(Akkordeon-)Übungen für Klavier, linke Hand

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KlavierKranich

KlavierKranich

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Ich habe eine Anfrage von einem Akkordeonspieler, der jetzt Klavier lernt und sich Übungen und insbesondere Fingersätze für die linke Hand wünscht, um Intervalle und Akkorde zu lernen. Er schreibt:

«meine Musikerfahrung beschränkt sich leider nur auf die rechte Hand. Für diese gab es wirklich sehr gute Schulen, die mir halfen alle Akkorde von C bis Fis- Ges mit den individuell angepasten Fingersätzen zu beherschen. Meiner meinung ist ein Grundschema unbedingt erforderlich um einen falschen- komplizierten Fingersatz vorzubeugen den man sich später wieder mühselig abgewöhnen muss. Eine solche lernhilfe würde ich mir für die linke Hand wünschen.»

Meine Meinung ist, dass Fingersätze immer vom Kontext abhängig sind. Deswegen habe ich mich bisher geweigert, ihm einfach Fingersätze für alle Intervalle und Akkorde für die linke Hand aufzuschreiben. Ich finde, dass es mehr Sinn macht, die Position des Handgelenks, den Daumenuntersatz und die allgemeine Logik zu lehren, damit sich die Schüler selbst ihre Fingersätze herleiten können, je nach Kontext eben.

Was meint ihr Pädagogen dazu? Macht das Sinn, was er sich wünscht? Was würdet ihr ihm empfehlen?
 
rolf

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nachdenken würde ich nachhaltig empfehlen - - tut man das, erkennt man Symmetrien:
r.H. E-Dur Dreiklang // l.H. f-Moll Dreiklang
r.H. H-Dur Dreiklang // l.H. b-Moll Dreiklang
...das Prinzip, wie und warum die linke von der rechten (wenn man denn rechts alle Akkorde sinnvoll greifen kann!) lernen kann, sollte eigentlich klar sein anhand der zwei Beispiele.
(kleiner Tipp noch: mal über die Tasten as/gis und d grübeln)
 
godowsky

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Selbstverständlich sind Fingersätze kontextabhängig. Aber das müsste er eigentlich auch sehr schnell selber feststellen. Wer belehrungsresistent ist der verliert mindestens Zeit, oft auch die Lust. Vielleicht kannst Du ihm Notenbeispiele geben wo gleiche Noten im Zusammenhang unterschiedliche FS brauchen.
 
chiarina

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Ich habe eine Anfrage von einem Akkordeonspieler, der jetzt Klavier lernt und sich Übungen und insbesondere Fingersätze für die linke Hand wünscht, um Intervalle und Akkorde zu lernen. Er schreibt:

«meine Musikerfahrung beschränkt sich leider nur auf die rechte Hand. Für diese gab es wirklich sehr gute Schulen, die mir halfen alle Akkorde von C bis Fis- Ges mit den individuell angepasten Fingersätzen zu beherschen. Meiner meinung ist ein Grundschema unbedingt erforderlich um einen falschen- komplizierten Fingersatz vorzubeugen den man sich später wieder mühselig abgewöhnen muss. Eine solche lernhilfe würde ich mir für die linke Hand wünschen.»

Meine Meinung ist, dass Fingersätze immer vom Kontext abhängig sind. Deswegen habe ich mich bisher geweigert, ihm einfach Fingersätze für alle Intervalle und Akkorde für die linke Hand aufzuschreiben. Ich finde, dass es mehr Sinn macht, die Position des Handgelenks, den Daumenuntersatz und die allgemeine Logik zu lehren, damit sich die Schüler selbst ihre Fingersätze herleiten können, je nach Kontext eben.

Was meint ihr Pädagogen dazu? Macht das Sinn, was er sich wünscht? Was würdet ihr ihm empfehlen?
Lieber KlavierKranich,

grundsätzlich darf die Priorität beim Erlernen des Klavierspiels nicht bei Fingersätzen liegen, sondern bei der Schulung des Gehörs u.a.. Wenn dein Akkordeonspieler sich sofort auf Fingersätze stürzt, kann das ein Zeichen für eine mechanistische Vorgehensweise sein. Es könnte dann etwas anstrengend werden, ihm eine andere Herangehensweise zu zeigen und ihm die Ohren zu öffnen. Ich sehe aber keine Alternative.

Auf seine Fragen einzugehen, ist natürlich trotzdem wichtig. Im besten Fall zeigst du ihm, das Fingersätze natürlich immer vom musikalischen Kontext abhängen, aber auch von der individuellen Beschaffenheit der Hände, den technischen Fähigkeiten und bisherigen Gewohnheiten ... .

Zu seinen Fragen: für Intervalle ist ein fester, immer gültiger Fingersatz natürlich sinnlos. Am besten zeigst du ihm Beispiele, wo eine Quinte oder ein anderes Intervall in verschiedenen musikalischen Kontexten erklingt und man jedes Mal einen anderen Fingersatz nehmen muss. Dann lernt der Akkordeonspieler vielleicht, dass Klavier spielen etwas anderes ist als er bisher dachte, und du als Klavierpädagoge dich dabei auskennst.

Was Akkorde angeht, sieht das etwas anders aus, weil bei Vier- oder Dreiklängen (vier oder drei Töne) die Fingersätze nicht so variabel sein können wie bei zwei Tönen. Es lohnt sich, Dreiklänge in Grundstellung und Umkehrungen zu üben, später auch mit oktaviertem viertem Ton. Du kannst ihm dabei alternative Fingersätze anbieten, aber beim Sextakkord würde ich z.B. zunächst nur 1-2-5 anbieten. Gerade Erwachsene haben oft zuviel Spannung in der Hand und dies sollte man nicht verstärken. Es ist viel wichtiger, Armführung und fließende Bewegungen zu erlernen, als irgendwelche statischen Akkordfingersätze. Wenn er will, kann er relativ bald Kadenzen üben - die haben einen recht klaren Fingersatz.

Es ist verständlich, wenn Erwachsene bestimmte Vorstellungen haben, die auf ihren Erfahrungen begründet sind. Deine Aufgabe ist es, Verständnis zu zeigen, aber auch sehr klar zu argumentieren und am musikalischen "Objekt" praktisch zu zeigen, wenn diese Vorstellungen falsch sind.

Liebe Grüße

chiarina
 
Dorforganistin

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Wenn jemand vom Akkordeon her kommend nach Fingersätzen für Dreiklänge in der linken Hand fragt, denkt er meiner Meinung nach noch zu sehr im Akkordeon-Stil, also, in einem der vielen möglichen Stile. z.B. dass man links auf auf 1 und 3 einen Basston und auf 2 und 4 einen Akkord hat (alternativ im 3/4-Takt auf 1 ein Basston und auf 3 ein Akkord) - und dafür hat man bei vielen Akkordeonbauformen tatsächlich fest zugeordnete Knöpfe und somit auch feste Fingersätze für die linke Hand. Sobald man allerdings links Bassmelodien spielt, muss man auch über individuelle Fingersätze nachdenken. Falls derjenige das bisher nicht gemacht hat, muss er also doppelt umdenken. Ein Klavier ist nun mal kein Akkordeon. Das klingt vielleicht wie eine Binsenweisheit, ist meiner Meinung nach aber sehr wichtig, um sich auf die Besonderheiten des jeweiligen Instruments einzustellen.
Liedbegleitung am Klavier im oben beschrieben Stil (Uff-ta-uff-ta) ist irgendwie auf Dauer auch langweilig :party:
 
 

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