die "Vorarbeit)

Anhang: 1. PDF-Datei
2. PrintMusic-Datei (wer das Programm auf dem Rechner hat)

Gruß
Gerd
 

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.marcus.

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Gerd, der Eifer und die Zielstrebigkeit, die du hier zeigst, imponiert mir. Respekt :)
 
Gerd

Gerd

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Dreiklangtabelle nach Funktionen

Wer daran interessiert ist:

Habe zum Thema Dreiklang - Funktionstherie - noch eine Tabelle "gebastelt".

Gruß
Gerd

PS: Bei meinen Einstieg als Anfänger in die Musiktheorie habe ich einige Bücher, allgemeine Schriften und Literaturhinweise aus diesem Forum gelesen.
Was mir davon als Literatur zur Einführung am besten geholfen hat, ist folgende: (Von hier aus: Danke Jörg)

Jörg Gedan, Musiktheorie Teil I und Teil II

Hier die Internetadresse
 

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Kasha

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*atemlos*

Danke,
Kasha

Harmonien passen auch zu manchem Beethoven und Elvis
*duckundrennweg*
 
Gerd

Gerd

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Funktionsbezeichnungen der Haupt-und Nebendreiklänge

Als "Nachtrag" zu meinen obigen Tabellen noch eine weitere Tabelle:

"Funktionsbezeichnungen der Haupt-und Nebendreiklänge"
Harmonische Ableitung über Terzverwandtschaften.
 

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Gerd

Gerd

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Als "Nachtrag" zu meinen obigen Tabellen noch eine weitere Tabelle:

"Funktionsbezeichnungen der Haupt-und Nebendreiklänge"
Harmonische Ableitung über Terzverwandtschaften.

Wer Interesse hat:
Diese Tabelle mit Durtonarten habe ich für Molltonarten erweitert.

Da ich noch "Harmonie-Lernender" bin, bitte melden, wenn dort Fehler drin sind!

Gruß
Gerd
 

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Kulimanauke

Kulimanauke

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Wühlmäuse haben einen dicken Kopf

Lieber Gerd,
anfangs hatte ich auch den Eindruck, als wolltest du dir von jemanden die Hausaufgaben machen lassen. Darauf hast du dich nicht eingelassen und hastdeinen Stremel durchgezogen.
Da ich mich ebenfalls mit der Musiktheorie beschäftige, habe ich akribisch diesen Faden jetzt in seiner Gesamtheit verfolgt. Bachopin, J. Gedan, marcus, Fred haben dich ordentlich unterstützt. Dabei wirkte das Funktionsskelett von J. Gedan auf mich wie eine Offenbarung. Es scheint so simpel, aber ein Laie kommt eben nicht darauf.
Da ich mich wie eine Wühlmaus durch die Funktionstheorie wühle, bin ich äußerst dankbar über ein paar von dir geschenkte Hürden. Es sind immer die Details, Bezeichnungen, an denen ich hängen bleibe und woanders weitersuchen muß und möchte. Wenn ich meine Klavierlehrerin danach frage, meint sie, daß ich das so genau nicht wissen muß. Allmählich beginnt sie auf mich einzugehen.
Es macht mir unheimlich viel Freude, mich auf diese Spurensuche zu begeben. Die Erkenntnisse sind Meilensteine um mein Verständnis für die musikalischen Zusammenhänge immer besser erkennen zu können.
Ich habe von deinen Ergebnissen profitiert, aber es versteht sich von selbst, daß ich das ganze Präludium auch noch einmal nachprüfe :D ;) :D :D, ob es tatsächlich so stimmt wie du es als Summe aufgeschrieben hast.
Deine Dateien sind sehr übersichtlich und logisch. Sie helfen mir ungemein.
Ich wünsche dir, daß die Klarheit mehr und mehr zunimmt in deiner Suche.
Ja, es ist mühselig. Darum freut es mich besonders, wenn da noch eine Wühlmaus ist, die stracks ihren Weg geht.

Frohe Grüße
kulimanauke
 
 

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