Wiedereinstieg; wie vorgehen und Gehör schulen

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JackyJoker

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Liebe clavios,
ich habe endlich wieder ein Klavier!
Und jetzt wird wieder gespielt.
Nachdem ich durch das Querlesen schon viel wertvollen Input mitnehmen konnte, hoffe ich, dass ihr noch weitere Tipps und Ideen auf Lager habt, an die ich selbst nicht gedacht hätte.

Ich hole ein bisschen aus, damit mein Problem, bzw meine Klavierhistorie verstanden werden kann.
Ich habe noch vor der Einschulung mit dem Klavierspiel begonnen und hatte vier Jahre lang eine sehr fordernde KL. Mein damaliges Klavier war von Anfang an verstimmt (Plattenriss), so dass die ursprüngliche Idee, mir das Klavierspielen nach Gehör beizubringen, irgendwann scheitern musste: Ich erkannte ja zu Hause die Stücke gar nicht wieder und meiner Konzentration waren in den jungen Jahren auch Grenzen gesetzt. Nach ca. einem Jahr (oder waren es schon zwei?) und dem ersten Chopin-Walzer (h-moll, op 69) dann: Noten lernen! Zuvor hatte ich zwar Noten vor der Nase, wusste aber gar nicht, welche es zur Auswahl gibt (r, f g, h, b, a, d, f, i, ...) und habe mir alles auswendig gemerkt und nur ein bisschen versucht, das Notenbild auf das, was meine Finger der Lehrerin nachahmten, umzumünzen. Also alles nochmal von vorne. Bei Null.
Nach den vier Jahren hatte ich an der Schule Unterricht, insgesamt ca. 8 Jahre bei ca. 4 verschiedenen KLn. Es war zwar spannend, immer mal wieder andere Stücke zu spielen, insgesamt konnte ich mich aber nicht mehr bedeutend steigern; die Pubertät, die Faulheit, die Resignation der Lehrer und mir. Freude hat es aber eigentlich schon immer bereitet und ich wurde ein guter Vom-Blatt-Spieler, wurschtelte ich mich doch immer erst in der Klavierstunde durch das Stück.
Wenn ich dann mal geübt hatte, stellte sich gegen Ende im Unterricht oft das Gefühl ein, falsch zu spielen; tatsächlich war einfach mein Klavier zu Hause dermaßen verstimmt. Manchmal war ich auch regelrecht enttäuscht, weil ich ein Stück auf meinem Klavier ganz gut fand - auf dem gestimmten Klavier gefiel es mir dann nicht mehr.

Mein jetziges Klavier ist nun ganz frisch bei mir und war auch vor dem Umzug nicht gestimmt. Beim ersten Probespielen beim Vorbesitzer konnte ich ein paar einzelne Tasten als ziemlich verstimmt erkennen, das gespielte Stück hörte sich an der Stelle überhaupt nicht so an, wie es soll; außerdem sehr klirrend/surrend im Klang. Nach dem Umzug spielte ein Freund eine C-Dur Tonleiter und meinte nur: "Ganz schon verstimmt."
Ich hörte zwar etwas klirrende Töne und mir gefiel das sonst Gespielte insgesamt nicht - inwiefern der Ton aber nicht stimmt: Keine Ahnung. Zu hoch? Zu tief? (Zu tief laut Stimmer.) Was stimmt an der Tonleiter nicht? Für mich ist es eine Tonleiter.
Am Tag nach dem Umzug zog ich das Klavier etwas weiter von der Wand weg und es klang deutlich schöner in meinen Ohren, vielleicht hatte es sich über Nacht auch ein wenig beruhigt?
Die paar Tasten, die ich zuvor direkt als sehr verstimmt hörte, fügten sich nach der heutigen Session nun schon fast in die Melodien ein. Es ist ein bisschen so als würde ich einfach adaptieren. Das Gespielte als richtig anerkennen. Ich höre die Töne richtiger als sie sind?
In vier Wochen werde ich zumindest wissen, wie sich das Klavier gestimmt anhört. Sollte ich besser bis dahin die Finger davon lassen?
Wie kann man in diesem Fall vorgehen? Ist es zu spät für mein Gehör?
Habt ihr Tipps, z.B. auch Apps, womit man das Gehör schulen kann?



