Bach Präludium D-dur WK1

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08.09.2007
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Nur kurze Aufmerksamkeit erforderlich: Mein Versuch an dem obengenannten Stück.

Hat mich viel Übearbeit gekostet. Ganz astrein ist es noch immer nicht. Aber vielleicht lässt die Lernfähogkeit im Alter (73) auch nach...
 
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Sehr gut, aber jemand sollte Dir mal zeigen wie man die Arme hilfreich einsetzt und dadurch etwas weniger reine Fingerarbeit braucht. Das würde die Tonverbindungen noch etwas geschmeidiger machen!
 
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Mir fehlt ein bisschen ein dynamisches Auf und Ab (es gibt ja durchaus harmonische Höhepunkte einerseits und entspannte Passagen andererseits), bei dir fließt alles relativ gleichmäßig dahin. Und die Baß-Noten sind für meinen Geschmack zu sehr staccato gespielt, etwas mehr Länge täte dem Stück gut.
 
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Ganz astrein ist es noch immer nicht.
Klagen auf gesteigertem Niveau - wer liefert schon astrein ab?

Das klingt prima und ist vorzeigbar. Bin großer Bachfan, habe das Stück etwa eine Million mal gespielt, langsam und auch sehr schnell. Wenn man sich aufnimmt, findet man immer ein Haar in der Suppe.

Sehr gut!

CW
 
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Naja, halt wieder die Rückmeldungen aus der Abteilung "Mensch, er ist 73, da wäre es voll gemein, ihn durch Kritik zu entmutigen".

Das ist völlig mechanisch dahingespielt, kein Ausdruck, keine Dynamik, keine Phrasierung, vermutlich nur der eine Gedanke dahinter "ich muss einen Take ohne falsche Töne hinkriegen". Musik ist das leider nicht.
 
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Naja, halt wieder die Rückmeldungen aus der Abteilung "Mensch, er ist 73, da wäre es voll gemein, ihn durch Kritik zu entmutigen".

In einem der ersten Fußballspiele, die ich als Kind im Nürnberger Stadion anschauen durfte, beging "unser" Torhüter ein böses Faul an einem Angreifer, und der Schreck über den zu erwartenden Elfmeter ließ das Publikum jäh verstummen. Doch in die Stille hinein vernahm man eine einzelne Stimme: "Hau drauf, Roland*, "der zuckt noch".

Vielleicht ist an der Theorie der Seelenwanderung doch was dran. ;)
 
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hasenbeins Kritik ist sicherlich zu Teilen berechtigt. Der Tonfall ist indiskutabel.
 
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Immerhin muss man bedenken, dass Bach mit 73 nicht mehr so spielen konnte.

@motz-art
Kennst du die Übung, bei der man immer eine 16tel-Gruppe bis zur ersten Note der nächsten 16tel-Gruppe spielt und dort anhält, bevor es dann genauso weitergeht? Das Gleiche kann man dann auf halbe Takte (und ggf. auch auf ganze Takte) erweitern. Diese Übung erzeugt ein intensives Verständnis für die Phrasierung der Melodie.
 
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  • #10
bei der man immer eine 16tel-Gruppe bis zur ersten Note der nächsten 16tel-Gruppe spielt und dort anhält, bevor es dann genauso weitergeht?
Das ist oft eine gute Übung, wenn die Musik eine Tendenz zur Auftaktigkeit aufweist.
Hier entschieden nicht! Die bei Bach häufigen 3-Tongruppen (am Anfang d-e-fis; vergl. z. B. 6. Französische Suite Allemande, dort mit originalen Bögen) sind für Artikulation und Phrasierung wichtiger!
 
  • #11
Das sehe ich anders. Ein Beispiel: Welches Intervall ist innerhalb der ersten fünf Melodietöne das interessanteste? Die Sexte fis-a. Und wenn man auf dem a anhält und dieser Sexte einen kleinen Moment nachlauscht, nimmt man doch das, was innerhalb dieser Sexte geschieht, viel intensiver wahr, als wenn einfach darüber hinweggespielt wird.

Falls du das a allerdings als eigene Stimme in einer latenten Zweistimmigkeit auffasst, ist das durchaus anders. Dann geht es nicht um das Intervall. Aber @motz-art hört m.E. die RH einstimmig.
 
  • #12
Ich wollte eigentlich mehr Artikulation unterbringen. Um das deutlich zu machen muss ich das ohnehin schon eher langsame Tempo (vgl Richter, Gould u.A) nochmal reduzieren. Ich werde die Tage noch eine Aufnahme nachschieben.
 
