Workshop: Schumanns Melodie - Analyse

Ludwig

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Vorbemerkungen, erste Gedanken:

Ich werde meine Aufnahme später posten, ich bin grad ein wenig im Stress :-)

Aber mal meine grobe Analyse (Achtung, ich habe mir das ganze Stück noch nicht angeschaut, da ich ohne Anregung den musikalischen Gedanken weiterführen will):

(Recherche)
Das vorliegende Stück ist Teil des Werks "Album für die Jugend", op. 68, und trägt den Titel "Melodie". Komponist war dabei Robert Schumann (1810-1856).
Es handelt sich beim "Album für die Jugend" um Charakterstücke, von denen ein Teil zunächst als Geburtstagsgeschenk für Schumanns Tochter Marie komponiert wurde, das aber während deren Entstehung in die Idee mündete, eine Sammlung für Kinder geeigneter Stücke zu erstellen.

Die fantasievollen Titel ("Wilder Reiter", "Soldatenmarsch", "Fröhlicher Landmann", ...) des Zyklus' erlauben dabei ein Hineinversetzen in eine Momentaufnahme kindlicher Erlebnisse, die als Musikstück umgesetzt wurde.
Damals wie heute sind die Stücke aus dem "Album für die Jugend" sehr populär und werden in den ersten Anfängerjahren häufig im Klavierunterricht verwendet.

(meine ersten Gedanken zu den ersten 4 Takten)
Das Stück "Melodie", op. 68/1, steht im 4/4 Takt in der Tonart C-Dur.
Die ersten 4 Takten wirken - verbunden mit dem Titel "Melodie" (eines Gesangsstücks vielleicht?) - wie der Beginn einer mehrteiligen Liedform, dessen Motiv auf der Dominante endet und dann wiederholt wird.
Die Begleitung besteht dabei fast durchgängig gebrochenen Akkorden in Achtelnoten, die zum Teil mit Durchgangsnoten versehen sind (Bsp. Takt 1 und Takt 2).
Takt 4: Halbschluss auf der Domiante mit Ausweichung über den Septakkord der Doppeldominante (D-Dur).
 
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Ludwig

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Also...Ludwig hat die ersten vier Takte schon grob analysiert. Nun kann jeder versuchen, das nachzuvollziehen oder zu ergänzen. Falls es allen klar ist, geht es weiter mit den nächsten vier Takten. Mit der Analyse werdet ihr schnell durch sein bei diesem Stück und dann können schon die Einspielungen folgen...
Hier noch der Versuch, den Aufbau genauer zu erläutern (ich weiß nicht ob das hier Sinn macht :girl:)

T1: Motiv A auf der Tonika mit Sekund und quartdurchgang sowie großer Septime
T2: Motiv B beginnend auf der Subdominante mit Sexte und Quinte, kurzer Wechsel zur Dominante und Rückkehr zur Tonika auf der schweren zählzeit der 2. Takthälfte mit ein paar hübschen Durchgängen.
T3: freie Sequenz des Motiv A in C Dur, diesmal beginnend als Sextakkord, wieder mit Quart und Sekunddurchgang.
T4: große überraschung - drittes Motiv zur Schlussführung. Ausweichung über den Septakkord der doppeldominante zur Dominante mit Schluss auf den grundton, der einen umgekehrten Quintfall zur Tonika bei der Wiederholung ermöglicht.

Diese vier Takte bilden zusammen das erste Modell des Stücks.

Hoffe da sind jetzt nicht zu viele Fehler :-D
 
Peter

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Meine ersten Gedanken:

Ich habe mir nie Gedanken um diese kleine Melodie gemacht, aber wenn man sich erst mal Gedanken macht, ist es faszinierend.
Für mich ist das Stück voll von "Halbschlüssen". Vom ersten Takt an wird selbst in der Tonika Spannung aufgebaut, die immer wieder in der Dominante aufgelöst wird. Natürlich nicht so richtig, es will ja weiter gehen. Eine "richtige" Auflösung in die Tonika tauch nur zwei mal auf: Takt 12 und Takt 20. Ansonsten schwebt die gesamte Melodie mehr oder weniger durch Dominanten und Doppeldominaten hindurch.