Außerdem haben sich in den knapp 15 Jahren des Fast-Nicht-Spielens einige Neuigkeiten aufgetan: ich kann sämtliche Stücke im Internet abrufen (so habe ich auch den oben genannten Chopin-Walzer wieder gefunden), kann mich problemlos aufnehmen und mein Spiel also auch objektiver korrigieren.

Heute habe ich sämtliche alte Klavier-Sonatinen angespielt und vor allem die Stücke, die ich vor der Pubertät gespielt habe, liefen erstaunlich gut; bis auf die Läufe natürlich - aber so im Großen und Ganzen wussten die Finger auch nach dieser langen Zeit noch, wohin sie müssen.
Das Notenlesen geht nicht so gut/nicht so schnell, gerade im Bass. Aber wofür hat man Zählen gelernt...

Meine Idee war nun: einfache Stücke von früher zu spielen, mich dann Schwierigeren von früher zu widmen und dann nach und nach neue Stücke dazuzunehmen. Mit den alten Stücken war ich heute schon über eine Stunde beschäftigt, es hat riesigen Spaß gemacht. Jetzt bin ich nur gerade ob der Möglichkeiten ein wenig ratlos, wie ich meinen Wiedereinstieg angehen soll. Tonleitern, Kadenzen, Hanon, Fingerkraft, mit geschlossenen Augen?
Denn ich will Neues lernen und gleichzeitig das Alte auffrischen - da kann ich zu Beginn immer beides mit ein und dem selben Stück abdecken ;) Auch den Lernprozess an sich finde ich total spannend.

Einen Klavierlehrer werde ich mir aus verschiedenen Gründen erst ab dem Frühjahr nehmen.

So, das war jetzt wirklich lang.
Wie sollte man in meinem Fall vorgehen?
Jackie

Weil ich es so nett fand heute: An Stellen, an denen ich früher weeeiit greifen musste - Oktave z.B., habe ich heute immer darüber hinaus gegriffen; da ist meine Hand wohl noch etwas gewachsen seit dem letzten Mal... :)
 
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Barratt

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Verstimmte Instrumente scheinen sich ja wie eine rote Saite durch Dein musikalisches Leben zu ziehen. :denken:
Stell ich mir frustrierend vor, wenn der audiomotorische Regelkreis immer wieder daran gehindert wird, ein solcher zu werden!

Spiel doch bis zum Stimmtermin einfach die alten Sachen durch. Vermutlich erinnerst Du Dich ja daran, wie sie klingen bzw. klingen sollen, und machst Deine Finger schon mal etwas geschmeidiger. Ein verstimmter Lauf ist für die Finger gleichwohl ein Lauf. Vier Wochen kriegste damit rum, ohne Schaden zu nehmen.
 
Peter

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Bechsteinfan
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Habt ihr Tipps, z.B. auch Apps, womit man das Gehör schulen kann?
Es gibt brauchbare Apps dafür. Wühl Dich mal durch das Internet. Hier ist z.B. eine App für Intervalle. Auch in seinen Workshops gibt Kauker gute Tipps für Gehörbildung mit Verweis auf entsprechende Programme.

Ansonsten ist es sicher sinnvoll, gute Aufnahmen von den Stücken, die Du selber spielst, oft zu hören.
 
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JackyJoker

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Danke euch für die Hinweise. Ich werde den Tipp mit dem Hören der guten Aufnahmen beherzigen.

