Anfänger auf der Suche nach professioneller Kritik


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AVdK
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Moin!

Ich habe mich spontan - gut, vielleicht mit etwa zwei Wochen Vorbereitungszeit - dazu entschlossen, mein Anliegen einmal mit zittrigen Fingern in diesem Forum zu platzieren und möchte mich in diesem Zusammenhang schon einmal für die vielen wertvollen und unterhaltsamen Inhalte auf dieser Plattform bedanken. Kurz zu mir: Ich bin 32 Jahre alt, komme aus dem Nordosten Deutschlands, verstecke mich vorerst hinter dem Spitznamen AVdK (falls ich hier nochmal von vorne anfangen muss :-) ) und befinde mich in folgender Situation:

Anfang Februar habe ich mir ein Keyboard gekauft, um völlig unvorbelastet mal etwas Musik machen zu können. Dazu habe ich eine Klavierlern-App genutzt, die ich zunächst ziemlich praktisch fand, weil sie mir beim Spielen zugehört hat und mich dann mit Sternchen belohnte. Recht schnell musste ich allerdings feststellen, dass die darin spielbaren Stücke entweder stark vereinfacht oder unvollständig waren und dass Takt nicht wirklich belohnt oder bestraft wurde. (Hinzu kam und kommt, dass mich besagte App mit ihren fürchterlichen YouTube-Werbeeinblendungen mittlerweile in den Wahnsinn treibt.)

Mitte Februar also: Tschüss App, hallo Wirklichkeit. Hallo Klassik und - oh Mann, habe ich mir tatsächlich ein Keyboard mit so wenig Tasten gekauft?

Mitte März: Tschüss Keyboard. Hallo Digitalpiano (Kawai CA99).

Nun, nachdem wieder einige Wochen ins Land gegangen sind, habe ich mich in der Zwischenzeit mit einigen Stücken beschäftigt. Zuallererst die nächtliche Reise von Gurlitt, dann das Menuett in G-Dur von Petzold, dann L'Arabesque von Burgmüller -danach folgten Für Elise und Rondo Alla Turca. Jetzt arbeite ich gerade an der Nocturne Op. 9 No. 2 sowie dem Solfeggietto von CPE Bach, weil mir die Stücke so gut gefallen.

Ich will damit keineswegs sagen, dass ich diese Werke wirklich - öhm - richtig spielen kann. Ich kann sie zumindest auswendig und glaube, eine gewisse Ähnlichkeit mit den Einspielungen der (gewöhnlichen) Menschen auf YouTube zu erkennen. Aber mir fehlt absolut die Kontrollinstanz. Also jemand, der mir eine ehrliche und bestenfalls professionelle Einschätzung gibt, ob ich mich in die richtige Richtung bewege, ob ich etwas falsch mache - oder ob ich womöglich ein schreckliches Verbrechen an der Musikwelt begehe, wenn ich weiter auf diese Weise (Digital-)Klavier spiele. Ich habe keinen Klavierlehrer. Hier in der Region (Vorpommern-Rügen) gibt es keinen Anbieter, der mich wirklich anspricht. Und mit Corona ist ja gerade sowieso alles doof.

Deshalb meine Frage: Würde sich hier jemand (mit Expertise) bereiterklären, sich Aufnahmen meiner Einspielungen anzuhören/anzusehen und mir dazu professionelles (und gerne auch freundliches) Feedback zu geben? Ich stelle mir das so vor, dass ich mein Spiel aufnehme und dann über einen x-beliebigen Weg in einer x-beliebigen Qualität an die Person Y sende. Gerne in Kombination mit der Möglichkeit eines regelmäßigen lockeren Austauschs, bei dem ich die eine oder andere Frage stellen darf. Selbstverständlich würde ich dafür auch stets angemessen und im Voraus bezahlen. Mir ist bewusst, dass das kein gleichwertiger Ersatz für einen Klavierlehrer vor Ort sein kann. Ich suche auf diese Weise nach einem Kompromiss und hoffe, mit meiner Fragestellung gegen keine Regeln zu verstoßen.

Ach so: Ich möchte die Sachen, die ich so fabriziere, (noch) ungerne hier - also öffentlich - einstellen. Zum einen, weil ich mir einen mehr oder minder direkten Ansprechpartner wünsche, der mir erstmal meinen Ist-Stand so gut es geht aufzeigt. Zum anderen, weil ich als stiller Mitleser in einigen Threads sehen konnte, mit welcher Zerstörungskraft das geballte Clavio-Artilleriefeuer Ziele vernichten kann. :-)

Herzlichen Dank im Voraus! :-)
 
JonasKlais
JonasKlais
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Erstmal willkommen hier!
Also wenn du Anfänger ohne jede technische Grundlagen bist, brauchst du einen Lehrer in Natur, der dir erstmal die Grundlagen zeigt und direkt korrigierend im Unterricht eingreift.
Wenn es vor Ort mangels Angebot in der Nähe absolut nicht geht, schau dich mal nach Online-Unterricht via Skype und Co. um.