Takt 4 ist besonders:
Die Wiederholung des Themas / den Sprung zu Takt 1 finde ich an dieser Stelle sogar störend. Auf mich wirkt Takt 4 wie eine Modulation nach G-Dur, die in Takt 5 schlüssig fortgesetzt wird.
Takt 5 und 6 ist nun Dominante von G-Dur (also D-Dur), die aber nicht aufgelöst wird. In Takt 7 und 8 wird wieder nach C-Dur moduliert und in Takt 8 wirkt für mich das erste mal G-Dur wirklich als Dominate, die nach C-Dur drängt.
 
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violetta

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Puhhh, das ist mir ein bisschen zu hoch. Mal zum ersten Takt. :konfus:

T1: Motiv A auf der Tonika mit Sekund und quartdurchgang sowie großer Septime
Tonika versteh ich ja noch, aber was meinst du mit „Tonika mit Sekund“? (ich mein, ich seh schon Sekunden aber keine in Verbindung mit der Tonika :konfus: )
Was meinst du mit „quartdurchgang“ und welche Stelle betitelst du mit „großer Septime“?

Kannst du das bitte näher erklären? Vielleicht versteh ich ja dann auch die anderen Takte.

Ich glaub ich habe keine Ahnung wie so etwas geht….:dizzy::cry:

Danke
 
Peter

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Bechsteinfan
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Willkommen im Club. :-D Ich schreib´s mit eigenen Worten.

Was mir gerade auffällt:
Spielt man nur Takt 1 und Takt 12, hat man das gesamte Thema erfasst. Alles was dazwischen ist, ist wie die Suche nach dem Ziel. Takt 12 ist die Antwort auf Takt 1, die Takte dazwischen der Weg dorthin.
 
Wil

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@violetta: Ist zwar nur geraten, zu T1:
  • Der Quartdurchgang sind rechts die Viertel von e bis h, eine Sekundenabfolge in eine Richtung (hier von oben nach unten), die insgesamt einen Abstand von einer Quarte umfasst.
  • Oder, wenn das totaler Topfen ist: Betrachtet man links und rechts zusammen als Akkord, dann hab ich C-Dur mit einem "übrigen" f, d und h. Dieses h wird wohl die Septime sein. Und die Sekund das d.
 
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Wil

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Und nur mal so grundsätzlich: Schaut man da immer einen ganzen Takt an, legt gedanklich alle Noten nach Möglichkeit in Terzen übereinander und schaut, was das dann für eine Harmonie ergibt, oder wie?
 
Troubadix

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Der Quartdurchgang sind rechts die Viertel von e bis h, .
Nein, das ist nicht gemeint. Tonika ist C-Dur. Die akkordeigenen Töne sind also c-e-g. Durchgansnoten verbinden diese Töne miteinander auf den unbetonten Zählzeiten. Eine unbetonte Zählzeiten im 4/4tel Takt wäre die 2. Was findet man dort?

Viele Grüße!
 
Peter

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Bleiben wir mal bei Takt eins:
Das letzte Viertel verstehe ich so gar nicht.
Schlüssig wäre hier für mich statt C-E (linke Hand) D-G. Klingt für mich besser und logischer (der Lauf G F E wird durch D und nicht durch C weiter geführt).
C-E und rechts das H klingt für mich schief und falsch. Ich würde brennend gerne den Grund erfahren.
 