@Barratt: Naja, eigentlich war es ja nur ein verstimmtes Klavier. Mein erstes eben. Meine Familie wusste nicht so recht über die Folgen Bescheid und dann ziehen eben schnell ein paar Jahre durchs Land, in denen man nicht stimmen lässt oder ein neues kauft. Später hätte ich auch in der Schule üben können, aber das war es mir wohl damals einfach nicht wert.
Mein neues Klavier ist ja tiptop - bald ;)

Mich ärgert es nur so, dass ich das nicht höre. Wobei mir heute Nacht noch klar wurde, dass "verstimmt" nicht bedeutet, dass auf der Tonleiter dann zweimal hintereinander der Toneindruck "a" kommt (z.B.), sondern der verstimmte Ton ja kein anderer, mir bekannter, definierter Ton ist, sondern eben nur nicht der Ton, der es sein sollte.
Wenn ich die Aufnahmen mit meinem jetzigen Klavier vergleiche, sind - neben Tempo, Ausdruck, etc..höhö - schon Unterschiede für mich hörbar. Bei der Aufnahme klingt eben jeder Ton klar und rein und abgegrenzter. War es das schon? Sollte ich mehr hören?
Vielleicht sehe ich mein Gehör einfach als sehr wohlwollend an: Ich erkenne die "Idee" und akzeptiere die Abweichung?

Wie hört ihr denn einen verstimmten Ton? Ist er einfach unpassend? Schräg? Klirrend? Oder hört ihr sofort: Der ist x Hertz zu tief?
(Meine Geige konnte ich auch nie anständig selbst stimmen.)
 
dilettant

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Wie hört ihr denn einen verstimmten Ton? Ist er einfach unpassend? Schräg? Klirrend?
Ja. Ja. Und ja. Und: Es kommt drauf an:

  • Unreine Chöre: Die meisten Tasten am Klavier schlagen mehrere Saiten gleichzeitig an (zusammen heißen die Chor). Wenn diese nicht zueinander passen, klingt schon der einzelne Ton schräg, metallisch, oder man hört eine Schwebung (eine periodische, leichte Änderung im Klang). Das kann man als klirrend oder schräg empfinden. Es passiert das gleiche, wie wenn Du auf der Geige z. B. auf der A-Saite ein E greifst, aber nicht richtig triffst, und dann die A- und die E-Saite zusammen streichst. Es klingt schief, und Du wirst hoffentlich den vierten Finger etwas korrigieren. Am Klavier muss der Stimmer erkennen, welche der drei Saiten im Chor falsch ist und diese korrigieren.
  • Verstimmte Intervalle: Dann kann es noch sein, dass die Töne im Großen und Ganzen zwar chorrein sind, aber im Verhältnis zu anderen Tönen zu hoch oder zu tief stehen haben. Das führt dazu, dass die Intervalle nicht mehr stimmen. Ein Molldreiklang etwa, den man normalerweise als angenehm empfindet, klingt schrill/jaulend/you name it, wenn ein einzelner Ton geringfügig aus der Reihe tanzt, wenn also das untere Intervall keine saubere kleine Terz und das ober keine saubere große Terz mehr ist. Geige: Wenn die Geige verstimmt ist, klingen die Leersaiten A und E, paarweise gespielt, schräg, weil es eben keine Quinten mehr sind. Dann wirst Du im einfachsten Fall die E-Saite korrigieren, bis es passt. Dazu ist es nicht zwingend nötig, die A-Saite vorher auf 440 Hz zu stimmen, es ist nur wichtig, dass die E-Saite zum A passt (d.h. die Frequenzen sich wie 2 zu 3 verhalten).
  • Komplett abgesackte Stimmung: Wenn alle Töne abgesackt sind, aber die Intervalle noch stimmen, wirst Du das normalerweise nicht hören. Es fällt erst auf, wenn Du mit anderen Instrumenten spielst oder zur CD klimperst. Sonst kannst Du normal spielen. Bei der Geige: Auch wenn Du das A seit Jahren nicht überprüft hast, wirst Du die Geige in sich stimmen können. Erst wenn ein zweiter Geiger oder ein Klavier dazukommen, fällt auf, dass das nicht passt.
Oder hört ihr sofort: Der ist x Hertz zu tief?
Keine Ahnung, wie genau so ein absolutes Gehör ist, wenn man es denn hat. Aber eine geringe Verstimmung, so vermute ich, wird auch jemand mit absolutem Gehör nicht unbedingt direkt heraushören.
 
hasenbein

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Jackyjoker, eine Sache stößt mir an der Story echt total auf:

Es hat sich niemand von Deinen ganzen KL mal um die Thematik gekümmert, auf was für einem Klavier Du zu Hause übst und in welchem Zustand es ist?

