Die Meinung ist ja hier rechte einhellig, ich schließe mich da an.
Was kann man in einem Forum für Tipps geben? Das ist ja kein Fernunterricht.
Hmmm,
ich würde spontan empfehlen die offenbar bereits gehörten Einspielungen noch mal genau zu hören, zudem aber die Bandbreite der Interpretationen zu erhöhen.
Gould würde ich in diesem Fall gerade nicht als sinnvolles 'Vorbild' heranziehen, das ist angesichts des Hochgeladenen vermutlich wenig hilfreich und eher kontraproduktiv. Auch Richter wäre als Hörtipp an Dich in dieser Situation nicht meine erste Wahl. Wenn es unbedingt ein(e) bekannte(r) Interpret(in) sein muss, dann schon eher zB Schiff.
Dir hilft aber, was zielführende und ggf. umsetzbare Inspirationen übers Hören angeht, vielleicht eher sowas:
(Marta Szech)
Evtl. auch:
(Jakub Sládek)
Mir scheint, dass erstmal wichtig ist überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen, was in diesem Präludium überhaupt passiert, was an Möglichkeiten der Interpretation besteht, welche Strukturen da sind etc.
Bei einigen Menschen helfen auch, quasi als Brücke, außermusikalische Impulse herzunehmen, zB wo in dem Stück Dialoge inszenierbar sind, wo vielleicht zwei Personen ihre Ideen gegenseitig aufgreifen und kommentieren, wo die Beiden sich vielleicht auch ereifern und zu überbieten trachten, etc.
Auch die Geschichte einer Kutschfahrt durch unterschiedliche Gegenden und Wetterbedingungen wäre dankbar, Menschen mit Draht zu Tanztheater/Ballett könnten sich eine Choreografie ausdenken, etc. ... Hauptsache es entsteht eine musikalische Geschichte statt Notenhaufen.
Wo sind Entwicklungen, die auf Zwischenhöhepunkte hin erzählbar sind? Wo sind überhaupt mögliche Höhepunkte? Wo sind Sequenzen aufwärts, wo Sequenzen abwärts (auch das lässt sich ggf. mit der Vorstellung einer Rede mit höherer Eindringlichkeit oder nachlassender Intensität) assoziieren, welche Phrasierungsoptionen sind zu finden, ...
Du könntest vom Kleinen (Gestaltung von Motiv und nachfolgender Umkehrung, etc.) ausgehen und Dich dann sukzessive den größeren Zusammenhängen widmen (melodische Tendenz bis Takt 8 ?, was passiert in Takt 9 ?, und wie geht es dann weiter, was passiert melodisch im Bass (zB T4 - 14, etc.)? ...
Wie ist der harmonische Verlauf, wo spürst Du Spannungserhöhungen, wo eher auflösende Entspannungen, und was bietet das an Möglichkeiten für die Gestaltung?
Was kannst Du in Bezug auf solche Fragestellungen in Beispielinterpretationen heraushören?
Vermutlich hilfreich ist es auch gehörte Aufnahmen passagenweise en detail aufzusaugen und dann (in sehr kurzem Abschnitt) 1 zu 1 zu versuchen mit gleichem Gestus nachzuspielen.
Äußeres Hören -> inneres Hören -> eigenes Spiel mit Hörkontrolle (ggf. auch solche kurzen Passagen zur vergleichenden Kontrolle aufnehmen)
Ziel wäre dabei nicht das Nachspielen einer fremden Interpretation, sondern erst mal überhaupt dazu zu kommen welche Ansatzpunkte es im Präludium gibt um aus dem Notenhaufen Musik entstehen zu lassen.
Das Stück hast Du ja, was die Noten angeht, schon erarbeitet, und das läuft ja auch in akzeptablem Tempo.
Wär aber vielleicht nicht schlecht das Tempo dennoch auch mal stark runterzusetzen und bewußt nach deutlichen musikalischen Gesten bei den kleineren Strukturen und einem zugehörigem Bewegungsablauf zu suchen. Im Kleinen direkt überprüfen, ob das dann auch in Normaltempo übertragbar ist, bzw. ob es da ästhetisch/musikalisch funktioniert. Auch mal bewußt eine Variante in p statt mf und f spielen. Mal bewußt und übertrieben den Bass hörbar machen, mal diesen verstecken und die Ohren der Zuhörerschaft auf die Melodie rechts fokussieren.
Um das was als starr und steif bezeichnet werden könnte erstmal quasi aufzuweichen oder aufzulösen sind übertriebene Variantenbildungen sehr hilfreich, auch dann, wenn sie hinterher nicht in eine Endfassung einfließen.
Das 'Tupfen' in der zunächst einfach scheinenden linken Hand braucht m.E. eigene Übung mit guter Hörkontrolle auf Basis einer Klangvorstellung, die zunächst ruhig als Kopie von bewusst gehörten Fremdinterpretationen kommen kann.
Unbedingt links auch solo üben und nur mit der linken Hand eine spannende Geschichte erzählen (T29 das a nochmal anschlagen und dann die je ersten der 4er Gruppe dazunehmen). Es kann helfen eine fiktive Szene hinzu zu denken, zB eine Situation wo Du vor dem Spiel mit links-solo einem anderen Menschen oder Deinem Haustier einführend erzählst, dass Du ein sehr spannendes Stück gefunden hast und es nun zum Besten gibst ... Das animiert dazu dann auch wirklich ein spannendes Stück Musik zu erzählen.
Nicht nur extrahierte Einzelstimmen, selbst ein einzelner Klang oder ein mini-Motiv kann ja zum spannenden musikalischen Ereignis werden, wenn denn mit Ausdruckswillen gespielt oder zeremoniert wird (wobei es Streicher und Bläser da einfacher haben).
Bei einzelnen Takten lohnt es etwas mehr Zeit zu investieren, zB T32 (alle 4 Stimmen hören und gestalterisch berücksichtigen).
Beim Schluss kannst Du uU statt des einfach hingelegten Akkordes eine passende Verzierung überlegen, jedenfalls dann, wenn die Fuge noch hinterherkommen soll, da ist mit etwas Zusatzgedöns ein besser funktionierender Übergang zum quirligen Fugenmotiv, das ja auf dem gleichen D-Dur Klang beginnt, möglich.