Auf der Suche nach *meinem* Klavier - oder Flügel :)

  • Ersteller Ersteller Coda
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Von dem oben von Dir genannten Steinway K Klavier würde ich Abstand nehmen und gar nicht mehr hinfahren.
Das ist ein Instrument, in dem einmal ein Welte-Mignon Reproduktionsselbstspielmechanismus eingebaut war. Also so ein Teil, welchen mit Papierlochstreifen von selbst spielen konnte und den "Vortrag der Künstler in allen Nuancirungen" wiedergeben konnte.
Das System gab es von 1904 - ca. 1930.
Wäre der Welte-Einbau noch vorhanden und ein paar Notenrollen dabei, wäre es für den Preis vielleicht für Sammler gerade noch so attraktiv. (Der VK hat mit 10 mille angefangen zu annoncieren)
So jedoch nicht, weil Dir das Instrument im Vergleich zu einem normalen K ähnlichen Baujahres eigentlich nur Nachteile bietet:

-Das Gehäuse ist tiefer und braucht dadurch mehr Platz (wenn es nicht kürzer gesägt wurde, was hier aber nicht der Fall ist, ich aber auch schon gesehen habe). Auch ist das Klavier höher als die normalen Ks aus der Zeit.
-Die Tasten sind insgesamt länger, weil zwischen Gehäusefront und Mechanik noch der Welte Obereinbau stand. Dadurch entstehen ungünstigere Hebelverhältnisse. Die Tasten sind meist träger und nicht so direkt.
-Aufgrund des Einbaus ist die Mechanik mit Abstrakten und nicht mit den sonst bei Steinway üblichen Piloten gebaut. Die ganze Mechanik und auch die komplette Gussplatte sitzt höher, damit der Einbau reinpasste. Dadurch ist das Klavier auch höher. Wie oben schon geschrieben.
-oftmals, jedoch nicht immer, ist das Pedalgestänge anders, nämlich indirekter verlegt, um dem Welte Untereinbau auszuweichen. Das Pedalspiel fühlt sich also auch anders an.

Cool finde ich allerdings, daß sich die Vorderfront nach vorne aufstellen lassen kann, ähnlich wie bei den ganz teuren Yamaha Klavieren heutzutage, ich denke, die haben das dort angeschaut)und auch den Deckel. Das haben die normalen Steinway Klaviere nicht. Okay, Deckel vielleicht, weiß ich gerade nicht.
Dort, wo jetzt an der Front die Schiebeklappe ist, legte man ursprünglich die Papierrolle ein. Ohne Einbau macht die aber auch keinen Sinn mehr.

Bei Flügeln gibt's das übrigens auch, also aufpassen! Phonola, Pianola, Duo Art etc...

Zu den Vorkriegs 0s, naja, ich denke, mit denen wirst Du nicht glücklich. Aber da mögen andere mehr zu sagen. Auch was die sogenannten Restaurierungen dieser Instrumente betrifft. Für mich hat so ein Instrument nur historischen Reiz, aber dafür muss er eben auch original erhalten sein. Die findet man in Deutschland aber immer seltener bis gar nicht mehr. (Als nicht Klavierbauer)
Man kann aber durchaus von privat schon gute original erhaltene Steinways finden. Ich würde da aber eher nach Nachkriegsinstrumenten Ausschau halten, genauer so ab Baujahr 1965. Wir haben unseren so gefunden.
Aber das ist nur mein persönlicher Geschmack.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bechstein Klaviere habe ich auch noch nicht gespielt und stehen auf jeden Fall auf der Liste.
Flügel aus dem gesamten letzten Jahrhundert mit evtl. Ausnahme der Nachkriegszeit bis ca. 1970 würde ich auch empfehlen.
Würde ich sehr weit unten in der Priorität einsortieren. So durcheinander wie bei der Mechanik die Fänger stehen, ist es wahrscheinlich im Moment keine Freude, darauf zu spielen.
Maiwald macht oft Klangproben seiner Instrumente.
Mein Eindruck ist: So richtig abgeholt hat dich das Instrument nicht. Es ist derzeit vlt nicht in perfektem, aber gutem technischen Zustand. Du hast genug Erfahrung, dass dich das Instrument auch so in irgendeiner Form beim Spielen begeistert hätte.
Wenn der Preis der Optik geschuldet ist, könnte er viel Spaß machen.
Sehe ich genauso. Du könntest ihn sogar komplett neu besaiten lassen und wärst immer noch bei deutlich unter 10.000 €.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu den Vorkriegs 0s, naja, ich denke, mit denen wirst Du nicht glücklich. Aber da mögen andere mehr zu sagen.
Da gehen die Meinungen sehr auseinander. Manche sagen, dass in der Zeit die besten Instrumente überhaupt gebaut wurden. Ich finde: sehr gute, aber die modernen müssen sich auch nicht verstecken. Bei den Geigen ist es mit den Stradivari ähnlich. Ein Mix aus tatsächlicher Qualität und Verklärung. Im Endeffekt kommt es auf das konkrete Instrument an, pauschale Aussagen sind nicht treffsicher.