Und Du hast nicht ein einziges Mal einem/einer KL erzählt, dass Euer Klavier verstimmt ist?

Da ist ja wohl dann EINIGES kräftigst danebengegangen!

Es gehört zur Pflicht jedes KL, mit dem Schüler und ggf. den Eltern regelmäßig über den Zustand des häuslichen Klavieres zu kommunizieren. Andernfalls ist das sozusagen ein bedeutender Kunstfehler!

Bei mir läuft das heutzutage so, dass ich die Schüler von Zeit zu Zeit mal zu Hause Aufnahmen anfertigen lasse; so kann ich, ohne dass ich die besuchen muss (selten kommt auch das mal vor), entsprechende Appelle an die Eltern richten.
 
dilettant

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Hasi, das ist toll, aber ich fürchte, es ist nicht Standard. Kinder aus nichtmusizierenden Elternhäusern haben es sowieso schwer mit Toys'R'us-Keyboard, mit "mach nich so laut", mit nervenden Geschwistern, usw. usf.

Was mich allerdings beim TE auch wundert - offenbar hat er neben dem Klavier auch Geige gespielt, das Klavier über einen längeren Zeitraum traktiert. Das hat ja vermutlich auch alles Geld gekostet. Also es gibt sicher ignorantere Elternhäuser als seines.
 
Rheinkultur

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Jackyjoker, eine Sache stößt mir an der Story echt total auf:

Es hat sich niemand von Deinen ganzen KL mal um die Thematik gekümmert, auf was für einem Klavier Du zu Hause übst und in welchem Zustand es ist?

Und Du hast nicht ein einziges Mal einem/einer KL erzählt, dass Euer Klavier verstimmt ist?

Da ist ja wohl dann EINIGES kräftigst danebengegangen!
Das Handwerkszeug muss natürlich gewissen Mindeststandards genügen, völlig richtig. Leider kann man sich an Unzulänglichkeiten mit der Zeit gewöhnen, da die Wahrnehmung irgendwann abstumpft vor der Realität, es nun mal nicht mehr anders zu kennen. Das ist wie mit dem Wohnen in lauter Umgebung: Eines Tages registriert der Betroffene den Dauerkrach gar nicht mehr - und wenn keine Besucher vorbeikommen, die auf diese Tatsache hinweisen, verschwindet der Leidensdruck, der einen zu Veränderungen zwingt. Auch das Gehör kann soweit abstumpfen, dass ein präzises akustisches Wahrnehmen nicht mehr gegeben ist. Dieses ist aber Grundvoraussetzung für künstlerisches Arbeiten.

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Was mich allerdings beim TE auch wundert - offenbar hat er neben dem Klavier auch Geige gespielt, das Klavier über einen längeren Zeitraum traktiert.
Umso schlimmer: Gerade bei den Streichinstrumenten bereiten intonatorische Mängel spätestens beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten fast schon körperliche Schmerzen. Beim Erlernen des Violinspiels sind die elementaren Voraussetzungen darauf ausgerichtet, eine tonliche Mindestqualität zu erlangen, alles andere ist akustische Körperverletzung der eigenen und fremden Umgebung. Auf einen ordentlich gestimmten Klavier bleibt einem wenigstens die Quälerei durch Intonationsmängel erspart - Abweichungen von weniger als einem Halbton gibt es da nicht.

