ZEIT ONLINE: Egal, ob Fritzi flennt

ja, scharde.
 
Zugespitzte Artikel lesen ist umsonst, im Wortsinn.
Richtig! Deshalb sind sie auch kein Geld wert. Ich hatte mal ein Probeabo und da ist mir aufgefallen, daß die Z+ Artikel etwa BILD-Niveau haben und vor allem mit reißerischen Überschriften brillieren. Es lohnt sich also nicht. Nur manchmal ist man doch neugierig. Und deshalb hat es schon seinen Sinn, Bezahlschranken zu umgehen.. ;-)
 
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Hier noch ein Best-Of aus der Musikschule Smesny:

- Ein fleißiges Kind solle gelobt werden, ein faules bestraft, etwa, indem die Eltern sich mal ein Eis gönnten und das Kind keines bekomme.

- "Du sollst keine Widerworte geben"

- Statt zu trösten habe die Lehrerin die anderen Kinder aufgefordert, lauter zu spielen, um das Weinen zu übertönen.

- "Es wird so gemacht, weil es so gemacht wird"


Und ich dachte immer, Dominastudios seien für Kinder gar nicht zugänglich...
 
Das ist ein Best-of der Behauptungen aus dem Artikel. Fast wünscht man sich, Frau Smesny würde dagegen gerichtlich vorgehen. Oder hast Du die Zitate von der Website der Musikschule?

"...
Ein fleißiges Kind solle gelobt werden, ein faules bestraft, etwa, indem die Eltern sich mal ein Eis gönnten und das Kind keines bekomme. Wenn Eltern davon ausgingen, dass auch die Bildung in der Freizeit erzieherische Sanktionen bräuchte, "dann ist auch der Erfolg vorprogrammiert", sagt sie.
...
Ähnliche Vorwürfe finden sich in Onlinebewertungen der Schule: Von Zwang ist da die Rede, von autoritären Methoden, von schwarzer Pädagogik. Mehrere Eltern, die ihre Kinder von der Schule genommen haben, erzählen im Gespräch Ähnliches. Einem Vater, der darauf hinwies, dass die Lehrerin sich vielleicht in der Seite im Übungsheft geirrt habe, sei Smesny mit "Du sollst keine Widerworte geben" über den Mund gefahren, erzählt dieser. Man fragt sich: Warum tun Eltern sich das an? Denn offenbar wird Gehorsam hier auch von den Eltern verlangt.
...
Bei Magnus Hecht, dem Vater der Vorzeigeschülerin, führte nach drei Jahren Unterricht eine harmlose Nachfrage per Mail zur Eskalation, erzählt er. Die Mutter seiner Kinder hatte die Lehrerin um eine Begründung gebeten: Warum wird im Stück Für Elise derselbe Ton hintereinander mit drei unterschiedlichen Fingern gespielt? Die Antwortmail gibt nicht etwa die einfache Erklärung – damit der Finger nicht ermüdet –, sondern ist ein empörtes Pamphlet einer Lehrerin, die ihre Autorität infrage gestellt sieht. Die Eltern haken nach, bitten um ein Gespräch, doch der Konflikt eskaliert. "Es wird so gemacht, weil es so gemacht wird", schreibt Smesny in einer weiteren Mail. Hecht meldete seine Kinder schließlich ab.
..."
Steht doch alles im Ursprungsartikel. Nicht gelesen?

Grüße
Häretiker
 
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Onlineausgaben von Zeitungen sind meistens primitiver als die Printausgaben. Das ist z.B. beim Spiegel auch so, ebenso bei der ZEIT. Die Printausgabe ist nach wie vor niveauvoller.
 
Steht doch alles im Ursprungsartikel. Nicht gelesen?
Mein Post nicht gelesen? –
Das ist ein Best-of der Behauptungen aus dem Artikel.

Mich störte, dass @Dimpfelmoser eine Zusammenfassung des Artikels als ultimative Wahrheit über die Musikschule darstellt.
Nenn es Haarspalterei, ich finde, hier fehlt die wesentliche Information, dass D. das "Best-of"eben auch nur irgendwo gelesen hat.
 

Onlineausgaben von Zeitungen sind meistens primitiver als die Printausgaben.
Ich habs nicht verglichen, aber bei den Artikeln hinter der Bezahlschranke gehe ich von Identität aus. Bei der FAZ bin ich mir jedenfalls ziemlich sicher, da ich als Abonnent die Wahl zwischen einer elektronischen Darstellung der Printausgabe und der (viel handlicheren) Online-Zeitung habe.
 