Ich würde also nicht ausschließen, dass man mit einem Vorkriegs-O glücklich werden kann. Aber ich habe auch schon sehr klapprige Instrumente aus der Zeit gesehen. Bei dem Preis in Kombination mit dem Namen Steinway bin ich nicht optimistisch. Aber ohne hingehen weiß man es nicht.
Farblich gefällt mir der dritte verlinkte O sehr gut.
 
Da möchte ich widersprechen: Ein Instrument kann auch nach 50 Jahren noch top sein. Alles darüber ist meist schon mal renoviert - und das ist nicht immer zum besten.


55 Jahre alt, neue Baßsaiten, frisch reguliert und intoniert. Der wird die nächsten 20-30 Jahre locker ohne Werkstattaufenthalt auskommen.
 
Zwischen Werkstattaufenthalt und nichts außer höchsten einmal im Jahr stimmen gibt es aber noch ein paar Abstufungen.

Und? Alles was man ambulant erledigen kann, sind Wartungsarbeiten, die je nach Benutzungsart und -dauer notwendig sind, so wie eine Inspektion beim Auto nach 20.000 km, wobei meine letzte Inspektion am ollen B dann wohl in die 80.000 km Kategorie fällt.

Säubern der Mechanik, Nachregulieren, Hammerköpfe abziehen, evtl. Teflon{puder|spray|whatever} auf die Röllchen und checken, ob alle Hämmer gleichmäßig gängig sind und den einen oder anderen Ton nachintonieren. Je nach Techniker ca. 3-6 Stunden Aufwand, der sich lohnt, den sich aber die wenigsten leisten. Und wenn man es sich nicht leistet, dann spielt sich halt der Flügel nach 5 Jahren wie, nunja, such Dir ein passendes Wort aus.

Habe ich da was vergessen?
 
Ja, klar, solche Berichte sind immer wieder interessant.
:-)

Jedesmal schmunzele ich beim Lesen, denn das alles habe ich nicht erlebt. Damals hatte ich das unglaubliche Glück, dass der erste angespielte Flügel (@Coda, ein 121 Jahre alter Bechstein V200) mich so umgehauen hat, dass ich ihn spontan gekauft habe. Es ist ein wundervolles Instrument, das mich außer den jährlichen Stimmungen bisher nur 990,00 gekostet hat (für Arbeiten an einem Tag vor 12 Jahren). Hammerköpfe abziehen war noch nicht dabei, weil es der Klavierstimmer und -bauer bisher nicht für erforderlich gehalten hat.

Ein altes Instrument muss also nicht unbedingt hohe Wartungskosten verursachen.
 
Eine komplette Mechaniküberholung kann man auch machen, ohne dass das gesamte Instrument in die Werkstatt muss (bitte nicht als Unterstellung verstehen).

Nö, ich sehe da keine Unterstellung.