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hasenbein

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Das Handwerkszeug muss natürlich gewissen Mindeststandards genügen, völlig richtig. Leider kann man sich an Unzulänglichkeiten mit der Zeit gewöhnen, da die Wahrnehmung irgendwann abstumpft vor der Realität, es nun mal nicht mehr anders zu kennen. Das ist wie mit dem Wohnen in lauter Umgebung: Eines Tages registriert der Betroffene den Dauerkrach gar nicht mehr - und wenn keine Besucher vorbeikommen, die auf diese Tatsache hinweisen, verschwindet der Leidensdruck, der einen zu Veränderungen zwingt. Auch das Gehör kann soweit abstumpfen, dass ein präzises akustisches Wahrnehmen nicht mehr gegeben ist. Dieses ist aber Grundvoraussetzung für künstlerisches Arbeiten.
Ist ja alles richtig - aber Du redest jetzt nur vom Schüler, nicht vom Lehrer.
Der Lehrer hat die Pflicht, sich auch um diese Dinge in irgendeiner Weise zu kümmern!
Das bedeutet ja schließlich nicht mal groß Mehrarbeit, sondern alle paar Monate oder so fragt man mal nach bzw. läßt den Schüler mal eine Aufnahme machen (was ja sowieso zwischendurch mal eine sehr gute Sache ist, ganz unabhängig von der Klavierstimmungsangelegenheit).
Und genau dieser Pflicht sind die KL des Threaderstellers nicht nachgekommen, das scheint denen alles scheißegal gewesen zu sein.
 
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JackyJoker

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Vielen Dank für die Ausführungen bzgl der verstimmten Töne! Das hilft mir wirklich sehr weiter.

Ihr Lieben, da sprecht ihr sicher die richtigen Punkte an: die Weichen, die eben nicht gestellt wurden.

Ich wollte hier eigentlich keinen Seelenstriptease hinlegen, aber nachdem es gerade für die Klavierlehrer unter euch sicherlich interessant ist und für kommende Schüler sensibilisiert, führe ich euch gerne eine Erklärung an - behalte mir aber die Löschung/Bearbeitung des Folgenden vor.

-gelöscht-

Nunja.. insgesamt bin ich aber ganz wohlgeraten und möchte dennoch nichts von meiner Biographie missen, wenn ich andernfalls heute nicht so wäre, wie ich es bin ;-)
Und heute freue ich mich sehr auf das Lernen und Üben und das Wiederentdecken des Klavierspiels. Für mich öffnen sich völlig neue Methoden der Reflexion und der Lernprozess an sich wird ganz anders wahrgenommen. Ich könnte im Moment vermutlich 3-4 Stunden spielen pro Tag - den Nachbarn zuliebe werde ich mich aber um eine sanfte Eingewöhnungsphase bemühen. Und möglichst nur Stücke, die noch einigermaßen gelingen, spielen. :)

Jacky
 
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Der Lehrer hat die Pflicht, sich auch um diese Dinge in irgendeiner Weise zu kümmern!
Das bedeutet ja schließlich nicht mal groß Mehrarbeit, sondern alle paar Monate oder so fragt man mal nach bzw. läßt den Schüler mal eine Aufnahme machen (was ja sowieso zwischendurch mal eine sehr gute Sache ist, ganz unabhängig von der Klavierstimmungsangelegenheit).
Sollte also der Schüler eine Aufnahme seines häuslichen Spiels zur Begutachtung an den KL liefern?

Arbeiten Klavierlehrer mit diesem Mittel?

ich würde das generell mal eine gute Idee finden. Die Vorspielsituation am Instrument und im Reich des KL lässt das eigene Spiel meistens (zumindest bei mir) merklich schlechter werden.

Da hilft dann die Standardaussage nichts mehr, dass es daheim eigentlich ganz gut geklappt hat und das gleiche Stück gibt es wieder eine Woche oder zwei länger zum üben.
 
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JackyJoker

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Interessanterweise haben wir damals ja nur das Klavier der Lehrerin aufgenommen, damit ich daheim nachspielen kann. Ist mir gerade ein Rätsel, dass wir das nicht andersrum auch mal gemacht haben.:denken:
Tatsächlich gibt es auch noch irgendwo Aufnahmen von meinem Spiel, die waren aber nicht für die Lehrerin gedacht.
 
