Achtung Kinder im Publikum

Ich spiele regelmäßig kleine Orgelkonzerte für Kinder, bei denen herumlaufen explizit erlaubt ist. Witzigerweise machen das selbst kleine Kinder nur selten. Die meisten hören ganz gespannt zu.

Wichtig ist eine gute Struktur, wie von @chiarina genannt, und eine angemessene Dauer. Und natürlich Vorbereitung. Gerade bei Schülervorspielen müssen auch die Eltern wissen, worum es geht und was ggf ihre Rolle ist (bei ihren Sprösslingen auch mal für Ruhe sorgen).

Vielleicht kann man unterschiedliche Herangehensweisen auch mal mischen - ein Teil "traditionell" mit stillem Zuhören und ein "interaktiver" Teil.
 
Wenn die Schüler und deren Eltern das Schülervorspiel so wenig interessiert, dass sie nur am Rumzappeln sind, stimmt am gesamten Konzept was nicht.
Ich denke, das ist in der Tat der springende Punkt und @chiarina hat das ja auch ausführlich dargestellt.
Unsere Musikschule hatte und hat immer verschiedene Konzepte des Vorspiels. Die sogenannten "Klassenvorspiele" (das sind Schülerinnen und Schüler einer Lehrkraft, gegebenenfalls auch von zweien) verliefen eigentlich immer recht ruhig. Einzelne Eltern sind - mit oder ohne Kind - früher gegangen, manche haben sich explizit entschuldigt.
Die Kleineren hatten auch durchaus die Geduld, die längeren Stücke der Älteren anzuhören.

Anders war es bei den Vorspielen, die sozusagen "an den Ort gekoppelt" waren, wo dann viele Kinder spielten, auch MFE war präsent und unzählige Flötenkinder. Logischerweise waren dann auch jede Menge noch kleinere Geschwisterkinder da und es war mitunter recht unruhig.

Unser absolutes Horror-Ereignis war freilich nicht in der Musik zu finden, sondern im Sport: Weihnachtsfeier bei den Handballern! :020: Da gab es ja von allen Mannschaften auch irgendwelche Vorführungen und man begriff schnell, warum Kinder sich heute so schwertun mit dem Stillsein: Die Eltern konnten es ja auch nicht!
 
  • nicht zu lang sein und eine Pause/zwei Pausen haben.

Das ist der springende Punkt, oder das hüpfende Komma - einfach mal mehr Pausen während des Vorspiels machen.

Wenn Eltern so wie Mitschüler ewigtlich ausharren müssen, dann wird es anstrengend.

Familienväter wollen auch mal eine rauchen, Familienmütter auch mal ihren Kaffee zwischendurch und die lieben Kleinen, wollen sich auch mal bewegen.

Ebenso sollte in einer großen Pause auch mal ein Büffett angeboten werden, wo es Schnittchen und Wein und Bier gibt.

Mit dem Pianistenclub München e.V. habe ich solche Vorspiele bereits erlebt - keine Spur irgendwelcher Disziplinlosigkeit der Eltern oder Kinder - das Schülervorspiel wurde von allen Seiten her sehr genossen.
 
Warum also diese große Angst, Disziplin einzufordern?
Ich denke, man muss (oder müsste) das üben, damit die Kinder das können.
Ich weiß, dass ich im Vorschulalter im ganz normalen Gottesdienst war und eine gute halbe Stunde einigermaßen ruhig war.
Das können Kinder nicht einfach so, das müssen Eltern entweder üben oder sie können es eben nicht.
Und heute wird darauf weniger Wert gelegt.
Zum Teil ist das berechtigt. (Warum wir in der Stadtbücherei leise sein mussten, frage ich mich immer noch. Damit wir die Bücher nicht aufwecken? Studiert hat da niemand)
Zum Teil wäre es schon sinnvoll, wenn darauf wieder mehr Wert gelegt würde. Auch dem Schulunterricht würde es gut tun.
Aber die Dinge sind so, wie sie sind. Und wenn die Kinder das nicht geübt haben, können jüngere Kinder das vermutlich gar nicht.
Also ich denke nicht, dass es Angst ist, sondern eine andere Prioritätensetzung der heutigen Eltern. Sie bringen es den Kindern nicht bei und dann können sie es auch nicht einfordern.
 
Ich hab durchaus auch in Stadtbibliotheken studiert und gelernt.
 
Warum wir in der Stadtbücherei leise sein mussten, frage ich mich immer noch. Damit wir die Bücher nicht aufwecken? Studiert hat da niemand
Öffentliche Räume mit Lärm und Dauerbeschallung gibt es genug. Ruhe und Stille tun auch der Seele gut (so man eine hat). Ich jedenfalls liebe es, wenn ich in fremden Städten auf Bibliotheken und Museen stoße, die nicht dem Spaßbetrieb huldigen.
 