Von kompletten Mechaniküberholungen (die aber dennoch sinnvollerweise in einer Werkstattt durchgeführt werden), weiß ich ein bißchen was (Such nach 60103), weil es bei meinem ollen, 140 Jahre alten B, einfach notwendig war. Da wurde aber auch alles mögliche ersetzt, vor allem, weil der letzte an diesem Flügel werkelnde "Klavierbauer" einfach viel Scheiße gebaut hat. Neue Hebeglieder, Piloten, Fänger, Neuverleimung von 42 Hämmern, Klaviatur ausbessern, Hämmer verjüngen und noch einiges mehr, plus die Arbeit, die neu aufgebaute Mechanik wieder in den Flügel zu passen - das war viel Arbeit und hat natürlich richtig Geld gekostet.

Ich bin mal so kühn und behaupte, dass bei besagtem 55 Jahre alten B eine aufwändige Überholung der Mechanik in den nächsten 10 Jahren nicht ansteht.

Alle vorgenannten Arbeiten dienen der Spiel- und Werterhaltung und sollten einfach gemacht werden, weil ein derartig hochwertiges Instrument es verdient.

Eine aufwändige Mechaniküberholung ist eher ein guter Indikator dafür, dass da vorher einiges schiefgelaufen ist, also die genannten Wartungen nicht durchgeführt wurden. Einmal im Jahr den Flügel stimmen und jeden Tag drauf spielen - das Ergebnis ist vorprogrammiert.
 

Hello again! Danke für die zahlreichen Nachrichten!

Es ist natürlich schon toll, wenn man die Chance hat, ein altes Vorkriegsschätzchen zu bekommen und das dann sorgfältig zu restaurieren, keine Frage. Es ist nur so, stecke ich jetzt 15k in den Kauf, ist erstmal keine Kohle mehr da, um dann noch aufwändige Restaurationen zu bezahlen. Deshalb machen wir die alten, durchaus reizvollen Instrumente immer auch etwas Sorgen. Der Schiedmayer fällt da etwas raus, da der wirklich schön restauriert ist. Warum er mich evtl. nicht abgeholt hat @Pianosa ? Nun, er war das allererste Instrument, das ich überhaupt probegespielt habe. Und er war einfach nicht pefekt gestimmt (zuletzt im Februar 2025, aber da eben gerade wieder auf 440 Hz hoch, nachdem er Jahre in der Cafeteria rumstand) und deshalb etwas schrill in den Höhen, im Piano kam der Ton manchmal nicht sofort - natürlich fällt der jetzt etwas ab, da ich nun Steinways, Blüthner etc. gespielt habe. Ich denke, da muss ich einfach nochmal hinfahren. @fisherman nach den Erfahrungen jetzt würde ich beim Schiedmayer auch nicht mehr so ein Gedöns machen wegen der Reparaturhistorie - alles, was man mit bloßem Auge sehen kann, scheint neu zu sein, und er spielte sich ja auch echt nett (sonst wäre ich keine 90 min drangesessen). Die Umstände an dem Tag waren aus anderen Gründen etwas...schwierig und ich sollte ihm auf jeden Fall noch ne Chance geben.

Dann habe ich immer Angst, dass bei solch alten Instrumenten der Stimmstock kaputt geht wie bei meinem alten Klavier. Bei Marken wie Steinway und Bechstein muss ich mir da vllt. weniger Sorgen machen, aber angenommen ich kaufe nun einen Ibach 180 aus 1910, der noch komplett original ist (wie der verlinkte für 9.900, habe schon angefragt). Laut Recherche auch ein sehr wertiges Instrument. Der sieht wirklich schon sehr gepflegt aus, aber trotzdem habe ich Schiss vor ner Kostenexplosion. Auch wenn mich Geschichten wie die von @Marlene und ihrem Bechstein dann wieder beruhigen. Wow, da hast du ja echt was richtig Tolles erwischt, Glückwunsch dazu. Findet man wohl auch nur einmal im Leben, was? ;-) Jedenfalls werde ich mir den Ibach mal anschauen.