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Ist ja alles richtig - aber Du redest jetzt nur vom Schüler, nicht vom Lehrer.
Der Lehrer hat die Pflicht, sich auch um diese Dinge in irgendeiner Weise zu kümmern!
Auch das ist richtig - solange der Schüler aber keine außerhalb des Unterrichts angefertigte Aufnahme mitbringt, ist die Lehrkraft auf die Richtigkeit der Schüleraussage angewiesen und wird erst bei offensichtlichen Unrichtigkeiten nachhaken. So weit muss es aber nicht kommen. Im Gegensatz zu "unseren" Ausbildungszeiten ist heute technisches Equipment zum Aufnehmen in Privathaushalten problemlos verfügbar, so dass sich die Lehrkraft auch nicht mehr abwimmeln lassen braucht. Es hat sich zwar vielerorts die Devise verbreitet, solange sich niemand beschwere, sei alles in Ordnung. Freilich wird die Lehrkraft nicht für Bequemlichkeit bezahlt, sondern für professionelle Musikvermittlung, zu der das Achten auf eine angemessene Ausstattung mit intakten Arbeitsmaterialien gehört. Zu diesen gehört ein ordnungsgemäß gestimmtes und gewartetes Übungsinstrument. Alles andere beeinträchtigt das Lernen und Musizieren nur unnötig.

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Sollte also der Schüler eine Aufnahme seines häuslichen Spiels zur Begutachtung an den KL liefern?

Arbeiten Klavierlehrer mit diesem Mittel?

ich würde das generell mal eine gute Idee finden.
Sicherlich spricht hasenbein aus der Perspektive des Jazzklavier-Lehrers - da spielen improvisatorische Elemente eine entscheidende Rolle und diese sind idealerweise auf Mitschnitten und Aufnahmen festzuhalten, die natürlich aufmerksam gehört werden wollen, da es nun mal einen präzise ausnotierten Notentext nicht geben kann. Aber auch im "klassischen" Fach spricht nichts gegen die Berücksichtigung von Aufnahmen, beispielsweise in Form von Konzertmitschnitten und deren Auswertung. Eine kompetente Lehrkraft wird das richtige Verhältnis zwischen dem eigenen Spiel am Instrument und der Beschäftigung mit Aufnahmen finden können und müssen.

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Leider beobachte ich, dass die gewöhnlichen "Klassik"-Lehrer (ich spreche nicht von den Ausnahmen!) sowieso mit sehr wenig Mitteln arbeiten.

Da ist halt das Klavier, ein Haufen Noten, ein Metronom, das war's.

Z.B. wird auch nie mal zusammen mit dem Schüler eine Aufnahme angehört (z.B. von einem berühmten Pianisten oder mehreren im Vergleich, oder von einem Orchesterwerk, um eine klangliche Sache zu illustrieren oder was weiß ich). Die haben meist nicht mal eine Anlage im Unterrichtszimmer, so was ist denen in der Regel ganz egal. Da kommen die Noten aufs Pult bzw. die Übung wird aufgerufen, und los geht's.

Da ist natürlich klar, dass in deren Kosmos auch nicht vorkommt, mal vom Schüler eine häusliche Aufnahme abzufordern.

Routinepädagogik nach dem Motto: Früher ging's auch ohne, also warum sollte ich so was jetzt machen?
 
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Leider beobachte ich, dass die gewöhnlichen "Klassik"-Lehrer (ich spreche nicht von den Ausnahmen!) sowieso mit sehr wenig Mitteln arbeiten.

Da ist halt das Klavier, ein Haufen Noten, ein Metronom, das war's.

Z.B. wird auch nie mal zusammen mit dem Schüler eine Aufnahme angehört (z.B. von einem berühmten Pianisten oder mehreren im Vergleich, oder von einem Orchesterwerk, um eine klangliche Sache zu illustrieren oder was weiß ich). Die haben meist nicht mal eine Anlage im Unterrichtszimmer, so was ist denen in der Regel ganz egal. Da kommen die Noten aufs Pult bzw. die Übung wird aufgerufen, und los geht's.

Da ist natürlich klar, dass in deren Kosmos auch nicht vorkommt, mal vom Schüler eine häusliche Aufnahme abzufordern.

Routinepädagogik nach dem Motto: Früher ging's auch ohne, also warum sollte ich so was jetzt machen?
Da ist wohl was Wahres dran. Ein Metronom hat meine KL Gott sei Dank gar nicht. Ansonsten beschränkt es sich mit Noten auf dem Klavier und gelegentlich wird mit dem Bleistift oder den Händen auf dem Klavier der Rhythmus vorgeklopft und natürlich das zu übende Stück vorgespielt - leider oft viel zu schnell, ich muss dann immer darum bitten das Ganze nochmals langsam vorzuspielen.

