Anmerkung zum Tonleiterüben!
Seit Jahrhunderten üben fast alle Instrumentalisten auf fast allen Instrumenten Tonleitern. Das spricht schon für eine gewisse Sinnhaftigkeit!
Bei Instrumenten mit nicht fixierter Tonhöhe (z. B. Streicher) ist es ein gutes Mittel für sauberes Intonieren.
Aber auch auf den Clavierinstrumenten gibt es gute Gründe TL zu üben.
- Sie sind ein Modell für Passagen im Allgemeinen und man kann damit in unterschiedlichster Weise herumspielen um Dynamik, Artikulation, Metrik, ... kontrolliert (sozusagen unter Laborbedingungen) zu üben.
- Man kann die Grundpositionen der Hand (in aller Regel sind die Positionen bei TL-Spiel bequem) und die individuelle Anpassung der Handposition an die Klaviatur an einfachen Grundmustern erlernen
- Man lernt den Tonvorrat jeder Tonart praktisch grifftechnisch gut kennen.
- Untersatz und Übersatz sind nicht so einfach und können hier im Grundsatz erlernt werden.
- Die Tatsache, dass TL (zunächst nur Dur und Moll) 7 verschiedene Töne haben bringt wechselnde Betonungen in jeder Oktave mit sich: in 4er Gruppen wandert der betonte Ton stufenweise nach oben, in 3er Gruppen nach unten.
- TL kommen in vielen Werken (Klassik!) vor und sind dann schon vorbereitet.
- Auch für erste einfache Improvisationen bilden TL (sowohl als nutzbares Material als auch durch die praktische Kenntnis des Tonvorrats einer Tonart) eine (nicht DIE!) Grundlage.
Das setzt aber voraus, dass TL
- grundsätzlich ohne Noten geübt und erlernt werden!
- grundsätzlich metrisch gestaltet werden (also nicht in gleichmäßigen 7er Gruppen abgestoppelt werden)
- kontrolliert und eher langsam, in vielen Varianten und bewusst geübt werden.
- nicht zu früh und keinesfalls ausschließlich geübt werden.
- Das automatisierte TL Spiel (4 Oktaven unisono rauf und runter) nicht stattfindet.
- Überhaupt unisono in beiden Händen eher selten geübt wird (und viel später!)
- TL von jedem Anfangston aus gespielt werden (also As-Dur beginnend mit es)
- TL als Spiel betreiben, auch Erwachsene können spielen, es wird sowieso zu häufig vergessen, dass man 'Klavier spielt' und nicht 'Klavier arbeitet'.
Soviel für jetzt! Über sinnhaftes TL Spiel im Klavierunterricht müsste mal jemand ein Büchlein schreiben, auch um all den perversen Auswüchsen, die sich um dieses Thema ranken zu widersprechen!
Ein Kapitel müsste sich dann mit dem Mythos der "gleichmäßigen Tonleiter" befassen! Gleichmäßige TL sind so ziemlich das Letzte, was erlernt werden muss. Wir brauchen in aller Regel TL (und Passagen) die durch Akzente, Dynamik, Agogik und Artikulation musikalisch gegliedert und gestaltet sind. Wie abartig gleichmäßige TL klingen zeigen uns computergenerierte Aufnahmen. Das sollte man nicht nachahmen!