Aufnahmen irgendwo hinschicken und nachträgliches Feedback wird dir - solange du die Grundlagen nicht kennst - nicht wirklich weiterhelfen.
 
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Tastatula
Tastatula
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Deine Idee finde ich gut. Man kann schon Einiges online helfen, auch wenn es durch den Präsenzunterricht nicht wirklich zu ersetzen ist.
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
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@AVdK willkommen :-)

Deine 2wöchige Lernkurve (Keyboard+App -> Klavier+Musik) und Deine Konsequenz ist beeindruckend. :-)
Bleib weiter so konsequent!
Daher: Ich halte es auch für sinnvoller, gleich einen Onlineunterricht via Skype&Co (als Notlösung zu Präsenzunterricht!) zu buchen, aber das kann sich ja aus Deiner guten Idee noch entwickeln. Professionelles Feedback auf Aufnahmen und der daraus entstehende Dialog kann jedenfalls nicht schaden. Habe ich auch schon so mit einer KL aus diesem Forum praktiziert.
Viel Erfolg!
 
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AVdK
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Guten Morgen!

Vielen Dank für die Beiträge. Ich freue mich sehr, dass meine Anfrage hier konstruktiv und freundlich beantwortet wurde. Den dringenden Verweis auf unerlässlichen Präsenzunterricht nehme ich mir auf jeden Fall zu Herzen und werde das weiter verfolgen. Aufgrund meiner Recherchen in diesem Forum zum Thema Klavierlehrer bin ich diesbezüglich allerdings - na ja - zurückhaltend und reagiere möglicherweise übervorsichtig auf die Anbieter, die ich so in meiner Region entdeckt habe. Ich bleibe am Ball.

Zurück zur Notlösung: Das soll gar nicht bedeuten, dass ich unbedingt und für immer aus dem Schatten heraus Aufnahmen verschicken möchte und mir davon ein konstruktives langfristiges Feedback erhoffe. Es wäre für mich ein Schritt, um meinen Ist-Stand prüfen zu lassen - und so eine Art erste Etappe, aus der sich selbstverständlich auch ein regelmäßiger Dialog/Unterricht via Skype o.ä. ergeben darf, wenn die noch zu definierende Person Interesse daran und Zeit dafür hat.
Es geht mir dabei wirklich nicht darum, hier einen Weg des geringsten Widerstandes zu wählen.

Nochmals vielen Dank an alle, die sich die Zeit für die Beantwortung meines Anliegens genommen haben.
 
Stilblüte
Stilblüte
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Lass dir noch gesagt sein, dass guter Klavierunterricht auch etwas kostet. Natürlich schon abhängig von der Region, in der du lebst. Ich glaube, dir ist das bewusst, aber ich schreib's trotzdem nochmal: Wer Klavierunterricht zum Tarif von Nachhilfeunterricht anbietet, kennt die Branche nicht und sein Fach vermutlich auch nicht. Da kann trotzdem ein "netter" und "kompetent wirkender" Unterricht rauskommen, aber die Chancen stehen sehr hoch, dass trotzdem ganz viel Wesentliches fehlt.
Leider ist es wirklich schwierig, als Anfänger einen guten Lehrer zu erkennen. Auf der Internetseite von @chiarina (www.ulrike-danne-feldmann.de) kannst du mal ein bisschen stöbern, sie schreibt dort sehr gute und hilfreiche Dinge über ihren Unterricht! Man kann leider nicht erwarten, überall eine Ulrike zu finden... und wenn doch, hat sie vermutlich keinen Platz frei... aber so kann man sich ein bisschen "Beurteilungskompetenz" anlesen. Viel Erfolg dir!
 
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AVdK
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Lass dir noch gesagt sein, dass guter Klavierunterricht auch etwas kostet. Natürlich schon abhängig von der Region, in der du lebst. Ich glaube, dir ist das bewusst, aber ich schreib's trotzdem nochmal: Wer Klavierunterricht zum Tarif von Nachhilfeunterricht anbietet, kennt die Branche nicht und sein Fach vermutlich auch nicht.