Vor allem halte ich es für sinnvoll, dass Kinder lernen, wo man sich wie zu verhalten hat. Setting z.B. Bücherei oder Kirche oder Friedhof: andächtige Stille. Setting Schulhof: herum toben.

Die Diskussion erinnert mich an eine Diskussion, wo es darum ging ob es in Ordnung ist, wenn Kinder auf dem Holocaust Mahnmal in Berlin herum klettern. Einer schrieb: wenn man das so gestaltet, dass es zum herum klettern einlädt, dann muss man sich nicht wundern. Ein anderer antwortete: wenn man Kirchenbänke so gestaltet, dass sie zum herum klettern einladen, dann muss man sich nicht wundern.
 
Ich habe das Thema jetzt noch mit einem Grundschullehrer (kurz vor der Rente, sehr engagiert, "alte Schule", streng, aber bei Schülern dennoch beliebt) diskutiert. Der hat folgende interessante Geschichte erzählt: er geht mit seinen Klassen nur noch sehr ungern in Theateraufführungen. Nicht, weil sich seine Kinder schlecht benehmen (der hat seine Klassen ziemlich im Griff), sondern weil die Unruhe der anderen 37 anwesenden Schulkassen so groß ist. Die letzte Aufführung der Zauberflöte, in der er mit seiner Klasse war, musste abgebrochen werden, weil Orchester und Königin der Nacht sagten, sie könnten bei dieser Unruhe nicht auftreten.

Er sagte, er ist wirklich genervt von seinen KollegInnen, die das zulassen und ihre Kinder auch Null auf so einen Besuch vorbereiteten. Und zur Vorbereitung gehören bei ihm Vermittlung der Inhalte genauso wie Benehmen.
 
Und es liegt bestimmt viel auch an den Eltern. Als in unserem Kindergarten eine Erzieherin (ebenfalls alte Schule, aber von den Kindern sehr geliebt), einführte, dass beim Mittagessen nicht geredet wegen darf (was ich gar nicht schlecht fand, damit die Kinder in Ruhe essen können), gab es einen Elternaufstand. Am Ende hat die Erzieherin den Kindergarten verlassen. Die Kinder waren traurig, die Eltern habens gefeiert....
 

Ich habe gerade einen Artikel über Erziehung und Kindheit in skandinavischen Ländern gelesen. Dort steht für Kinder ganz weit oben die Spielzeit, das freie Spiel, in das sich Eltern nicht einzumischen haben. (Schule endet z.B. in Dänemark spätestens um 14 Uhr, damit genug Zeit zum Spielen bleibt.) Gleichzeitig werden Kinder sehr vorbildlich respektvoll behandelt, aber es wird von ihnen auch respektvolles Verhalten eingefordert. Entscheidend ist den meisten Eltern nicht, dass die Kinder schon in jungen Jahren in einzelnen Bereichen sehr gut sind, sondern dass sie einen inneren Kompass und Resilienz entwickeln, um gut durchs Leben zu kommen.

Das alles klingt für mich nach einem gesunden Verhältnis von Freiraum und Verpflichtung. Unsere Kinder und Jugendlichen sind einerseits extrem smartphone-fixiert (keine Ahnung, ob das in Skandinavien auch so ist) und haben dadurch viel zu wenig Bewegung und echte Kommunikation. Wäre das anders, dann würde sich der Drang nach echter Kommunikation und Bewegung zu gegebener Zeit ausleben, und zu anderen Zeiten würde den Kindern Konzentration vermutlich leichter fallen.
 
Leute - wie sollen es Kinder lernen, wenn sich so manch Erwachsene auch nicht besser benehmen?

Kann mich erinnern bei der Erstkommunion von meinem Mittleren - sobald die "Ihrigen" durch waren, wurds denen zu langweilig und der eine oder andere ging dann auch einfach mal zwischendrin raus oder plauderte ungeniert mit dem Banknachbarn.

Entsprechende Leut sind ansonsten nie in der Kirche gesehen - ja, ist ja auch zu langweilig da, man muß halt hin, wenn die lieben Kleinen ihre Kommunion feiern (den größten Teil von denen, hab ich danach ebenfalls nie wieder in der Kirche gesehen)
 
Die Diskussion erinnert mich an eine Diskussion, wo es darum ging ob es in Ordnung ist, wenn Kinder auf dem Holocaust Mahnmal in Berlin herum klettern.
Kinder? Da klettert jeder herum, habe ich auch schon gemacht (mein Neffe hatte darauf bestanden). Ich gehe stark davon aus, dass das die Designer fest mit eingeplant hatten*, sonst hätten die das nicht so gestaltet (die Stiftung selbst nimmt es gelassen).
Die Regeln, die dort ursprünglich festgelegt wurden, hatten sich am Tag der Eröffnung bereits nach einer Stunde erledigt.

