Altes Klavier sei nicht mehr stimmbar, Zweitmeinung?

  • Ersteller des Themas KlavierKranich
  • Erstellungsdatum
KlavierKranich

KlavierKranich

Dabei seit
Juni 2020
Beiträge
34
Reaktionen
18
Ihr lieben

Ein Klavierstimmer hat gemeint, mein Klavier sei alt und lasse sich nicht mehr ganz rein stimmen. Er hat gemeint er habe es einigermassen hingekriegt, aber es sei halt kein «Konzertklavier» mehr.

Es handelt sich um ein Wohlfahrt Mod. III aus Nidau / Schweiz. Das Ding ist ungefähr 100-jährig.

34234-3026dbfe7ed8ff72364eedff8f28960c.jpg

Meine Fragen an euch:
- Kann es sein, dass es plötzlich nicht mehr rein stimmbar ist? Bisher war das nie das Thema (ich lasse es jährlich stimmen).
- Gibt es eine Möglichkeit es zu «reparieren», sodass es wieder stimmbar wird?
- Empfiehlt ihr, einen anderen Stimmer zu holen für ein nächstes Mal?

Ich danke für eure Hinweise.
 
Stilblüte

Stilblüte

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
Jan. 2007
Beiträge
10.232
Reaktionen
13.499
Hat er begründet, warum es nicht mehr stimmbar sein soll? Sind z.B. die Wirbel locker o.ä.?
 
KlavierKranich

KlavierKranich

Dabei seit
Juni 2020
Beiträge
34
Reaktionen
18
Eben nicht. Hmm, ich hätte nachfragen sollen.
 
J

jensen1

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
603
Reaktionen
450
"Nicht mehr ganz rein stimmen können" hat bei alten Klavieren meist weniger mit der Stimmhaltung (also Festigkeit der Wirbel im Stimmstock) zu tun, als mit der Reinheit, mit der die einzelnen Saiten schwingen. In der Mittellage und im Diskant hat man ja immer drei Saiten pro Ton, diese müssen exakt auf derselben Tonhöhe klingen, damit der Ton rein klingt. Bei alten Saiten hat man häufig das Phänomen, dass sie nicht genau auf einer Tonhöhe schwingen, sondern etwas um die Tonhöhe herum pendeln. Manchmal liegt das auch an den Auflagepunkten, wo sich über die Jahre tiefe Rillen ins Material gegraben haben. Dort wird die Saite dann nicht mehr sicher terminiert und dies verursacht Probleme beim Schwingen.

Ein solches Problem tritt nie abrupt auf, sondern es ist ein schleichender Prozess. Der Klavierstimmer hört hier womöglich feine Imperfektionen, die beim Spielen nicht unbedingt stören müssen.

Von der Thematik abzugrenzen ist, dass alte Klaviere nicht mehr stimmbar sein können, weil die Wirbel zu locker sind. Hierzu passt aber nicht die Aussage des Klavierstimmers, dass er es hinbekommen habe und dass es nur nicht ganz rein klinge. Wenn die Wirbel zu locker sind, kann man es gar nicht mehr stimmen.

Reparieren lässt sich das Problem durch Neubesaitung und Überarbeitung der Auflagepunkte. Hier muss man jedoch immer das ganze Instrument betrachten, ob so eine Reparatur Sinn ergibt.
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
Mod
Dabei seit
März 2006
Beiträge
21.621
Reaktionen
20.540
Kann es sein, dass es plötzlich nicht mehr rein stimmbar ist?
Wie Jensen1 schon schrieb, kommen eiernde Saiten/Chöre nicht von jetzt auf sofort. Bei mir eiern auch ein paar Saiten (1879er Bechstein). Die Stimmer bringt´s immer zum Fluchen, mich stört es nicht. :-)
Empfiehlt ihr, einen anderen Stimmer zu holen für ein nächstes Mal?
Nö, eher bessere Kommunikation Deinerseits. Frag das nächste mal doch gleich den Stimmer wenn Dir seine Aussagen nicht ganz klar sind. Er kennt das Instrument besser als jeder hier im Forum. Und frage Dich: Hörst Du denn die Unreinheiten?
 
andreg

andreg

Dabei seit
Feb. 2017
Beiträge
169
Reaktionen
49
Ein Wechsel des Sommers kann schon helfen. Bei mir hat es erst der 7. Stimmer geschafft, eine Stimmung zu legen, die länger als 6 Monate hält.
 
 

Top Bottom