  • #13
Naja, halt wieder die Rückmeldungen aus der Abteilung "Mensch, er ist 73, da wäre es voll gemein, ihn durch Kritik zu entmutigen".
Nee. Da irrst Du Dich. Wenn es mir nicht gefallen würde, hätte ich keine Probleme, einen schönen Veriss zu schreiben.

CW
 
  • #15
Die Töne sitzen einigermaßen. Aber es ist alles steif: Die Hände, der mechanistische Ablauf des Stückes. Es fehlen völlig Phrasierung, Dynamik, Schwung, Klangvorstellung, Klangschönheit, .... ja es fehlt eigentlich an allem, was diesen Haufen an Tönen zu Musik werden lässt.
Ohren auf, üben, Ohren auf, üben, ...
 
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  • #16
... und trau dich beim Üben gestalterisch zu übertreiben!
 
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  • #17
Ich find es leider auch sehr monoton und mechanisch
 
  • #18
Die Meinung ist ja hier rechte einhellig, ich schließe mich da an.
Was kann man in einem Forum für Tipps geben? Das ist ja kein Fernunterricht.
Hmmm,
ich würde spontan empfehlen die offenbar bereits gehörten Einspielungen noch mal genau zu hören, zudem aber die Bandbreite der Interpretationen zu erhöhen.
Gould würde ich in diesem Fall gerade nicht als sinnvolles 'Vorbild' heranziehen, das ist angesichts des Hochgeladenen vermutlich wenig hilfreich und eher kontraproduktiv. Auch Richter wäre als Hörtipp an Dich in dieser Situation nicht meine erste Wahl. Wenn es unbedingt ein(e) bekannte(r) Interpret(in) sein muss, dann schon eher zB Schiff.
Dir hilft aber, was zielführende und ggf. umsetzbare Inspirationen übers Hören angeht, vielleicht eher sowas:
(Marta Szech)
Evtl. auch:
(Jakub Sládek)
Mir scheint, dass erstmal wichtig ist überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen, was in diesem Präludium überhaupt passiert, was an Möglichkeiten der Interpretation besteht, welche Strukturen da sind etc.
Bei einigen Menschen helfen auch, quasi als Brücke, außermusikalische Impulse herzunehmen, zB wo in dem Stück Dialoge inszenierbar sind, wo vielleicht zwei Personen ihre Ideen gegenseitig aufgreifen und kommentieren, wo die Beiden sich vielleicht auch ereifern und zu überbieten trachten, etc.
Auch die Geschichte einer Kutschfahrt durch unterschiedliche Gegenden und Wetterbedingungen wäre dankbar, Menschen mit Draht zu Tanztheater/Ballett könnten sich eine Choreografie ausdenken, etc. ... Hauptsache es entsteht eine musikalische Geschichte statt Notenhaufen.

Wo sind Entwicklungen, die auf Zwischenhöhepunkte hin erzählbar sind? Wo sind überhaupt mögliche Höhepunkte? Wo sind Sequenzen aufwärts, wo Sequenzen abwärts (auch das lässt sich ggf. mit der Vorstellung einer Rede mit höherer Eindringlichkeit oder nachlassender Intensität) assoziieren, welche Phrasierungsoptionen sind zu finden, ...
Du könntest vom Kleinen (Gestaltung von Motiv und nachfolgender Umkehrung, etc.) ausgehen und Dich dann sukzessive den größeren Zusammenhängen widmen (melodische Tendenz bis Takt 8 ?, was passiert in Takt 9 ?, und wie geht es dann weiter, was passiert melodisch im Bass (zB T4 - 14, etc.)? ...
Wie ist der harmonische Verlauf, wo spürst Du Spannungserhöhungen, wo eher auflösende Entspannungen, und was bietet das an Möglichkeiten für die Gestaltung?
Was kannst Du in Bezug auf solche Fragestellungen in Beispielinterpretationen heraushören?
Vermutlich hilfreich ist es auch gehörte Aufnahmen passagenweise en detail aufzusaugen und dann (in sehr kurzem Abschnitt) 1 zu 1 zu versuchen mit gleichem Gestus nachzuspielen.
Äußeres Hören -> inneres Hören -> eigenes Spiel mit Hörkontrolle (ggf. auch solche kurzen Passagen zur vergleichenden Kontrolle aufnehmen)
Ziel wäre dabei nicht das Nachspielen einer fremden Interpretation, sondern erst mal überhaupt dazu zu kommen welche Ansatzpunkte es im Präludium gibt um aus dem Notenhaufen Musik entstehen zu lassen.