Auch wenn der Name Smesny eher auf eine andere Nationalität als Russland hindeutet, so ist diese Frau Smesny ja wirklich ein Musterexemplar - genau so stellt sich Klein Fritzchen die typische ekelpaketige Russen-Klaviergouvernante vor.
 
Onlineausgaben von Zeitungen sind meistens primitiver als die Printausgaben. Das ist z.B. beim Spiegel auch so, ebenso bei der ZEIT.

Beim Spiegel ist das klar, da sind die Online-Ausgabe und die gedruckte ja zwei unterschieliche Produkte (oder waren es ursprünglich; jetzt scheint man sie immer mehr zusammenzuführen). Aber bei der Zeit? Bis du sicher? Ich kenne eigentlich keine sog. "Qualitätszeitung", wo es so einen Unterschied gibt. Wobei man bei der Zeit leider schon Ende der 80er Jahre begonnen hat, die Sache mit der Qualität entspannt zu sehen, und dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, hier für das bequeme Prinzip, sorgfältig erhobene Evidenz durch Emotion zu ersetzen. Die Beweislast für das negative Urteil trägt "ein Vater", der "ein kleiner, freundlicher Mann mit grauen Schläfen" ist, wogegen die Musiklehrerin als "resolute stämmige Frau" präsentiert wird, die "nicht ohne Genuß von von einer", man höre, "handgeschriebenen Liste ... zitiert". Ein noch grobschlächtigeres Verfahren, seinen eigenen Standpunkt völlig argumentationsfrei der empörungsbereiten Leserschaft zu suggerieren, ist kaum denkbar. Nun, die Autorin ist halt Pädagogin. In dieser Zunft sieht man schon gerne mal Schwarz-Weiß, was man sich ungeniert leisten kann, weil man ja, vom pädagogischen Eros beseelt, auf der Seite des Guten steht. In den 80ern hätte die Zeit-Redaktion noch versucht, ein repräsentatives Sample der Elternmeinung zu erstellen, dann hätte man wenigstens etwas greifbares. Dieser eine "besorgte Vater" aber, der inkonsequenterweise sein Kind drei (!) Jahre lang einer von ihm missbilligten Lehrmethode ausgesetzt hat, erinnert mich fatal an die Turbo-Mutter, die den Leiter des Windsbacher Knabenchors, Behringer, mit, wie sich später erwies, haltlosen Missbrauchsvorwürfen überzog, nur weil ihr mäßig talentierter Balg es nicht in den Reisechor geschafft hatte.

Als Diskussiongrundlage eignet sich diese simple Übung aus dem pädagogischen Proseminar nun wirklich nicht.
 
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Ich kenne eigentlich keine sog. "Qualitätszeitung", wo es so einen Unterschied gibt.
Bei Qualitätszeitungen vielleicht nicht, bei der ZEIT schon. ;-)
Ist einfach zu erkennen: bei ZEIT-online steht immer dabei, wenn ein Artikel aus der gedruckten Ausgabe kommt. Die erscheinen ein paar Tage später eben auch online. Daneben gibt es jede Menge reine ZON-Artikel.
 
Zum Thema Online-Ausgaben von Printmedien: Hinter der Bezahlschranke findet man i. d. R. die Originalbeiträge, als zahlender Leser loggt man sich ein. Unterschiedliche Inhalte für Nichtabonnenten handhaben die Verlage verschieden. Mal gibt es generell nur die ersten x Zeilen, mal eine abgespeckte Version des Artikels, mal für einen gewissen Zeitraum den gesamten Artikel und später wieder nicht. Letzteres erklärt auch, warum ein User den Artikel komplett lesen konnte, diejenigen, die ihn später aufrufen aber nicht mehr. Da hat jeder Verlag seine eigene Strategie.

Oftmals hat man dennoch kostenlosen Zugriff auf den Artikel, wenn man sich registriert, kann aber dann nicht beliebig viele Artikel abrufen.

Spiegel ist insofern ein Sonderfalls weil Print- und Onlineredaktion getrennt waren. Lt. Wikipedia wurden im Sept. 2019 beide wieder zusammengeführt.
 