Wil

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Bleiben wir mal bei Takt eins:
Das letzte Viertel verstehe ich so gar nicht.
Schlüssig wäre hier für mich statt C-E (linke Hand) D-G. Klingt für mich besser und logischer (der Lauf G F E wird durch D und nicht durch C weiter geführt).
C-E und rechts das H klingt für mich schief und falsch. Ich würde brennend gerne den Grund erfahren.
Oh Gott, ich glaub, das was du lieber machen würdest, ist ein Dominantseptakkord... Mann, ich hab so keine Ahnung...
 
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Wil

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Bei der Septe sehe ich das gleich. Die würde eigentlich auch zum C in Takt 2 hindrängen. Die Sept ist sehr spannungsvoll. Da löst sich das in der Tonika auf, nur nicht so richtig, weil ja dann gleich wieder das g kommt.

(Ich rate ungehemmt vor mich hin und vertraue auf die Korrektoren!)
 
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bamse

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Mmm, ich habe wohl echt großen Theoriebedarf...:cry2: Habe es mir gerade noch mal angeschaut, verstehen tue ich von euren Sachen nur Bahnhof.
Ich fange für mich mal gaaanz von vorne an, und suche zuerst Dominante, Subdominante und Tonika heraus. Und danach lese ich noch mal eure Analysen hier durch. Vielleicht verstehe ich es dann.
 
Troubadix

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Bei der Septe sehe ich das gleich. Die würde eigentlich auch zum C in Takt 2 hindrängen.
Tut sie nicht zwingend. Das wäre dann so, wenn das h als Leitton zu tragen käme, z.B. beim Dominantsepakkord, also bei g-h-d-f würde die Dur-Terz h zum c streben und aufgelöst werden. Wenn man einen Septakkord mit großer Septime auf der Tonika hat ist es legitim, per Quintfall aufzulösen und das h nach a gehen zu lassen, wenn es sich um eine melodisch absteigende Sequenz (e-d-c-h-a) handelt.

vgl. Arnold Schönberg: „Leittoneigenschaft in melodischer Hinsicht hat der siebente Ton nur in der steigenden Durskala. In der fallenden geht das h ruhig nach a, sonst wäre beispielsweise die Auflösung des 7-Akkords der I. Stufe unmöglich."
 
violetta

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Auf dem zweiten Viertel? Schau dir das noch mal an.
OK, falsch geschaut. Zweites Viertel f und e, also keine Septime. Die ist beim dritten Viertel. Leider weiß ich immer noch nicht was damit gemeint ist „Tonika mit Sekund“?

Dieser erste Takt beginnt links mit einen gebrochenen C Akkord, wobei das f beim zweiten Viertel nicht zu einen C-Akkord gehört, somit wären wir bei deiner Frage "Schau dir mal das zweite Viertel an." :-)
Da seh ich aber keine Tonika, dafür aber Sekunden links und rechts :-D
Die Septime seh ich dann im dritten viertel, aber warum ist das erwähnenswert?

Mir gefällt übrigens deine Weise Fragen zu beantworten, ich weiß ja nicht ob das Absicht ist von dir, aber das hat was von "ich helfe dir, es selbst herauszufinden";-)

lg Violetta
 
Peter

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suche zuerst Dominante, Subdominante und Tonika heraus
Da geht´s ja schon los. :-D
Es kommt ja auch darauf an, wie man das Ganze deutet.
Für mich wechselt Tonika und Dominante schon im ersten Takt auf jedes Viertel ab, wobei mich hier das vierte Viertel immer noch stört. Die Erklärung von @Wil stellt mich nicht zufrieden. Erstes Viertel Takt zwei ist für mich ein D-Moll oder ein F-Dur, auf jeden Fall die Subdominante oder deren Parallele. Ein entsprechender Übergang (wenn überhaupt nötig) wäre für mich z.B. ein C7 (also B statt H). Das klingt sogar halbwegs ok.

Laienhaft würde ich sagen, das vierte Viertel ist einfach sch... komponiert, aber das traue ich Schuhmann nicht zu. :-D Nur verstehen tu ich es halt gar nicht.
 
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