Der andere Ibach 180 - der lustigerweise in der Nähe steht - mit den fiesen Lackschäden ist aus den 60ern, das wäre schon verlockender...Optik ist mir ja nicht so wichtig. Klar, die Risse sehen nicht so doll aus. Aber knapp 5k VB ist halt auch ne Ansage.

Und der Feurich 170 ist aus den 30ern, aber wenigstens etwas restauriert. Der Mann hat ihn selbst für 5.000 gekauft und ihn dann erst restaurieren lassen. Klar, da ist auch kein neuer Stimmstock drin...aber immerhin größtenteils neue Saiten, ausgespänter Resonanzboden...ich denke, da werde ich schon mal hinfahren, der Preis ist einfach zu verlockend. @fisherman du meinst, mit Pech kann der in ein paar Jahren in die Tonne. Woran erkenne ich das, bzw. was wäre dann das Problem? Der Mann sagte mir, dass er den Flügel von einem ganz tollen Experten vom Bodensee gekauft hat (der Name Fischer fiel irgendwie noch, kann ich nicht mehr erinnern) und der könne auch kommen und mir bestätigen, dass der Flügel super in Schuss ist. Aber ist halt dann nicht unabhängig, ne...

Ich bin übrigens verwundert, wieviele Bechstein Flügel es knapp über meinem Budget gibt. Sowas z.B.: https://www.kleinanzeigen.de/s-anze...dell-a-generell-ueberholt-/3142616929-74-1995 oder hier: https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/c-bechstein-m-180-fluegel/3143999168-74-9453, wirkt recht sympathisch, nur so als Beispiele, es gibt noch viel mehr. Wäre doch auch interessant...allerdings weiß ich schon bald nicht mehr, wie ich die ganzen Instrumente mal probespielen soll, haha.

Und zum Schluss noch: alles, wo ich noch richtig Geld reinstecken muss, kommt erstmal nicht in Frage. Ist aufgrund unserer Situation einfach zu riskant. Da gebe ich lieber ein paar Tausender mehr aus...mein Mann ist schon so verständnisvoll und entgegenkommend, da kaufe ich jetzt lieber nicht die nächste Millionen-Baustelle. Leider kann mir das bei den jeweiligen Instrumenten ja immer nur ein Experte sagen...und ich könnte Glück haben, wie Marlene. Ach, alles nicht so einfach! Ich wünschte es wäre so einfach ala "altes Instrument = Kostenfalle", aber nein, nun hört man sogar noch Gegenteiliges. Das ist echt ne Herausforderung, so kann ich zu alte Instrumente gar nicht aussortieren und irgendwie kommt doch wieder scheinbar alles in Frage :030:
Von dem oben von Dir genannten Steinway K Klavier würde ich Abstand nehmen und gar nicht mehr hinfahren.
Das ist ein Instrument, in dem einmal ein Welte-Mignon Reproduktionsselbstspielmechanismus eingebaut war. Also so ein Teil, welchen mit Papierlochstreifen von selbst spielen konnte und den "Vortrag der Künstler in allen Nuancirungen" wiedergeben konnte.
Wie interessant, danke für die Info, nee, sowas will ich natürlich nicht haben. Hab das Klavier eh schon wieder rausgeschmissen. Will erstmal noch mehr Flügel angucken. Mit 180cm ist da Wohnzimmer dann halt voll, aber vllt schmeissen wir die Couch ja einfach irgendwann wieder raus, hehe!
Zu den Vorkriegs 0s, naja, ich denke, mit denen wirst Du nicht glücklich. Aber da mögen andere mehr zu sagen. Auch was die sogenannten Restaurierungen dieser Instrumente betrifft. Für mich hat so ein Instrument nur historischen Reiz, aber dafür muss er eben auch original erhalten sein. Die findet man in Deutschland aber immer seltener bis gar nicht mehr. (Als nicht Klavierbauer)
Man kann aber durchaus von privat schon gute original erhaltene Steinways finden. Ich würde da aber eher nach Nachkriegsinstrumenten Ausschau halten, genauer so ab Baujahr 1965.
So einen Jungen kann ich mir nicht leisten, aber macht auch nichts. Die älteren schaue ich mir aber mal an, da ist halt wie gesagt die Angst, dass ich irgendwann nochmal 15k reinstecken muss, das ginge halt nicht. Insofern "muss" ich dann eben Kompromisse machen und ein anderes Instrument kaufen. Aber wenn man bedenkt, dass wir jetzt quasi von einem mittelgroßen Seiler Klavier doch zu 180cm FLügeln gekommen sind, ist das auch Jammern auf hohem Niveau :-)