*) gerade gefunden:
"Benutzt werden" solle das Mahnmal, hat Eisenman (der Architekt) immer wieder gesagt. Und sich gewünscht, "daß Kinder zwischen den Stelen Fangen spielen und Menschen auf den Säulen zu Mittag essen". Und Wein dazu trinken, was laut Besucherordnung erst recht verboten ist.
 
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Im Kindergarten? Finde ich schräg. Sollte das die Kinder erziehen oder wollte sie nur ihre Ruhe haben?
Gerade im Kindergarten ist das total wichtig. Die Kinder sind da ja den ganzen Tag einem extrem hohen Lärmpegel ausgesetzt und brauchen Phasen, in denen sie zur Ruhe kommen können. Ich habe einen Riesen Respekt vor allen Erziehern, die diese wuselnden Kinder- Großgruppen ganztägig managen können.

Das Mittagessen dauert 15 Minuten. Warum soll da nicht mal 15 Minuten Ruhe einkehren dürfen? Die durften ja sonst den ganzen Tag schnattern. Die Kinder fanden das übrigens auch gar nicht so schlimm.

Der Punkt ist ja, dass die Eltern solche Regeln torpedieren, mit dem Effekt, dass die Kinder auch im Konzert nicht mehr 15 Minuten still sitzen können.
Vielleicht sind manche ADHS Probleme auch hausgemacht, weil man Kindern dieses zur Ruhe kommen nicht mehr beibringt.

Und ich meine damit nicht, dass Kinder nicht laut und wild sein dürfen. Lärmende Kinder sind vollkommen in Ordnung! Leute, die sich über spielende Kinder aufregen, kann ich gar nicht verstehen. Aber ich habe meinen Kindern z.B. schon ganz früh beigebracht: in der Wohnung dürft ihr toben, draussen dürft ihr toben. Im Treppenhaus ist Ruhe. Konnten die schon mit 3 Jahren einwandfrei. Wir haben da anfangs immer Treppe raufschleichen gespielt. Oder wenn sie abends zu arg überdreht waren, habe ich mit ihnen gespielt: wer sich zuerst muckst oder bewegt, verliert.

Wir müssen den Kindern doch auch beibringen, mal eine gewisse Zeit ruhig sein zu können, ohne ein Handy in der Hand zu haben. Und ohne Ruhe als Strafe einzusetzen. Stiller Stuhl, wie furchtbar!
 
Das Mittagessen dauert 15 Minuten. Warum soll da nicht mal 15 Minuten Ruhe einkehren dürfen? Die durften ja sonst den ganzen Tag schnattern. Die Kinder fanden das übrigens auch gar nicht so schlimm.

Der Punkt ist ja, dass die Eltern solche Regeln torpedieren, mit dem Effekt, dass die Kinder auch im Konzert nicht mehr 15 Minuten still sitzen können.
Vielleicht sind manche ADHS Probleme auch hausgemacht, weil man Kindern dieses zur Ruhe kommen nicht mehr beibringt.

Es tut sehr gut zu lesen, dass es noch Eltern gibt, die hinter solchen Regeln (Ruhe während des Mittagessens) stehen können und sie nicht übertrieben finden. Ich höre immer wieder Kinder, die unter dem ständigen Lärmpegel in ihrer Klasse leiden, da ist es schon aus Gründen der Rücksichtnahme angebracht, auch einmal für kurze Zeit Ruhe einzufordern.

Ich meine damit auch keineswegs, dass Kinder nicht laut und wild sein dürfen, ganz im Gegenteil, aber alles hat seinen Ort und alles hat seine Zeit.

Im Kindergarten? Finde ich schräg. Sollte das die Kinder erziehen oder wollte sie nur ihre Ruhe haben?

Gerade weil viele Erzieher ihre Ruhe haben wollen, fordern sie gewisse Regeln nicht ein. Wegschauen ist einfacher und Weghören auch. Ruhe einzufordern ist das exakte Gegenteil davon, das heißt aktiv eingreifen und nicht passiv danebensitzen und allem einfach seinen Lauf zu lassen.

Die Erziehung in skandinavischen Ländern, speziell in Dänemark, die @Demian oben anspricht, stellt in Ansätzen meinen Ideltypus dar. Gerade wegen des die Kinder Kinder sein lassen und nicht deren ganze Zeit mit Frühförderung verplanen. Reihenweise Kinder würden sich zu Tode langweilen, wenn sie plötzlich jeden Tag um 14 Uhr Schulschluss hätten und danach unverplante freie Zeit. Weil sie es nie gelernt haben, sich selbst zu beschäftigen (bzw. das freie Spielen nie gelernt haben). Das finde ich schlimm!
 
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Nur gut dass ich nicht mehr im Kindergarten bin. Auf Arbeit essen wir immer gemeinsam zu Mittag gerade um uns zu unterhalten.
Aber vielleicht kommt hier auch jemand auf die Idee hier Ruhe vorzuschreiben, damit man sich auf Arbeit mal erholen kann 🫢.
 

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