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ubik

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Hallo,

das wichtigste, was hier im Forum eigentlich kaum angesprochen wurde, beschäftigt mich seit einiger Zeit immer wieder. Ich habe zwar schon einen Thread vor zwei, drei Wochen eröffnet, allerdings wurde mein Anliegen glaub ich falsch verstanden.

Die meisten spielen ihre Stücke, ohne sich zu fragen: "Wie spiele ich dieses Stück eigentlich?". Dazu gehöre ich auch. Nur weil es in den Fingern sitzt, heißt es noch lange nicht, dass man ein Stück spielen kann. Und selten ist man bewusst darüber, wie man eine Stelle im Stück spielt, sondern spielt sie automatisch vor sich hin.

Dieser Thread soll sich mal den musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten widmen, wobei man jetzt nicht auf Dynamik, Artikulation und Tempo reduzieren darf. Es ist völlig klar, dass es bei jeder Situation unterschiedlich ist, wie man eine Idee des Kompinisten ausdrückt, aber ich denke schon, dass es manchmal so etwas wie allgemeine Gesetze gibt. Wer diese Gesetze beherrscht ist für mich ein wahrer Pianist.

Also, stellt euch mal vor ihr habt eine Melodie. Es kann was völlig einfaches sein, wie zum Beispiel "Alle meine Entchen" oder sowas. Stellt euch jetzt vor ihr würdet die Melodie völlig ohne Ausdruck spielen, wie langweilig (obwohl es eine sehr einfache Melodie ist) es klingen würde! Und jetzt dreht den Spieß um. Ihr gestaltet diese Melodie. Den Anfang der Melodie ("A-lle-mei-ne-Ent-chen") unterstützt ihr mit einem Crescendo, die Melodie spielt ihr gebunden, bis auf das "Ent-chen". Den Teil "Schwim-men-auf-dem-See" spielt ihr so, dass "Schwim-men-auf-dem" hervorgehoben wird, das "See" jedoch leiser mit erfüllendem Charakter, wie ein Ausatmen. Mit dieser Methode könnte man das weiter fortsetzen.

Tja, eigentlich habe ich fast meine Frage selbst beantwortet. Aber eine Frage könnte ich euch noch stellen: Kennt ihr noch andere Wege, eine Melodie so zu gestalten, dass sie "musikalisch" (ich weiß bis heute noch nicht was damit gemeint ist) klingt?

Das was ich meine, übt wahrscheinlich nur ein kleiner Teil von euch. Aber wenn man tatsächlich bewusst jede Note gestaltet, dann klingt es erst nach Musik.

Was soll dieses "musikalisch" denn sonst sein? Es kann doch nicht unmöglich sein, es zu entdecken?
 
Stuemperle

Stuemperle

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Die meisten spielen ihre Stücke, ohne sich zu fragen: "Wie spiele ich dieses Stück eigentlich?". Dazu gehöre ich auch. Nur weil es in den Fingern sitzt, heißt es noch lange nicht, dass man ein Stück spielen kann. Und selten ist man bewusst darüber, wie man eine Stelle im Stück spielt, sondern spielt sie automatisch vor sich hin.
Na! Hast Du schon mal gespielt während Du Dich "auf Krawall gebürstet" fühltest? (Egal ob's paßt :D )
Aber Holla! (und Zuhören.)

Eine bessere Methode ist, sich einen Film vorzustellen mit kleinen Szenen, die man so auswählt, dass sie einen motivieren, das Stück / die Passage so zu spielen, wie man meint es/sie gespielt werden sollte.

Manchmal kommt so ein Film schon beim Zuhören...

LG Manfred
 
Guendola

Guendola

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Ich kann mich Stümperle nur anschließen: Einfach mal ausprobieren, wie sich eine Stimmung auf das Spielen auswirkt. Schauspielern ist erwünscht und am besten nimmt man sich dabei auf, damit man es mit etwas Abstand begutachten kann. Es läuft übrigens immer auf Dynamik, Phrasierung, Artikulation und Agogik hinaus, nur eben etwas allgemeiner, so ählich wie ein Filter vor der Kameralinse.

"Musikalisch" heißt meiner Meinung nach, daß man versteht, was im Stück passiert und das in seiner Interpretation umsetzt. Den dramaturgischen Ablauf hervorheben. Hätte "Alle meine Entchen" eine zweite Strophe, in der ein hungriger Fuchs vorkäme, würde es dramatischer werden und sollte auch so gesungen werden. Solche Spannungsmomente können auch in den Noten selbst gefunden werden, dafür braucht es keinen Text.
 
 

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