Eine kleine Informationssammlung über den vorliegenden Artikel hinaus würde ich schon gerne vornehmen, dachte ich mir. Prompt stieß ich auf den folgenden Text:
"Leuchtende Augen am Instrument"


Auch Erwachsene werden unterrichtet, offensichtlich sind die angebotenen Dienstleistungen sehr begehrt. "Spaß im Vordergrund", "gediegenes Laienniveau", "leuchtende Augen" - das klingt eigentlich nicht nach angsterfüllten Kinderseelen, die grimmigen osteuropäischen Klaviergouvernanten mit permanent schlechter Laune schutzlos ausgeliefert sind. @hasenbein fragt nach kreativ-künstlerischen Inhalten. Bitteschön, eine selbst geschriebene Kinderoper steht kurz vor der Premiere und die ganze Schule ist dabei.

Tja, und nun? Die Schule ist vom Rheinland weit genug weg, um sie nicht von innen zu kennen. Vermutlich kennen die allermeisten Clavio-Mitglieder den Unterricht nicht aus der Nähe. Von wem stammen die Negativzitate? Von externen Lehrkräften konkurrierender Bildungseinrichtungen? Von ehemaligen Schülern jener Sorte, die die Schuld an unbefriedigenden Erfahrungen grundsätzlich nur bei anderen suchen? Oder von Leuten, die andernorts bessere Erfahrungen gemacht haben und dort regelrecht aufgeblüht sind?

Bitte nicht falsch verstehen - Pressetexte werden vielfach mit bestimmten Erwartungshaltungen formuliert und veröffentlicht. Realitäten eins zu eins abzubilden vermögen vermutlich die wenigsten Dokumente. Was darf man also glauben und was nicht?

LG von Rheinkultur
 
Eine Kommilitonin von mir hatte bei solch einer Lehrerin als Kind und Jugendliche Unterricht. Sie spielt toll, aber hat einen psychischen Schaden davongetragen, von dem sie nicht so leicht los kommt. Ihr ist das alles bewusst, trotzdem sitzt das tief. Tja.
Mit dieser Konstellation befinden wir uns allerdings schon im Profibereich, in dem die Protagonisten ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Mehr Druck geht kaum: Künstlerisches Scheitern bedroht die (nicht nur wirtschaftliche) Existenz. Wie soll sich gelassenes künstlerisches Reifen und eine nachhaltige Persönlichkeitsbildung in einem permanent von Angst geprägten Klima vollziehen können?

Vergleichbares Szenario aus dem Hochschulalltag: Mehrere Jahre lang war ich fest einer Klasse als Klavierbegleiter und Korrepetitor zugeordnet, deren Leiter in einem Rundfunksinfonieorchester und als Hochschullehrer anderwärts tätig war. Ein renommierter Neue-Musik-Spezialist, für den ich auch als Komponist ein Solostück schreiben durfte. Geradezu tausendprozentig leistungsorientiert zugleich als Lehrkraft, der seine Studenten eisenhart anzupacken pflegte - leider im Übermaß. Ein hochgradiger Choleriker, dessen Unterricht an schlechten Tagen eine ununterbrochene Kette an Jähzornsanfällen war. Studierende waren gehalten, so häufig wie möglich dem Unterricht als Zuhörer beizuwohnen, in Gegenwart anderer (gewissermaßen öffentlich) niedergebrüllt und als wertloser Mensch und lebensunwerter Versager bezeichnet zu werden war alltäglich. Resultat? Viele Absolventen seiner Klasse sind extrem versierte Könner in instrumentaler Hinsicht geworden, Anstellungen in Orchestern beispielsweise erlangten davon aber nur wenige - und auch sonst haben viele keine Karriere gemacht, die dem immensen Leistungsdruck der Ausbildungsjahre Rechnung getragen hätte. Erfolg hatten andere, die gar nicht künstlerisch und musikfachlich überlegen waren, aber doch weniger Zerstörungsattacken auf ihre Persönlichkeit hinnehmen mussten.

Wichtig bleibt festzuhalten: einen extrem strengen und gnadenlos leistungsorientierten Unterricht überstehen vermutlich nur diejenigen Menschen, denen Kompensation an anderer Stelle zuteil wird, beginnend mit der liebenden Annahme durch Eltern, deren Liebe nicht an Bedingungen, Vorleistungen, erfüllte Erwartungen und dergleichen geknüpft ist. Sollte bereits das frühkindliche Urvertrauen Schaden genommen haben, stellt methodisch fragwürdiger Musikunterricht eine wirkungsvolle Möglichkeit dar, weitere Traumatisierungen und Retraumatisierungen auf den künftigen Lebensweg mitzunehmen. Vermutlich holen Stilblütes Kommilitonin diese Lebenserfahrungen heute im Erwachsenenalter wieder ein.

LG von Rheinkultur
 
Nun sei nicht gleich so devot!
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