Das Stück hast Du ja, was die Noten angeht, schon erarbeitet, und das läuft ja auch in akzeptablem Tempo.
Wär aber vielleicht nicht schlecht das Tempo dennoch auch mal stark runterzusetzen und bewußt nach deutlichen musikalischen Gesten bei den kleineren Strukturen und einem zugehörigem Bewegungsablauf zu suchen. Im Kleinen direkt überprüfen, ob das dann auch in Normaltempo übertragbar ist, bzw. ob es da ästhetisch/musikalisch funktioniert. Auch mal bewußt eine Variante in p statt mf und f spielen. Mal bewußt und übertrieben den Bass hörbar machen, mal diesen verstecken und die Ohren der Zuhörerschaft auf die Melodie rechts fokussieren.
Um das was als starr und steif bezeichnet werden könnte erstmal quasi aufzuweichen oder aufzulösen sind übertriebene Variantenbildungen sehr hilfreich, auch dann, wenn sie hinterher nicht in eine Endfassung einfließen.

Das 'Tupfen' in der zunächst einfach scheinenden linken Hand braucht m.E. eigene Übung mit guter Hörkontrolle auf Basis einer Klangvorstellung, die zunächst ruhig als Kopie von bewusst gehörten Fremdinterpretationen kommen kann.
Unbedingt links auch solo üben und nur mit der linken Hand eine spannende Geschichte erzählen (T29 das a nochmal anschlagen und dann die je ersten der 4er Gruppe dazunehmen). Es kann helfen eine fiktive Szene hinzu zu denken, zB eine Situation wo Du vor dem Spiel mit links-solo einem anderen Menschen oder Deinem Haustier einführend erzählst, dass Du ein sehr spannendes Stück gefunden hast und es nun zum Besten gibst ... Das animiert dazu dann auch wirklich ein spannendes Stück Musik zu erzählen.
Nicht nur extrahierte Einzelstimmen, selbst ein einzelner Klang oder ein mini-Motiv kann ja zum spannenden musikalischen Ereignis werden, wenn denn mit Ausdruckswillen gespielt oder zeremoniert wird (wobei es Streicher und Bläser da einfacher haben).

Bei einzelnen Takten lohnt es etwas mehr Zeit zu investieren, zB T32 (alle 4 Stimmen hören und gestalterisch berücksichtigen).
Beim Schluss kannst Du uU statt des einfach hingelegten Akkordes eine passende Verzierung überlegen, jedenfalls dann, wenn die Fuge noch hinterherkommen soll, da ist mit etwas Zusatzgedöns ein besser funktionierender Übergang zum quirligen Fugenmotiv, das ja auf dem gleichen D-Dur Klang beginnt, möglich.
 
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  • #19
Das ist oft eine gute Übung, wenn die Musik eine Tendenz zur Auftaktigkeit aufweist.
Hier entschieden nicht!
Oh wohl. Die 16tel sind alle auftaktig.
Bei Deiner Einspielung, lieber @motz-art bewundere ich, wie Du trotz Hektik und recht festem Unterarm dieses Praeludium recht ebenmässig darstellst.
Was mir fehlt, und was bei Bach oft schwierig ist, ist der Atem. Deine Einspielung neigt dazu, in den Figuren zu eilen, statt sie zu genießen.
Minimal ruhiger würde da schon helfen. Du hast gar keine Zeit, der Melodik nachzugehen. Es ist, als würdest Du dauernd auf die Uhr schauen, ob Du den Zug noch erreichst. ;-)
Am Ende wird das Stück, wie so oft bei den Praeludien etwas improvisativ, das nutzt Du gar nicht.
Die Leichtigkeit fehlt, da helfen auch sehr kurze Basstöne nicht. Es singt nicht, es tanzt nicht. Alles opfert sich der Geschwindigkeit.
Also:
Choreographie ernsthaft überdenken und ändern, Tempo rausnehmen, und die 16tel mal in echt singen und schauen, wie sie sich dann verändern.
 
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  • #20
Ich hätte da noch eine kleine Ergänzung:
Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Du Dich ein wenig mit dem 'Job' des ersten Tons des Präludiums beschäftigst.
So wie Du ihn bislang spielst wird bereits mit der Art der Interpretation bzw. Nicht-Interpretation dieses Tones die weitere Gestaltung ein wenig blockiert. Der Ton kann einen Impuls für den Einsatz rechts setzen und zugleich als zusammengehörig zur Gruppe links hörbar werden.
ALLE Töne bei Bach (und nicht nur da) sind quasi teamplayer.
 
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