Ungemein hilfreich ist es dann zu Hause und in Ruhe das zu übende Stück wiederholt am Computer anzuhören. Ist im Auto auf dem Weg zur Arbeit auch gut geeignet.

Schade, dass wohl die etwas ältere Generation der KL den Bezug zu den modernen Methoden der Computertechnik etwas verloren zu haben scheint, was ich aber nicht verallgemeinern will.

Der KL meines Kleinen, der Jazzlehrer ist, holt praktisch während jeder Stunde das iPad raus und lässt seine Schüler irgendwelche Noten Spielchen machen.

Aber früher ging es ja auch ohne alles und auch nur mit alten, vergilbten Noten, die schon Generationen von Klavierschülern in den Fingern gehabt haben müssen.
 
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Routinepädagogik nach dem Motto: Früher ging's auch ohne, also warum sollte ich so was jetzt machen?
Der von mir erlebte eigene Klavierunterricht fand vor etwa 30-40 Jahren statt - und schon damals in der (multi)medialen "Steinzeit" habe ich so eine unambitionierte Musikvermittlung im Schmalspurformat glücklicherweise nicht miterlebt. Das Hören und Analysieren von ausgewählten Aufnahmen war ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts. Heute sind überall handliche Apparaturen für diese Inhalte einsetzbar und es gibt überhaupt kein plausibles Argument dafür, einfach gänzlich darauf zu verzichten.

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Schade, dass wohl die etwas ältere Generation der KL den Bezug zu den modernen Methoden der Computertechnik etwas verloren zu haben scheint, was ich aber nicht verallgemeinern will.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Meine musiktheoretischen Kenntnisse verdanke ich in nicht geringem Umfang einem Hochschullehrer, der auch im kirchen- und schulmusikalischen Umfeld aktiv war. Nach dem Eintritt in den Ruhestand legte er sich einen PC zu und ist an selbigem mit beinahe neunzig Lebensjahren fit und versiert tätig. Als ich noch meine Kompositionen und Arrangements mit der Hand schrieb, erledigte er diese Tätigkeiten längst am Rechner. Von wegen alt, hinterwäldlerisch und nicht mehr bereit dazuzulernen - und er ist damit längst nicht allein auf weiter Flur...!

Aber früher ging es ja auch ohne alles und auch nur mit alten, vergilbten Noten, die schon Generationen von Klavierschülern in den Fingern gehabt haben müssen.
Die Literatur und die Notenblätter, auf denen selbige gedruckt ist, mögen zeitlos sein. Aber bei der Vermittlung und bei Unterrichtsmethodik und -didaktik sollte man schon mit der Zeit gehen und stets über Neuerscheinungen hinlänglich informiert sein. Alles andere ist Sparen am falschen Ende.

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Ausnahmen bestätigen die Regel: Meine musiktheoretischen Kenntnisse verdanke ich in nicht geringem Umfang einem Hochschullehrer, der auch im kirchen- und schulmusikalischen Umfeld aktiv war. Nach dem Eintritt in den Ruhestand legte er sich einen PC zu und ist an selbigem mit beinahe neunzig Lebensjahren fit und versiert tätig. Als ich noch meine Kompositionen und Arrangements mit der Hand schrieb, erledigte er diese Tätigkeiten längst am Rechner. Von wegen alt, hinterwäldlerisch und nicht mehr bereit dazuzulernen - und er ist damit längst nicht allein auf weiter Flur...!
D`accord. Ich wollte nicht die ältere Generation in Misskredit bringen - drum habe ich im Nebensatz auch darauf hingewiesen.

Dabei fällt mir auf, dass ich gar nicht weiss wie alt meine KL ist? So alt ist sie ja jetzt wirklich nicht - aber fragen nach dem Alter schickt sich wohl nicht besonders bei einem Schüler/Lehrer Verhältnis.
Frauen können da ja bisweilen recht komisch reagieren....:angst:
 
 

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