Leider muss meine Marburg-Tour am Wochenende ausfallen, da mich ein richtig fieser Infekt komplett lahmgelegt hat. Und sorry, mein heutiger Text ist irgendwie total wirr. Meine Nebenhöhlen sind aber auch arg entzündet, "Matsch-Gehirn" also...
 
@Coda, ich wünsche Dir baldige Genesung, damit Du Dich bald wieder weiter auf die Suche machen kannst.

Wow, da hast du ja echt was richtig Tolles erwischt, Glückwunsch dazu.

Danke, aber ohne die Hilfe einiger Clavio-Mitglieder würde der Flügel jetzt nicht bei mir stehen.

Findet man wohl auch nur einmal im Leben, was?

Er hat mich gefunden, ich wollte ihn ja gar nicht.

Es ging damals ruckzuck. Am 02.02.2012 habe ich das Thema „Gebrauchter Flügel für EUR 20.000,00 ???“ eröffnet. Am folgenden Tag habe ich eine PN erhalten und erfahren, dass der Vorbesitzer den Flügel vier Jahre zuvor für einen deutlich höheren Preis gekauft hat. Am gleichen Tag hat mir ein anderes Clavio-Mitglied mitgeteilt, dass er den Flügel kenne. Er sei in einem sehr guten Zustand, die akustische Anlage sei perfekt gemacht worden (die Überholung wurde in Deutschland durchgeführt). Somit seien keine großen Reparaturen mehr zu erwarten. Der Flügel müsste nachreguliert werden, d.h. die Einstellungen in der Mechanik mussten nachjustiert werden. Er würde zuschlagen und als Klavierbauer würde er den Flügel ungesehen nehmen. Das gleiche hat mir Micha gesagt, unser geschätzter @klaviermacher.

Aber: Der Flügel gefiel mir wegen der „pummeligen Beine“ und kleinen Rollen nicht. Und dann sitze ich am Nachmittag des 3. Februar am Schreibtisch und räkele mich mit geschlossenen Augen. Und – peng – sehe ich ein Bild vor meinem inneren Auge: „Sr. Maj.“ ein Wappen und „des Kaisers“. Schlagartig wurde mir klar, dass ich in der Nacht von dem Flügel geträumt habe. Ich glaube nicht an Zufälle, daher habe ich einen Besichtigungstermin vereinbart und am 04.02.2012 einen Flug nach München gebucht.

07.02.2012, ein kalter Morgen, -12° in Köln und -8° und 10 cm Schnee in München.
Dann bin ich mit einem klavierspielenden Freund nach Altdorf gefahren. Als ich den Flügel angespielt habe, konnte ich nichts mehr (von dem eh wenigen, ich hatte damals erst seit fünf Monaten Klavierunterricht). Dann hat der Freund gespielt, Mozart und Chopin, der Flügel klang wundervoll – Gänsehaut pur und feuchte Augen. Danach habe ich es erneut versucht und dann hat es besser geklappt.

Warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat? Weil ich ein wenig eingeschüchtert war von dem alten Herrn, der so viele Jahrzehnte und zwei Kriege überstanden hat. Und trotzdem noch so gut in Schuss ist. Mit wundervollem Klang trotz des sehr kleinen Raumes und trotz den geöffneten Deckels.
 