Ich danke dir für den Rat @Stilblüte . Den finanziellen Aspekt wollte ich jetzt gar nicht so stark in den Mittelpunkt rücken. Wenn ich mir für Tausende von Euro ein Instrument kaufe und anschließend beim Unterricht jeden Cent umdrehen würde, spräche das nicht unbedingt für meine ... Logik. Soll heißen: Mir ist bewusst, dass mir niemand eine Gratis-Hilfestellung in jedweder Form gibt - und dass jeder Dienstleister ordentlich bezahlt werden möchte. Will ich ja auch.

Die Seite von @chiarina ist ein toller Tipp. Danke!
 
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Simon_Pianist
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Lieber @AVdK, super, dass du das Thema so offensiv angehst! Ich denke auch, dass du dir einen langfristigen Lehrer suchen solltest, um mit ihm regelmäßig an deinen individuellen Problemen zu arbeiten. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dir als Ergänzung hin und wieder Feedback zu deinen Aufnahmen zu geben, auch unentgeltlich. Du kannst dich gerne bei mir melden!
 
Ralph_hh
Ralph_hh
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Willkommen im Forum. Und herzlichen Glückwunsch zum Digitalen Klavier und zu einer erstaunlich steilen Lernkurve und konsequenter Umsetzung derselben. Das klingt vielversprechend. Vielleicht versuchst du nicht zu viel am Anfang, sonst ist es mit dem Elan am Ende gleich wieder dahin, wenn Du laufend an Stücken scheiterst, die für Totalanfänger noch Jahre weit weg sind. Das Ronda alla Turca hab ich nach 4 Jahren gespielt und da ist immer noch sehr viel Luft nach oben...
Als Anfänger lernt man an sehr einfachen Stücken bisweilen viel mehr, weil man da auf die einzelnen Töne und den Anschlag achten kann, während man bei den komplizierten Werken schlicht erschlagen und überfordert wird.
 
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AVdK
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Guten Morgen!

@Simon_Pianist Vielen Dank für das Angebot! Gerne melde ich mich bei dir per Nachricht.

@Ralph_hh Vielen Dank für dein Feedback! Ja, bisweilen plagt mich auch die Sorge, dass ich mir da Fehler oder gar eine falsche Spielweise beibringe, weil ich keiner gesunden Lernkurve folge - und bis dato keine professionelle Begleitung in Form eines Klavierlehrers habe.
Das ist auch so ein bisschen der Witz an diesen oder zumindest manchen Lern-Apps: Man wird relativ selten mit echten für Anfängern sinnvollen Stücken konfrontiert. Es sind vereinfachte Stücke eines eigentlich höheren Niveaus. Zuerst ist man stolz, das spielen zu können. Dann hört man sich das Original an - und schon geht die Herausforderung los, weil man auch gerne die originale Version - mit allen Noten, Verzierungen und ihrer Seele - spielen möchte. Und irgendwann habe ich dann gar keine Lust mehr, mir vereinfachte Versionen überhaupt anzusehen, weil sie meines laienhaften Verständnisses nach überhaupt nichts außer einer grundlegenden Wiedererkennungsmelodie transportieren. Die könnte ich ja genauso gut pfeifen - da brauche ich dann nicht so viele Tasten. :-) Ich hoffe, meine Worte landen nicht auf der Goldwaage. Ich wollte es ein wenig überspitzen.

Ansonsten versuche ich schon zu schauen, dass ich auch die Notbremse im Sinne einer Stück-Pause ziehe, wenn mich etwas offensichtlich überfordert. Und ich meine, dass ich mit dem Gewinn von rudimentärer Routine auch ein bisschen Selbstanalyse betreiben kann. Mittlerweile höre ich als alter Linkshänder zum Beispiel raus, dass Finger 4 & 5 der rechten Hand Noten gerne zu schnell und/oder zu kurz spielen, weil mir da irgendwie die Feinmotorik fehlt - das merke ich auch bei gezogenen Trillern, die dann eher an ein Ping-Pong-Spiel erinnern. Vielleicht brauche ich Stücke mit mehr Verzierungen in der linken Hand. :-) Ansonsten ist mein Rezept im Moment das kontinuierliche über den Tag verteilte Üben - und als Wunderwaffe hat sich das Spielen schwierigerer Passagen kurz vor dem Schlafengehen entpuppt. Am nächsten Tag ist es dann zumindest auf Basis meiner Anfängerfähigkeiten viel einfacher. Vielleicht muss ich noch viel mehr schlafen.

Auf jeden Fall freue ich mich riesig über die freundliche Resonanz hier aus dem Forum. Herzlichen dank an alle!
 
 

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