Würde ich weit unten priorisieren. Selbst wenn den der Händler geschenkt bekommen hatte, kann man zu dem Preis keine qualitativ hochwertige Generalüberholung machen, mit allem, was da beschrieben ist. Auch nicht in Polen, wo es vermutlich gemacht wurde.
Das Angebot ist beinahe schon zu gut, um wahr zu sein. Die Krakelee im Resonanzboden sind unkritisch und rein optisch im Lack. Kann bei den besten Instrumenten vorkommen. Stutzig macht mich die Aussage, dass die Hammerköpfe original sind und noch nie abgezogen wurden. Auf den Bildern sieht man im Grunde überhaupt keine Rillen in den Hammerköpfen. Schon bei einer Stunde Spiel pro Tag würde man bei neuen oder frisch abgezogen Hammerköpfen spätestens nach einem Jahr deutlichere Rillen sehen. Filz und Holz der Hammerköpfe sehen für mich aber von ihrer Art her aus wie die originalen, die in ein solches Instrument gehören.
 
Hello again! Danke für die zahlreichen Nachrichten!

Dann habe ich immer Angst, dass bei solch alten Instrumenten der Stimmstock kaputt geht wie bei meinem alten Klavier. Bei Marken wie Steinway und Bechstein muss ich mir da vllt. weniger Sorgen machen, aber angenommen ich kaufe nun einen Ibach 180 aus 1910, der noch komplett original ist (wie der verlinkte für 9.900, habe schon angefragt). Laut Recherche auch ein sehr wertiges Instrument. Der sieht wirklich schon sehr gepflegt aus, aber trotzdem habe ich Schiss vor ner Kostenexplosion. Auch wenn mich Geschichten wie die von @Marlene und ihrem Bechstein dann wieder beruhigen. Wow, da hast du ja echt was richtig Tolles erwischt,

Ich bin übrigens verwundert, wieviele Bechstein Flügel es knapp über meinem Budget gibt. Sowas z.B.: https://www.kleinanzeigen.de/s-anze...dell-a-generell-ueberholt-/3142616929-74-1995 oder hier: https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/c-bechstein-m-180-fluegel/3143999168-74-9453, wirkt recht sympathisch, nur so als Beispiele, es gibt noch viel mehr. Wäre doch auch interessant...allerdings weiß ich schon bald nicht mehr, wie ich die ganzen Instrumente mal probespielen soll, haha.

Den Bechstein Flügel von 1972 könnte man sich schon mal anschauen denke ich.
Den von 1907 eher nicht. Ohne die Arbeit jetzt aus der Ferne beurteilen zu wollen, musst Du wissen, daß das das wohl eine der vielen Polen Komplett-"Restaurierungen" ist, wie wohl alle Instrumente dieser Anbieterin. Siehe die anderen Anzeigen dieser Händlerin, wo das Steinway K noch vor dem Schild M+T Perfect Piano steht. (einfach mal googlen.)

Und war da nicht was mit wandernden Stimmstöcken und Gussplattenrissen bei einem der alten Modelle?

Die Bechstein Klaviere und Flügel wurden vor dem Krieg einfach in sehr großen Mengen gebaut, sind heute unrestauriertquadi geschenkt zu bekommen und deshalb für solcherlei Restaurierungen lukrativ. Und deshalb noch sehr häufig vorhanden.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Coda, ich wünsche Dir baldige Genesung, damit Du Dich bald wieder weiter auf die Suche machen kannst.
Vielen Dank! Vielleicht ist es auch ein Hinweis, dass ich mal ein wenig langsam machen soll, haha. Momentan steigere ich mich schon etwas rein. Dabei habe ich noch Zeit...
Danke, aber ohne die Hilfe einiger Clavio-Mitglieder würde der Flügel jetzt nicht bei mir stehen.
Er hat mich gefunden, ich wollte ihn ja gar nicht.
Ach Mensch, das ist so eine schöne Geschichte! Ich liebe solche unvorhergesehenen, ungeplanten Ereignisse, die dann genau das Richtige sind. So etwas wird es bei mir auch in irgendeiner Weise geben, da bin ich mir sicher.

An @Pianosa und @NoEPiano vielen Dank auch für eure Einschätzungen. Von dieser Art des Restaurierens hatte ich natürlich keine Ahnung...aber klar, so rechtfertigt sich der Preis. Schade! Aber auch nicht schlimm, bei einem solch alten Instrument müsste ich schon sehr auf der sicheren Seite sein...
Dagegen finde ich auch, dass der Bechstein M von 72 ein sehr sehr interessantes Angebot ist. Der Verkäufer will ihn auch erst zum Ende des Jahres veräußern, passt ja wohl perfekt. Leider wieder echt weit weg, dauernd kann ich sowas nicht machen, aber ich glaube, da werde ich wohl hinfahren müssen :lol: Wobei: es gibt noch einen (zu teuren) M hier um die Ecke, den könnte ich für eine erste Einschätzung ja auch einfach mal ausprobieren.

Wenn mir langweilig ist, frage ich manchmal die AI nach Antworten...und die sagt mir, ein Schiedmayer 18 sei mindestens vergleichbar mit einem Bechstein M und könnte für meine Vorlieben eher passend sein und charaktervoller klingen. Der Bechstein sei wohl schon sehr klar und direkt und moderner. Das kann natürlich auch alles Blödsinn sein - aber ich muss echt bald nochmal den Schiedmayer angucken. Habe gesehen, dass es in Kassel einen Konzerttechniker (Meister) gibt, Stephan Cobré, der auch solche Wertgutachten macht, mit dem könnte ich mal hinfahren und eine Beurteilung abgeben lassen. Würde mich ja brennend interessieren!

Ich habe inzwischen den Verkäufer vom Steinway O aus Zossen kontaktiert, das ist dieser hier https://www.kleinanzeigen.de/s-anze...l-o-180cm-bj-1911-mahagoni/3026017127-74-7897 . Am Flügel wurden "die Hammerköpfe erneuert und alles neu reguliert" - in der Anzeige spricht er noch von erneuerten Saiten. Aber wahrscheinlich wird das inklusive Transport einfach zu teuer für mich.
 
Vielleicht ist es auch ein Hinweis, dass ich mal ein wenig langsam machen soll

Das kann vielleicht nicht schaden, Du hast ja ein schwindelerregendes Tempo vorgelegt. Aber ich kann es nachvollziehen, denn wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, muss ich mich zuweilen auch zügeln. Trotz meiner fast 66 Jahre kommt immer wieder der jugendliche Leichtsinn durch.
;-)

So etwas wird es bei mir auch in irgendeiner Weise geben, da bin ich mir sicher.

Ich auch, Du wirst Deinen Flügel finden. Wenn Du ihn anspielst und die Endorphine Dich fluten, weißt Du es. Für dieses bereichernde Gefühl wünsche ich jetzt schon Dir viel Freude.
 
@Coda
Du hast ein Stimmstocktrauma. :-DPrinzipiell kann ja bei jedem - auch bei einem „restaurierten“ Flügel irgendetwas dramatisches passieren. Dagegen gibt es keine Versicherung - aber eine Begutachtung durch Profis kann die Wahrscheinlichkeit senken. Ich verweise wieder auf mein Beispiel mit dem Autokauf.

Schiedmayer: Da ist im Budget noch Puffer, um alles störende zu beseitigen (Ausbleibende Töne, schrille Intonation). Ein Profi kann Dir immer sagen, ob das möglich ist.

Feurich 170: Kostet so wenig, dass ein Totalschaden zu verschmerzen wäre.

Ibach für 9.990,- / Sieht topp aus - was sagt ein Profi? Wenn er gepflegt ist, wurde er vermutlich auch gestimmt. Einfach den Stimmer erfragen und den mal zu dem Flügel ausfragen! Das kann man übrigens bei allen Instrumenten machen, die dauerhaft gestimmt wurden - i.d.R. ja vom gleichen Stimmer.
 

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